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Update 2025: Fluorchinolone stehen erneut unter Sicherheitsdruck. Die britische MHRA hat im Juni 2025 eine neue Sicherheitsbewertung veröffentlicht. Eine große deutsche Kohortenstudie in BMC Medicine liefert zusätzliche Real-World-Daten zu schweren Ereignissen nach Fluorchinolon-Verordnung. Damit ist das Thema mal wieder aktueller denn je!

Beginnen wir mit der Frage:

Was sind eigentlich Fluorchinolone?

Fluorchinolone sind Antibiotika, die eine Untergruppe der Chinolone bilden. Wie Letztere gehören die Fluorchinolone zu den Gyrasehemmern. Die Vertreter der neueren Generation sind zudem in der Lage, auch andere bakterielle Enzymsysteme nachteilig zu beeinflussen, wie zum Beispiel die Topoisomerase IV.

Bakterien und andere Prokaryoten besitzen ein Enzym, die Gyrase, dessen Aufgabe es ist, die DNA eines Bakteriums so zu spiralisieren, dass sie in den Zellraum des Bakteriums passt. Ohne diese Spiralisierung würde der Raum zu eng werden und die DNA könnte bei Vermehrungsprozessen nicht korrekt abgelesen werden.

Wenn eine DNA-Informationen abgerufen werden soll, muss das Molekül an dem betreffenden Genlocus entspiralisiert werden. Auch das ist die Aufgabe des Enzyms, dass die entwundenen Bereiche nach erfolgter Transkription der DNA in RNA wieder aufrollt. Mit der Hemmung der Gyrase wird also genau dieser Mechanismus genutzt, um eine Vermehrung der Bakterien zu verhindern.

Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie hat die Fluorchinolone in vier Gruppen eingeteilt:

  • Orale Fluorchinolone gegen Harnwegsinfekte
  • Systemisch eingesetzte Fluorchinolone mit erweiterter Indikationsbreite
  • Fluorchinolone mit verbesserter Wirkung gegen grampositive und atypische Erreger
  • Wie zuvor, plus Wirksamkeit gegen Anaerobier

Die wichtigsten Vertreter aufgelistet nach Gruppenzugehörigkeit sind:

  • Gruppe 1: Enoxacin, Norfloxacin
  • Gruppe 2: Ciprofloxacin, Ofloxacin
  • Gruppe 3: Levofloxacin
  • Gruppe 4: Moxifloxacin

Wie alle Medikamente haben die Fluorchinolone Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel stehen.

Aber wie es aussieht, haben die Fluorchinolone derart schwere Nebenwirkungen, die selbst für Antibiotika untypisch sind. Dazu gehören lebenslange Schädigungen des Organismus und sogar das vorzeitige Ableben der betroffenen Patienten.

Damit würden sie sich bestenfalls für die Behandlung von Infektionen eignen, die auf andere Antibiotika nicht mehr ansprechen oder Infektionen von besonders ernster Natur. Statt dessen jedoch werden sie verteilt, wie die Kamellen im Kölner Karneval.

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Wirkmechanismus der Fluorchinolone: Tod der körpereigenen Zellkraftwerke

Im August 2018 erschien eine finnische Studie über den Wirkmechanismus, der die zahlreichen Nebenwirkungen der Fluorchinolone hervorruft. Die Forscher gingen von der Überlegung, dass die Mitochondrien all unserer Zellen den Bakterien grundsätzlich sehr ähnlich sind.

Diese kleinen „Zellkraftwerke“ waren einst Mikroben, die von höheren Zellen einverleibt und zu ihren Symbionten wurden. Deswegen tragen wir die ehemaligen Bakterien immer noch in unseren Zellen, als unentbehrliche kleine Helfer unseres Stoffwechsels. Bemerkenswert ist nun die Tatsache, dass Mitochondrien aus diesem Grund eine den Bakterien sehr ähnliche DNA (mtDNA) haben. Das Erbmolekül liegt bei ihnen ebenfalls in einer spiralisierten Form vor. Deshalb brauchen Mitochondrien auch Enzyme, die die DNA zur Nutzung entspiralisert.

Diese Topoisomerase II ist der Gyrase der Bakterien fast identisch. Und sie wird durch Fluorchinolole ebenso blockiert wie das Enzym der unerwünschten Eindringlinge. Die geschädigten Zellorganellen können ihrer „Wirtszelle“ nicht mehr genug Energie liefern, wodurch sie nachhaltig geschwächt wird. Besonders die Zellteilung und die Zell-Differenzierung sind stark behindert. Die Wissenschaftler kultivierten Mauszellen, die mit den Fluorchinololen Ciprofloxacin und Doxorubicin behandelt wurden.

Anschließend extrahierten die Forscher die mtDNA. Daneben ermittelten sie die Aktivität der Topoisomerase in vitro. Mit beiden Techniken konnte eine Blockade des mitochondrialen Enzyms nachgewiesen werden. Die untersuchten Antibioitika stören demnach die Zell-Physiologie ganz erheblich. Schwere Nebenwirkungen sind also kein Wunder…

Fluorchinolone – gegen Bakterien und Patient?

Die Fluorchinolone haben als integralen „Baustein“ ein Fluoratom in ihrer molekularen Struktur. Fluor ist ein bekanntes Nervengift. Außerdem dringen Substanzen mit angeheftetem Fluor leichter und schneller in das Gewebe ein. Dazu kommt noch, dass die Fluorchinolone in der Lage sind, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, eine Eigenschaft, die nicht jedem Antibiotikum zukommt. Dies ist der Grund, warum gerade die Fluorchinolone wesentlich häufiger Schäden im zentralen Nervensystem bewirken als andere Antibiotika.

Es gibt inzwischen eine recht lange Liste von Fluorchinolonen, die genau deswegen schon wieder vom Markt verschwunden sind: Fleroxacin, Gatifloxacin, Grepafloxacin, Pefloxacin, Sparfloxacin, Temafloxacin, Trovafloxacin und noch ein paar weitere.

Trovafloxacin zum Beispiel ist ein Produkt der Firma Pfizer. Die Firma testete 1996 das Antibiotikum in Nigeria an 200 Kindern. Das Mittel wurde hier erstmals an Menschen erprobt. In der Folge starben 5 Kinder und weitere erlitten dauerhafte Schädigungen. Zudem war das Studiendesign so ausgelegt, dass den erkrankten Kindern als Studienobjekte erwiesenermaßen wirksame Medikamente vorenthalten wurden.

Trotz der alarmierenden Ergebnisse bezüglich der Sicherheit und Verträglichkeit der Substanz, wurde sie 1998 zugelassen und in der Folge das am meisten verkaufte Präparat der Firma. Einige Jahre später zeigte sich dann, dass das Antibiotikum schwere Leberschäden verursacht, die häufig einen tödlichen Ausgang nahmen.

Die Fluorchinolone, die heute noch auf dem Markt sind, müssen in der USA einen separaten Warnhinweis (black box warning) auf dem Etikett führen, der die schwersten Nebenwirkungen noch einmal besonders deutlich hervorhebt. Eine der führenden Nebenwirkungen ist der Abriss von Sehnen beziehungsweise dessen erhöhtes Risiko unter einer Therapie mit Fluorchinolonen vom Faktor drei bis vier.

Aber dabei soll es nicht bleiben.

