Wie die Politik vor der Pharmalobby einknickt

„Wie die Politik vor der Pharmalobby einknickt“, so lautet die Überschrift eines Beitrags der ARD: Lebensgefährliche Engpässe bei Arzneimitteln (br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/lieferengpaesse-medikamente-report-102.html).

Worum geht es hier? Antwort: Um Chemotherapeutika, die aus unerfindlichen Gründen nicht geliefert werden.

Es ist schon mehr als verwunderlich. Da werden in der Onkologie seit Jahrzehnten eine ganze Reihe von Zytostatika als „Durchbrüche“ und „Sieg gegen Krebs“ gefeiert.

Wenn das alles stimmt, dann muss man sich fragen, warum die Pharmaindustrie nicht in der Lage ist, diese „Durchbrüche“ zu liefern? Was ist los?

Bevor wir uns aber zu sehr auf das Lob der Chemotherapie einlassen, hier ein paar weniger erfreuliche Gedanken zu diesen Substanzen und der Krebstherapie allgemeinen:

Jetzt kommt eine angeblich neue, aber letztendlich gar nicht so neue „Dimension“ ins Spiel: „Liefer-Engpässe“ von einem Zytostatikum, das sich „Alkeran“ nennt. Der generische Name der Substanz lautet „Melphalan“. Sie wird hauptsächlich beim multiplen Myelom und Ovarialkarzinomen eingesetzt, kommt aber auch bei anderen Krebsformen zum Einsatz. Sie wird als Monotherapie, aber oft auch in Kombination mit anderen Zytostatika eingesetzt. Die Nebenwirkungen sind die typischen Nebenwirkungen für Zytostatika. Dazu gehört auch, dass die Substanz selbst Krebs erzeugen kann. Das übrigens Chemotherapeutika das überhaupt gerne machen, beschreibe ich im Beitrag: Wenn Krebsmittel Krebs erzeugen.

Jetzt kommt die Hiobsbotschaft, dass Alkeran nicht mehr erhältlich ist: „Liefer-Engpass“, so die Begründung. Damit sind eine Reihe von Kliniken nicht in der Lage, ihre Patienten so zu behandeln, wie sie es für richtig halten.

Die Firma, die das Medikament in Deutschland vertreibt, ist die Firma Aspen-Pharma, eine südafrikanische Vertreiberfirma für pharmazeutische Produkte, die wiederum ihren „Stoff“ von einer in Italien beheimateten Firma bezieht.

Und diese italienische Firma hat zur Zeit die Produktion eingestellt – angeblich. Aspen behauptet, dass der Grund für den Produktionsstop in Problemen bei der Herstellung der Substanz liege. Der Beitrag der ARD vermutet jedoch einen ganz anderen Grund, der nicht neu und nicht unwahrscheinlich ist: Finanzielles Kalkül.

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Firmen wollen lieber teure Medikamente verkaufen als solche, wo der Patentschutz abgelaufen ist und deshalb unter Preisdruck geraten sind. Daher ist die Gewinnspanne bei Alkeran, bei dem der Patentschutz ebenfalls abgelaufen ist, alles andere als interessant für diese Firmen. Das gilt nicht nur für die Herstellerfirma, sondern auch für den Lieferanten Aspen. Der „Gesundheitsexperte“ der SPD, Kurt Lauterbach, bezeichnet das gängige Muster dahinter als „Geldschneiderei“.

Um diesen Missstand zu bereinigen, kommt jetzt, was kommen muss: Forderungen, die den wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie gegenläufig sind. Da fordern die Ärztevertreter von der Politik so etwas wie „Verpflichtung zur Bevorratung dieser Medikamente“ seitens der Hersteller, und: Strafen, falls das nicht erfolgt und Lieferengpässe erneut auftreten. Außerdem sollen die Strafen so empfindlich sein, dass die Pharmafirmen sich an diese Maßnahmen halten. Denn, so argumentieren die Ärztevertreter, dass es hier schließlich um die „Gesundheit der Menschen“ gehe. Zu dieser Aussage möchte ich an dieser Stelle lieber nichts sagen. Dazu habe ich in den Beiträgen (Links siehe oben), bereits mehrfach Stellung genommen.

Nachdem man also einen eklatanten Lieferengpass für dieses angeblich so wichtige Medikament in Kauf nehmen muss, sollten doch die Gesundheitspolitiker auf den Plan treten und die „Gesundheit der Menschen“ zu schützen versuchen.

Aber das Bundesgesundheitsministerium belässt es bei einem „freiwilligen Melderegister“, in dem solche Engpässe von den Herstellern und Vertreibern zur Anzeige gebracht werden können. Das ist geradezu phänomenal! Anzeigen zu Engpässen statt Maßnahmen, die diese vermeiden! Und das auch noch auf freiwilliger Basis. Das heißt mit anderen Worten, dass Engpässe auch erfolgen und eben nicht zur Anzeige gebracht werden. Damit ist das ganze Melderegister nichts als ein bundesgesundheitsamtliches Feigenblatt und zu nichts nutze.

Aber auch vergangene Engpässe, die zudem aufzeigen, dass diese Engpässe keine Ausnahmefälle zu sein scheinen, sind für die Verantwortlichen in der Politik kein Anlass, hier „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Wie es aussieht, will man der Industrie nicht unnötig auf die Füße treten, schon gar nicht wegen dieser paar Menschenleben, die da angeblich am seidenen Faden hängen.

Fazit

Ob diese Engpässe wirklich mit lebensbedrohlichen Konsequenzen verbunden sind, kann und will ich nicht beurteilen. Aber die Tatsache, dass die gesamte „Schulmedizin“ dies glaubt, aber trotzdem nichts gegen diese „lebensbedrohlichen“ Engpässe unternimmt, zeigt den Charakter dieser ganzen Veranstaltung.

Es zeigt auch, dass wir keinen Grund haben, die Verantwortung für unsere Gesundheit in die Hände dieser „Experten“ von Schulmedizin und Gesundheitspolitik zu legen. Denn die haben anscheinend ganz andere Prioritäten als unsere Gesundheit.

Und wer möchte (oder das alles nicht wirklich glaubt), darf sich dann gerne einmal das hier „reinziehen“: Das Pharmakartell – Wie wir Patienten belogen werden.

Datum: Mittwoch, 18. Mai 2016
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Ein Kommentar

  1. 1

    […] Oder wie in der Medizin: Wie die Politik vor der Pharmalobby einknickt. […]

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