Vorsicht vor gepanschtem Billig-Honig

Ich liebe Honig. Honig ist ein wertvolles Natur-Produkt. Die Bienen sammeln Nektar, den sie im Bienenstock mit körpereigenen Sekreten anreichern und zur Reifung in Waben speichern. So enthält der ursprüngliche Nektar neben pflanzlichen Zuckern, Spuren-Elementen, Vitaminen und Pollen auch Enzyme und antibakterielle Wirkstoffe.

Die gesunde Honig-Süße ist deswegen um ein Vielfaches teurer als Industrie-Zucker. Viele Verbraucher wissen das zu schätzen, doch schauen sie auch auf den Preis des Bienen-Produktes. Die Produzenten versuchen deshalb, die Kosten zu senken. Und dabei bedienen sie sich zunehmend raffinierterer Tricks. Inzwischen erweisen sich 1,4 von 10 Honig-Proben in der EU als nicht naturbelassen…

Welchem Hersteller kann man eigentlich noch trauen? Bild: fotolia – Grafvision

Freilich handeln viele Imker auch aus der Not heraus. Wegen der teils außergewöhnlichen Witterung, die durch den Klima-Wandel bedingt ist, müssen sie ihren Tieren zusätzlich Zuckerlösung anbieten. Der Stress durch die Varroa-Milbe setzt den Bienenvölkern ebenfalls zu, denn die Spinnentiere übertragen einen Virus, der die Flügel der Bienen verkümmern lässt. Oft sind die Imker auch gezwungen, den Bienen Wachs anzubieten. Und weil der teuer ist, strecken manche Produzenten das Natur-Produkt mit Stearin. Der aus Erdöl stammende Stoff ist für Insekten tödlich.

Kann man die Imker noch verstehen, wenn sie zu diesen Methoden greifen, hat die industrielle Honig-Produktion ganz andere Dimensionen. Denn hier wird in großem Stil betrogen, was das Zeug hält. So wird auf dem Markt für Imkerei-Bedarf mittlerweile eine Vielzahl an Zuckerlösungen angeboten, um den fertigen Honig zu strecken. Andere Hersteller lassen es gar nicht erst zur echten Honig-Produktion kommen. Besonders in China werden die Bienen nicht in annähernd natürlichen Behausungen gehalten. In den stählernen Wohnstätten der Insekten wird ihnen der gesammelte Nektar abgenommen und in einem technischen Prozess zu einer Art Kunst-Honig verarbeitet.

Gepanschter Honig ist schwierig zu entdecken!

Lebensmittel-Kontroleure haben es zunehmend schwer, gepanschten Honig zu entdecken. Doch die Nachweis-Methoden verbessern sich in dem Maße, in dem die Praktiken der Honig-Fälscher raffinierter werden. Die 2015 eingeführte NMR-Analyse kann den biochemischen Fingerabdruck des Honigs erkennen. Doch die immer weiter verbesserten Tricks der industriellen Honig-Produzenten setzen die Behörden stetig unter Zugzwang. Der Wettlauf hat Ähnlichkeiten mit den Verhältnissen beim Doping im Leistungssport. Ein Unterschied besteht nur darin, dass die Honig-Panscher noch dreister sind. Sie lassen ihre Proben von den offiziellen Analytikern freiwillig überprüfen, um festzustellen, wie weit sie gehen dürfen.

Die Chinesen – Schon wieder…

Die Chinesen wissen bereits: Reis-Sirup kann bislang kaum als Zusatz-Stoff identifiziert werden. Die Zuckerlösung wird im Internet als “Rice Syrup Pass“ unverhohlen angeboten. Fälschungen können aber auch durch eine Pollen-Analyse entlarvt werden. Damit konnte bisher immerhin die Herkunft des Honigs eindeutig geklärt werden. Doch die Produzenten können diesen Marker inzwischen sogar durch die Zugabe von entsprechenden Pollen nach ihren Wünschen modulieren.

Auf die Machenschaften chinesischer Honig-Exporteure haben die USA mit Strafzöllen reagiert. Doch auch dagegen wussten sich die Hersteller zu helfen. Die Export-Bilanzen aus anderen Ländern liefern dafür eindeutige Indizien. Denn nach der Verhängung der Einfuhrzölle schnellte die Ausfuhr von Honig aus Vietnam, Indien und Thailand sprunghaft in die Höhe. Seit Inkrafttreten eines Handelsabkommens zwischen der Ukraine und er EU kam plötzlich eine erhebliche Menge auch aus dem osteuropäischen Land. Im vergleichbaren Maße nahm der Honig-Export aus China in diese Länder zu. Die Handelsströme lassen nur einen Schluss zu: um die Zölle zu umgehen, wird ein Umweg über Drittstaaten genommen.

Fazit

Naturbelassener Honig war und ist immer etwas teurer. Trotzdem bietet er keine Garantie, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu erwerben. Beim Billig-Honig kann der Verbraucher hingegen davon ausgehen, dass es sich nicht um echten Honig handelt. Entweder ist er gestreckt oder von vornherein nicht natürlich produziert.

Datum: Montag, 7. Mai 2018
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3 Kommentare

  1. 1

    also ich habe das Glück, dass der Imker von dem ich meinen Honig kaufe, seinen Bienenwagen bei uns im Schwarzwald aufstellt und bevor er wieder wegfährt auch dort schleudert. Den Honig verkauft er gleich an Ort und Stelle. Nun, ich habe schon seit Jahren den Verdacht, dass der Honig im Laden gepanscht ist.

  2. 2

    Was mir dabei komisch vorkommt : dt. Honig Vermarkter wie zb. die Münchner Firma Breitsamer verkaufen in den Supermärkten Honige aus bestimmten Regionen wie zB. den Alpen, franz. Regionen etc. Es steht auf dem Glas auch nicht der Satz „enthält Honig aus EU – und nicht EU Ländern“, er sollte also in Ordnung sein, allerdings kann ich alle diese Honige nicht essen da diese aggressiv süß sind, wie wenn es fast reine Zuckerlösung wäre. Breitsamer gibt aber an „Für jeden unserer Honige gelten höchste Qualitätsanforderungen – strenger als die deutsche Honigverordnung sie vorgibt – transparente Herkunftsangaben, Sortenreinheit“. Das verwundert, denn der Honig meines lokalen Orts Imkers schmeckt viel weniger süß, also wirklich angenehm süß und dazu vielfältiger im Aroma, so wie ein Honig schmecken muss, egal welcher, ob Wald, Sommer oder spezielle Honige.

  3. 3

    Wo finde ich denn guten Honig? In Bioläden oder direkt einen Imker vor Ort finden?

    Antwort René Gräber:
    Ich kaufe bei einem mir bekannten Imker direkt vor Ort. Auf Wochenmärkten findet man die auch…

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