Die lange Liste der Nebenwirkungen

Die Liste der Nebenwirkungen ist richtig lang und liest sich wie das „Who is who“ der Unverträglichkeiten:

  • Ablösung der Retina und daraus resultierende Erblindung
  • Akutes Nierenversagen
  • Bewusstseinseintrübung, nachlassende kognitive Fähigkeiten
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Psychotische Reaktionen
  • Schmerzhafte Ausschläge
  • Phototoxie
  • Übelkeit und Durchfälle
  • Hörprobleme
  • Störungen der körpereigenen Blutzuckerregulation
  • Neuropathien

Im Jahr 2001 dokumentierte Dr. Jay Cohen in einer Studie die folgenden Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit (Peripheral neuropathy associated with fluoroquinolones.):

  • Beeinträchtigungen des Nervensystems erfolgte bei 91 Prozent der Patienten, die über Schmerzen, Kribbeln, Taubheit, Schwindel, Übelkeit, Mattheit, Kopfschmerzen, Unruhe, Gedächtnisverlust, Psychosen und so weiter klagten.
  • Muskuloskelettale Symptome bei 73 Prozent der Patienten, wie Sehnenabrisse, Sehnenentzündungen, Gelenkschwellungen und so weiter.
  • Beeinträchtigungen der Wahrnehmung bei 42 Prozent, wie Tinnitus (Ohrenklingeln), Veränderungen des Hörens, Riechens und Schmeckens.
  • Kardiovaskuläre Symptome bei 36 Prozent der Patienten, wie Tachykardien (überhöhte Pulsfrequenz), Kurzatmigkeit, Brustschmerz, Herzklopfen.
  • Hautreaktionen bei 29 Prozent, wie Ausschläge, Erbrechen, Durchfälle, Bauchschmerzen.

Schon alleine die große Anzahl an unterschiedlichen Nebenwirkungen und deren jeweilige hohe Häufigkeit stellt bei dieser Antibiotika-Gruppe die Nutzen-Schaden-Relation in Frage. Bei einfachen Infektionen diese Substanz-Gruppe zum Einsatz zu bringen, das hört sich für mich so an, als ob man Russisches Roulett spielen wollte.

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Das Roulett-Spiel geht weiter…

Der prophylaktische Einsatz von Antibiotika beziehungsweise der Einsatz auch bei leichten Infektionen und die Rückstände von Antibiotika im Fleisch von Zuchttieren werden als die Hauptgründe für die Entwicklung von Resistenzen bezeichnet. Besonders üble Vertreter und somit besonders gefürchtet sind der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und das resistente Clostridium difficile (C. diff), welches unter Umständen lebensbedrohliche Durchfälle verursacht. Wenn Sie Lust haben lesen Sie auch den Abschnitt in meinem Artikel: Wie man sich einen Horrorkeim züchtet

Eine Arbeit aus dem Jahr 2007 (Clostridium difficile: changing epidemiology und new treatment options.) bezeichnet Cephalosporine, Clindamycin und Fluorchinolone als „Hochrisiko-Antibiotika“ für die Entwicklung von C. diff und MRSA Infektionen. Ein zuvor seltener Stamm von C. diff, der ein schweres Krankheitsbild erzeugt mit erhöhten Konzentrationen an Toxinen, wurde in der Folge epidemisch.

Grund dafür war der Einsatz von Fluorchinolonen (The challenges posed by reemerging Clostridium difficile infection.). Eine Arbeit aus Kanada kommt zu genau den gleichen Ergebnissen (Emergence of Fluoroquinolones as the Predominant Risk Factor for Clostridium difficile–Associated Diarrhea: A Cohort Study during an Epidemic in Quebec).

Der durchgängige Mechanismus für dieses Phänomen ist der falsche Einsatz der Fluorchinolone. Da sie mit erheblichen Nebenwirkungen ausgestattet sind, sollten sie nur als Mittel der letzten Wahl bei lebensbedrohlichen Infektionen zum Einsatz kommen beziehungsweise bei antibiotikaresistenten Infektionen. Statt dessen jedoch kommen sie fast als „Standardmedikation“ zum Einsatz. Eine Studie aus dem Jahr 2011 ergab, dass 39 Prozent aller Fluorchinolon-Gaben überflüssig waren (Unnecessary use of fluoroquinolone antibiotics in hospitalized patients).

Andere Arbeiten in dieser Richtung sprechen sogar von einem über 80-prozentigen Missbrauch von Fluorchinolonen. In einem Interview mit der „New York Times“ porträtierte der pharmakologische Epidemiologe Mahyar Etminan den Übereinsatz so: „Dies machen faule Ärzte, die versuchen, eine Fliege mit einem Maschinengewehr zu erlegen“.

Als besonders gefährlich gelten die Substanzen für Kinder unter 18 Jahren und Erwachsene über 60 Jahre. Schwangere und stillende Mütter, Patienten mit Lebererkrankungen, Patienten mit Corticosteroiden als Medikation oder auch mit nicht-steroidalen Antirheumatika sollten auf keinen Fall Fluorchinolone einnehmen.

Fazit

Wer ein schulmedizinisches Abenteuer erleben will, der kann sich über die Einnahme von Fluorchinolonen den Kauf eines Revolvers ersparen. Statt dessen beschert ihm die Einnahme ein evidenzbasiertes schulmedizinisches Roulett. Wem das noch zu unbedenklich erscheint, der kann unter Die besten Medikamente zum Krankwerden? noch ein paar Zusatztipps bekommen, wie man erfolgreich und evidenzbasiert seine Gesundheit vor die Säue schmeißt.

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Der Beitrag wurde im April 2013 erstellt und letztmalig am 13.5.2026 mit den Warnungen der britischen MHRA ergänzt.

Bild: 123rf.com – Jupiter8

Wenn ein Nahrungsergänzungsmittel auch nur im Verdacht stünde, jedes Jahr auch nur ein paar Menschen ins Krankenhaus zu bringen, hätten wir Talkshows, Sonderkommissionen und vermutlich auch ziemlich schnell ein Verbot. Bei Medikamenten sieht das aber völlig anders aus. Da heißt es „Arzneimitteltherapiesicherheit“.

Und worum geht es genau?

Das Bundesgesundheitsministerium hatte am 1. April 2026 den neuen Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit 2026 bis 2029 beschlossen. Schon die Überschrift wirkt so, als sei von einem Amtschimmel geboren worden. In diesem Plan / Papier steht eine Zahl, die in jede Nachrichtensendung gehören müsste. Jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen aufgrund von Medikationsfehlern. Das BMG schreibt dazu ausdrücklich: Diese seien potenziell vermeidbar.

250.000 – pro Jahr!

Nicht wegen Globuli oder Kurkuma oder Vitaminen, sondern wegen Fehlern im ganz normalen „Medikamentenbetrieb“.

Und das ist noch nicht alles. Im selben Aktionsplan heißt es: Etwa 3 bis 7 Prozent der Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern sind auf Nebenwirkungen von Arzneimitteln zurückzuführen. Die vom BMG geförderte ADRED Studie fand in vier zentralen Notaufnahmen: Bei 6,5 Prozent der untersuchten Patienten standen die Beschwerden im Zusammenhang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Von diesen Patienten wurden 98 Prozent stationär aufgenommen.

Allein vermeidbare, ambulant erworbene unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursachen laut Aktionsplan in deutschen Notaufnahmen konservativ geschätzt jährliche Kosten von 1,3 Milliarden Euro.

So weit hat uns die Tabletten-Fresserei gebracht.

Nicht, dass das nicht alles „eigentlich“ bekannt wäre – es interessiert nur scheinbar keinen. In den letzten 20 Jahren hatte ich unzählige Beiträge veröffentlicht:

Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Wenn ein Naturheilmittel solche Zahlen produzieren würde, wäre der öffentliche Prozess längst eröffnet. Dann würde man nicht von „Einzelfällen“ sprechen. Dann würde man nicht sagen: „Wir müssen die Prozesse verbessern.“ Dann hieße es: Gefahr für die Bevölkerung!

Bei Medikamenten dagegen bekommt das Ganze einen „digitalen Anstrich“:

Elektronische Patientenakte, Elektronisches Rezept, Elektronischer Medikationsplan, Digitale Medikationsprozesse usw. Das BMG nennt genau diese Punkte als zentrale Bausteine des neuen Aktionsplans. Forschung soll gestärkt werden, der elektronische Medikationsplan soll vollständiger, aktueller und verständlicher werden, und Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte sollen enger zusammenarbeiten. Ach was?

Alles sinnvoll. Nur löst die Digitalisierung nicht das Grundproblem. Ein falscher Medikationsplan wird nicht besser, nur weil er jetzt digital falsch ist.

