Es gibt Meldungen, bei denen man zweimal hinschauen sollte. Nicht weil sie offensichtlich falsch wären, sondern weil die Größenordnung beinahe zu gewaltig klingt: Der durchschnittliche Testosteronspiegel von Männern soll innerhalb von knapp fünf Jahrzehnten um mehr als die Hälfte gesunken sein.

Genauer gesagt: um 54 Prozent zwischen 1972 und 2019.

Die Zahl stammt aus einer neuen systematischen Auswertung, die im Juli 2026 auf dem Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für menschliche Fortpflanzung und Embryologie, kurz ESHRE, in London vorgestellt wurde. Der Titel der Arbeit lautet: „Temporal trends in total and free testosterone (1972–2019): a systematic review and meta-trend analysis“ (LINK)

Federführend war Professor Hagai Levine von der Hebrew University in Israel. In die Analyse flossen sechs längerfristige Untersuchungen mit insgesamt 118.593 Männern aus Israel, den USA, Brasilien, Finnland und Dänemark ein. Alle sechs Studien berichteten sinkende Testosteronwerte. Zusammengenommen errechneten die Forscher einen Rückgang von rund 54 Prozent, wobei sich die Entwicklung nach dem Jahr 2000 offenbar noch beschleunigte.

Das ist zunächst eine Kongresspräsentation. Eine vollständig veröffentlichte Facharbeit mit allen Tabellen, Einschlusskriterien und statistischen Einzelheiten liegt derzeit noch nicht vor. Man sollte die Zahl daher nicht wie eine in Stein gemeißelte biologische Konstante behandeln. Als bloßes Zufallsprodukt lässt sich die Entwicklung allerdings ebenfalls kaum abtun. Dafür zeigen zu viele Untersuchungen aus verschiedenen Ländern in dieselbe Richtung.

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Nicht nur eine Frage des Alters

Natürlich sinkt der Testosteronspiegel bei vielen Männern mit zunehmendem Alter. Darum geht es hier aber gerade nicht.

Die entscheidende Beobachtung lautet: Ein heute 50-jähriger Mann kann im Durchschnitt einen niedrigeren Testosteronwert aufweisen als ein 50-jähriger Mann vor drei oder vier Jahrzehnten. Es handelt sich also nicht nur um einen Alterseffekt, sondern offenbar auch um einen Generationen- und Zeiteffekt.

Männer werden nicht einfach älter. Männer desselben Alters scheinen heute hormonell anders aufgestellt zu sein als frühere Generationen.

Die Massachusetts Male Aging Study

Eine der bekanntesten Arbeiten, die in diesen Zusammenhang gehört, stammt aus den USA. Thomas Travison und seine Kollegen werteten Daten der Massachusetts Male Aging Study aus.

Die Männer waren in drei Erhebungszeiträumen zwischen Ende der 1980er-Jahre und 2004 untersucht worden. Dabei zeigte sich ein deutlicher Rückgang des Gesamt- und freien Testosterons, der sich durch das zunehmende Alter der Teilnehmer allein nicht erklären ließ.

Die Forscher berücksichtigten unter anderem Übergewicht, Rauchen, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme. Dennoch blieb ein erheblicher zeitlicher Rückgang bestehen. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass es in der männlichen Bevölkerung einen altersunabhängigen Rückgang des Testosterons gegeben hatte, dessen Ursache durch die erfassten Gesundheits- und Lebensstilfaktoren nicht vollständig erklärt werden konnte.

Das war im Jahr 2007. Die Entwicklung kommt also keineswegs überraschend aus dem Nichts. Sie wurde nur lange erstaunlich wenig beachtet.

Finnische Männer: gleiche Lebensjahre, andere Hormonwerte

Besonders eindrucksvoll ist eine finnische Untersuchung von Perheentupa und Kollegen.

