Gesundheitsrisiken von Millionen von Menschen aufgrund von pflanzlichen Medikamenten?

Wissenschaftler vom King´s College in London warnen, dass möglicherweise Millionen von Menschen Gefahr laufen, ein Nierenversagen und /oder Blasenkrebs zu entwickeln, wenn sie pflanzliche Arzneimittel einnehmen, die in Asien sehr verbreitet sind. Hier gibt es eine Reihe von Präparaten für Gewichtsabnahme, Asthma, Arthritis und so weiter, die auf pflanzlicher Basis hergestellt werden und Aristolochiasäuren enthalten. Diese Produkte sind jetzt in den USA und vielen europäischen Ländern verboten. In China und anderen asiatischen Ländern sind die Produkte noch erhältlich, ebenso weltweit über das Internet.

Diese Veröffentlichung ist keine kontrollierte Studie, sondern eine Zusammenstellung und Begutachtung von verschiedenen Fällen, bei denen Patienten durch die Einnahme solcher Medikamente eine Nephropathie (Nierenerkrankung) aufgrund der Aristolochiasäuren (AAN) entwickelt hatten. Die Forscher vermuten in ihrer Veröffentlichung, dass es Tausende von Menschen in Asien gibt, die noch nicht oder falsch diagnostiziert sind.

Der führende Wissenschaftler, Prof. Graham Lord, Direktor des National Institute for Health Research (NIHR) Biomedical Research Centre (BRC) meint dazu, dass die Forscher Hinweise gefunden hätten, dass einige Millionen Menschen auch weiterhin ein deutliches Gesundheitsrisiko eingingen, wenn sie solche pflanzlichen „Medikamente“ einnähmen. Dies trifft insbesondere auf China und Indien zu. Gleichzeitig fehlt es an kompetenten Diagnoserichtlinien, um eine Nephropathie rechtzeitig feststellen und behandeln zu können.

Die Diskussion der Fallbeispiele wurde in den „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht. Sie macht deutlich, dass die bislang eingesetzten Maßnahmen seitens nationaler und internationaler Gesundheitsbehörden praktisch wirkungslos sind, um die Belastung mit Aristolochiasäure zu verhindern.

In dieser Arbeit sondierten die Autoren die neuesten Daten zu der Epidemiologie von AAN. Dazu benutzten sie verschiedene Suchmaschinen, um alle Veröffentlichungen zu diesem Themenkomplex mit einzubeziehen. Sie identifizierten 42 verschiedene Fallstudien und eine Studie, die sich mit der Behandlung der Erkrankung befassten.

In ihrer Arbeit erklären sie Ursachen und Entwicklung der Erkrankung und schlagen eine Vorgehensweise vor, die es einfacher machen soll, AAN zu diagnostizieren. Zusätzlich schlagen sie eine neue Klassifizierung der Erkrankung vor, die es international einfacher macht, AAN-Patienten zu identifizieren und Behandlungsrichtlinien für diese Patienten zu entwerfen.

Das Team der Wissenschaftler besteht aus einem internationalen Mix mit Teilnehmern aus Belgien, der Tschechei, Deutschland und Großbritannien. Dr. Gökmen, einer der Koautoren resümiert, dass diese Art der Forschung zeigt, wie wichtig eine internationale Zusammenarbeit ist, um zeigen zu können, dass ein Toxin, das oft zum Einsatz kommt, zur Entwicklung von Krebs führt.

Mein Kommentar zu dieser Arbeit ist, dass auch pflanzliche Arzneimittel nicht per se gesund sind, beziehungsweise sein müssen, da die Natur potente Gifte produziert, die Pflanzen und Tieren als Selbstschutz dienen. Die Aristolochiasäure ist so ein Gift, dass die Pfeifenblumen (Aristolochia) Haselwurzen (Asarum) etc. vor Fressfeinden schützt. Die verschiedenen Formen der Aristolochiasäuren sind typisch nur für Mitglieder der Familie der Aristolochiaceae und kommen bei keiner anderen Pflanze vor. Von daher sind die Warnungen der Wissenschaftler vor der Einnahme der Präparate auf Basis dieser Pflanzenfamilie berechtigt.

Auf der anderen Seite würde ich mir wünschen, dass solche Arbeiten auch für die schulmedizinischen Produkte erscheinen. Denn diese bieten häufig ähnlich problematische Substanzen, die deletäre Konsequenzen für den damit behandelten Patienten bereithalten.

Fallanalysen, wie die eben vorgestellte, werden aber dann in der Regel als „nicht wissenschaftlich“, „nicht evidenzbasiert“ und so weiter abgestempelt, da sie nicht den Regeln einer „sauber aufgestellten“ Studie entsprechen.

Quelle: The epidemiology, diagnosis, and management of aristolochic acid nephropathy: a narrative review

René Gräber

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2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar

    Seht interessanter und aufschlussreicher Artickel.
    Regt zum Nachdeken an. Manchmal geht man wirklich
    leichtfertig mit Medikamenten um, gerade wenn sie
    pflanzlich sind!
    Aber wenn man nicht einmal mehr seinem Arzt vertrauen
    kann, wem dann?
    Viele Grüße
    Anne

  2. Avatar

    Ich sehe dieses Problem genauso wie Anne. Wir als Medizinlaien sollten dem Arzt unseres Vertrauens bedingungslos vertrauen können. Die heutige Gesellschaft ist viel zu sehr fixiert auf Geld und Macht, dieses Phänomen macht auch vor der modernen Medizin nicht halt. Es ist erschreckend, wie den einfachen Leuten das Geld mit wirkungslosen Medikamentenpräparaten aus der Tasche gezogen wird.

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