Das eigentliche Problem liegt aber noch viel tiefer. Es liegt in einer Medizin, die sehr gut darin ist, etwas zu verordnen, aber oft erstaunlich schlecht darin, etwas wieder abzusetzen. Besonders bei älteren Menschen entsteht nicht selten eine Medikamentenbiografie, bei der niemand mehr genau weiß, wann, warum und von wem welches Mittel begonnen wurde. Selbst viele Patienten wissen das oftmals nicht oder nicht mehr.

Der Kardiologe gibt etwas fürs Herz. Der Hausarzt ergänzt etwas für den Blutdruck. Der Orthopäde verordnet Schmerzmittel. Nach dem Klinikaufenthalt bleibt ein Magenschutz übrig. Gegen Schlafstörungen kommt noch etwas dazu. Und irgendwann sitzt ein Mensch mit sechs, acht oder zehn Präparaten am Küchentisch und hofft, dass die Kombination schon irgendwie stimmen wird.

Natürlich sind Medikamente manchmal notwendig. Ein korrekt eingesetztes Arzneimittel kann Leben retten, Schmerzen lindern, Entgleisungen verhindern. Darum geht es mir hier nicht. Es geht um etwas anderes: um die Bequemlichkeit der Dauerverordnung und viel zu wenig Kontrolle. Es geht um Wechselwirkungen und Doppelverordnungen, Dosierungen die für einen 45-jährigen Durchschnittspatienten vielleicht passen, aber nicht mehr für eine 82-jährige Frau mit eingeschränkter Nierenfunktion. Mit genau sowas schlage ich mich in der täglichen Praxis herum…

Die Zahl des BMG zeigt nur das, was ich in der Praxis erlebe: 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr durch Medikationsfehler. Das ist ein Massenphänomen. Und es betrifft vor allem Menschen, die ohnehin verletzlich sind: ältere Patienten, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Menschen mit mehreren Diagnosen und mehreren Ärzten.

Das Deutsche Ärzteblatt fasste den neuen Aktionsplan ebenfalls so zusammen: Dosierungen sollen optimiert und Wechselwirkungen durch ungeeignete Kombinationen verhindert oder schneller erkannt werden. Außerdem soll es um bessere Forschung, elektronische Medikationspläne und Maßnahmen zum sicheren Absetzen von Arzneimitteln gehen.

Das Wort „Absetzen“ ist hier entscheidend. Denn gute Medizin fragt nicht nur: Was können wir noch geben? Gute Medizin fragt auch: Was kann weg?

Diese Frage wird viel zu selten gestellt. Dabei wäre sie oft der Beginn echter Arzneimitteltherapiesicherheit. Nicht als Bürokratiebegriff, sondern ganz praktisch: Braucht dieser Patient dieses Medikament noch? Stimmt die Dosis? Gibt es Wechselwirkungen? Sind Nieren und Leber in der Lage, diese Stoffe sauber zu verarbeiten? Werden Nebenwirkungen vielleicht längst als neue Krankheit fehlgedeutet?

In der Praxis sehe ich das immer wieder: Schwindel, Müdigkeit, Muskelschwäche, Magenprobleme, Verwirrtheit, Stürze, Blutdruckschwankungen. Dann wird nicht selten das nächste Medikament gegen die Nebenwirkung des vorherigen Medikaments verordnet. So entsteht eine pharmakologische Kettenreaktion, bei der am Ende keiner mehr weiß, was Ursache und was Folge ist.

Es ist oftmals zum verzweifeln.

Und jetzt kommt der praktische Teil.

Jeder Mensch, der mehrere Medikamente nimmt, sollte seine Liste regelmäßig prüfen lassen, sondern sehr gründlich. Mit allen Präparaten auf dem Tisch. Auch mit den frei gekauften Mitteln: Schmerzmittel, Schlafmittel, Säureblocker, pflanzliche Präparate, Vitamine, Mineralstoffe. Alles gehört dazu.

Wichtige Fragen wären:

  • Brauche ich dieses Medikament noch?
  • Welche Wechselwirkungen gibt es?
  • Passt die Dosis zu Alter, Gewicht, Nierenwerten und Leberwerten?
  • Gibt es Beschwerden, die Nebenwirkungen sein könnten?
  • Kann etwas reduziert oder ausgeschlichen werden?
  • Und vor allem: Wer behält den Überblick?

Einer der größten Skandale in unserem „Gesundheitswesen“ (was für ein Witz dieser Name!) steht oft im Badezimmerschrank. Zwischen Blutdrucktabletten, Magenschutz, Schmerzmitteln, Schlafmitteln und alten Verordnungen, die nie jemand beendet hat.

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Antivirale Medikamente gelten als scharfe Waffe gegen Influenza und Covid. Sie sollen Hospitalisierungen verhindern, Leben retten, Pandemien kontrollierbar machen. Milliarden wurden investiert, Leitlinien formuliert, Vorräte angelegt.

Doch was bleibt, wenn man die Rhetorik abzieht und nur die Studiendaten betrachtet?

Die nüchterne Bilanz ist ernüchternd: Verkürzung der Symptomdauer um weniger als einen Tag. Keine belastbaren Belege für eine Senkung der Mortalität. Kaum Einfluss auf Hospitalisierungen. Dafür dokumentierte Nebenwirkungen – von gastrointestinalen Beschwerden bis zu neurologischen und psychiatrischen Störungen.

Und das sind keine Außenseitermeinungen. Es sind systematische Übersichtsarbeiten, Metaanalysen, publiziert in anerkannten Fachzeitschriften. Selbst kritische Arzneimittel-Informationsdienste bestätigen: Die Evidenz ist schwach. Teilweise erstaunlich dünn.

Warum also werden diese Präparate weiterhin offensiv beworben? Weshalb finden sie Eingang in Leitlinien? Und warum scheint die entscheidende klinische Frage – retten sie tatsächlich Leben – bis heute nicht überzeugend beantwortet?

Es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Ich hatte seinerzeit einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit der Wirksamkeit und Sicherheit von Paxlovid beschäftigt hatte. [1]

Paxlovid ist ein Kombinationspräparat von gleich zwei antiviralen Substanzen gegen Covid-19. Das muss ja dann wirken, oder?

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In Sachen Nebenwirkungen ist das Präparat enorm effektiv. Gegen das böse Virus jedoch taten sich die beiden antiviralen Helden schwer. Es wurde sogar von Resistenzentwicklungen geredet. Aber auch ohne die Resistenzentwicklung gab es nichts Tolles zu berichten. Pfizer, der Hersteller des Präparats, hatte Juni 2020 eine groß angelegte Paxlovid-Studie abbrechen müssen, weil es keine Schutzwirkung des Präparats gegen Tod und Hospitalisierung zeigen konnte.

Ein weiterer Kandidat gegen Viren und ausgeprägter Wirkungslosigkeit ist Tamiflu gegen Influenzaviren. [2] [3]

Die ausgesprochen gute Wirksamkeit von Tamiflu, so stellt sich heraus, wurde nur in manipulierten, von Roche, dem Hersteller, bezahlten Studien gesehen. In der Praxis zeigte sich ein eher trauriges Bild: Tamiflu ist nicht besser als Placebo.

Das war vor 6 und mehr Jahren. Wie sieht es heute aus? Hat man seitens der Hersteller etwas dazu gelernt? Gibt es inzwischen bessere antivirale Präparate?

Heute wie damals

Das „Arznei-Telegramm“ bekam im Dezember 2025 eine Anfrage zu Tamiflu. Und die war sehr interessant. Die Redaktion vom „Arznei-Telegramm“ wurde gefragt, ob die inzwischen zurückhaltende Bewertung von Tamiflu immer noch aktuell sei. Denn in der Praxis habe sich gezeigt, dass das Medikament wieder kräftig vom Hersteller beworben würde. Sogar auf Fortbildungen würde es propagiert, selbstverständlich ohne Erwähnung der beträchtlichen Nebenwirkungen. Der Frager bat um eine aktualisierte Datenlage zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Das „Arznei-Telegramm“ antwortete, dass die alten Daten in der Tat kein gutes Bild ergeben hatten. Daten aus dem Jahr 2014 zeigten, dass Tamiflu und Relenza (Zanamivir) nur die Symtomdauer um 0,75 Tage verkürzen konnten. Belege für eine Reduktion von Komplikationen der Influenza gab es nicht. Aber das war ja damals. Und heute?

