Antivirale Medikamente gelten als scharfe Waffe gegen Influenza und Covid. Sie sollen Hospitalisierungen verhindern, Leben retten, Pandemien kontrollierbar machen. Milliarden wurden investiert, Leitlinien formuliert, Vorräte angelegt.

Doch was bleibt, wenn man die Rhetorik abzieht und nur die Studiendaten betrachtet?

Die nüchterne Bilanz ist ernüchternd: Verkürzung der Symptomdauer um weniger als einen Tag. Keine belastbaren Belege für eine Senkung der Mortalität. Kaum Einfluss auf Hospitalisierungen. Dafür dokumentierte Nebenwirkungen – von gastrointestinalen Beschwerden bis zu neurologischen und psychiatrischen Störungen.

Und das sind keine Außenseitermeinungen. Es sind systematische Übersichtsarbeiten, Metaanalysen, publiziert in anerkannten Fachzeitschriften. Selbst kritische Arzneimittel-Informationsdienste bestätigen: Die Evidenz ist schwach. Teilweise erstaunlich dünn.

Warum also werden diese Präparate weiterhin offensiv beworben? Weshalb finden sie Eingang in Leitlinien? Und warum scheint die entscheidende klinische Frage – retten sie tatsächlich Leben – bis heute nicht überzeugend beantwortet?

Es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Ich hatte seinerzeit einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit der Wirksamkeit und Sicherheit von Paxlovid beschäftigt hatte. [1]

Paxlovid ist ein Kombinationspräparat von gleich zwei antiviralen Substanzen gegen Covid-19. Das muss ja dann wirken, oder?

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In Sachen Nebenwirkungen ist das Präparat enorm effektiv. Gegen das böse Virus jedoch taten sich die beiden antiviralen Helden schwer. Es wurde sogar von Resistenzentwicklungen geredet. Aber auch ohne die Resistenzentwicklung gab es nichts Tolles zu berichten. Pfizer, der Hersteller des Präparats, hatte Juni 2020 eine groß angelegte Paxlovid-Studie abbrechen müssen, weil es keine Schutzwirkung des Präparats gegen Tod und Hospitalisierung zeigen konnte.

Ein weiterer Kandidat gegen Viren und ausgeprägter Wirkungslosigkeit ist Tamiflu gegen Influenzaviren. [2] [3]

Die ausgesprochen gute Wirksamkeit von Tamiflu, so stellt sich heraus, wurde nur in manipulierten, von Roche, dem Hersteller, bezahlten Studien gesehen. In der Praxis zeigte sich ein eher trauriges Bild: Tamiflu ist nicht besser als Placebo.

Das war vor 6 und mehr Jahren. Wie sieht es heute aus? Hat man seitens der Hersteller etwas dazu gelernt? Gibt es inzwischen bessere antivirale Präparate?

Heute wie damals

Das „Arznei-Telegramm“ bekam im Dezember 2025 eine Anfrage zu Tamiflu. Und die war sehr interessant. Die Redaktion vom „Arznei-Telegramm“ wurde gefragt, ob die inzwischen zurückhaltende Bewertung von Tamiflu immer noch aktuell sei. Denn in der Praxis habe sich gezeigt, dass das Medikament wieder kräftig vom Hersteller beworben würde. Sogar auf Fortbildungen würde es propagiert, selbstverständlich ohne Erwähnung der beträchtlichen Nebenwirkungen. Der Frager bat um eine aktualisierte Datenlage zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Das „Arznei-Telegramm“ antwortete, dass die alten Daten in der Tat kein gutes Bild ergeben hatten. Daten aus dem Jahr 2014 zeigten, dass Tamiflu und Relenza (Zanamivir) nur die Symtomdauer um 0,75 Tage verkürzen konnten. Belege für eine Reduktion von Komplikationen der Influenza gab es nicht. Aber das war ja damals. Und heute?

Die Situation für heute wird sofort im nächsten Satz erläutert:

„In den letzten Jahren sind mehrere systematische Übersichten zum Thema publiziert worden, die die Datenlage aktualisieren – und im Wesentlichen die schwache Evidenz bestätigen.“

Und jetzt geht die Party richtig los!

Eine kanadische Arbeit von 2024 untersuchte die Wirksamkeit von Tamiflu auf die Hospitalisierung von Patienten mit einer Influenza-Infektion. [4]

Resultat:

„In dieser systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse an ambulanten Patienten mit Influenza war Oseltamivir nicht mit einem reduzierten Hospitalisierungsrisiko, sondern mit vermehrten gastrointestinalen Nebenwirkungen verbunden.“

Eine Metaanalyse, die 2025 den Nutzen verschiedener Virusstatika untersuchte, kam zu sehr ähnlichen Ergebnissen: [5]

Die Autoren führten eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse durch, die in „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde, um die Wirksamkeit antiviraler Medikamente zur Behandlung von nicht-schwerer Influenza zu bewerten.

Studienziel: Vergleich der Wirkungen direkt wirkender antiviraler Influenzamedikamente (Oseltamivir, Baloxavir, Umifenovir, Zanamivir, Peramivir, Amantadin) mit Placebo oder Standardtherapie bei Patienten mit nicht-schwerer Influenza.

Die Analyse umfasste 73 randomisierte klinische Studien mit 34.332 Teilnehmern.

Hauptergebnisse:

Mortalität und Krankenhauseinweisungen (Patienten mit niedrigem Risiko): Alle antiviralen Medikamente zeigten geringe oder keine Auswirkungen auf Mortalität oder Krankenhauseinweisungen (hohe Evidenzsicherheit).

Krankenhausaufnahme (für Hochrisikopatienten): Oseltamivir zeigte keine signifikante Wirkung (RD: -0,4 %; 95 %-KI: -1,0 bis 0,4). Baloxavir könnte das Risiko verringern (RD: -1,6 %; 95 %-KI: -2,0 bis 0,4; geringe Evidenz).

Symptomdauer: Baloxavir verkürzte die Symptomdauer wahrscheinlich um 1,02 Tage (MD: -1,02; 95 %-KI: -1,41 bis -0,63; moderate Evidenz). Umifenovir könnte die Symptome verkürzt haben (MD: -1,10 Tage; geringe Evidenz). Oseltamivir hatte wahrscheinlich keine wesentliche Wirkung.

Nebenwirkungen und Resistenzentwicklung: Es wurden keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich Nebenwirkungen oder Resistenzentwicklung zwischen den Medikamenten festgestellt.

Diese Studie liefert starke Evidenz dafür, dass Baloxavir das wirksamste antivirale Mittel zur Verkürzung der Symptomdauer bei nicht schwerer Influenza ist, insbesondere bei Hochrisikopatienten, während andere antivirale Mittel nur einen begrenzten klinischen Nutzen zeigen.

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Die gleichen Autoren hatten bereits in 2024 eine ähnliche Arbeit abgeliefert, diesmal bei schwerer Influenza. Hatten die Medikamente wenigstens bei schweren Infektionen so etwas wie eine Wirksamkeit? [6]

Die Schlussfolgerung der Autoren zu ihren Beobachtungen:

„Bei hospitalisierten Patienten mit schwerer Influenza könnten Oseltamivir und Peramivir die Krankenhausverweildauer im Vergleich zur Standardtherapie oder zu Placebo verkürzen, obwohl die Evidenzlage schwach ist. Die Auswirkungen aller antiviralen Medikamente auf die Mortalität und andere wichtige Patientenergebnisse sind aufgrund der wenigen Daten aus randomisierten kontrollierten Studien sehr unsicher.“

Oder mit anderen Worten: Man hatte was sehen können, war sich aber nicht sicher, ob das auf die Medikation oder auf den Zufall zurückzuführen war. Sieht so eindeutige Wirksamkeit aus?

Das „Arznei-Telegramm“ kommentiert die Ergebnisse so:

„Die Datengrundlage für Oseltamivir ist allerdings weiterhin extrem dünn und stammt lediglich aus zwei Studien mit insgesamt 104 hierzu ausgewerteten Teilnehmern. Mortalität und die Notwendigkeit für eine Verlegung auf Intensivstation unterscheiden sich zwischen Oseltamivir und Placebo nicht.“

Noch Fragen?

Nebenwirkungen?

Selbstverständlich kaum und wenn, nicht nennenswert. Wirklich?

Das „Arznei-Telegramm“ spricht in seinem Beitrag von „neurologischen und psychiatrischen Störwirkungen“ wie Halluzinationen, Verwirrtheit und Krampfanfälle vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Diese Beobachtungen wurden schon im Jahr 2005 veröffentlicht. In Japan gab es damals bis zum damaligen Zeitpunkt 12 Todesfälle im Zusammenhang mit Tamiflu-Einnahme. Todesursachen waren unter anderem Herzkreislaufstillstand (4 Berichte), Suizid (1 Bericht) und plötzlicher Tod (4 Berichte). Darüber hinaus wird über 12 schwere Hautschäden bei Kindern, darunter vier Stevens-Johnson-Syndrom, unter Tamiflu berichtet.

Schon damals war klar, dass die klinische Wirksamkeit von Tamiflu bei Kindern und Erwachsenen „begrenzt“ (= Null) ist. Und eine Senkung der Mortalität ist bisher weder für Kinder noch für Risikopatienten anhand von kontrollierten Studien belegt.

Es wurde damals ein Expertengremium gebildet, welches die Vorfälle zu untersuchen hatte. Das „Arznei-Telegramm“ kommentierte, dass dieses Gremium keinen Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Todesfällen sah. Warum wohl? Hierzu die Einschätzung des „Arznei-Telegramm“:

„Die verharmlosenden Bewertungen des Beratergremiums erwecken den Eindruck, als ob im Hinblick auf die Schreckensszenarien einer Vogelgrippe-Pandemie kein Schatten auf den Neuraminidasehemmer fallen dürfe.“

Wie gut, dass es die Vogelgrippe-Pandemie gab. Mit deren Hilfe konnte man ein unwirksames und nebenwirkungsreiches Medikament zu einer unumgänglichen schulmedizinischen Notwendigkeit mutieren lassen. Toll!