Die Forscher verglichen Männer verschiedener Geburtsjahrgänge miteinander. Bei den 60- bis 69-Jährigen sank der durchschnittliche Testosteronwert von 21,9 nmol/l bei Männern der Geburtsjahrgänge 1913 bis 1922 auf nur noch 13,8 nmol/l bei Männern, die zwischen 1942 und 1951 geboren worden waren.

Das entspricht keinem kleinen Laborunterschied, sondern einem erheblichen Abstand.

Bemerkenswert ist zudem: Der Unterschied blieb auch bestehen, nachdem die Forscher den Body-Mass-Index rechnerisch berücksichtigt hatten. Die Autoren sprachen ausdrücklich von einem altersunabhängigen Geburtskohorteneffekt.

Mit anderen Worten: Die später geborenen Männer hatten bei gleichem Alter erheblich niedrigere Hormonwerte.

Auch Israel meldet einen deutlichen Rückgang

Eine weitere große Untersuchung wurde 2020 aus Israel veröffentlicht. Dabei analysierten die Forscher Testosteronmessungen aus den Jahren 2006 bis 2019.

Auch dort zeigte sich ein deutlicher Rückgang über die Zeit, und zwar in verschiedenen Altersgruppen. Bei 21-jährigen Männern sank der durchschnittliche Wert beispielsweise von etwa 19,68 nmol/l in den Jahren 2006 bis 2009 auf etwa 17,76 nmol/l zwischen 2016 und 2019.

Der Trend blieb nach Berücksichtigung des Alters und des BMI bestehen. Die Autoren hielten es deshalb für unwahrscheinlich, dass die Zunahme des Übergewichts allein den Rückgang erklären könne.

Übergewicht, Diabetes und das metabolische Syndrom

Über die Ursachen wird nun gestritten. Das ist wissenschaftlich richtig und auch politisch vermutlich unvermeidlich.

Übergewicht ist ohne Zweifel ein wichtiger Faktor. Fettgewebe ist kein passiver Energiespeicher. Es greift aktiv in den Hormonstoffwechsel ein. Unter anderem kann dort über das Enzym Aromatase Testosteron vermehrt in Östrogene umgewandelt werden.

Hinzu kommen Insulinresistenz, chronisch erhöhte Entzündungswerte, Fettleber, Schlafapnoe und Bewegungsmangel. Auch Diabetes und das metabolische Syndrom gehen häufig mit niedrigeren Testosteronwerten einher.

Professor Levine schätzt, dass möglicherweise ein Viertel bis die Hälfte des beobachteten Rückgangs durch Übergewicht und Stoffwechselstörungen erklärt werden könnte. Andere Fachleute halten sogar einen noch größeren Anteil für möglich. Bewiesen ist eine solche vollständige Erklärung bisher jedoch nicht.

Wahrscheinlich ist für mich, dass mehrere Entwicklungen zusammenwirken…

Endokrine Disruptoren: Hormone aus der Umwelt

Ich habe auch hormondisruptive Substanzen in Verdacht wie Weichmacher etc.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Belastung mit hormonell wirksamen Substanzen zu einem ernsthaften Forschungsgebiet geworden.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Phthalate, Bisphenole, Pestizide, PFAS und andere Industriechemikalien. Solche Stoffe können hormonelle Signalwege beeinflussen, die Testosteronproduktion stören oder bereits während der Schwangerschaft und frühen Kindheit in die Entwicklung des männlichen Fortpflanzungssystems eingreifen.

Das bedeutet nicht, dass jede Kunststoffverpackung einen Testosteronmangel verursacht. So simpel funktioniert Biologie nicht. Die mögliche Wirkung entsteht vielmehr durch langfristige Belastung, Stoffgemische, empfindliche Entwicklungsphasen und individuelle Unterschiede.