Die Situation für heute wird sofort im nächsten Satz erläutert:

„In den letzten Jahren sind mehrere systematische Übersichten zum Thema publiziert worden, die die Datenlage aktualisieren – und im Wesentlichen die schwache Evidenz bestätigen.“

Und jetzt geht die Party richtig los!

Eine kanadische Arbeit von 2024 untersuchte die Wirksamkeit von Tamiflu auf die Hospitalisierung von Patienten mit einer Influenza-Infektion. [4]

Resultat:

„In dieser systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse an ambulanten Patienten mit Influenza war Oseltamivir nicht mit einem reduzierten Hospitalisierungsrisiko, sondern mit vermehrten gastrointestinalen Nebenwirkungen verbunden.“

Eine Metaanalyse, die 2025 den Nutzen verschiedener Virusstatika untersuchte, kam zu sehr ähnlichen Ergebnissen: [5]

Die Autoren führten eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse durch, die in „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde, um die Wirksamkeit antiviraler Medikamente zur Behandlung von nicht-schwerer Influenza zu bewerten.

Studienziel: Vergleich der Wirkungen direkt wirkender antiviraler Influenzamedikamente (Oseltamivir, Baloxavir, Umifenovir, Zanamivir, Peramivir, Amantadin) mit Placebo oder Standardtherapie bei Patienten mit nicht-schwerer Influenza.

Die Analyse umfasste 73 randomisierte klinische Studien mit 34.332 Teilnehmern.

Hauptergebnisse:

Mortalität und Krankenhauseinweisungen (Patienten mit niedrigem Risiko): Alle antiviralen Medikamente zeigten geringe oder keine Auswirkungen auf Mortalität oder Krankenhauseinweisungen (hohe Evidenzsicherheit).

Krankenhausaufnahme (für Hochrisikopatienten): Oseltamivir zeigte keine signifikante Wirkung (RD: -0,4 %; 95 %-KI: -1,0 bis 0,4). Baloxavir könnte das Risiko verringern (RD: -1,6 %; 95 %-KI: -2,0 bis 0,4; geringe Evidenz).

Symptomdauer: Baloxavir verkürzte die Symptomdauer wahrscheinlich um 1,02 Tage (MD: -1,02; 95 %-KI: -1,41 bis -0,63; moderate Evidenz). Umifenovir könnte die Symptome verkürzt haben (MD: -1,10 Tage; geringe Evidenz). Oseltamivir hatte wahrscheinlich keine wesentliche Wirkung.

Nebenwirkungen und Resistenzentwicklung: Es wurden keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich Nebenwirkungen oder Resistenzentwicklung zwischen den Medikamenten festgestellt.

Diese Studie liefert starke Evidenz dafür, dass Baloxavir das wirksamste antivirale Mittel zur Verkürzung der Symptomdauer bei nicht schwerer Influenza ist, insbesondere bei Hochrisikopatienten, während andere antivirale Mittel nur einen begrenzten klinischen Nutzen zeigen.

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Die gleichen Autoren hatten bereits in 2024 eine ähnliche Arbeit abgeliefert, diesmal bei schwerer Influenza. Hatten die Medikamente wenigstens bei schweren Infektionen so etwas wie eine Wirksamkeit? [6]

Die Schlussfolgerung der Autoren zu ihren Beobachtungen:

„Bei hospitalisierten Patienten mit schwerer Influenza könnten Oseltamivir und Peramivir die Krankenhausverweildauer im Vergleich zur Standardtherapie oder zu Placebo verkürzen, obwohl die Evidenzlage schwach ist. Die Auswirkungen aller antiviralen Medikamente auf die Mortalität und andere wichtige Patientenergebnisse sind aufgrund der wenigen Daten aus randomisierten kontrollierten Studien sehr unsicher.“

Oder mit anderen Worten: Man hatte was sehen können, war sich aber nicht sicher, ob das auf die Medikation oder auf den Zufall zurückzuführen war. Sieht so eindeutige Wirksamkeit aus?

Das „Arznei-Telegramm“ kommentiert die Ergebnisse so:

„Die Datengrundlage für Oseltamivir ist allerdings weiterhin extrem dünn und stammt lediglich aus zwei Studien mit insgesamt 104 hierzu ausgewerteten Teilnehmern. Mortalität und die Notwendigkeit für eine Verlegung auf Intensivstation unterscheiden sich zwischen Oseltamivir und Placebo nicht.“

Noch Fragen?

Nebenwirkungen?

Selbstverständlich kaum und wenn, nicht nennenswert. Wirklich?

Das „Arznei-Telegramm“ spricht in seinem Beitrag von „neurologischen und psychiatrischen Störwirkungen“ wie Halluzinationen, Verwirrtheit und Krampfanfälle vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Diese Beobachtungen wurden schon im Jahr 2005 veröffentlicht. In Japan gab es damals bis zum damaligen Zeitpunkt 12 Todesfälle im Zusammenhang mit Tamiflu-Einnahme. Todesursachen waren unter anderem Herzkreislaufstillstand (4 Berichte), Suizid (1 Bericht) und plötzlicher Tod (4 Berichte). Darüber hinaus wird über 12 schwere Hautschäden bei Kindern, darunter vier Stevens-Johnson-Syndrom, unter Tamiflu berichtet.

Schon damals war klar, dass die klinische Wirksamkeit von Tamiflu bei Kindern und Erwachsenen „begrenzt“ (= Null) ist. Und eine Senkung der Mortalität ist bisher weder für Kinder noch für Risikopatienten anhand von kontrollierten Studien belegt.

Es wurde damals ein Expertengremium gebildet, welches die Vorfälle zu untersuchen hatte. Das „Arznei-Telegramm“ kommentierte, dass dieses Gremium keinen Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Todesfällen sah. Warum wohl? Hierzu die Einschätzung des „Arznei-Telegramm“:

„Die verharmlosenden Bewertungen des Beratergremiums erwecken den Eindruck, als ob im Hinblick auf die Schreckensszenarien einer Vogelgrippe-Pandemie kein Schatten auf den Neuraminidasehemmer fallen dürfe.“

Wie gut, dass es die Vogelgrippe-Pandemie gab. Mit deren Hilfe konnte man ein unwirksames und nebenwirkungsreiches Medikament zu einer unumgänglichen schulmedizinischen Notwendigkeit mutieren lassen. Toll!

Neuere Arbeiten zu diesem Thema erstrecken sich nur auf Fallbeobachtungen, die mal bestätigt, mal nicht bestätigt werden. Eine koreanische Beobachtungsstudie fand mehr neurologische und psychiatrische Nebenwirkungen unter Tamiflu als bei Patienten ohne das Medikament. Andere Arbeiten von 2020 behaupten das Gegenteil. Diese widersprüchlichen Ergebnisse könnten zeigen, dass derartige „Studien“ ähnlich untauglich zu sein scheinen, wie das Medikament (oder Medikamentengruppe), das sie sich vorgeknöpft haben. Aber angesichts der früheren Studienergebnisse scheint man sich nicht mehr zu trauen, eine solide klinische Studie durchzuführen. Vielleicht weil man schon jetzt weiß, dass das Ergebnis nicht verkaufsfördernd sein wird.

Leitlinien ahoi!

Leitlinien und wie sie entstehen, das habe ich in diesem Beitrag erörtert: [7]

Selbstverständlich gibt es auch Leitlinien, die zum Einsatz von z.B. Tamiflu drängen. Laut „Arznei-Telegramm“ gibt es eine solche bei der „Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin“ (Stand 2021), die sich auf eine Metaanalyse stützt, die es „in sich hat“. [8]

Es handelt sich hier ebenfalls um eine Metaanalyse, keine klinische Studie. Aber das Beste kommt noch. Es gibt einen Rattenschwanz an Autoren, von denen die meisten mit irgendeiner Pharmafirma verbandelt sind. Welche?