Neuere Arbeiten zu diesem Thema erstrecken sich nur auf Fallbeobachtungen, die mal bestätigt, mal nicht bestätigt werden. Eine koreanische Beobachtungsstudie fand mehr neurologische und psychiatrische Nebenwirkungen unter Tamiflu als bei Patienten ohne das Medikament. Andere Arbeiten von 2020 behaupten das Gegenteil. Diese widersprüchlichen Ergebnisse könnten zeigen, dass derartige „Studien“ ähnlich untauglich zu sein scheinen, wie das Medikament (oder Medikamentengruppe), das sie sich vorgeknöpft haben. Aber angesichts der früheren Studienergebnisse scheint man sich nicht mehr zu trauen, eine solide klinische Studie durchzuführen. Vielleicht weil man schon jetzt weiß, dass das Ergebnis nicht verkaufsfördernd sein wird.

Leitlinien ahoi!

Leitlinien und wie sie entstehen, das habe ich in diesem Beitrag erörtert: [7]

Selbstverständlich gibt es auch Leitlinien, die zum Einsatz von z.B. Tamiflu drängen. Laut „Arznei-Telegramm“ gibt es eine solche bei der „Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin“ (Stand 2021), die sich auf eine Metaanalyse stützt, die es „in sich hat“. [8]

Es handelt sich hier ebenfalls um eine Metaanalyse, keine klinische Studie. Aber das Beste kommt noch. Es gibt einen Rattenschwanz an Autoren, von denen die meisten mit irgendeiner Pharmafirma verbandelt sind. Welche?

MSD, Sanofi Pasteur, GlaxoSmithKline, Baxter AG, Solvay, Novartis, Hoffmann-La Roche, AstraZeneca, Baxter AG etc., also mit einigen Herstellern von antiviralen Pillen, unter anderem Tamiflu. Wie glaubwürdig und wie unabhängig sind Ergebnisse und Autoren unter diesen Umständen? Und das wird dann sofort in eine mehr oder weniger verbindliche Leitlinie gefasst, die selbstverständlich „rein medizinische“ Intentionen pflegt und keinen finanziellen Interessen dient.

Ich wusste nicht, dass die Hersteller die Medikamente kostenlos abgeben. Toll!

Fazit

Es hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Antivirale Medikamente haben keine praktische Wirksamkeit, von speziellen Situationen, die sehr selten auftreten abgesehen. Die Mehrzahl der Patienten und gesunden Menschen ist nur einem höheren Risiko für zum Teil erhebliche Nebenwirkungen ausgesetzt.

Neue Studien scheint es nicht zu geben, höchstens Metaanalysen oder Fall- und Beobachtungsstudien, die wissenschaftlich keinen großen Aussagewert haben. Dieser Mangel an neuen Studien, die notwendig wären, da die alten keine guten Ergebnisse eingefahren hatten, scheint darauf begründet zu sein, dass man sich scheut, derartige Studien durchzuführen.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wieder schlechte Ergebnisse in wissenschaftlich relevanter Form zutage treten, dürfte zu hoch sein. So etwas würde Leitlinien und Umsätze gewaltig stören.

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Quellen:

Tamiflu ist vielen von Ihnen sicher noch im Zusammenhang mit der Schweinegrippe 2009 bekannt. Und das Mittel erfreut sich immer noch einer gewissen Beliebtheit unter Medizinern.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass der Coronavirus, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe (und überhaupt die Grippe), uns nichts anhaben kann, wenn wir nur an die heilige Mutter Pharma glauben und alles schlucken, was uns von dort aufgetischt wird?

Mit der Schweinegrippe 2009 wurde uns damals auch gleich der Heilsbringer mit serviert: Die Schweinegrippe-Impfung und das Tamiflu. Das Zaubermittel Tamiflu, sollte uns im Fall der Fälle vor dem sicheren Verderben bewahren.

Auch die Namensgebung für das Medikament kommt aus dem Reich der Phantasie: Tami für das englische Verb „to tame“, was „zähmen“ heißt und „flu“ steht für „flunkern“. . . `Tschuldigung. . . für „Grippe“ natürlich. Jedenfalls:  Bereits 2009 schrieb ich in diesem Blog hier: Tamiflu – begehrt, aber wirkungslos.

Die „Fachwelt“: Schulmedizin, Presse, Politiker (selbst die Kanzlerin erwähnte den Markennamen Tamiflu) und der kleine Mann auf der Straße waren sich einig: Die Pharmakologie im Speziellen und die Medizin im Allgemeinen haben wieder einmal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Kritische Stimmen wurden totgeschwiegen oder die Kritiker als nicht ernst zu nehmend bezeichnet.

Die ganze Diskussion um die Vorzüge des „Virustatikums“ (allen voran Tamiflu) wurde angeheizt durch Panikmache und politische Intervention: Die Bundesländer hatten vom Hersteller vorsorglich für etliche Millionen Euro Vorratspackungen eingekauft, um die Bundesbürger vor dem sicheren Ende zu bewahren.

Denn 2006 stellte man sich in den schillernsten Farben vor, dass das damalige Vogelvirus über Nacht zu einem Virus mutieren kann, das auch für den Menschen üble Folgen bereithält. Bayern allein soll dafür um die 22 Millionen Euro ausgegeben haben.

Und das sichere Ende kam dann auch, aber nicht für die Bürger, sondern für das Medikament.

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Wo Wissenschaftler ein neues Medikament „erfinden“ und in Fachzeitschriften „lobpreisen“, waren es ebenfalls Wissenschaftler, die dieses Produkt kritisch unter die Lupe nahmen – zum Glück. Ein internationales Gutachterteam von der Cochrane Collaboration setzte sich mit dem Präparat und seinen Wirkungen bzw. Nebenwirkungen unter anderen Gesichtspunkten auseinander.

Die Cochrane Gruppe besteht aus einer Reihe von Wissenschaftlern, die Studien nachverfolgen bzw. auswerten in Hinsicht auf deren Aussagekraft unter besonderen Gesichtspunkten. Für Tamiflu wurde eigentlich nur eine Analyse der vorhandenen Daten auf die Wirkungs- und Nebenwirkungsrate erhoben.

Das Datenmaterial, was seinerzeit von Roche, dem Hersteller von Tamiflu, veröffentlicht worden ist, zeigte dann auch beeindruckende Ergebnisse: Alles signifikant, wo man auch hinschaut. Besonders überzeugende Ergebnisse konnte ein Virologe aus dem Genfer Universitätsklinikum, Laurent Kaiser, vorweisen.

Er hatte 10 aktuelle Wirksamkeitsstudien untersucht und mehr als eindeutig feststellen können, dass unter einer Tamiflu-Gabe „signifikant“ weniger Patienten an Lungenentzündung erkrankten als ohne bzw. unter Plazebo.

Das Jefferson Team von der Cochrane Collaboration konnte hier feststellen, dass diese Ergebnisse „signifikant“ manipuliert worden waren. Denn alle Studien waren vom Hersteller selbst durchgeführt worden.

Aber da diese Ergebnisse so überzeugend waren, wurden sie von der gesamten Welt gläubig ins Abendgebet aufgenommen. Sogar die Cochrane Wissenschaftler gingen der Schlamperei zu Beginn auf den Leim. Erst 2009 bekamen sie vom britischen National Institute for Health Research den Auftrag, diesen ganzen Komplex noch einmal wissenschaftlich aufzurollen.

Denn es kam Kunde aus Japan, wo Ärzte, wie Keji Hayashi, die Wissenschaftler darauf aufmerksam machten, dass die veröffentlichten Daten mit der klinische Praxis nicht in Einklang zu bringen seien.

Dazu kommt noch, dass die Autoren der berühmten Tamiflu-Übersichtsstudie Angestellte und bezahlte Berater vom Tamiflu-Hersteller sind. Die 10 Studien, die untersucht worden sind, sind in 8 Fällen überhaupt nicht veröffentlicht worden. Nur 2 wurden als koscher genug befunden, den Weg in eine Veröffentlichung zu gehen. Warum also wird 80 Prozent des Studienmaterials unter den Teppich gekehrt und 20 Prozent stellvertretend für 100 Prozent verkauft?

Um dieser Frage nachzugehen fragte das Jefferson Team Kaiser um die vollständigen Daten. Der aber verwies diese an die Firma Roche, und die wollten eine Verschwiegenheitserklärung, falls man die richtigen Daten aushändigte. Anders ausgedrückt: Die Jefferson Gruppe durfte die Daten ansehen, durfte aber zu niemanden darüber Aussagen machen, geschweige Veröffentlichungen darüber erstellen. Aha? Gibt es hier etwas zu verheimlichen?

Wenn die Datenlage so eindeutig „signifikant“ ist, warum wird dann nicht damit in der wissenschaftlichen Weltgeschichte umhergeschmissen wie in Köln zum Karneval mit Kamellen?

Die Jefferson Gruppe zog aus diesem Verhalten die Konsequenzen und veröffentlichten die Lücken und Ungereimtheiten der Kaiser-Veröffentlichung. Sie erstellten eine neue Bewertung des Präparat auf der Grundlage von Studien, die vollständig veröffentlicht worden waren.

Tamiflu nicht besser als Placebo?

Das Ergebnis war „signifikant“: Tamiflu schneidet nicht besser ab als ein Plazebo – ein Ergebnis, das der Einschätzung der japanischen Wissenschaftler um Keji Hayashi entspricht.

Nachdem das Kind für Roche in Bausch und Bogen in den Brunnen gefallen war, wurde die Firma rege. Sie versprach, die fehlenden Daten nachzureichen, allerdings unter recht komplizierten Bedingungen – passwortgeschützte Webseite, unvollständige Daten wiederum etc. Das zögerliche Herausrücken der Originaldaten muss leider die Frage zulassen: Werden die Daten erst einmal wieder zurechtgeschrieben, um die gewünschten Ergebnisse zu liefern?

Die ersten veröffentlichten Daten wurden von Jefferson und seiner Gruppe als manipuliert erkannt, und „Schwupps“ waren die Daten von mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer verschwunden (2691 von 4813). Auch im Reich der Nebenwirkungen konnten die Jefferson Leute eine Reihe von bunten Kühen begegnen.

