Esmya – wieder ein Medikament mit nicht dokumentierten fatalen Nebenwirkungen

Ulipristalacetat, das unter den Handelsnamen „ellaOne“ und „Ella“ oder „Esmya“ geführt wird, hat unterschiedliche Indikationsbereiche. Zum Einen kommt die Substanz als „Pille danach“ als Notfallkontrazeptivum zum Einsatz (als „ellaOne“ und „Ella“). Als Präparat mit einer geringeren Dosierung („Esmya“) wird es zur Behandlung von gutartigen Tumoren (Myome) in der Gebärmutter eingesetzt. Dieses Präparat ist in der Europäischen Union seit 2012 für diese Indikation zugelassen.

Laut einem Bericht des „Spiegel“ galt dieses Medikament, wie so viele andere auch, als einer dieser nicht enden wollenden „Durchbrüche“ in der Schulmedizin (Gynäkologie) (spiegel.de/gesundheit/diagnose/esmya-ulipristalacetat-gegen-myome-verdacht-auf-schwere-leberschaeden-a-1192749.html). Jetzt hat sich herausgestellt, das möglicherweise vier Frauen diesem Durchbruch einen schweren Leberschaden zu verdanken haben, der bei drei dieser Frauen eine Lebertransplantation notwendig werden ließ.

Immerhin empfehlen EMA und BfArM einen Stopp von Neueinstellungen auf die Substanz. Und: „Frauen, die bereits einen Einnahmezyklus mit Esmya abgeschlossen haben, sollten keine neuen beginnen.“ So der „Spiegel“.

Die „pharmazeutische Zeitung“ hat sich ebenfalls dieses Themas angenommen, und das sogar in zwei Beiträgen.

Der erste Beitrag stammt vom 1. Dezember 2017 (pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73090). Hier berichtet die Zeitung von diesen vier Fällen, bei denen beträchtliche Leberschäden aufgetreten waren.

Der zweite Bericht stammt vom 9. Februar 2018 (pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=74258). Hier stellt die Zeitung fest, dass eine langfristige Einnahme des Medikaments zu schweren Leberschäden führen kann. Aus diesem Grunde empfiehlt der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, keine neuen Patienten auf die Substanz einzustellen und, wie oben bereits beschrieben, neue Behandlungsintervalle nicht mehr mit Esmya fortzusetzen.

Eine abschließende Bewertung liegt zwar noch nicht vor. Aber die allgemeinen Empfehlungen zur Zeit lauten, dass Patientinnen, die gegenwärtig die Substanz zur Behandlung von Myomen noch erhalten, mindestens einmal im Monat ihre Leberwerte überprüfen lassen sollten. Sollten die Prüfungsergebnisse für Transaminasen das Doppelte vom Normalwert erreichen und überschreiten, dann ist dies eine Indikation für eine sofortige Beendigung der Therapie mit Esmya.

Auch Anzeichen von Übelkeit, Erbrechen, Beschwerden im Oberbauch, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Anzeichen von Gelbsucht etc. unter der Substanz können auf eine Leberschädigung hinweisen. Auch hier sollten die Patientinnen umgehend ihren Arzt aufsuchen.

Die evidenzbasierten Gegenstimmen

Laut Angaben des Herstellers, der Gedeon Richter AG, gibt es keinen Zusammenhang. Natürlich nicht, denn ein solcher Zusammenhang wäre eine mittelschwere Katastrophe für das Unternehmen. Laut Angaben von Reuters (Hungary’s Richter says no link seen between Esmya drug and liver damage) macht die Firma mit diesem Präparat alleine 85 Millionen EUR Umsatz pro Jahr, was ein exzellenter Grund ist, alle Vorsichtsmaßnahmen aus medizinischer Sicht als überflüssig zu brandmarken.

Stramme Schützenhilfe bekommt der Hersteller auch von Wikipedia. Bei der Besprechung der Substanz wird unter der Kategorie „Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen“ erklärt:

„Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 1. Dezember 2017 ein Risikobewertungsverfahren für das Medikament Esmya eingeleitet, um vier Berichte über schwere Leberschäden bei Patientinnen, die mit Ulipristalacetat behandelt wurden, und mögliche Konsequenzen für den Einsatz des Medikaments zu prüfen. Von einer Anwendung des Arzneimittels rät der Ausschuss jedoch bisher nicht ab.“ (Stand Januar 2018)

Eine glatte LÜGE!