MSD, Sanofi Pasteur, GlaxoSmithKline, Baxter AG, Solvay, Novartis, Hoffmann-La Roche, AstraZeneca, Baxter AG etc., also mit einigen Herstellern von antiviralen Pillen, unter anderem Tamiflu. Wie glaubwürdig und wie unabhängig sind Ergebnisse und Autoren unter diesen Umständen? Und das wird dann sofort in eine mehr oder weniger verbindliche Leitlinie gefasst, die selbstverständlich „rein medizinische“ Intentionen pflegt und keinen finanziellen Interessen dient.

Ich wusste nicht, dass die Hersteller die Medikamente kostenlos abgeben. Toll!

Fazit

Es hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Antivirale Medikamente haben keine praktische Wirksamkeit, von speziellen Situationen, die sehr selten auftreten abgesehen. Die Mehrzahl der Patienten und gesunden Menschen ist nur einem höheren Risiko für zum Teil erhebliche Nebenwirkungen ausgesetzt.

Neue Studien scheint es nicht zu geben, höchstens Metaanalysen oder Fall- und Beobachtungsstudien, die wissenschaftlich keinen großen Aussagewert haben. Dieser Mangel an neuen Studien, die notwendig wären, da die alten keine guten Ergebnisse eingefahren hatten, scheint darauf begründet zu sein, dass man sich scheut, derartige Studien durchzuführen.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wieder schlechte Ergebnisse in wissenschaftlich relevanter Form zutage treten, dürfte zu hoch sein. So etwas würde Leitlinien und Umsätze gewaltig stören.

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Quellen:

Kaum ein Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen wurde so oft verschrieben – und so kontrovers diskutiert – wie Metoclopramid, kurz MCP.
Für viele Ärzte ist es ein bewährtes Standardmedikament, für andere ein Beispiel dafür, wie schnell Eingriffe in die natürliche Körperregulation Nebenwirkungen nach sich ziehen können.

Doch was steckt hinter diesem Wirkstoff? Warum wurde er zeitweise vom Markt genommen – und warum ist er heute wieder erhältlich, wenn auch in veränderter Form?
Und vor allem: Gibt es natürliche Alternativen, wenn der Körper mit Übelkeit, Erbrechen oder Völlegefühl reagiert?

Was ist Metoclopramid (MCP)?

Metoclopramid ist der Wirkstoff in Arzneimitteln wie Paspertin, Cerucal oder Gastronerton. Es wird seit den 1960er-Jahren eingesetzt, um Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl zu lindern.

MCP ist ein sogenanntes Prokinetikum – es regt also die Bewegung des Magen-Darm-Trakts an – und zugleich ein Antiemetikum, das das Brechzentrum im Gehirn dämpft.
Damit wirkt es sowohl „unten“ (Verdauung) als auch „oben“ (zentral nervös) – eine Kombination, die es in der Medizin beliebt, aber auch riskant machte.

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Warum wurde MCP 2014 eingeschränkt?

2014 sorgte eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für Aufsehen: Zahlreiche MCP-Präparate verloren damals ihre Zulassung – vor allem die Tropfen mit 4–5 mg/ml Wirkstoffkonzentration.

Der Grund war nicht ein grundsätzliches Verbot, sondern eine Neubewertung der Sicherheit. Langjährige oder zu hoch dosierte Einnahmen hatten wiederholt zu neurologischen Nebenwirkungen geführt – insbesondere zu Bewegungsstörungen (extrapyramidalen Symptomen), Muskelzuckungen oder Krämpfen, die teilweise bleibend waren.

Die Behörden reagierten – mit strengeren Grenzwerten:

  • Tropfen dürfen seither höchstens 1 mg/ml enthalten.
  • Tabletten: maximal 10 mg pro Einheit.
  • Rektalzäpfchen: maximal 20 mg.
  • Empfohlene Tageshöchstdosis: 30 mg.
  • Maximale Anwendungsdauer: fünf Tage.

Heute sind MCP-Präparate mit diesen niedrigeren Dosierungen wieder auf dem Markt – und gelten bei kurzfristiger, sachgerechter Anwendung als „sicher“. Klar, das versichert man uns immer.

Wie wirkt MCP im Körper?

Metoclopramid blockiert sogenannte Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn – insbesondere im sogenannten Chemorezeptor-Triggerareal, das auf toxische Reize reagiert und Erbrechen auslöst. Dadurch wird die „Brechreizschwelle“ angehoben: Der Körper reagiert weniger schnell mit Übelkeit.

Gleichzeitig wirkt MCP im Magen-Darm-Trakt:

  • Es verkürzt die Verweildauer des Mageninhalts,
  • fördert die Peristaltik, also die natürliche Bewegung des Darms,
  • und unterstützt den Weitertransport in den Dünndarm.

Pharmakologisch betrachtet also eine interessante Kombination aus „Bremse im Kopf“ und „Gas im Bauch“.

Doch genau hier liegt das Dilemma: Was für den Moment entlastend wirkt, kann die Regulation des Körpers stören, wenn das Signal – in diesem Fall die Übelkeit – eigentlich auf eine Überforderung oder Vergiftung hinweist.

Nebenwirkungen und Risiken

Die meisten Patienten vertragen MCP gut – wenn es kurzfristig und niedrig dosiert eingenommen wird.
Doch der Wirkstoff greift in zentrale Nervensystem-Prozesse ein. Entsprechend sind unerwünschte Effekte möglich, etwa:

  • Müdigkeit, Schwindel, Unruhe
  • Bewegungsstörungen (Dyskinesien) – besonders bei längerer Anwendung
  • Muskelkrämpfe, Zittern oder Grimassieren
  • Erhöhung des Prolaktinspiegels, was zu Brustspannen, Zyklusstörungen oder Libidoverlust führen kann
  • Durchfall oder Kopfschmerzen

Besonders gefährdet sind Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion.
Für Säuglinge und Schwangere ist MCP nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung zugelassen.

Wichtig: Diese Nebenwirkungen traten überwiegend bei Langzeitanwendung oder Überdosierung auf – nicht bei kurzzeitiger Einnahme im Rahmen der heutigen Dosierungsempfehlungen.

Wann kann MCP sinnvoll sein – und wann nicht?

MCP ist für mich kein „böses Medikament“. In akuten Situationen – etwa bei starkem Erbrechen nach Operationen, Chemotherapie oder Migräne – kann es wertvolle Dienste leisten. Auch bei diabetischer Gastroparese, also einer Lähmung der Magenmuskulatur infolge von Diabetes, wird es manchmal kurzfristig eingesetzt.

Doch: Bei unspezifischer Übelkeit, Reizmagen oder leichten Verdauungsbeschwerden sollte es nicht die erste Wahl sein.
Denn Übelkeit ist selten eine Krankheit – sie ist ein Signal des Körpers, dass etwas „nicht stimmt“: eine Überlastung der Leber, ein verdorbener Magen, eine seelische Spannung oder schlicht zu schnelles Essen.

Wer in solchen Situationen sofort zum „Abschalten“ des Symptoms greift, entfernt sich von der Botschaft, die der Körper senden will.

Natürliche Alternativen bei Übelkeit und Erbrechen

In der Naturheilkunde geht es nicht darum, Symptome zu unterdrücken, sondern die körpereigene Regulation zu unterstützen.
Gerade bei Übelkeit und Magenverstimmung gibt es einfache, bewährte Mittel, die Sie selbst anwenden können – sanft, sicher und oft überraschend wirksam.

1. Ingwer – der Klassiker für einen ruhigen Magen

Anwendung: Frisch geschnittener Ingwer (ca. 3–4 Scheiben auf 250 ml heißes Wasser) 10 Minuten ziehen lassen, langsam trinken.
Bei akuter Übelkeit: alle 2–3 Stunden eine kleine Tasse, lauwarm.

Alternative: Ingwerkapseln (250–500 mg Extrakt), 2–3 × täglich.

Wirkung: Ingwer blockiert Botenstoffe, die Übelkeit und Brechreiz auslösen. Besonders hilfreich bei Reisekrankheit, Völlegefühl oder nach zu fettem Essen.
Und: Er wirkt ohne Benommenheit – im Gegensatz zu MCP.