Die offizielle Darstellung für Tamiflu sieht so aus, dass es keine und wenn, dann unbedeutende Nebenwirkungen gegeben hat. Zurück aus dem Märchenwald zeigten sogar die unvollständigen Daten, dass es 10 schwere Zwischenfälle bei 9 Patienten gegeben hatte.

Auch hier hatten die japanischen Wissenschaftler das gleiche Bild geliefert: Kinder unter Tamiflu zeigten gehäuft psychotische Veränderungen. Naja, und wenn man sich nicht anders zu helfen weiß, setzt man noch einen oben drauf. So behauptet Roche stock und steif der Süddeutschen Zeitung gegenüber, dass es keine Datenlücken gibt. Wörtlich: „Roche glaubt, dass es alle Daten zur Verfügung gestellt hat. . . „

Aber glauben heißt ja nicht wissen. Warum also weiß Roche nicht, ob sie alle Daten abgegeben hat. Da bleibt doch nur die Vermutung: Roche glaubt nicht, Roche weiß, dass sie NICHT alle Daten zur Verfügung gestellt hat – oder?

Danach geht man in die Offensive und teilt den Gutachtern mit, dass die Firma darüber entscheidet mit welchem Material die Gutachter zu arbeiten haben. Der Kommentar von Tom Jefferson: „Eine verkehrte Welt! Seit wann entscheiden die Begutachteten, was der Gutachter sehen darf – und was nicht?“

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Aber es gab ja noch: Relenza!

Aber auch Glaxo hat eine glorreiche Vergangenheit in Sachen Datenmanipulation und – unterdrückung (Avandia unlängst). Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Datenlage für Relenza, das Glaxo Pendant zu Tamiflu, vermutlich auch nicht alles ganz in Ordnung ist.

Tut mir leid, aber der gute Wille ist mir bei solchen Machenschaften abhanden gekommen. Die größte Studie mit Relenza in den USA zeigte im Vergleich zu Plazebo übrigens keinen besseren Effekt. Auch sie verschwand in den Katakomben der medizinischen Geheimwissenschaften und wurde nie veröffentlicht.

Fazit der Jefferson Gruppe: Wo man auch hinschaut, man sieht manipulierte Daten. Medizinisch-wissenschaftliche Studien . . . Hollywood für Weißkittel. Mein Fazit: Nichts Neues für mich. Wenn Sie möchten schauen Sie sich auch mal die Reportage von Frontal21 DAS PHARMAKARTELL an. Spätestens dann dürfte einiges klarer werden…

Tamiflu: Die „wahren“ Wirkungen enthüllt

Die wahren Wirkungen von Tamiflu enthüllten die englischen Forscher Peter Doshi und Carl Heneghan, die immer wieder nachfragten und recherchierten.

In den letzten Jahren wurden sie nicht müde Daten zu sammeln und auf die Herausgabe der Studiendaten zu Tamiflu zu drängen. Und: die Auswertungen belegen das Täuschungsmanöver des Pharmariesen.

Das Cochrane-Netzwerk hat zusammen mit dem British Medical Journal die 550 Seiten umfassende Dokumentation veröffentlich und Regierungen und Verantwortliche der Gesundheitspolitik dazu aufgerufen, die Grippemittel nicht weiter einzusetzen. Die umfangreiche Analyse zeigt, dass die enthaltenen Neuraminidasehemmer bei Grippe praktisch wirkungslos sind. Dies wurde bereits seit 2009 in mehreren Fachpublikationen aufgezeigt.

Nebenwirkungen: von Übelkeit bis Schizophrenie

Keine der propagierten Wirkungen wie Schutz vor Bronchitis, Mittelohrinfektion, Nebenhöhleninfektion oder Lungenentzündungen sind nachweisbar. Unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen waren um fünf Prozent erhöht, ein Prozent der Personen erkrankte gar an Schizophrenie.

Diese Ergebnisse sind wahrhaftig „zum Kotzen“ und erzeugen bei mir größte Übelkeit! Paradox ist zudem, dass durch die Medikamenteneinnahme das Immunsystem geschwächt wird, da die körpereigenen Antikörper reduziert werden.  

Milliardenverluste für viele Staaten

Deutschland hatte bereits im Zuge der Vogelgrippe 2007 mit der Bevorratung der Grippemittel begonnen und gab schätzungsweise 500 Millionen Euro aus, die USA etwa 1,3 Milliarden. Viele andere Staaten bestellten von Roche Tamiflu (Oseltamivir) oder von GlaxoSmithKline Relenza (Zanamivir). Der weltweite Umsatz betrug für die Herstellerfirmen wohl mehr als 10 Milliarden Euro.

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Zweifel an der Wirksamkeit bereits seit 2009!

Völlig unverständlich erscheint die Anschaffung der Grippemittel auch deshalb, weil seit 2009 die Wirksamkeit bereits stark angezweifelt wurde (siehe mein Beitrag oben), denn nur 40 % der Daten waren veröffentlicht, der Großteil wurde von Roche mit fadenscheinigen Ausreden zurückgehalten.

Dabei sollte allein schon die Verweigerung der Datenherausgabe Anlass zum Misstrauen geben, ohne ausreichend positive Belege viele Millionen zu investieren. Erst 2013 (!) machte Roche unter dem Druck der Forscher um Peter Doshi die Daten zugänglich, die das ganze Ausmaß der Wirkungslosigkeit und Gefährlichkeit offenbarten.

Da weder die WHO, die europäische oder amerikanische Seuchenschutzbehörde noch die europäische Arzneimittelagentur die Datensätze anforderten und die Regierungen sich auf die unfähigen Behörden beriefen, konnte die Geldverschwendung weitergehen. Doshi bezeichnete den Totalausfall politischer und regulatorischer Organe treffend als „Multiorganversagen“. Ich kann mich dieser Beurteilung nur anschließen.

Regierungen ziehen KEINE Konsequenzen

Viele Führungspersonen haben nicht den Mut zu sagen, dass es gegen eine Epidemie kein wirksames Medikament gibt. Einzelne Stimmen fordern jetzt zwar die zukünftige Verpflichtung von Pharmafirmen und Gesundheitsbehörden zur lückenlosen Veröffentlichung aller Daten.

Doch offenbar hat der Skandal trotz seiner enormen finanziellen Verluste noch immer zu keinem Umdenken geführt. Dies legt etwa die Reaktion der bayrischen Gesundheitsbehörden nahe, die sich auch jetzt auf die positive Beurteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) berufen.

Auch die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Kordula Schulz-Asche, Dr. Harald Terpe, Maria Klein-Schmeink, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 18/1227), lässt eigentlich keine anderen Schlüsse zu:

Frage: Plant die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Cochrane-Collabortation den vorsorglichen Ankauf und die weitere Bevorratung von Tamiflu und Relenza auf Bundesebene einzustellen und ein entsprechendes Vorgehen mit den Bundesländern abzustimmen?
Antwort: Aufgrund der bestehenden Vorräte an Neuraminidasehemmern bei Bund und Ländern besteht derzeit bundesweit keine Notwendigkeit, über die weitere Bevorratung mit Neuraminidasehemmern zu entscheiden.

Da bleibt nur die Hoffnung, dass verantwortungsbewusste Menschen wie Peter Doshi nicht schweigen, bis sich etwas ändert. Und man darf sich schon mal fragen, WER in diesem Land eigentlich das sagen hat?

FAZIT: Der Fall der Grippemittel Tamiflu und Relenza zeigt klar und deutlich: Die Pharmaindustrie ist anscheinend nur auf maximale Gewinne aus. Doch es ist nicht nur die Nutzlosigkeit der Medikamente und die Millionen die dafür ausgegeben wurden.

Der wirkliche Skandal sind teilweise sehr gefährlichen Nebenwirkungen. Konsequenzen: keine. Die betroffenen Patienten und die Steuerzahler haben halt Pech gehabt. Ich wünschte dieser (wohl teuerste) Medizinskandal wäre ein Einzelfall. Leider gibt es weitere zahlreiche fragwürdige Pharmaprodukte, beispielsweise Impfstoffe mit Quecksilber oder Cholesterinsenker mit Statinen. Wann wird endlich mal „aufgeräumt“?

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Dieser Beitrag wurde von mir erstmalig am 7. Januar 2011 veröffentlicht und letztmalig am 18.3.2015 ausführlich überarbeitet und am 13.1.2026 geringfügig ergänzt.

Weitere Informationen zum Thema:

Frage aus Österreich: Symbioflor nur auf Rezept – und was ist mit „Dropchen“?

Hallo Herr Gräber!

Ich habe noch eine Frage: Gibt es in Österreich die unterschiedlichen Symbioflor-Tropfen auch?
Die Apotheke konnte mir dazu nichts Näheres sagen. Symbioflor ist bei uns rezeptpflichtig und muss daher vom Arzt verordnet werden. Auf Ihrer Probiotika-Seite habe ich außerdem nichts über „Dropchen“ gefunden – gehören die überhaupt zu den Probiotika?

Dropchen wird ja zum Darmfloraaufbau bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Es enthält Milchsäurebakterien (Lactobacillus reuteri Protectis). Wirken Milchsäurebakterien nur im Darm oder können sie auch das Immunsystem bzw. die Abwehr stärken?

Danke für Ihre Frage – die kommt tatsächlich öfter, gerade aus Österreich.

1) Gibt es Symbioflor in Österreich überhaupt?

Ja – grundsätzlich schon. Aber: In Österreich sind manche Symbioflor-Produkte rezeptpflichtig oder schlicht schwer verfügbar, je nach Präparat und aktueller Listung.

Das ist für viele Patienten frustrierend, weil es nicht um ein „gefährliches Hochrisiko-Medikament“ geht, sondern um Bakterienpräparate, die in Deutschland seit Jahrzehnten eingesetzt werden.