Die neue Meta-Auswertung beweist nicht, dass endokrine Disruptoren den 54-prozentigen Rückgang verursacht haben. Sie macht die Frage aber dringlicher. Wer sie vorschnell beiseiteschiebt, weil sich nicht jede einzelne Chemikalie sauber einem bestimmten Hormonwert zuordnen lässt, verwechselt fehlende Vollständigkeit mit Entwarnung.

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Was außerdem den Testosteronspiegel drückt

Der moderne Mann lebt hormonell nicht unbedingt in einer besonders günstigen Umgebung.

Viele bewegen sich zu wenig, verlieren Muskulatur, schlafen schlecht und verbringen ihre Tage unter Kunstlicht vor Bildschirmen. Dazu kommen Alkohol, chronischer Stress, bestimmte Medikamente, Schlafapnoe und eine Ernährung, die zwar reich an Kalorien, aber nicht zwingend reich an Vitalstoffen ist.

Auch extreme Diäten können problematisch sein. Testosteron wird aus Cholesterin gebildet. Eine dauerhaft sehr fettarme Ernährung kann deshalb ungünstig sein. Eine Meta-Analyse kontrollierter Ernährungsstudien kam zu dem Ergebnis, dass fettarme Ernährungsformen im Vergleich zu fettreicheren Varianten das Gesamt- und freie Testosteron leicht senken können. Die Zahl der untersuchten Männer war allerdings gering, weshalb daraus keine pauschale Empfehlung für besonders fettreiche Kost abgeleitet werden sollte.

Der Körper braucht weder Dauerfastfood noch hormonelle Askese. Er braucht ausreichend Energie, hochwertige Fette, Eiweiß, Mikronährstoffe, Bewegung, Schlaf und eine funktionierende Stoffwechsellage.

Eigentlich keine spektakuläre Erkenntnis. Nur offenbar eine, die in unserer Lebensweise zunehmend unter die Räder kommt.

Was ein niedriger Testosteronspiegel bedeuten kann

Testosteron wird gern auf Libido und Muskelaufbau reduziert. Das greift deutlich zu kurz.

Das Hormon spielt eine Rolle bei:

  • Muskelmasse und Kraft
  • Knochendichte
  • Blutbildung
  • Sexualfunktion und Spermienproduktion
  • Energie und Antrieb
  • Fettverteilung
  • Stoffwechsel
  • Stimmung und Belastbarkeit

Ein einzelner niedriger Laborwert beweist allerdings noch keinen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel. Die Werte schwanken im Tagesverlauf und können durch Schlafmangel, akute Erkrankungen, Kaloriendefizite oder starke Belastungen vorübergehend sinken.

Gemessen werden sollte deshalb morgens, möglichst unter vergleichbaren Bedingungen und bei auffälligem Ergebnis ein zweites Mal. Neben dem Gesamt-Testosteron können je nach Situation auch SHBG, freies oder berechnetes Testosteron, LH, FSH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte und Stoffwechselparameter sinnvoll sein.

Testosteron einfach spritzen?

Die naheliegende Antwort der Reparaturmedizin lautet auch hier: Wenn etwas fehlt, führen wir es von außen zu. Das kann bei einem eindeutig diagnostizierten Hypogonadismus medizinisch sinnvoll sein. Es ist aber keine harmlose Lifestyle-Therapie.

Von außen zugeführtes Testosteron kann die körpereigene Hormonachse bremsen. Die Ausschüttung von LH und FSH sinkt, die Hoden produzieren weniger eigenes Testosteron und die Spermienbildung kann deutlich zurückgehen oder zeitweise ganz zum Erliegen kommen.

Gerade Männer mit Kinderwunsch sollten deshalb nicht leichtfertig mit Testosteronpräparaten behandelt werden. Andrologen warnen ausdrücklich davor, die vermeintliche Lösung aus sozialen Medien mit einer echten Therapie zu verwechseln. Der Wert mag auf dem Laborzettel steigen, aber die Fruchtbarkeit kann dabei abstürzen.