2. Pfefferminze – wenn der Magen „spannt“

Anwendung: 1 TL getrocknete Pfefferminzblätter mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 5–7 Minuten ziehen lassen.
Langsam und in kleinen Schlucken trinken.

Tipp: Bei empfindlichem Magen oder Gallenproblemen besser auf magensaftresistente Kapseln zurückgreifen (z. B. 0,2 ml ätherisches Pfefferminzöl pro Kapsel, 2–3 × täglich).

Wirkung: Beruhigt die Magenmuskulatur, lindert Krämpfe, fördert den Gallefluss – ideal bei Völlegefühl und nervösem Magen.

3. Kamille – die sanfte Entzündungsbremse

Anwendung: 1 EL Kamillenblüten auf 250 ml heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen.
2–3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten.

Zusatz-Tipp: Für den empfindlichen Bauch: feuchtwarmer Kamillenwickel. Dazu ein Baumwolltuch in warmem Kamillentee tränken, auf den Oberbauch legen, Handtuch darüber, 20 Minuten ruhen.

Wirkung: Löst Krämpfe, dämpft Entzündungen, beruhigt Schleimhäute und Nerven – besonders bei „Magen, der auf alles reagiert“.

4. Ordnungstherapie – Ruhe für die „Mitte“

Übelkeit ist oft mehr als ein Magenproblem – sie ist ein Signal des vegetativen Nervensystems.
Alles, was Ordnung schafft, hilft:

Atmen: Langsam durch die Nase ein, doppelt so lang durch den Mund aus – beruhigt den Vagusnerv.

Wärme: Eine Leberauflage (z. B. mit Rizinusöl oder Heublumensäckchen) löst Spannungen und fördert den Gallefluss.

Pause: 20 Minuten hinlegen, Schultern entspannen, nicht gegen die Übelkeit ankämpfen.

Weglassen: Kaffee, Alkohol, Zucker, Nikotin und fettreiche Speisen – sie reizen die Magenschleimhaut zusätzlich.

Oft reicht schon ein Tag mit leichter Kost (Kartoffelbrei, Brühe, geriebener Apfel), um die Verdauung wieder zu stabilisieren.

Wenn MCP unvermeidbar scheint

In manchen Fällen lässt sich eine medikamentöse Behandlung nicht vermeiden. Dann gilt:

  • Verwenden Sie MCP nur kurzfristig (maximal 5 Tage).
  • Nicht kombinieren mit Alkohol, Sedativa oder anderen Dopaminblockern.
  • Langzeiteinnahme vermeiden – sie kann zu bleibenden Bewegungsstörungen führen.
  • Bei chronischer Übelkeit: Ursachen abklären (Leber, Galle, Magen, Psyche).

Und vor allem: Sprechen Sie mit einem Arzt, der bereit ist, Alternativen zu prüfen – und nicht nur Symptome „wegzuschalten“.

Fazit

Übelkeit, Schwindel, Erbrechen – das alles sind keine Zufälle, es sind intelligente Signale / Botschaften ihres Körpers. Diese zeigen, dass der Körper versucht, etwas loszuwerden oder ein Ungleichgewicht zu korrigieren. Die moderne Medizin betrachtet diese Vorgänge oft als „Störung“. In der Naturheilkunde betrachten wir diese  als Selbstheilungsversuch oder einfach nur als „Warnlampe“.

Metoclopramid ist ein Beispiel dafür, wie die moderne Medizin wirkt – und wo sie an Grenzen stößt. Richtig eingesetzt, kann das Mittel helfen. Falsch eingesetzt, kann es schaden. Entscheidend ist das Bewusstsein, warum ein Symptom überhaupt entsteht. Übelkeit ist nicht der Feind. Sie ist ein Signal.
Sie fordert uns auf, innezuhalten, nachzuspüren, zu entlasten – statt zu unterdrücken.

Und manchmal liegt die Lösung nicht in der Apotheke, sondern im Einfachen: in Ruhe, Achtsamkeit, einer heißen Leberauflage, einem klaren Atemzug oder einer Schale Ingwertee.

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Beitragsbild: pixabay.com – padrinan

Dieser Beitrag wurde im April 2014 erstmalig erstellt und am 14.10.2025 komplett überarbeitet, weil sich in der Zwischenzeit einiges zu diesem Mittel getan hat.

Zimt ist nicht nur ein „Kompagnon“ von Zucker, sondern im Gegensatz zum Letzeren auch ein Heilmittel. Was Zimt alles kann, das habe ich hier beschrieben: [1]

Heilmittel Zimt – Eigenschaften, Wirkung und Anwendung
(https://www.naturheilt.com/zimt/)

Und Zimt und Honig sollen sogar in der Lage sein, beim „Abspecken“ gute Dienste zu leisten: [2]

Abnehmen mit Zimt und Honig
(https://www.gesund-heilfasten.de/diaet/blog/abnehmen-mit-zimt-und-honig/)

Vorsicht Zimt?

Jetzt warnt „Everyday Health“, dass Zimt einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten haben könnte. Was genau wird da beeinflusst?

Der Beitrag beginnt mit der Feststellung, dass Zimt unter dem Strich eine gesunde Zutat sein kann. Nur zu hohe Dosen von Zimt können die gesundheitlichen Vorteile des Zimts einschränken. Dazu existiert eine Studie, die dies belegt. [3]

Cinnamon Could Affect Drug Metabolism in the Body | Ole Miss
(https://olemiss.edu/news/2025/4/cinnamon-drug-interactions/index.html)

Hier beobachteten die Autoren, dass ein „Überkonsum“ von Zimt-Nahrungsergänzungen dazu führen kann, dass die Stoffwechselleistung stark erhöht wird und damit zu einem schnelleren Abbau von verschreibungspflichtigen Medikamenten führt. Für die Medikamente bedeutet dies eine stark verringerte Wirksamkeit, da kaum therapeutisch relevante Blutspiegel aufgebaut werden können.

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In ihrer Arbeit fanden die Autoren heraus, dass Zimtaldehyd, eine Verbindung, die für den charakteristischen Geschmack und Geruch von Zimt verantwortlich ist, Rezeptoren im Körper aktiviert, die den Stoffwechsel von Medikamenten beschleunigen und diese möglicherweise ausschwemmen, bevor sie wirken können. [4]

Evaluation of bioaccessibility, metabolic clearance and interaction with xenobiotic receptors (PXR and AhR) of cinnamaldehyde – ScienceDirect
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666566224000443)

Cassia-Zimtrinde aus Südchina birgt laut Khan und ihrem Team ein zusätzliches Risiko. Neben Zimtaldehyd enthält diese Zimtsorte auch einen hohen Cumaringehalt, eine Verbindung, die auch in Bockshornkleesamen vorkommt und gerinnungshemmende Eigenschaften hat, was sie für Menschen, die Blutverdünner einnehmen, gefährlich macht. Cumarin ist außerdem dafür bekannt, in hohen Dosen Leberschäden zu verursachen (Näheres dazu siehe meinen Beitrag oben).

Welche Medikamente sind von den Interaktionen betroffen?

Laut Beobachtungen der Autoren können Zimtpräparate besonders für Menschen bedenklich sein, die Medikamente einnehmen, die über die Leber verarbeitet werden, beispielsweise Medis gegen Diabetes, Blutdruck und Stimmungsstörungen. Daher scheint es empfehlenswert zu sein, bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Arthritis, Asthma, Fettleibigkeit, HIV, AIDS oder Depressionen besonders vorsichtig mit Zimtpräparaten zu sein. [5]

Mechanisms of Herb-Drug Interactions Involving Cinnamon and CYP2A6: Focus on Time-Dependent Inhibition by Cinnamaldehyde and 2-Methoxycinnamaldehyde – PMC
(https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7543486/)

Es hört sich kompliziert an, ist aber deutlich weniger kompliziert. Betroffen von der Wirkung von Zimt, bzw. seinem Aldehyd scheint nur das Cytochrome P450 2A6 zu sein, einem Mitglied der Cytochrome P450 Familie, die für einen großen Teil der Entgiftung zuständig ist und primär in der Leber erfolgt. CYP2A6 wird auch von Phenobarbital und Rifampicin aktiviert, was zu einem schnelleren Abbau von anderen Substanzen führt, die über CYP2A6 metabolisiert werden.

