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Es gibt Meldungen, bei denen man zweimal hinschauen sollte. Nicht weil sie offensichtlich falsch wären, sondern weil die Größenordnung beinahe zu gewaltig klingt: Der durchschnittliche Testosteronspiegel von Männern soll innerhalb von knapp fünf Jahrzehnten um mehr als die Hälfte gesunken sein.

Genauer gesagt: um 54 Prozent zwischen 1972 und 2019.

Die Zahl stammt aus einer neuen systematischen Auswertung, die im Juli 2026 auf dem Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für menschliche Fortpflanzung und Embryologie, kurz ESHRE, in London vorgestellt wurde. Der Titel der Arbeit lautet: „Temporal trends in total and free testosterone (1972–2019): a systematic review and meta-trend analysis“ (LINK)

Federführend war Professor Hagai Levine von der Hebrew University in Israel. In die Analyse flossen sechs längerfristige Untersuchungen mit insgesamt 118.593 Männern aus Israel, den USA, Brasilien, Finnland und Dänemark ein. Alle sechs Studien berichteten sinkende Testosteronwerte. Zusammengenommen errechneten die Forscher einen Rückgang von rund 54 Prozent, wobei sich die Entwicklung nach dem Jahr 2000 offenbar noch beschleunigte.

Das ist zunächst eine Kongresspräsentation. Eine vollständig veröffentlichte Facharbeit mit allen Tabellen, Einschlusskriterien und statistischen Einzelheiten liegt derzeit noch nicht vor. Man sollte die Zahl daher nicht wie eine in Stein gemeißelte biologische Konstante behandeln. Als bloßes Zufallsprodukt lässt sich die Entwicklung allerdings ebenfalls kaum abtun. Dafür zeigen zu viele Untersuchungen aus verschiedenen Ländern in dieselbe Richtung.

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Nicht nur eine Frage des Alters

Natürlich sinkt der Testosteronspiegel bei vielen Männern mit zunehmendem Alter. Darum geht es hier aber gerade nicht.

Die entscheidende Beobachtung lautet: Ein heute 50-jähriger Mann kann im Durchschnitt einen niedrigeren Testosteronwert aufweisen als ein 50-jähriger Mann vor drei oder vier Jahrzehnten. Es handelt sich also nicht nur um einen Alterseffekt, sondern offenbar auch um einen Generationen- und Zeiteffekt.

Männer werden nicht einfach älter. Männer desselben Alters scheinen heute hormonell anders aufgestellt zu sein als frühere Generationen.

Die Massachusetts Male Aging Study

Eine der bekanntesten Arbeiten, die in diesen Zusammenhang gehört, stammt aus den USA. Thomas Travison und seine Kollegen werteten Daten der Massachusetts Male Aging Study aus.

Die Männer waren in drei Erhebungszeiträumen zwischen Ende der 1980er-Jahre und 2004 untersucht worden. Dabei zeigte sich ein deutlicher Rückgang des Gesamt- und freien Testosterons, der sich durch das zunehmende Alter der Teilnehmer allein nicht erklären ließ.

Die Forscher berücksichtigten unter anderem Übergewicht, Rauchen, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme. Dennoch blieb ein erheblicher zeitlicher Rückgang bestehen. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass es in der männlichen Bevölkerung einen altersunabhängigen Rückgang des Testosterons gegeben hatte, dessen Ursache durch die erfassten Gesundheits- und Lebensstilfaktoren nicht vollständig erklärt werden konnte.

Das war im Jahr 2007. Die Entwicklung kommt also keineswegs überraschend aus dem Nichts. Sie wurde nur lange erstaunlich wenig beachtet.

Finnische Männer: gleiche Lebensjahre, andere Hormonwerte

Besonders eindrucksvoll ist eine finnische Untersuchung von Perheentupa und Kollegen.

Die Forscher verglichen Männer verschiedener Geburtsjahrgänge miteinander. Bei den 60- bis 69-Jährigen sank der durchschnittliche Testosteronwert von 21,9 nmol/l bei Männern der Geburtsjahrgänge 1913 bis 1922 auf nur noch 13,8 nmol/l bei Männern, die zwischen 1942 und 1951 geboren worden waren.

Das entspricht keinem kleinen Laborunterschied, sondern einem erheblichen Abstand.

Bemerkenswert ist zudem: Der Unterschied blieb auch bestehen, nachdem die Forscher den Body-Mass-Index rechnerisch berücksichtigt hatten. Die Autoren sprachen ausdrücklich von einem altersunabhängigen Geburtskohorteneffekt.