Das ist eine glatte Lüge!

Sowohl „Spiegel“ als auch die „pharmazeutische Zeitung“ weisen explizit auf die Empfehlung der PRAC hin, dass keine Neueinstellungen mehr vorgenommen und neue Intervallbehandlungen mit der Substanz ebenfalls nicht fortgeführt werden sollen.

Alternativen?

Ich hatte vor geraumer Zeit bereits diesen Artikel zu dieser spezifischen Erkrankung veröffentlicht: Gebärmutter Myome | Ursachen – Diagnose – Therapie.

Da es sich hier nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt (nur 0,5 Prozent der Myome entarten), gibt es keinen Grund, sich einer potentiell lebensbedrohlichen medikamentösen Therapie zu unterziehen. Eine wesentlich sicherere und gleichzeitig nebenwirkungsfreiere Therapiealternative stellt die Homöopathie dar, auf die ich bei Myomen immer setze.

Und auch die Fastentherapie zeigt hier sehr gute Ergebnisse. Dies hatte ich in diesem Beitrag für eine Reihe von „Frauenleiden“ diskutiert: Fasten bei Frauenkrankheiten und Frauenleiden.

Selbstverständlich sind diese Alternativen wenig willkommen, wenn es um einen Umsatz von 85 Millionen EUR geht. Da muss man schon mal beide Augen zudrücken können – 42,5 Millionen EUR pro Auge.

Fazit

Es sieht fast so aus, als wenn wir mit Esmya ein weiteres Medikament mit Durchbruchcharakter haben, das unter evidenzbasiert realistischen Bedingungen seines „Märchen“-Charakters beraubt wird und möglicherweise zu einem neuen Medikamentenskandal heranreift. Dies würde sich dann nahtlos in die Skandalreihe von Valproinsäure, Avandia, Vioxx, Lipobay, Koate etc. einreihen. Auch hier hatten die Hersteller zunächst alle Zusammenhänge zwischen Todesfällen und schweren Nebenwirkungen und ihren Produkten als Unsinn versucht darzustellen.

Fazit vom Fazit: Geschichte wiederholt sich doch…. Immer wieder kommt es zu diesen Debakeln, die nicht weiter überraschend sind, da die Medikamente nicht hergestellt werden, um Krankheiten zu heilen, sondern um Umsatz zu machen. Das Dreinschlagen auf die Alternativmedizin ist da nur ein mehr oder weniger geschicktes Ablenkungsmanöver, damit niemand von den eigenen Schandtaten spricht.

Datum: Dienstag, 13. Februar 2018
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3 Kommentare

  1. Anke Baumgarten
    Sonntag, 8. Juli 2018 16:12
    1

    Niemals sind diese Leberwerte vom Esmya. Ich selbst hab Esmya schon über längere Zeit genommen und mir ging es sau wohl. Absolut keine Nebenwirkungen, im Gegenteil ich war richtig gut drauf. Jetzt ist es vom Markt und man steht da mit seinem Problem. Vielen Dank auch, wegen 4 Damen mit erhöhten Leberwerten, wo immer sie diese herhaben. Bestimmt nicht vom Esmya.

  2. Christine Fickenscher
    Mittwoch, 29. August 2018 12:48
    2

    Auch ich habe Esmya über einen längeren Zeitraum genommen. Meine Leberwerte wurden regelmäßig kontrolliert und zeigten nie Auffälligkeiten. Die erhoffte Wirkung zeigte sich, Myome wurden deutlich kleiner und die unregelmäßigen, teils starken Blutungen, waren weg. Erhöhte Leberwerte können ganz andere Ursachen haben: Auslandsaufenthalt, Hepatitis, Alkohol, ungesunde Ernährung, Vererbung nur um ein paar Beispiele zu nennen. Wie viele Frauen insgesamt haben das Medikament genommen? Und davon vier!!! mit Problemen. Welche Tablette darf dann noch auf dem Markt sein?

  3. 3

    Ich habe Esmya über 3 Monate eingenommen, meine Myome sind kleiner geworden und ich bin einer erneuten Gebärmutter OP davon gekommen. Nur jemand der selbst unter Myomen leider, weißt was Esmya für uns geleistet hat! Ich hatte gar keine Nebenwirkungen! Ich hoffe das Präparat ist bald wieder auf dem Markt.

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