Jetzt warnen die Autoren vor einem „Überkonsum“, ohne dabei zu quantifizieren, wann der beginnt. „Everday Health“ geht davon aus, dass der Einsatz als Gewürz nicht die gleichen Risikofaktoren aufweist wie Zimt-Nahrungsergänzungen. Denn Letztere bringen deutlich höhere Konzentrationen von Wirkstoffen mit sich.

„Genießen Sie Zimt in Ihrer Ernährung, aber seien Sie vorsichtig bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – und sprechen Sie immer mit einem Ernährungsberater oder Arzt, bevor Sie ihn in Ihren Ernährungsplan aufnehmen“, sagt McWhorter, der nicht an der Studie beteiligt war.

Zimt in Kombination mit einer vollwertigen, pflanzlichen Ernährung ist die beste Methode, Zimt zu verwenden, ohne es zu übertreiben. Gemahlener Zimt kann Haferflocken, Backwaren, Apfelmus oder Kaffee hinzugefügt werden. Zimtstangen können Eintöpfen oder Soßen hinzugefügt oder mit Bohnen und Linsen geköchelt werden.

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Quellen:

[1]     Heilmittel Zimt – Eigenschaften, Wirkung und Anwendung
(https://www.naturheilt.com/zimt/)

[2]     Abnehmen mit Zimt und Honig
(https://www.gesund-heilfasten.de/diaet/blog/abnehmen-mit-zimt-und-honig/)

[3]     Cinnamon Could Affect Drug Metabolism in the Body | Ole Miss
(https://olemiss.edu/news/2025/4/cinnamon-drug-interactions/index.html)

[4]     Evaluation of bioaccessibility, metabolic clearance and interaction with xenobiotic receptors (PXR and AhR) of cinnamaldehyde – ScienceDirect
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666566224000443)

[5]     Mechanisms of Herb-Drug Interactions Involving Cinnamon and CYP2A6: Focus on Time-Dependent Inhibition by Cinnamaldehyde and 2-Methoxycinnamaldehyde – PMC
(https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7543486/)

Beitragsbild: 123rf.com – Vladimir-Soldatov

In Deutschland werden jedes Jahr Millionen Packungen Schmerzmittel konsumiert – oft ohne ärztlichen Rat, einfach „so nebenbei“. Was viele nicht wissen: Auch freiverkäufliche Präparate können ernste Nebenwirkungen haben. Und wer regelmäßig zu Tabletten greift, lebt gefährlich – für Magen, Leber, Nieren, Herz und Kreislauf.

Ganz vorne in der Liste der beliebtesten Mittel: Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin und Diclofenac – in Marken wie Spalt, Voltaren, Thomapyrin oder ASS-ratiopharm zu finden.

Die Risiken: mehr als nur ein bisschen Magenweh

Acetylsalicylsäure (ASS) – der Wirkstoff in Aspirin – kann genauso wie Diclofenac Magen- und Darmprobleme verursachen. Geschwüre, Entzündungen, Blutungen: Alles schon gesehen. Auch Ibuprofen ist hier nicht harmlos. Es kann den Magen reizen und erhöht bei langfristiger Einnahme das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle – besonders bei höheren Dosierungen.

Paracetamol wiederum wirkt zwar anders, belastet dafür die Leber. Vor allem bei empfindlichen Menschen oder bei gleichzeitigem Alkoholkonsum kann das gefährlich werden. Leberentzündungen, Blutbildveränderungen und allergische Reaktionen gehören zu den bekannten Risiken.

Frei verkäuflich heißt nicht harmlos

Nur weil ein Medikament ohne Rezept zu haben ist, heißt das noch lange nicht, dass es unbedenklich ist. Besonders problematisch wird es, wenn Menschen über Jahre hinweg regelmäßig Schmerzmittel einnehmen – teils jeden Tag. Viele merken gar nicht, dass ihre Beschwerden dadurch schlimmer werden.

Der sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerz ist ein typisches Beispiel. Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, kann genau dadurch Kopfschmerzen entwickeln – oder eine Migräne verstärken. Der Körper gewöhnt sich an die Tabletten und reagiert mit Rebound-Effekten.

Triptane bei Migräne? Wirkung mit Tücken

Auch bei verschreibungspflichtigen Mitteln wie den Triptanen – oft bei Migräne eingesetzt – lohnt sich ein genauer Blick. Diese Substanzen wirken stark gefäßverengend. Das kann bei empfindlichen Patienten zu Durchblutungsstörungen führen, auch an Stellen im Körper, die gar nichts mit dem Kopf zu tun haben. Es gibt Berichte von Schmerzen an alten „Problemstellen“ – der Verdacht: Triptane könnten das körpereigene Schmerzgedächtnis beeinflussen. Die Forschung steckt hier noch in den Anfängen.

Mein Tipp: Führen Sie ein Schmerztagebuch

Wer immer wieder zu Schmerzmitteln greifen muss, sollte unbedingt ein Schmerztagebuch führen. Schreiben Sie auf:

  • Wann treten die Schmerzen auf?
  • Welche Medikamente nehmen Sie?
  • Wie wirkt das Mittel – kurzfristig und langfristig?
  • Gibt es Nebenwirkungen?

Diese Art der Dokumentation hilft ungemein, Zusammenhänge zu erkennen. Sie ist auch die Grundlage, um gemeinsam mit einem Therapeuten Alternativen zu entwickeln – oder überhaupt einmal nach den Ursachen zu suchen.

Was Schmerzpatienten selbst tun können

Wer immer nur die Symptome behandelt, wird auf Dauer nicht gesünder – sondern kränker. Wer stattdessen an die Wurzel geht, hat echte Chancen auf Besserung. Hier ein paar Möglichkeiten, die sich in der Praxis bewährt haben:

Magnesium statt Tablette: Viele Kopfschmerzen hängen mit Magnesiummangel zusammen. 300–600 mg Magnesiumcitrat täglich können bei Spannungskopfschmerzen und Migräne helfen. Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag: Magnesiumpräparate – Welches Magnesium ist das Beste?

Bewegung an der „frischen Luft“: Sauerstoff, Licht und moderate Bewegung (z.B. Spazieren, Radfahren) lindern Kopfschmerzen bei vielen Patienten besser als jede Tablette.

Fasten entlastet: Viele meiner Patienten berichten, dass sie während Fastenkuren kopfschmerzfrei werden – oder deutlich seltener Migräne haben. Der Stoffwechsel wird entgiftet, die Gefäße entlastet, das Nervensystem beruhigt.

Homöopathische Komplexmittel: In einigen Fällen helfen Mittel wie Spigelon, wenn es frühzeitig genommen wird – besonders bei Spannungskopfschmerz oder beginnender Migräne.

Kälteanwendungen oder Leberwickel: Simpel – aber effektiv. Kalte Auflagen auf Stirn oder Nacken lindern akute Schmerzen. Wärmende Wickel auf die Leber helfen dem Körper, Medikamente besser auszuleiten. Sehr hilfreich ist auch ein Kaffee-Einlauf. Das ist so interessant, dass ich ein Buch dazu verfasst habe: Die wundersame Wirkung des Kaffee-Einlaufs – René Gräber Bücher

Fazit

Nebenwirkungsfrei geht es nicht immer – aber besser verträglich schon! Wer sich dauerhaft von den Nebenwirkungen klassischer Schmerzmittel verabschieden will, sollte umdenken: Nicht das schnellste Mittel ist das beste, sondern das wirksamste bei möglichst geringer Belastung.

Und genau darum geht es auf Naturheilt.com: Ursachen erkennen. Alternativen nutzen. Und den Körper stärken, statt ihn mit Chemie zu überfrachten.