Was Männer selbst tun können

Vor einer Hormonersatztherapie sollte nach den Ursachen gesucht werden. Bei Übergewicht kann bereits eine deutliche Gewichtsreduktion den Testosteronspiegel verbessern. Entscheidend ist vor allem der Abbau des viszeralen Bauchfetts. Krafttraining ist besonders wertvoll, weil Muskulatur den Stoffwechsel verbessert und altersbedingtem Muskelverlust entgegenwirkt.

Ebenso wichtig sind guter Schlaf und die Abklärung einer möglichen Schlafapnoe. Wer nachts ständig Atemaussetzer hat, lebt hormonell im Dauerstress.

Hinzu kommen:

  • ausreichend Eiweiß und hochwertige Fette
  • eine gute Versorgung mit Zink, Magnesium und Vitamin D
  • weniger Alkohol
  • Behandlung von Insulinresistenz und Fettleber
  • regelmäßige intensive Bewegung
  • möglichst geringe Belastung durch unnötige hormonaktive Chemikalien (Entgiftung!)

Dabei geht es nicht um die Illusion, man könne sämtliche Umweltstoffe vermeiden. Man kann aber Lebensmittel nicht ständig in Plastik erhitzen, Duftstoffe und Chemikalien wahllos verwenden und anschließend behaupten, Exposition spiele grundsätzlich keine Rolle.

Zwischen Panik und Gleichgültigkeit liegt noch immer die Vernunft.

Fazit

Die neue Auswertung liefert eine beunruhigende Größenordnung: Der durchschnittliche Testosteronspiegel von Männern könnte zwischen 1972 und 2019 um mehr als die Hälfte gesunken sein. Ich halte das für sehr wahrscheinlich, denn meine Praxiserfahrung bestätigt diese Zahlen.

Die genaue Zahl muss nach Veröffentlichung der vollständigen Arbeit noch kritisch geprüft werden. Die grundsätzliche Entwicklung ist jedoch nicht neu. Studien aus den USA, Finnland, Dänemark und Israel zeigen seit Jahren einen altersunabhängigen Rückgang.

Übergewicht, Diabetes und Stoffwechselstörungen gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten Ursachen. Ob sie alles erklären, ist offen. Endokrine Disruptoren, Umweltbelastungen, schlechter Schlaf, Bewegungsmangel, Medikamente und veränderte Ernährungsweisen gehören ebenfalls auf den Prüfstand.

Die Nachricht lautet: Mit der männlichen Stoffwechsel-, Hormon- und Fortpflanzungsgesundheit stimmt etwas grundsätzlich nicht mehr.

Und wer bei einem Rückgang um mehr als 50 Prozent lediglich mit den Schultern zuckt, hat möglicherweise nicht nur ein Testosteronproblem.

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Über die Flut von Plastik und deren herbe Konsequenzen für Mensch und Tier hatte ich bereits berichtet: [1.]

Hat sich seitdem (Oktober 2017) etwas geändert? Ja, es hat sich was geändert, aber nicht zum Guten:

Eine neue Studie der University of New Mexico hat ergeben, dass das durchschnittliche menschliche Gehirn etwa 7 Gramm Mikroplastik enthält – das gleiche Gewicht wie ein Plastiklöffel. Forscher fanden heraus, dass die Menge dieser winzigen Plastikpartikel im Gehirn zwischen 2016 und 2024 deutlich zugenommen hat, wobei die höchsten Werte bei Menschen mit Demenz festgestellt wurden. [2.]

Zum Vergleich: Das durchschnittliche menschliche Gehirn eines Erwachsenen wiegt normalerweise zwischen 1.300 und 1.400 Gramm – ohne zusätzliche 7 Gramm Plastik…

Während Mikroplastik auch in Leber und Nieren nachgewiesen wurde, enthielt das Gehirn 7- bis 30-mal mehr Plastik, was ernsthafte gesundheitliche Bedenken aufwirft.