Warum das so geregelt ist? Offiziell wird dann gern mit „Arzneimittelstatus“ und „Sicherheit“ argumentiert. In der Praxis heißt es für Sie: Sie brauchen einen Arzt, der es Ihnen aufschreibt – und eine Apotheke, die es bestellen kann.

Wenn Ihre Apotheke nichts weiß: Das ist leider normal. Probiotika sind in vielen Apotheken ein Randthema – außer es steht „Marketingbudget“ drauf.

2) Und was ist mit „Dropchen“ – ist das ein Probiotikum?

Ja. Dropchen ist ein Probiotikum.

Es enthält Lactobacillus reuteri DSM 17938 (oft als „Protectis“ bezeichnet). Das ist ein gut untersuchter Stamm, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet wird.

Wichtig: Dropchen ist kein „Darmaufbau-Komplettpaket“, sondern ein Ein-Stamm-Probiotikum – das kann sinnvoll sein, wenn man genau diesen Stamm gezielt einsetzen will.

3) Wofür ist Lactobacillus reuteri bei Babys sinnvoll?

In der Praxis wird L. reuteri häufig genutzt bei:

  • Säuglingskoliken (klassischer Einsatzbereich)
  • unruhigem Bauch, viel Luft, Blähungen
  • nach Antibiotika (wenn überhaupt möglich bei so kleinen Kindern)
  • funktionellen Verdauungsproblemen in den ersten Monaten

Ich formuliere es mal so:
Dropchen sind nicht „die Darmsanierung“ – aber sie können ein sehr brauchbarer Einstieg sein.

4) Wirken Milchsäurebakterien nur im Darm – oder auch auf die Abwehr?

Beides.

Der Darm ist nicht nur Verdauung, sondern auch Immuntraining. Ein großer Teil der Immunzellen sitzt im Darmbereich, und das Mikrobiom beeinflusst, wie „nervös“ oder wie „stabil“ das Immunsystem reagiert.

Milchsäurebakterien können deshalb:

  • die Darmbarriere unterstützen
  • Entzündungsreize im Darm senken
  • die Reifung des Immunsystems mitprägen
  • indirekt auch die Infektanfälligkeit beeinflussen

Aber: Das ist kein Schalter „Bakterien rein = Kind wird nie krank“. Es ist eher ein Baustein – oft ein sehr sinnvoller.

5) Was würde ich praktisch empfehlen?

Wenn es um ein Baby geht und Sie etwas Sanftes, Bewährtes suchen, dann sind Dropchen absolut eine Option.

Wenn es aber um einen umfassenderen Darmfloraaufbau geht (z. B. nach Infekten, nach Antibiotika, bei wiederkehrenden Problemen oder bei älteren Kindern), dann sind Mehrstamm-Präparate häufig sinnvoller als „nur ein Stamm“.

In solchen Fällen halte ich Bactoflor für Kinder (oder vergleichbare kindgerechte Mehrstamm-Probiotika) oft für die bessere Lösung – weil das Mikrobiom eben nicht aus einem einzigen Stamm besteht.

6) Kurzer Tipp zur Anwendung

Bei Säuglingen gilt meist: lieber niedrig starten, regelmäßig geben, nicht ständig wechseln.

Und ganz wichtig: Wenn parallel starkes Spucken, Gedeihstörung, Blut im Stuhl oder anhaltendes Schreien über Stunden besteht, dann muss man natürlich auch an andere Ursachen denken – nicht nur an „Darmflora“.

Was Sie in Österreich beim Arzt sagen können (damit Symbioflor verschrieben wird)

„Ich habe wiederkehrende Darmbeschwerden / Blähungen / Reizdarm-Symptome / Infektanfälligkeit und möchte das Darm-Immunsystem gezielt stabilisieren. Symbioflor wäre eine Option. Können wir das als Therapieversuch für 4 bis 8 Wochen machen?“

Wenn der Arzt abwinkt könnten Sie einwenden:

1) „Okay. Welche probiotische Alternative würden Sie dann konkret empfehlen – mit Stammnamen und Dosierung?“
(Die meisten merken dann, dass sie dazu nichts Handfestes haben.)

2) „Mir reicht ein zeitlich begrenzter Therapieversuch. Wenn es nichts bringt, lassen wir es.“
(Sehr schwer, dagegen zu argumentieren.)

3) „Ich möchte es ergänzend probieren, nicht als Ersatz für etwas anderes.“
(Das nimmt Druck aus der Situation.)

Mehr zum Thema finden Sie hier (wenn Sie tiefer einsteigen wollen):

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Beitragsbild: pixabay.com – Alicia_Harper

Kaum ein Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen wurde so oft verschrieben – und so kontrovers diskutiert – wie Metoclopramid, kurz MCP.
Für viele Ärzte ist es ein bewährtes Standardmedikament, für andere ein Beispiel dafür, wie schnell Eingriffe in die natürliche Körperregulation Nebenwirkungen nach sich ziehen können.

Doch was steckt hinter diesem Wirkstoff? Warum wurde er zeitweise vom Markt genommen – und warum ist er heute wieder erhältlich, wenn auch in veränderter Form?
Und vor allem: Gibt es natürliche Alternativen, wenn der Körper mit Übelkeit, Erbrechen oder Völlegefühl reagiert?

Was ist Metoclopramid (MCP)?

Metoclopramid ist der Wirkstoff in Arzneimitteln wie Paspertin, Cerucal oder Gastronerton. Es wird seit den 1960er-Jahren eingesetzt, um Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl zu lindern.

MCP ist ein sogenanntes Prokinetikum – es regt also die Bewegung des Magen-Darm-Trakts an – und zugleich ein Antiemetikum, das das Brechzentrum im Gehirn dämpft.
Damit wirkt es sowohl „unten“ (Verdauung) als auch „oben“ (zentral nervös) – eine Kombination, die es in der Medizin beliebt, aber auch riskant machte.

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Warum wurde MCP 2014 eingeschränkt?

2014 sorgte eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für Aufsehen: Zahlreiche MCP-Präparate verloren damals ihre Zulassung – vor allem die Tropfen mit 4–5 mg/ml Wirkstoffkonzentration.

Der Grund war nicht ein grundsätzliches Verbot, sondern eine Neubewertung der Sicherheit. Langjährige oder zu hoch dosierte Einnahmen hatten wiederholt zu neurologischen Nebenwirkungen geführt – insbesondere zu Bewegungsstörungen (extrapyramidalen Symptomen), Muskelzuckungen oder Krämpfen, die teilweise bleibend waren.

Die Behörden reagierten – mit strengeren Grenzwerten:

  • Tropfen dürfen seither höchstens 1 mg/ml enthalten.
  • Tabletten: maximal 10 mg pro Einheit.
  • Rektalzäpfchen: maximal 20 mg.
  • Empfohlene Tageshöchstdosis: 30 mg.
  • Maximale Anwendungsdauer: fünf Tage.

Heute sind MCP-Präparate mit diesen niedrigeren Dosierungen wieder auf dem Markt – und gelten bei kurzfristiger, sachgerechter Anwendung als „sicher“. Klar, das versichert man uns immer.

Wie wirkt MCP im Körper?

Metoclopramid blockiert sogenannte Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn – insbesondere im sogenannten Chemorezeptor-Triggerareal, das auf toxische Reize reagiert und Erbrechen auslöst. Dadurch wird die „Brechreizschwelle“ angehoben: Der Körper reagiert weniger schnell mit Übelkeit.

Gleichzeitig wirkt MCP im Magen-Darm-Trakt:

  • Es verkürzt die Verweildauer des Mageninhalts,
  • fördert die Peristaltik, also die natürliche Bewegung des Darms,
  • und unterstützt den Weitertransport in den Dünndarm.

Pharmakologisch betrachtet also eine interessante Kombination aus „Bremse im Kopf“ und „Gas im Bauch“.

Doch genau hier liegt das Dilemma: Was für den Moment entlastend wirkt, kann die Regulation des Körpers stören, wenn das Signal – in diesem Fall die Übelkeit – eigentlich auf eine Überforderung oder Vergiftung hinweist.

Nebenwirkungen und Risiken

Die meisten Patienten vertragen MCP gut – wenn es kurzfristig und niedrig dosiert eingenommen wird.
Doch der Wirkstoff greift in zentrale Nervensystem-Prozesse ein. Entsprechend sind unerwünschte Effekte möglich, etwa:

  • Müdigkeit, Schwindel, Unruhe
  • Bewegungsstörungen (Dyskinesien) – besonders bei längerer Anwendung
  • Muskelkrämpfe, Zittern oder Grimassieren
  • Erhöhung des Prolaktinspiegels, was zu Brustspannen, Zyklusstörungen oder Libidoverlust führen kann
  • Durchfall oder Kopfschmerzen

Besonders gefährdet sind Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion.
Für Säuglinge und Schwangere ist MCP nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung zugelassen.

Wichtig: Diese Nebenwirkungen traten überwiegend bei Langzeitanwendung oder Überdosierung auf – nicht bei kurzzeitiger Einnahme im Rahmen der heutigen Dosierungsempfehlungen.

Wann kann MCP sinnvoll sein – und wann nicht?

MCP ist für mich kein „böses Medikament“. In akuten Situationen – etwa bei starkem Erbrechen nach Operationen, Chemotherapie oder Migräne – kann es wertvolle Dienste leisten. Auch bei diabetischer Gastroparese, also einer Lähmung der Magenmuskulatur infolge von Diabetes, wird es manchmal kurzfristig eingesetzt.

Doch: Bei unspezifischer Übelkeit, Reizmagen oder leichten Verdauungsbeschwerden sollte es nicht die erste Wahl sein.
Denn Übelkeit ist selten eine Krankheit – sie ist ein Signal des Körpers, dass etwas „nicht stimmt“: eine Überlastung der Leber, ein verdorbener Magen, eine seelische Spannung oder schlicht zu schnelles Essen.

Wer in solchen Situationen sofort zum „Abschalten“ des Symptoms greift, entfernt sich von der Botschaft, die der Körper senden will.