Zum Weiterlesen:

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Dieser Beitrag wurde 2010 erstellt und am 8.4.2025 grundlegend überarbeit

Im Kern geht es um Folgendes: „Experten“ (Mediziner, u.a.), welche wissenschaftliche Studien für die bekanntesten Medizinzeitschriften prüfen, haben Geld von Pharmafirmen erhalten – insgesamt über 1 Milliarde Dollar in drei Jahren.

Und das ist ziemlich grob! Das Spiel läuft also anscheinend so:

Teil 1 des „Spiels“:

Pharmafirma XYZ erstellt eine Studie zu einem Medikament. WIE diese „Studien“ ablaufen und ablaufen könnten (ich muss aufpassen was ich schreibe), hatte ich in unzähligen Beiträgen in den letzten Jahren dokumentiert. Hier eine kleine Auswahl:

Diese „Studien“ werden dann bei Fachmagazinen eingereicht, die diese „Studien“ veröffentlichen sollen. Diese Magazine wollen natürlich ordentlich arbeiten und lassen die Studien begutachten – das nennt sich „Peer-Review-System“.

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Und genau jetzt kommt Teil 2 dieses perfiden Spiels:

Teil 2 des Spiels: Die verborgenen Interessenkonflikte im Peer-Review-System

Das Peer-Review-Verfahren gilt als das Rückgrat der wissenschaftlichen Qualitätssicherung. Es ist der Prozess, der sicherstellen soll, dass nur fundierte und glaubwürdige Studien den Weg in renommierte Fachzeitschriften finden.

Doch eine aktuelle Analyse (Studie) offenbart: Diese Grundfesten der Wissenschaft sind noch mehr ins Wanken geraten. Mehr als die Hälfte der Peer-Reviewer von vier der weltweit angesehensten medizinischen Journale (BMJ, JAMA, Lancet und NEJM) haben innerhalb von drei Jahren finanzielle Zuwendungen von Pharma- oder Medizinprodukteunternehmen erhalten. Der Gesamtwert dieser Zahlungen beläuft sich auf beeindruckende 1,06 Milliarden Dollar.

Die Dimension des Problems

Die Untersuchung stützt sich auf Daten aus der US-amerikanischen Open Payments-Datenbank, in der finanzielle Zuwendungen von Unternehmen an Ärzte und Forschungseinrichtungen offengelegt werden. Die Forschergruppe verglich die Listen der Peer-Reviewer aus dem Jahr 2022 mit den Zahlungsdaten der Jahre 2020 bis 2022. Die Ergebnisse sind alarmierend: 59 Prozent der Reviewer haben Zahlungen erhalten. Allein 1 Milliarde Dollar floss an Einzelpersonen oder Institutionen für Studienärztetätigkeiten, während weitere 64,2 Millionen Dollar als „allgemeine Zahlungen“ verbucht wurden. Letztere umfassen Honorare, Geschenke, Reisekosten und sogar Mahlzeiten.

Einzelne Gutachter bekamen im Durchschnitt 7.614 US-Dollar (maximal 43.069 US-Dollar) für Geschenke, Reisen oder Honorare. Für Forschungsarbeiten kassierten sie durchschnittlich 153.173 US-Dollar, in Einzelfällen sogar bis zu 835.637 US-Dollar.

So sieht dann „unabhängige Wissenschaft“ aus?

Peer-Review-Verfahren – Ein WITZ?

Das Peer-Review-System gilt seit Jahrzehnten als Bollwerk gegen wissenschaftliche Fehltritte. Gutachter überprüfen Manuskripte anonym und beurteilen sie nach Kriterien wie methodischer Strenge, Plausibilität usw. Ihre Empfehlungen beeinflussen maßgeblich, ob ein Artikel veröffentlicht wird oder nicht.

Doch diese Untersuchung zeigt: Die Neutralität der Peer-Reviewer ist nicht garantiert. Interessenkonflikte entstehen, wenn Reviewer finanzielle Beziehungen zu Unternehmen haben, deren Produkte oder Technologien Gegenstand der begutachteten Forschung sind.

Solche Zahlungen beeinflussen die Gutachter? Studien werden plötzlich besser bewertet? Änderungen passen oft genau zu den Wünschen der Geldgeber? Alles Zufall?

Wer´s glaubt wird seelig!

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Transparenz? Fehlanzeige!

Die Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) verlangen, dass Peer-Reviewer potenzielle Interessenkonflikte offenlegen. Theoretisch sollen sie sich bei Befangenheit von der Begutachtung eines Manuskripts zurückziehen. Doch die Praxis sieht anders aus. Die Offenlegung erfolgt nicht routinemäßig – weder gegenüber den Autoren noch der Öffentlichkeit. Die Reviewer bleiben anonym, und ihre finanziellen Verstrickungen bleiben verborgen.

Dieses intransparente System lässt Raum für Manipulationen. Wenn Gutachter die Inhalte von Studien ändern oder ihre Empfehlungen zugunsten bestimmter Interessen lenken, kann dies weitreichende Konsequenzen haben. Ihre Einflussnahme reicht oft weiter als die eines Co-Autors, bleibt jedoch im Verborgenen.

Die Verantwortung der Herausgeber

Auch die Herausgeber der Fachzeitschriften stehen in der Verantwortung. Ihre Entscheidungen für oder gegen eine Publikation basieren maßgeblich auf den Empfehlungen der Peer-Reviewer. Wenn diese jedoch durch finanzielle Interessenkonflikte gefärbt sind, kann dies die wissenschaftliche Integrität ganzer Journale untergraben.

Es stellt sich die Frage, warum diese Verflechtungen nicht längst systematisch offengelegt wurden? Während Autoren dazu verpflichtet sind, ihre Interessenkonflikte zu deklarieren, bleibt die Rolle der angeblichen „Gutachter“ weiterhin im Dunkeln!

Fazit

Es stinkt gewaltig! Mit dieser Art von Wissenschaft werden Medikamente auf den Markt gedrückt, die nicht das Wohl der Patienten, sondern die Gewinne der Unternehmen im Blick haben. Peer-Reviewer kassieren Millionen, während ihre Unabhängigkeit fragwürdig bleibt.

Wer immer noch glaubt, dass es in der Medizin weitgehend mit „rechten Dingen“ zugehe, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann. Dieser Glaube würde nicht schaden – aber die Einnahme von bestimmten Medikamenten?

Auch dazu hatte ich bereits mehrfach berichtet:

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Deutschland ist doch Weltmeister. Nein – nicht im Fußball, dafür aber im Pillenschlucken. Kein Volk der Welt greift so oft zu Medikamenten wie die Deutschen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass jedes Jahr ca. 58.000 Deutsche an den Folgen von Medikamentennebenwirkungen versterben – wie zum Beispiel Prof. Fröhlich annimmt.

Aber es scheint keinen zu interessieren. Stattdessen diskutierten wir zum Beispiel im September 2017 über Dieselautos, was mich zu folgender Grafik/Frage veranlasste:

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Die Fragwürdigkeit der schulmedizinischen Behandlung von chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc., spiegelt sich in den „Erfolgen“ dieser Behandlungsstrategien wieder. Denn laut Statistiken nehmen diese Erkrankungen zu statt ab.

Hier noch nicht genannt sind Krebserkrankungen, deren Behandlung durch Chemotherapie, Bestrahlung und Operation bislang auch nicht die Ergebnisse liefert, die man von den so oft gefeierten „Durchbrüchen“ erwarten dürfte.

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Ende Juni 2022 erschien in der „British Medical Journal“ (BMJ) [1] ein besonders interessanter Beitrag, den ich leider erst neulich hatte entdecken können. Es geht um die Finanzierung der Zulassungsbehörden für pharmazeutische Produkte weltweit.

Die Autorin, eine Ärztin und investigative Journalistin, geht der Frage nach, inwieweit FDA, EMA, MHRA etc. von der Pharmaindustrie finanziert werden und welchen Einfluss das auf die Zulassungspraxis hat.

Und der Beitrag beginnt mit einer wenig erfreulichen Aussage, dass nämlich während der letzten Jahrzehnte diese Aufsichtsbehörden mehr und mehr von genau der Industrie finanziert werden, die sie eigentlich beaufsichtigen sollen. Und das heißt dann was?

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