Die in „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass sich Mikroplastik möglicherweise stärker im Gehirn ansammelt, da es nicht über dieselben Filtersysteme wie Leber und Nieren verfügt. Wissenschaftler glauben auch, dass Plastikpartikel leichter daran haften bleiben, da das Gehirn zu etwa 60 % aus Fett besteht. Obwohl die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen schützen soll, waren die Forscher überrascht, große Mengen Mikroplastik darin zu finden.

Dies lässt die Möglichkeit aufkommen, dass diese Partikel langfristige Entzündungen im Gehirn verursachen könnten, ähnlich wie Asbest die Lunge beeinflusst.

Obwohl noch nicht klar ist, wie gefährlich Mikroplastik im Gehirn ist, sind Experten besorgt, weil die Belastung durch Plastik in unserer Umwelt immer weiter zu- statt abnimmt. Es gibt noch keine direkten Beweise dafür, dass Mikroplastik mit Krankheiten wie Demenz in Verbindung steht, aber die Tatsache, dass es bei Menschen mit Demenz stärker konzentriert ist, ist besorgniserregend. Kinder und ältere Erwachsene sind möglicherweise einem höheren Risiko ausgesetzt, da sich ihr Gehirn entweder noch in der Entwicklung befindet oder weniger geschützt ist.

Plastik verändert sich

Wenn Plastik mit der Zeit zerfällt, zerfällt es in immer kleinere Stücke, die schließlich klein genug sind, um in den menschlichen Körper zu gelangen. Die meisten Plastikteile, die die Wissenschaftler in Gehirn-, Nieren- und Lebergewebe fanden, waren extrem klein, weniger als 200 Nanometer.

„Das ist ungefähr so ??groß wie zwei nebeneinanderliegende COVID-Viren“, sagte Campen. Ein menschliches Haar ist etwa 80.000 bis 100.000 Nanometer breit und ein Blatt Papier ist im Vergleich dazu etwa 100.000 Nanometer dick.

Die Studien-Autoren untersuchten in ihrer Arbeit Proben von Leber-, Nieren- und Gehirngewebe von Menschen, die 2016 und 2024 gestorben waren und sich einer Autopsie unterzogen hatten. Dazu gehörten insgesamt 52 Gehirnproben, 28 aus dem Jahr 2016 und 24 aus dem Jahr 2024. Die Partikel wurden in allen Proben gefunden.

Zwischen 2016 und 2024 gab es keinen großen Unterschied zwischen den in Leber- und Nierengewebe gefundenen Plastikmengen. Proben aus dem Jahr 2016, die alle aus dem Teil des Gehirns stammten, der für Gedanken, Emotionen, Urteilsvermögen und Gedächtnis zuständig ist, wiesen jedoch wesentlich höhere Konzentrationen von Plastikpartikeln auf.

Und wie gelangt das Plastik ins Gehirn?

Die Forscher wissen nicht, wie Mikroplastik ins Gehirn gelangt. Generell wird angenommen, dass Mikroplastikpartikel in den Körper gelangen, wenn Menschen sie essen, trinken oder einatmen. Solche Partikel wurden in mehreren Teilen des menschlichen Körpers gefunden: Arterien, Herzen, Lungen, Blut, Plazenta, Muttermilch, Penis und Hoden, um nur einige zu nennen.

Dass die Partikel in höheren Konzentrationen im Gehirn gefunden wurden, war eine Überraschung, da die Blut-Hirn-Schranke das Gehirn vor derartigen Belastungen schützen sollte.

Die Forscher glauben, dass ein Grund für die höheren Konzentrationen von Mikroplastik im Gehirn darin liegt, dass Leber und Nieren dafür ausgelegt sind, Giftstoffe aus dem Körper zu filtern, sagte Marcus Garcia, Pharmaziearzt an der University of New Mexico und Teil des Forschungsteams.

„Wir glauben, dass Leber und Nieren ihre Arbeit tun. Andererseits verfügt das Gehirn nur über begrenzte Clearance-Systeme“, sagte er.