Natürliche Alternativen bei Übelkeit und Erbrechen

In der Naturheilkunde geht es nicht darum, Symptome zu unterdrücken, sondern die körpereigene Regulation zu unterstützen.
Gerade bei Übelkeit und Magenverstimmung gibt es einfache, bewährte Mittel, die Sie selbst anwenden können – sanft, sicher und oft überraschend wirksam.

1. Ingwer – der Klassiker für einen ruhigen Magen

Anwendung: Frisch geschnittener Ingwer (ca. 3–4 Scheiben auf 250 ml heißes Wasser) 10 Minuten ziehen lassen, langsam trinken.
Bei akuter Übelkeit: alle 2–3 Stunden eine kleine Tasse, lauwarm.

Alternative: Ingwerkapseln (250–500 mg Extrakt), 2–3 × täglich.

Wirkung: Ingwer blockiert Botenstoffe, die Übelkeit und Brechreiz auslösen. Besonders hilfreich bei Reisekrankheit, Völlegefühl oder nach zu fettem Essen.
Und: Er wirkt ohne Benommenheit – im Gegensatz zu MCP.

2. Pfefferminze – wenn der Magen „spannt“

Anwendung: 1 TL getrocknete Pfefferminzblätter mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 5–7 Minuten ziehen lassen.
Langsam und in kleinen Schlucken trinken.

Tipp: Bei empfindlichem Magen oder Gallenproblemen besser auf magensaftresistente Kapseln zurückgreifen (z. B. 0,2 ml ätherisches Pfefferminzöl pro Kapsel, 2–3 × täglich).

Wirkung: Beruhigt die Magenmuskulatur, lindert Krämpfe, fördert den Gallefluss – ideal bei Völlegefühl und nervösem Magen.

3. Kamille – die sanfte Entzündungsbremse

Anwendung: 1 EL Kamillenblüten auf 250 ml heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen.
2–3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten.

Zusatz-Tipp: Für den empfindlichen Bauch: feuchtwarmer Kamillenwickel. Dazu ein Baumwolltuch in warmem Kamillentee tränken, auf den Oberbauch legen, Handtuch darüber, 20 Minuten ruhen.

Wirkung: Löst Krämpfe, dämpft Entzündungen, beruhigt Schleimhäute und Nerven – besonders bei „Magen, der auf alles reagiert“.

4. Ordnungstherapie – Ruhe für die „Mitte“

Übelkeit ist oft mehr als ein Magenproblem – sie ist ein Signal des vegetativen Nervensystems.
Alles, was Ordnung schafft, hilft:

Atmen: Langsam durch die Nase ein, doppelt so lang durch den Mund aus – beruhigt den Vagusnerv.

Wärme: Eine Leberauflage (z. B. mit Rizinusöl oder Heublumensäckchen) löst Spannungen und fördert den Gallefluss.

Pause: 20 Minuten hinlegen, Schultern entspannen, nicht gegen die Übelkeit ankämpfen.

Weglassen: Kaffee, Alkohol, Zucker, Nikotin und fettreiche Speisen – sie reizen die Magenschleimhaut zusätzlich.

Oft reicht schon ein Tag mit leichter Kost (Kartoffelbrei, Brühe, geriebener Apfel), um die Verdauung wieder zu stabilisieren.

Wenn MCP unvermeidbar scheint

In manchen Fällen lässt sich eine medikamentöse Behandlung nicht vermeiden. Dann gilt:

  • Verwenden Sie MCP nur kurzfristig (maximal 5 Tage).
  • Nicht kombinieren mit Alkohol, Sedativa oder anderen Dopaminblockern.
  • Langzeiteinnahme vermeiden – sie kann zu bleibenden Bewegungsstörungen führen.
  • Bei chronischer Übelkeit: Ursachen abklären (Leber, Galle, Magen, Psyche).

Und vor allem: Sprechen Sie mit einem Arzt, der bereit ist, Alternativen zu prüfen – und nicht nur Symptome „wegzuschalten“.

Fazit

Übelkeit, Schwindel, Erbrechen – das alles sind keine Zufälle, es sind intelligente Signale / Botschaften ihres Körpers. Diese zeigen, dass der Körper versucht, etwas loszuwerden oder ein Ungleichgewicht zu korrigieren. Die moderne Medizin betrachtet diese Vorgänge oft als „Störung“. In der Naturheilkunde betrachten wir diese  als Selbstheilungsversuch oder einfach nur als „Warnlampe“.

Metoclopramid ist ein Beispiel dafür, wie die moderne Medizin wirkt – und wo sie an Grenzen stößt. Richtig eingesetzt, kann das Mittel helfen. Falsch eingesetzt, kann es schaden. Entscheidend ist das Bewusstsein, warum ein Symptom überhaupt entsteht. Übelkeit ist nicht der Feind. Sie ist ein Signal.
Sie fordert uns auf, innezuhalten, nachzuspüren, zu entlasten – statt zu unterdrücken.

Und manchmal liegt die Lösung nicht in der Apotheke, sondern im Einfachen: in Ruhe, Achtsamkeit, einer heißen Leberauflage, einem klaren Atemzug oder einer Schale Ingwertee.

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Beitragsbild: pixabay.com – padrinan

Dieser Beitrag wurde im April 2014 erstmalig erstellt und am 14.10.2025 komplett überarbeitet, weil sich in der Zwischenzeit einiges zu diesem Mittel getan hat.

Wenn ein Kind mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus kommt und nicht mehr zu retten ist, weil die Bakterien gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind, dann ist das keine ferne Theorie. Es ist Realität. So geschehen am Uniklinikum Dresden. Professor Reinhard Berner berichtete dem MDR von diesem Fall – und nannte die Antibiotikaresistenz eine „stille Pandemie“.

Während die Welt bei Covid in Panik geriet, läuft diese „Pandemie“ seit Jahrzehnten, nur eben im Hintergrund. Laut WHO sterben jährlich über 1,2 Millionen Menschen direkt an Infektionen mit resistenten Keimen, weitere knapp fünf Millionen Todesfälle stehen damit im Zusammenhang. Gut… den Zahlen der WHO glauben manche überhaupt nicht mehr, aber hier halte ich die Zahlen schon für stimmig! Das sind mehr Tote, als Malaria und HIV zusammen verursachen. Prognosen sprechen davon, dass bis 2050 mehr Menschen an resistenten Infektionen sterben könnten als an Krebs.

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Wie Bakterien ihre Abwehr teilen

Bakterien sind Meister der Anpassung. Sie überleben, indem sie Gene austauschen – nicht nur mit ihren „Verwandten“, sondern quer durch die Bakterienwelt. Der Trick heißt horizontale Genübertragung. Im Zentrum stehen Plasmide: kleine ringförmige DNA-Stücke, die Resistenzgene wie Frachtstücke transportieren. Sie lassen sich von einer Bakterienzelle zur nächsten verschieben, egal ob es sich um harmlose Darmbewohner oder um aggressive Krankheitserreger handelt.

Damit wird Resistenz zur Gemeinschaftsleistung: Was ein harmloser Darmkeim entwickelt, kann morgen schon in einem Krankenhauskeim stecken, der gegen mehrere Antibiotika immun ist. Studien zeigen, dass solche Plasmide sich sogar anpassen, neu kombinieren und damit wie ein genetischer „Baukasten“ funktionieren.

Die Folge: Resistenz breitet sich nicht langsam von Generation zu Generation aus, sondern sprunghaft und global. Ein einziger Resistenzbaustein kann in kurzer Zeit in völlig unterschiedlichen Bakterienarten auftauchen – von E. coli bis zu Klebsiella pneumoniae.

Noch gravierender: Selbst Medikamente, die gar keine Antibiotika sind, können diesen Prozess beschleunigen. Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol steigern die Mutationsrate, sodass Bakterien noch schneller zu neuen Resistenzen finden.

Ibuprofen und Paracetamol als Brandbeschleuniger

Eine Studie der University of South Australia (npj Antimicrobials and Resistance, 2025)  untersuchte den Einfluss gängiger Medikamente auf Bakterien. Das Ergebnis: Ibuprofen und Paracetamol steigerten die Mutationsrate von E.-Coli deutlich. In Kombination beider Mittel entstand sogar eine besonders hohe Resistenz gegen Ciprofloxacin, eines der meistverwendeten Antibiotika. Erste Daten zeigten zudem: die Resistenz griff auch auf andere Antibiotika-Klassen über, darunter Tetracycline.

Das ist brisant – gerade in Alten- und Pflegeheimen, wo ältere Menschen regelmäßig mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. Dort entstehen dann geradezu Brutstätten für resistente Keime.

Fleisch, Tiermast und die globale Chemie-Schleuder

Resistenzgene entstehen nicht nur in Kliniken. Zwei Drittel aller Antibiotika in Deutschland werden in der Tierhaltung eingesetzt – nicht zur Heilung, sondern oft zur Mast. Viele Fleischprodukte sind mit resistenten Bakterien belastet. Wer rohes Hackfleisch isst, nimmt diese Keime direkt auf.

Noch ein anderer Faktor verschärft das Problem: die globale Medikamentenproduktion. In Indien und Brasilien gelangen bei der Herstellung von Antibiotika Rückstände in Flüsse und Abwässer. Messungen zeigen Werte, die erlaubte Grenzwerte um das 1,5-Millionenfache übersteigen. Solche Belastungen machen die Umwelt zum Labor für resistente Bakterien – die anschließend über Menschen, Tiere und Waren zurück nach Europa kommen.

Warum keine neuen Wunderpillen in Sicht sind

Seit den 1980er Jahren wurde keine neue Wirkstoffklasse von Antibiotika mehr entwickelt. Warum? Weil sich Infektionen in zwei Wochen behandeln lassen, während Krebs- oder Rheumamedikamente über Jahre hinweg Milliarden einbringen. Für die Pharmaindustrie ist das Geschäft mit Antibiotika schlicht zu unprofitabel. Vorschläge wie die der Leopoldina, Unternehmen mit Steuergeldern anzulocken, zeigen: hier geht es längst nicht mehr nur um Medizin, sondern auch um Macht und Märkte.

