Die Probleme mit der „Ernährungswissenschaft“

Ein älterer Artikel aus der Süddeutschen Zeitung erinnerte mich (wieder einmal) daran: Die Ernährungswissenschaft hat „ein dickes Problem“. Die Methoden der Ernährungswissenschaft sind in hohem Maße angreifbar. Warum? Ganz einfach: Der Faktor „Mensch“ spielt in vielen Studien einfach nicht so mit, wie er das den Wissenschaftlern „zur Liebe“ tun sollte.

Ein Beispiel: Angeblich ist es nicht möglich, bei den Menschen vernünftige Blutdruckwerte und Blutzuckerwerte zu messen, denn bereits hier spiele der „Untersuchte“ den Messwerten und damit den Messenden angeblich stets „einen Streich“. So hängen zum Beispiel die Höhe der Blutzuckerwerte nicht nur von den gegessenen Kohlenhydraten (Zucker, Brot, Nudeln, Kartoffeln etc.) ab. Es spielen auch Faktoren eine Rolle, zum Beispiel wie glücklich man schläft, wieviel Sport man treibt und einige andere Einflüsse, von denen man einige erfassen, manche nicht mal messen und etliche nur erahnen kann.

Eine exakte Wissenschaft ist so nicht möglich, weil die Messwerte einfach zu subjektiv sind

Es folgen noch ein paar schlagende Beispiele mit höchst wissenschaftlichen Konstanten, wie Salz-, Kaffee- und Marmeladenbrotkonsum, die alle zeigen, dass Forscher „diese vielen Störfeuer“ berücksichtigen müssen. Tun sie das nicht, „setzen sie immer wieder abstruse Meldungen in die Welt, wonach Käsekuchen dumm macht“ (das liegt dann am „Süddeutschen Marmeladenbrotkoeffizienten“). Das „Störfeuer“ beseitigende Taktieren mit randomisierten und Placebokontrollierten Studien scheint dem Schreiber jedoch kein Begriff zu sein, denn sonst käme er nicht auf soviel Käsekuchen.

Nachdem also für den Autor feststeht, dass die Ernährungswissenschaft (im Prinzip eigentlich jede Wissenschaft) unzuverlässig oder sogar unmöglich ist, wird just die eben geschmähte Wissenschaft bemüht, um sich selbst zu widerlegen: „In jüngster Zeit zeigte sich etwa in mehreren Studien (man beachte die Präzision der Angaben!), dass nicht die Menschen mit vermeintlichem Idealgewicht am längsten und gesündesten leben, sondern solche, die so viel auf den Rippen haben, dass sie nach herkömmlichen Definitionen als leicht bis mäßig übergewichtig gelten.“

Der Autor lässt uns im Dunkeln, wie zuverlässig diese „mehreren Studien“ denn nun waren (und wie hoch deren „Marmeladenbrotkoeffizient“ war).

Ein weiteres Beispiel sind die immer wiederkehrenden Ratschläge, weniger Salz zu konsumieren, um „Herz und Gefäße zu schonen“ und daraufhin länger zu leben. Was dabei gern vergessen wird: 80 Prozent des zu sich genommenen Salzes kommen nicht aus dem Salzstreuer auf den Tisch, sondern aus Fertigprodukten und anderen verarbeiteten Nahrungsmitteln. Daher sind ärztliche Ratschläge, Salz zu sparen, also eher unpassend, sogar eine prima Verdrehung tatsächlicher Gegebenheiten. Stattdessen sollte der Rat lauten, weniger Fertigprodukte zu konsumieren. Lesen Sie dazu auch mein Interview zu einer richtigen und gesunden Ernährung.

Und auch die neueste Hypothese zur Entstehung von Diabetes kann sich sehen lassen: Eine vermehrte Einnahme von Kohlenhydraten begünstigt plötzlich die Diabetesinzidenz. Jeder, der sich ernsthaft mit Diabetes auseinandergesetzt hat weiß, dass Diabetes nicht allein vom Zuckerbonbonlutschen herrührt. Fette können vom Körper ebenso in Kohlenhydrate „verwandelt“ werden und damit diabetogen wirken, von der physiologischen Auswirkung auf Insulinresistenz und –produktion mal abgesehen.

Vor diesem Hintergrund sind die ständig postulierten Diäten, die einmal „fettarm“ und ein anderes mal „zuckerarm“ sein sollen, schon lustig. Ja was denn nun? Da passt ja meine Wahlspruch: „Wenn Sie zunehmen wollen, machen Sie eine Diät!

Fazit: Bei soviel „Wissenschaftlichkeit“ mit gerüttelten und geschüttelten Fakten wird mir persönlich schnell übel. Da halte ich mich lieber an meine einfachen Ernährungsleitlinien zur gesunden Ernährung.

Datum: Montag, 7. Februar 2011
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Ein Kommentar

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    Wenn solche Studien lediglich eine Debatte über den Marmeladenbrotkoeffizienten auslösen, ist es ja noch zu verkraften. Doch viel zu häufig steht der moralische Zeigefinger zwischen den Zeilen oder sogar in der Überschrift. Besonders wenn es über das Körpergewicht geht, könnte man meinen der 30jährige Krieg sei wieder ausgebrochen. Die haarstäubensten „wissenschaftlichen“ Erkenntisse werden zu Felde geführt. Zwar keine direkt ernährungswissenschaftliche, aber von ähnlich kognitiver Sparsamkeit geprägte Studie behauptet: „Übergewicht schadet der Umwelt“ (unter der Rubrik „Wissenschaft“ auf spiegel.de). Solange man nicht davon betroffen ist, kann man das Ganze ja noch mit Humor nehmen. Ist man jedoch betroffen, ist Übelkeit noch die geringste Folge.

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