Eine andere Möglichkeit ist, dass das Gehirngewebe zu etwa 60 % aus Fett besteht, was bedeutet, dass die Kunststoffe besser daran haften könnten.

„Wer schon einmal eine Tupperware-Schüssel gesäubert hat, in der Speckfett oder Butter war, weiß, dass es schwierig ist, Fett von Plastik zu entfernen“, sagte Campen. „Es ist möglich, dass die Nanopartikel sich ihren Weg durch Lipide bahnen.“

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Quellen:

Ein Glas in Ehren – so beginnt vieles, was später teuer bezahlt wird. Alkohol gilt noch immer als sozialer Kitt, als Genussmittel, als harmlose Gewohnheit. Gleichzeitig wächst die Zahl der Studien, die nüchtern das Gegenteil zeigen: Schon geringe Mengen Alkohol erhöhen das Krebsrisiko messbar. Nicht irgendwann. Nicht nur bei Missbrauch. Sondern dort, wo viele sich noch auf der sicheren Seite wähnen.

Seit Ende der 1990er Jahre sehe ich in der Praxis, wie regelmäßig „maßvoller Konsum“ und biologische Realität auseinanderklaffen. Die Leberwerte steigen schleichend, das Gehirn verliert Volumen, Entzündungsprozesse werden angefacht – und Krebs ist dabei kein Ausreißer, sondern Teil eines größeren Musters. Der Körper verzeiht viel, aber er vergisst nicht.

Besonders heikel: Niemand weiß im Voraus, ob er zu denjenigen gehört, die Alkohol scheinbar besser vertragen – oder zu denen, bei denen schon kleine Mengen zum Brandbeschleuniger werden. Diese individuelle Anfälligkeit erkennt man erst, wenn der Schaden da ist. Und dann ist es zu spät für Statistik-Tricks und Verharmlosungen.

In diesem Beitrag geht es deshalb nicht um Moral oder Verbote, sondern um Biologie, Zahlen und Konsequenzen. Um aktuelle Daten zum Krebsrisiko, um Leber, Gehirn und Stoffwechsel – und um praktikable Strategien, wie man den eigenen Alkoholkonsum realistisch einordnet und reduziert. Bewegung, gezielte Ernährung, Leberentlastung, Fastenphasen und klare Entscheidungen spielen dabei eine größere Rolle als jede offizielle Trinkempfehlung.

Der Jahreswechsel liefert dafür einen passenden Moment.

Was wissen / wussten wir eigentlich bisher?

Es ist bereits bekannt, dass Alkohol das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöht, selbst bei moderatem Konsum. Trotzdem ist Alkoholkonsum weit verbreitet, und es bleiben wichtige Fragen offen, wie die Häufigkeit und Menge des Alkoholkonsums das allgemeine Krebsrisiko beeinflussen. [i]

Aber auch andere gesundheitliche Probleme werden durch Alkoholkonsum in Gang gebracht: [ii] [iii] [iv]

Welche Strategien gibt es, den Alkoholkonsum zu reduzieren? Zum Beispiel dies: [v]

Studie: Sport reduziert das Verlangen nach Alkohol

Aber das alkoholbedingte Krebsrisiko ist nicht gleichmäßig verteilt. Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind anfälliger, doch viele Alkoholrichtlinien betonen den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs immer noch nicht deutlich genug. Und wer weniger anfällig ist, weiß man erst, wenn es zu spät ist und man zu den Anfälligen gehört. Prost…

Im Dezember 2025 wurde eine Studie veröffentlicht, die dieser Frage nach dem Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum nachging. [vi]

A systematic review on the risk of developing cancer and frequency of alcohol consumption behaviors in US adults – ScienceDirect

Die Studie, der Alkoholkonsum und das Krebsrisiko

Um diese Frage zu beantworten, führten Forscher des „Charles E. Schmidt College of Medicine“ der „Florida Atlantic University“ eine umfassende systematische Übersichtsarbeit durch, um besser zu verstehen, wie unterschiedliche Mengen an Alkoholkonsum – übermäßiger, moderater und auch ein geringer Konsum – das Krebsrisiko bei Erwachsenen in den USA beeinflussen.