Was jeder Einzelne tun kann – naturheilkundlich und praktisch

Resistente Bakterien kennen keine Grenzen. Aber wir sind nicht wehrlos. Vieles liegt in unserer Hand. Hier einige Vorschläge dazu:

  • Antibiotika nur im Notfall: Erkältungen, Bronchitis oder Blasenentzündungen heilen oft ohne. Wer Antibiotika einfordert „damit es schneller geht“, schadet sich selbst und anderen.
  • Schmerzmittel sparsam einsetzen: Ibuprofen und Paracetamol sind kein Smartie-Ersatz. Auch hier gilt: so wenig wie möglich, so kurz wie nötig.
  • Darmflora pflegen: Fermentierte Lebensmittel, Probiotika, Ballaststoffe. Eine gesunde Flora blockiert gefährliche Keime.
  • Heilpflanzen nutzen: Kapuzinerkresse, Meerrettich, Knoblauch, Propolis, Teebaumöl – seit Jahrhunderten bewährt, heute gut untersucht.
  • Vitalstoffe auffüllen: Vitamin D, Zink, Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren stärken Abwehr und regulieren Entzündungen.
  • Fasten und Entlastung: Autophagie hilft, kranke Zellen und Bakterienreste zu entsorgen – ein natürlicher Immunbooster.
  • Bewusst essen: Weniger Billigfleisch, mehr pflanzliche Kost. Wer Antibiotika im Stall mitfinanziert, holt sich die Keime auf den Teller.

Fazit – kein Grund zur Resignation

Antibiotikaresistenz ist keine ferne Zukunftsgefahr, sondern eine Realität, die uns schon heute betrifft. Fälle wie das verlorene Kind in Dresden zeigen die Tragik, doch sie müssen nicht zur Ohnmacht führen. Jeder kann etwas beitragen: Ärzte mit kluger Verschreibung, Patienten mit kritischen Fragen, Verbraucher mit bewusster Wahl. Und nicht zuletzt wir alle, indem wir unser Immunsystem stark halten – mit Ernährung, Heilpflanzen, Vitalstoffen und einem Lebensstil, der Gesundheit fördert statt sie zu untergraben.

Weitere Artikel zum Thema:

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.9.2025 vollständig überarbeitet.

Beitragsbild: 123rf.com – Vladimir-Soldatov

Zimt ist nicht nur ein „Kompagnon“ von Zucker, sondern im Gegensatz zum Letzeren auch ein Heilmittel. Was Zimt alles kann, das habe ich hier beschrieben: [1]

Heilmittel Zimt – Eigenschaften, Wirkung und Anwendung
(https://www.naturheilt.com/zimt/)

Und Zimt und Honig sollen sogar in der Lage sein, beim „Abspecken“ gute Dienste zu leisten: [2]

Abnehmen mit Zimt und Honig
(https://www.gesund-heilfasten.de/diaet/blog/abnehmen-mit-zimt-und-honig/)

Vorsicht Zimt?

Jetzt warnt „Everyday Health“, dass Zimt einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten haben könnte. Was genau wird da beeinflusst?

Der Beitrag beginnt mit der Feststellung, dass Zimt unter dem Strich eine gesunde Zutat sein kann. Nur zu hohe Dosen von Zimt können die gesundheitlichen Vorteile des Zimts einschränken. Dazu existiert eine Studie, die dies belegt. [3]

Cinnamon Could Affect Drug Metabolism in the Body | Ole Miss
(https://olemiss.edu/news/2025/4/cinnamon-drug-interactions/index.html)

Hier beobachteten die Autoren, dass ein „Überkonsum“ von Zimt-Nahrungsergänzungen dazu führen kann, dass die Stoffwechselleistung stark erhöht wird und damit zu einem schnelleren Abbau von verschreibungspflichtigen Medikamenten führt. Für die Medikamente bedeutet dies eine stark verringerte Wirksamkeit, da kaum therapeutisch relevante Blutspiegel aufgebaut werden können.

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In ihrer Arbeit fanden die Autoren heraus, dass Zimtaldehyd, eine Verbindung, die für den charakteristischen Geschmack und Geruch von Zimt verantwortlich ist, Rezeptoren im Körper aktiviert, die den Stoffwechsel von Medikamenten beschleunigen und diese möglicherweise ausschwemmen, bevor sie wirken können. [4]

Evaluation of bioaccessibility, metabolic clearance and interaction with xenobiotic receptors (PXR and AhR) of cinnamaldehyde – ScienceDirect
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666566224000443)

Cassia-Zimtrinde aus Südchina birgt laut Khan und ihrem Team ein zusätzliches Risiko. Neben Zimtaldehyd enthält diese Zimtsorte auch einen hohen Cumaringehalt, eine Verbindung, die auch in Bockshornkleesamen vorkommt und gerinnungshemmende Eigenschaften hat, was sie für Menschen, die Blutverdünner einnehmen, gefährlich macht. Cumarin ist außerdem dafür bekannt, in hohen Dosen Leberschäden zu verursachen (Näheres dazu siehe meinen Beitrag oben).

Welche Medikamente sind von den Interaktionen betroffen?

Laut Beobachtungen der Autoren können Zimtpräparate besonders für Menschen bedenklich sein, die Medikamente einnehmen, die über die Leber verarbeitet werden, beispielsweise Medis gegen Diabetes, Blutdruck und Stimmungsstörungen. Daher scheint es empfehlenswert zu sein, bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Arthritis, Asthma, Fettleibigkeit, HIV, AIDS oder Depressionen besonders vorsichtig mit Zimtpräparaten zu sein. [5]

Mechanisms of Herb-Drug Interactions Involving Cinnamon and CYP2A6: Focus on Time-Dependent Inhibition by Cinnamaldehyde and 2-Methoxycinnamaldehyde – PMC
(https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7543486/)

Es hört sich kompliziert an, ist aber deutlich weniger kompliziert. Betroffen von der Wirkung von Zimt, bzw. seinem Aldehyd scheint nur das Cytochrome P450 2A6 zu sein, einem Mitglied der Cytochrome P450 Familie, die für einen großen Teil der Entgiftung zuständig ist und primär in der Leber erfolgt. CYP2A6 wird auch von Phenobarbital und Rifampicin aktiviert, was zu einem schnelleren Abbau von anderen Substanzen führt, die über CYP2A6 metabolisiert werden.

Jetzt warnen die Autoren vor einem „Überkonsum“, ohne dabei zu quantifizieren, wann der beginnt. „Everday Health“ geht davon aus, dass der Einsatz als Gewürz nicht die gleichen Risikofaktoren aufweist wie Zimt-Nahrungsergänzungen. Denn Letztere bringen deutlich höhere Konzentrationen von Wirkstoffen mit sich.

„Genießen Sie Zimt in Ihrer Ernährung, aber seien Sie vorsichtig bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – und sprechen Sie immer mit einem Ernährungsberater oder Arzt, bevor Sie ihn in Ihren Ernährungsplan aufnehmen“, sagt McWhorter, der nicht an der Studie beteiligt war.

Zimt in Kombination mit einer vollwertigen, pflanzlichen Ernährung ist die beste Methode, Zimt zu verwenden, ohne es zu übertreiben. Gemahlener Zimt kann Haferflocken, Backwaren, Apfelmus oder Kaffee hinzugefügt werden. Zimtstangen können Eintöpfen oder Soßen hinzugefügt oder mit Bohnen und Linsen geköchelt werden.

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Quellen:

[1]     Heilmittel Zimt – Eigenschaften, Wirkung und Anwendung
(https://www.naturheilt.com/zimt/)

[2]     Abnehmen mit Zimt und Honig
(https://www.gesund-heilfasten.de/diaet/blog/abnehmen-mit-zimt-und-honig/)

[3]     Cinnamon Could Affect Drug Metabolism in the Body | Ole Miss
(https://olemiss.edu/news/2025/4/cinnamon-drug-interactions/index.html)

[4]     Evaluation of bioaccessibility, metabolic clearance and interaction with xenobiotic receptors (PXR and AhR) of cinnamaldehyde – ScienceDirect
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666566224000443)

[5]     Mechanisms of Herb-Drug Interactions Involving Cinnamon and CYP2A6: Focus on Time-Dependent Inhibition by Cinnamaldehyde and 2-Methoxycinnamaldehyde – PMC
(https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7543486/)

Beitragsbild: 123rf.com – Vladimir-Soldatov

Immer wieder tauchen in der internationalen Forschung und im Bereich der funktionellen Medizin neue Substanzen auf, die das Potenzial haben sollen, Heilungsprozesse gezielt zu unterstützen. Eine davon ist BPC 157, ein synthetisches Peptid, das ursprünglich aus Bestandteilen des menschlichen Magensafts abgeleitet wurde – und aktuell kontrovers diskutiert wird.

Da stellt sich sofort die Frage:

Was ist BPC 157?

BPC steht für Body Protection Compound. BPC 157 ist ein sogenanntes Pentadecaptid (eine Kette aus 15 Aminosäuren) das aus einem natürlichen Magensaftbestandteil synthetisiert wurde. In vorklinischen Studien (hauptsächlich an Tieren) zeigte es entzündungshemmende, gewebeprotektive und regenerationsfördernde Effekte.

Der postulierte Wirkmechanismus: BPC 157 fördert die Freisetzung körpereigener Wachstumsfaktoren durch die Aktivierung von Blutplättchen an der Entzündungsstelle. Diese Wachstumsfaktoren regen dann Regenerationsprozesse in Gewebe, Nerven, Sehnen, Muskeln und Schleimhäuten an.

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Mögliche Einsatzgebiete (laut präklinischer Forschung)

In der internationalen Literatur und funktionellen Medizin wird BPC 157 in folgenden Zusammenhängen diskutiert:

  • Sehnen- und Muskelverletzungen – bei Zerrungen, Tendopathien oder Muskelrissen
  • Rotatorenmanschette und Gelenke – etwa bei Knie-, Schulter- oder Sprunggelenksproblemen
  • Schleimhautregeneration – z.?B. bei Colitis, Reizdarm, Magenschleimhautreizung oder Leaky-Gut
  • Neuroprotektion – erste Tiermodelle deuten auf eine Schutzwirkung bei Nervenschäden hin
  • Entzündungshemmung und Regeneration – möglicherweise auch bei chronisch-entzündlichen Prozessen

Erfahrungsberichte aus funktionellen Praxen im Ausland beschreiben teils schnelle Fortschritte bei schlecht heilenden Verletzungen und Schleimhautschäden. Auch im Sportbereich wird BPC 157 als leistungsfördernd diskutiert.

Warum ich es in der Praxis nicht einsetze

Trotz der interessanten Mechanismen und experimentellen Ansätze:
BPC 157 ist in Deutschland nicht zugelassen. Es handelt sich um eine nicht verkehrsfähige Substanz, die rechtlich nicht als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel verkauft oder angewendet werden darf.

Zudem steht BPC 157 auf der Dopingliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) – unter der Kategorie S0 – nicht zugelassene Substanzen. Für Sportler ist die Einnahme also verboten und kann zu Sperren führen.

Auch als Therapeut bin ich verpflichtet, mich an geltendes Recht zu halten. In meiner Praxis kommt BPC 157 nicht zum Einsatz.

Was bedeutet das für Patienten?

Viele Menschen mit chronischen Sehnenbeschwerden, Darmproblemen oder schlecht heilenden Verletzungen sind verständlicherweise auf der Suche nach neuen Lösungen. BPC 157 mag ein vielversprechender Forschungsansatz sein – aktuell fehlt jedoch die rechtliche Grundlage für eine Anwendung in der Praxis. Auch solide Humanstudien sind bislang kaum verfügbar.

Statt auf nicht zugelassene Substanzen zu setzen, arbeite ich in solchen Fällen mit bewährten naturheilkundlichen Verfahren – darunter:

  • gezielte orthomolekulare Therapie (z.B. Vitamin C, Aminosäuren, Spurenelemente)
  • Heilpflanzen mit entzündungshemmender Wirkung
  • Bewegungstherapie und manuelle Verfahren
  • Mikrobiom-orientierte Darmsanierung bei Schleimhautproblemen
  • Fasten und Ernährungstherapie zur systemischen Regeneration

Diese Methoden sind legal, sicher, gut erprobt – und aus meiner Erfahrung häufig ebenso effektiv, wenn man den gesamten Menschen betrachtet.

Fazit:
BPC 157 ist eine experimentelle Substanz mit interessanter Perspektive – aber in Deutschland nicht zugelassen und daher nicht Bestandteil meiner Praxisarbeit. Ich setze weiterhin auf natürliche, regulierte und bewährte Verfahren zur Förderung der Heilung.

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Wenn ich mich in meiner Praxis umschaue, dann sehe ich zwei Dinge gleichzeitig: Zum einen eine wachsende Zahl an Patienten, die sich nach alternativen Heilmethoden erkundigen, zum Beispiel auch weil diese Antibiotika nicht mehr ohne Weiteres nehmen wollen. Zum anderen jedoch eine ungebrochene, fast schon selbstverständliche Verschreibungspraxis in den Praxen der Schulmedizin, die genau das Gegenteil widerspiegelt. Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Wir wissen um die Gefahren eines übermäßigen Antibiotikakonsums – und dennoch steigt er wieder.

Die aktuellen Zahlen sind besorgniserregend: 36,1 Millionen Packungen Antibiotika wurden im Jahr 2023 in Deutschland verordnet – ein Anstieg um 6,1 Prozent im Vergleich zu 2019, also dem letzten Jahr vor der Pandemie. Besonders erschreckend: Auch sogenannte Reserveantibiotika, die eigentlich für besonders schwere Infektionen mit multiresistenten Keimen gedacht sind, werden häufiger verschrieben. Wer einmal im Krankenhaus gesehen hat, was solche Keime anrichten können, der versteht, warum jede unnötige Gabe dieser Medikamente ein Spiel mit dem Feuer ist.

Die Lektion der „Pandemie“ – so schnell vergessen?

Während der sogenannten „Pandemie“ 2020 bis 2022 sank der Antibiotikaverbrauch rapide. Auf die Gründe will ich hier gar nicht weiter eingehen. Ich könnte behaupten, dass fast jeder egal ob Husten, Schnupfen, Heiserkeit ein „Corona-Patient“ war. Das wird der Sache aber auch nicht gerecht, denn es gab ja wirklich Corona-Patienten. Über die Besonderheiten hatte ich an anderer Stelle ausführlich berichtet.

Nun gut. Aber kaum sind die Masken gefallen (im wahrsten Sinne des Wortes!) und das Leben wieder in scheinbar alten Bahnen, scheint auch die alte Sorglosigkeit zurückzukehren. Es ist, als hätte die Gesellschaft kollektiv vergessen, dass Antibiotika keine Bonbons sind.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Ärzte stehen unter Druck, schnelle Lösungen zu liefern. Patienten erwarten eine „Pille gegen alles“, gerade wenn der Infekt hartnäckig ist. Und dann gibt es noch die hausgemachten Probleme: Falsche oder übertriebene Hygiene, die unser Immunsystem unterfordert, sowie eine Ernährung, die wenig mit dem zu tun hat, was unser Körper zur natürlichen Abwehr braucht. Über die Sache mit der Hygiene hatte ich ausführlich hier berichtet: Hygiene pur – und doch von Mikroben umringt

Resistenzen – das unsichtbare Bakterien-Tagebuch

Bakterien sind anpassungsfähiger als wir. Sie schreiben mit jeder unüberlegten Antibiotika-Gabe ein neues Kapitel in ihrem Überlebenshandbuch. Wo wir also glauben, eine Infektion zu bekämpfen, züchten wir in Wirklichkeit oft nur widerstandsfähigere Gegner.

In meiner Praxis habe ich unzählige Patienten erlebt, die nach Jahren des Antibiotikagebrauchs plötzlich feststellen mussten, dass nichts mehr half. Die klassische Medizin spricht dann von „therapieresistenten Infektionen“. Ich nenne es eine Rechnung, die irgendwann fällig wird. Oder wie meine Oma immer sagte: „Irgendwann ist Zahltag!“

An dieser Stelle will ich auf jeden Fall auf die besonders scheußliche Gruppe der Fluorchinolone hinweisen:

Gibt es Alternativen?

Ja, die gibt es. Aber sie erfordern ein Umdenken – sowohl in der Medizin als auch in unserem persönlichen Verhalten. Eine starke körpereigene Abwehr ist die beste Versicherung gegen Infektionen.

Dazu gehören eine Ernährung, die reich an Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen ist, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Zink sowie die bewusste Förderung einer gesunden Darmflora. Gerade hier liegt der Schlüssel: Ein gesunder Darm ist der beste Schutz gegen viele Infektionen, doch die meisten Menschen unterschätzen diesen Zusammenhang sträflich.

Auch pflanzliche Alternativen wie Kapuzinerkresse, Meerrettich oder Propolis sind nicht zu unterschätzen. Sie wirken antimikrobiell, ohne die Darmflora zu zerstören.

Ausführliche Strategien beschreibe ich ja unter anderem in meinem Büchlein: Die biologische Therapie der Grippe und grippaler Infekte – Rene Gräber Bücher

Weitere Ideen und Tipps finden Sie u.a. in meinem Beitrag: Natürliche und pflanzliche Antibiotika

Natürlich gibt es Situationen, in denen Antibiotika unverzichtbar sind – eine Lungenentzündung oder eine schwere bakterielle Infektion sind nicht mit einfachen Kräutertees zu behandeln. Aber genau deshalb sollten wir diese lebensrettenden Medikamente nicht für harmlose Infekte verschwenden.

Fazit

Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass jede Erkrankung sofort eine verscheibungspflichtige Tablette erfordert. Ärzte müssen sich trauen, auch einmal „Nein“ zu sagen, wenn eine Antibiotikaverschreibung nicht notwendig ist. Patienten wiederum sollten nicht blind auf eine schnelle Lösung pochen, sondern verstehen, dass Gesundheit nicht allein aus einem Rezeptblock kommt. Es braucht mehr Eigenverantwortung, mehr Wissen über die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers und eine Medizin, die nicht nur Symptome behandelt, sondern echte Heilung fördert.

Wir stehen an einem Scheideweg: Wollen wir den mühsam errungenen Fortschritt im Kampf gegen Resistenzen verspielen? Oder nutzen wir die Chance, Medizin und Gesellschaft endlich in eine nachhaltigere Richtung zu lenken? Die Antwort auf diese Frage entscheidet über die Zukunft der Antibiotika – und über unsere eigene.

Wem das alles noch nicht reicht darf mal in meinen Grundsatzbeitrag zu den Antibiotka schauen: Der Fluch der Antibiotika

Und dann noch ein paar Hinweise für Insider zu Antibiotika:

Wenn man lange genug in der Naturheilkunde tätig ist dann weiß man: Die Fragen ändern sich nicht wirklich. Was mir aber wirklich auffällt: es kommen immer mehr Fragen dazu.

Jüngst wurde ich wieder gefragt: „Was kann ich anstelle von Daosin nehmen?“ Eine berechtigte Frage, die zeigt, wie viele Menschen inzwischen mit einer Histaminintoleranz kämpfen. Dieses Problem war vor fast 30 Jahren so gut wie nicht vorhanden. Heute? Tja…

Doch wie so oft ist die eigentliche Frage nicht: Was nehme ich stattdessen?, sondern: Wie finde ich die Ursache?

Daosin und die DAO-Problematik

Daosin ist ein Markenname. Es handelt sich dabei um ein Mittel, das Diaminoxidase (DAO) enthält – ein Enzym, das beim Abbau von Histamin im Darm hilft. Daosin wird häufig bei Histaminintoleranz eingesetzt, um die DAO-Aktivität zu unterstützen und Symptome zu lindern. Der Markenname gehört zur Firma STADA.

Es gibt auch andere Präparate mit Diaminoxidase von verschiedenen Herstellern, die unter anderen Markennamen verkauft werden.

Wer eine Histaminintoleranz hat, dem fehlt oft genau dieses Enzym oder es funktioniert nur eingeschränkt. Daosin soll helfen, dieses Defizit auszugleichen, indem es vor histaminreichen Mahlzeiten eingenommen wird.