Das Team wertete 62 Studien mit Teilnehmerzahlen von 80 bis fast 100 Millionen Personen aus. Die Analyse berücksichtigte auch Begleiterkrankungen wie Fettleibigkeit und chronische Lebererkrankungen, die das Krebsrisiko erhöhen können, und untersuchte, wie soziale und demografische Faktoren zur Anfälligkeit beitragen.

 

Die in der Fachzeitschrift „Cancer Epidemiology“ veröffentlichten Ergebnisse bestätigen, dass sowohl die Häufigkeit als auch die Menge des Alkoholkonsums eine wichtige Rolle für das Krebsrisiko spielen. Starke Zusammenhänge wurden für Brust-, Darm-, Leber-, Mund-, Kehlkopf-, Speiseröhren- und Magenkrebs festgestellt. Alkoholkonsum war auch mit schlechteren Krankheitsverläufen verbunden, darunter fortgeschrittener Leberkrebs und eine geringere Überlebensrate bei Menschen mit alkoholischer Lebererkrankung.

Wer trägt das höchste Risiko durch Alkoholkonsum?

Ein höherer Alkoholkonsum war mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden, insbesondere bei Afroamerikanern, Menschen mit genetischer Veranlagung und Personen mit Übergewicht oder Diabetes. Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit, Alter, Bildung und Einkommen beeinflussten das Risiko und die Anfälligkeit zusätzlich. Infolgedessen waren sozioökonomisch schwächere Gruppen sowie einige ethnische Bevölkerungsgruppen überproportional stark betroffen, selbst wenn ihr Alkoholkonsum ähnlich hoch oder niedriger war als der anderer Gruppen.

Im Gegensatz dazu hatten Menschen, die die Richtlinien der „American Cancer Society“ zum Alkoholkonsum und anderen gesunden Lebensstilfaktoren befolgten, tendenziell ein geringeres Krebsrisiko und eine niedrigere Sterblichkeitsrate. Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung der Kombination von Mäßigung mit umfassenderen Änderungen des Lebensstils.

Getränkeart, Geschlechtsunterschiede und weitere Risikofaktoren

Die Studie ergab außerdem, dass die Art des alkoholischen Getränks in manchen Fällen eine Rolle spielen kann. So wurde beispielsweise Weißwein oder Bier mit einem höheren Risiko für bestimmte Krebsarten in Verbindung gebracht, während dies bei Spirituosen oft nicht der Fall war. Deutliche Geschlechtsunterschiede zeigten sich ebenfalls. Regelmäßiger Alkoholkonsum war bei Männern mit einem höheren Risiko verbunden, während episodischer starker Alkoholkonsum bei Frauen ein größeres Risiko darstellte. Rauchen erhöhte das alkoholbedingte Krebsrisiko zusätzlich, wobei die Auswirkungen je nach Geschlecht und Trinkgewohnheiten variierten. Weitere Einflussfaktoren waren UV-Strahlung (die das Melanomrisiko an weniger exponierten Stellen erhöht) und die familiäre Vorbelastung, die beide den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs verstärken können.

Zu den weiteren Risikofaktoren, die in den Studien identifiziert wurden, gehörten ein hoher oder niedriger BMI, geringe körperliche Aktivität, krebserregende Infektionen (z. B. Hepatitis-B- und -C-Virus, HPV, HIV oder Helicobacter pylori, ein Bakterium, das die Magenschleimhaut infiziert), ungesunde Ernährung, Hormonbehandlung und bestimmte Haar- oder Augenfarben.