Ein Segen? Ja. Eine Dauerlösung? Nein. Denn wer dauerhaft auf ein Präparat angewiesen ist, um essen zu können, behandelt Symptome – aber nicht die Ursache.

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Die Schulmedizin und ihre Grenzen

Die klassische Medizin betrachtet Histaminintoleranz oft als Randproblem. Sie bietet Antihistaminika an, die Rezeptoren blockieren, oder Daosin, um das Enzym von außen zuzuführen. Selten wird jedoch gefragt: Warum produziert der Körper nicht genug DAO? Die Sache mit dem DAO habe ich auch hier genauer beleuchtet: Diaminoxidase (DAO) erklärt: Enzymaktivität, Histaminabbau und Intoleranz

In meiner Praxis sehe ich oft, dass es nicht mit einer simplen Tablette getan ist. Eine gestörte Darmflora, entzündliche Prozesse oder eine überlastete Leber sind häufige Ursachen. Wer hier nur auf ein Präparat setzt, flickt ein Leck im Boot, ohne das Loch zu stopfen.

Natürliche Alternativen zu Daosin

Vorab: Ausführlich zur Histaminintoleranz habe ich hier geschrieben: Histaminintoleranz – Naturheilkunde und Naturheilmittel, die überzeugen

Glücklicherweise gibt es viele Wege, die eigene DAO-Produktion zu unterstützen.

1. Die richtigen Nährstoffe zuführen

DAO ist ein enzymatisches Arbeitstier – aber wie jeder Handwerker braucht es gutes Werkzeug. Folgende Stoffe sind essenziell:

  • Vitamin B6 (enthalten in Kartoffeln, Fisch, Bananen) – unerlässlich für die Enzymproduktion
  • Kupfer (Leber, Kakao, Nüsse) – ein Kofaktor für DAO
  • Magnesium (Mandeln, grünes Blattgemüse) – wichtig für viele enzymatische Prozesse

2. Histaminabbau natürlich fördern

Es gibt Pflanzenstoffe, die den Histaminabbau unterstützen:

  • Quercetin – ein natürliches Antihistaminikum (reichlich in Kapern, Zwiebeln, Äpfeln)
  • Luteolin – stabilisiert Mastzellen (enthalten in Sellerie, Brokkoli, Kamille)
  • Probiotika – aber Achtung: Nicht alle helfen! Besonders Bifidobacterium longum kann Histaminabbau unterstützen.

3. Den Darm in Ordnung bringen

Die meisten DAO-Probleme sind „Darmprobleme“. Wer hier ansetzt, hat oft nachhaltigen Erfolg:

  • Gluten und Zucker reduzieren – beides kann Darmentzündungen fördern
  • fermentierte Lebensmittel (bei Verträglichkeit) – stärken die Darmschleimhaut
  • Natürliche Bitterstoffe (Artischocke, Enzian, Löwenzahn) – fördern die Verdauung und Leberfunktion

4. Den Stress nicht vergessen

Histamin ist nicht nur ein Nahrungsproblem, sondern auch ein Stressproblem. Chronischer Stress kann die Mastzellen überaktivieren und Histamin freisetzen. Meditation, Spaziergänge im Wald oder einfache Atemübungen sind oft unterschätzte Helfer.

Fazit: Selbsthilfe statt Dauermedikation

Ja, Daosin kann helfen – aber es ist keine Lösung für die Wurzel des Problems. Wer Histaminintoleranz wirklich in den Griff bekommen will, muss ansetzen: Bei der Ernährung, dem Darm, den Nährstoffen und dem Lebensstil.

Mein Rat nach 25 Jahren Praxis: Verlasse dich nicht auf eine Kapsel. Höre auf deinen Körper, finde die Ursache – und gib ihm, was er wirklich braucht.

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Im Kern geht es um Folgendes: „Experten“ (Mediziner, u.a.), welche wissenschaftliche Studien für die bekanntesten Medizinzeitschriften prüfen, haben Geld von Pharmafirmen erhalten – insgesamt über 1 Milliarde Dollar in drei Jahren.

Und das ist ziemlich grob! Das Spiel läuft also anscheinend so:

Teil 1 des „Spiels“:

Pharmafirma XYZ erstellt eine Studie zu einem Medikament. WIE diese „Studien“ ablaufen und ablaufen könnten (ich muss aufpassen was ich schreibe), hatte ich in unzähligen Beiträgen in den letzten Jahren dokumentiert. Hier eine kleine Auswahl:

Diese „Studien“ werden dann bei Fachmagazinen eingereicht, die diese „Studien“ veröffentlichen sollen. Diese Magazine wollen natürlich ordentlich arbeiten und lassen die Studien begutachten – das nennt sich „Peer-Review-System“.

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Und genau jetzt kommt Teil 2 dieses perfiden Spiels:

Teil 2 des Spiels: Die verborgenen Interessenkonflikte im Peer-Review-System

Das Peer-Review-Verfahren gilt als das Rückgrat der wissenschaftlichen Qualitätssicherung. Es ist der Prozess, der sicherstellen soll, dass nur fundierte und glaubwürdige Studien den Weg in renommierte Fachzeitschriften finden.

Doch eine aktuelle Analyse (Studie) offenbart: Diese Grundfesten der Wissenschaft sind noch mehr ins Wanken geraten. Mehr als die Hälfte der Peer-Reviewer von vier der weltweit angesehensten medizinischen Journale (BMJ, JAMA, Lancet und NEJM) haben innerhalb von drei Jahren finanzielle Zuwendungen von Pharma- oder Medizinprodukteunternehmen erhalten. Der Gesamtwert dieser Zahlungen beläuft sich auf beeindruckende 1,06 Milliarden Dollar.

Die Dimension des Problems

Die Untersuchung stützt sich auf Daten aus der US-amerikanischen Open Payments-Datenbank, in der finanzielle Zuwendungen von Unternehmen an Ärzte und Forschungseinrichtungen offengelegt werden. Die Forschergruppe verglich die Listen der Peer-Reviewer aus dem Jahr 2022 mit den Zahlungsdaten der Jahre 2020 bis 2022. Die Ergebnisse sind alarmierend: 59 Prozent der Reviewer haben Zahlungen erhalten. Allein 1 Milliarde Dollar floss an Einzelpersonen oder Institutionen für Studienärztetätigkeiten, während weitere 64,2 Millionen Dollar als „allgemeine Zahlungen“ verbucht wurden. Letztere umfassen Honorare, Geschenke, Reisekosten und sogar Mahlzeiten.

Einzelne Gutachter bekamen im Durchschnitt 7.614 US-Dollar (maximal 43.069 US-Dollar) für Geschenke, Reisen oder Honorare. Für Forschungsarbeiten kassierten sie durchschnittlich 153.173 US-Dollar, in Einzelfällen sogar bis zu 835.637 US-Dollar.

So sieht dann „unabhängige Wissenschaft“ aus?

Peer-Review-Verfahren – Ein WITZ?

Das Peer-Review-System gilt seit Jahrzehnten als Bollwerk gegen wissenschaftliche Fehltritte. Gutachter überprüfen Manuskripte anonym und beurteilen sie nach Kriterien wie methodischer Strenge, Plausibilität usw. Ihre Empfehlungen beeinflussen maßgeblich, ob ein Artikel veröffentlicht wird oder nicht.

Doch diese Untersuchung zeigt: Die Neutralität der Peer-Reviewer ist nicht garantiert. Interessenkonflikte entstehen, wenn Reviewer finanzielle Beziehungen zu Unternehmen haben, deren Produkte oder Technologien Gegenstand der begutachteten Forschung sind.

Solche Zahlungen beeinflussen die Gutachter? Studien werden plötzlich besser bewertet? Änderungen passen oft genau zu den Wünschen der Geldgeber? Alles Zufall?

Wer´s glaubt wird seelig!

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Transparenz? Fehlanzeige!

Die Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) verlangen, dass Peer-Reviewer potenzielle Interessenkonflikte offenlegen. Theoretisch sollen sie sich bei Befangenheit von der Begutachtung eines Manuskripts zurückziehen. Doch die Praxis sieht anders aus. Die Offenlegung erfolgt nicht routinemäßig – weder gegenüber den Autoren noch der Öffentlichkeit. Die Reviewer bleiben anonym, und ihre finanziellen Verstrickungen bleiben verborgen.

Dieses intransparente System lässt Raum für Manipulationen. Wenn Gutachter die Inhalte von Studien ändern oder ihre Empfehlungen zugunsten bestimmter Interessen lenken, kann dies weitreichende Konsequenzen haben. Ihre Einflussnahme reicht oft weiter als die eines Co-Autors, bleibt jedoch im Verborgenen.

Die Verantwortung der Herausgeber

Auch die Herausgeber der Fachzeitschriften stehen in der Verantwortung. Ihre Entscheidungen für oder gegen eine Publikation basieren maßgeblich auf den Empfehlungen der Peer-Reviewer. Wenn diese jedoch durch finanzielle Interessenkonflikte gefärbt sind, kann dies die wissenschaftliche Integrität ganzer Journale untergraben.

Es stellt sich die Frage, warum diese Verflechtungen nicht längst systematisch offengelegt wurden? Während Autoren dazu verpflichtet sind, ihre Interessenkonflikte zu deklarieren, bleibt die Rolle der angeblichen „Gutachter“ weiterhin im Dunkeln!

Fazit

Es stinkt gewaltig! Mit dieser Art von Wissenschaft werden Medikamente auf den Markt gedrückt, die nicht das Wohl der Patienten, sondern die Gewinne der Unternehmen im Blick haben. Peer-Reviewer kassieren Millionen, während ihre Unabhängigkeit fragwürdig bleibt.

Wer immer noch glaubt, dass es in der Medizin weitgehend mit „rechten Dingen“ zugehe, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann. Dieser Glaube würde nicht schaden – aber die Einnahme von bestimmten Medikamenten?

Auch dazu hatte ich bereits mehrfach berichtet:

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