„Biologisch kann Alkohol die DNA durch Acetaldehyd schädigen, den Hormonspiegel verändern, oxidativen Stress auslösen, das Immunsystem unterdrücken und die Aufnahme von Karzinogenen erhöhen“, sagte Dr. Lewis S. Nelson, Co-Autor, Dekan und Leiter der Gesundheitsabteilung des „Schmidt College of Medicine“. „Diese Effekte werden durch Vorerkrankungen, Lebensstilentscheidungen und genetische Veranlagungen verstärkt, die alle die Krebsentwicklung beschleunigen können.“

Auswirkungen auf Prävention und öffentliche Gesundheit

Basierend auf ihren Ergebnissen weisen die Forscher auf gezielte Ansätze hin, die dazu beitragen könnten, die durch Alkohol bedingte Krebsbelastung zu verringern. Dazu gehören maßgeschneiderte Aufklärungskampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, strengere Alkoholrichtlinien und gezielte Interventionen für besonders gefährdete Personen und Gemeinschaften.

Die Autoren kamen auch zu dem Schluss, dass die Ergebnisse Grund für die Annahme gaben, dass das durch Alkohol bedingte Krebsrisiko nicht allein durch Alkohol verursacht wird, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, verhaltensbezogener und sozialer Faktoren.

Und hier gibt es ein komplexes „Zusammenspiel“ zwischen Exposition, Anfälligkeit und sich daraus ergebenden gesundheitlichen Konsequenzen. Das macht die Beurteilung der individuellen Anfälligkeit schwierig. Wie ich bereits erwähnte, kann man die eigene Anfälligkeit nur dadurch herausfinden, indem man den Selbstversuch startet. Nur sind die daraus folgenden Ergebnisse mitunter lebensgefährlich. Und damit ist diese Option eben keine Option.

Diese umfassendere Perspektive zeigt zudem, dass wirksame Prävention über die Reduzierung des Alkoholkonsums hinausgeht; sie erfordert die Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen, Gewohnheiten und zugrunde liegenden Gesundheitszustände, die dessen Auswirkungen verstärken.

Fazit

Alkoholkonsum hat nichts mit einer gesunden Lebensführung zu tun. Auf Alkohol verzichten ist aber auch nicht gleichbedeutend mit „gesund leben“, wenn andere Faktoren zu einem gesunden Leben ignoriert werden, wie gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, Stressmanagement, mentale Gesundheit etc.

Fazit vom Fazit: Bringt uns das Glas Sekt zum Jahreswechsel um? Wohl kaum. Denn dann wäre wohl die halbe Menschheit nicht mehr anwesend. Was uns aber umbringen könnte, ist, wenn der Sekt jeden Tag fließt und jeder Tag Jahreswechsel ist. Jeder Tag Jahreswechsel ohne Alkohol dagegen wäre schon wieder ein Schritt in Richtung Gesundheit.

[i]       Mehr Krebstote durch Alkohol: US-Zahlen verdoppelt – Deutsche Statistik unklar
(https://www.yamedo.de/blog/alkohol-krebs-todesfalle-statistik/)

[ii]      Das „Problem“ Alkohol im Zusammenhang mit den Leberwerten
(https://www.leberwerte-lexikon.de/alkohol-leberwerte/)

[iii]     Die Leber und der Alkohol: Leberkrankheiten durch Alkohol
(https://www.gesund-heilfasten.de/leberkrankheiten-durch-alkohol/)

[iv]    Alkohol: schon geringe Mengen schaden dem Gehirn
(https://www.yamedo.de/blog/alkohol-schadet-dem-gehirn/)

[v]     Studie: Sport reduziert das Verlangen nach Alkohol
(https://www.der-fitnessberater.de/blog/sport-reduziert-verlangen-nach-alkohol/)

[vi]    A systematic review on the risk of developing cancer and frequency of alcohol consumption behaviors in US adults – ScienceDirect
(https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1877782125002164?via%3Dihub)