Mit anderen Worten: Die später geborenen Männer hatten bei gleichem Alter erheblich niedrigere Hormonwerte.

Auch Israel meldet einen deutlichen Rückgang

Eine weitere große Untersuchung wurde 2020 aus Israel veröffentlicht. Dabei analysierten die Forscher Testosteronmessungen aus den Jahren 2006 bis 2019.

Auch dort zeigte sich ein deutlicher Rückgang über die Zeit, und zwar in verschiedenen Altersgruppen. Bei 21-jährigen Männern sank der durchschnittliche Wert beispielsweise von etwa 19,68 nmol/l in den Jahren 2006 bis 2009 auf etwa 17,76 nmol/l zwischen 2016 und 2019.

Der Trend blieb nach Berücksichtigung des Alters und des BMI bestehen. Die Autoren hielten es deshalb für unwahrscheinlich, dass die Zunahme des Übergewichts allein den Rückgang erklären könne.

Übergewicht, Diabetes und das metabolische Syndrom

Über die Ursachen wird nun gestritten. Das ist wissenschaftlich richtig und auch politisch vermutlich unvermeidlich.

Übergewicht ist ohne Zweifel ein wichtiger Faktor. Fettgewebe ist kein passiver Energiespeicher. Es greift aktiv in den Hormonstoffwechsel ein. Unter anderem kann dort über das Enzym Aromatase Testosteron vermehrt in Östrogene umgewandelt werden.

Hinzu kommen Insulinresistenz, chronisch erhöhte Entzündungswerte, Fettleber, Schlafapnoe und Bewegungsmangel. Auch Diabetes und das metabolische Syndrom gehen häufig mit niedrigeren Testosteronwerten einher.

Professor Levine schätzt, dass möglicherweise ein Viertel bis die Hälfte des beobachteten Rückgangs durch Übergewicht und Stoffwechselstörungen erklärt werden könnte. Andere Fachleute halten sogar einen noch größeren Anteil für möglich. Bewiesen ist eine solche vollständige Erklärung bisher jedoch nicht.

Wahrscheinlich ist für mich, dass mehrere Entwicklungen zusammenwirken…

Endokrine Disruptoren: Hormone aus der Umwelt

Ich habe auch hormondisruptive Substanzen in Verdacht wie Weichmacher etc.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Belastung mit hormonell wirksamen Substanzen zu einem ernsthaften Forschungsgebiet geworden.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Phthalate, Bisphenole, Pestizide, PFAS und andere Industriechemikalien. Solche Stoffe können hormonelle Signalwege beeinflussen, die Testosteronproduktion stören oder bereits während der Schwangerschaft und frühen Kindheit in die Entwicklung des männlichen Fortpflanzungssystems eingreifen.

Das bedeutet nicht, dass jede Kunststoffverpackung einen Testosteronmangel verursacht. So simpel funktioniert Biologie nicht. Die mögliche Wirkung entsteht vielmehr durch langfristige Belastung, Stoffgemische, empfindliche Entwicklungsphasen und individuelle Unterschiede.

Die neue Meta-Auswertung beweist nicht, dass endokrine Disruptoren den 54-prozentigen Rückgang verursacht haben. Sie macht die Frage aber dringlicher. Wer sie vorschnell beiseiteschiebt, weil sich nicht jede einzelne Chemikalie sauber einem bestimmten Hormonwert zuordnen lässt, verwechselt fehlende Vollständigkeit mit Entwarnung.

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Was außerdem den Testosteronspiegel drückt

Der moderne Mann lebt hormonell nicht unbedingt in einer besonders günstigen Umgebung.

Viele bewegen sich zu wenig, verlieren Muskulatur, schlafen schlecht und verbringen ihre Tage unter Kunstlicht vor Bildschirmen. Dazu kommen Alkohol, chronischer Stress, bestimmte Medikamente, Schlafapnoe und eine Ernährung, die zwar reich an Kalorien, aber nicht zwingend reich an Vitalstoffen ist.

Auch extreme Diäten können problematisch sein. Testosteron wird aus Cholesterin gebildet. Eine dauerhaft sehr fettarme Ernährung kann deshalb ungünstig sein. Eine Meta-Analyse kontrollierter Ernährungsstudien kam zu dem Ergebnis, dass fettarme Ernährungsformen im Vergleich zu fettreicheren Varianten das Gesamt- und freie Testosteron leicht senken können. Die Zahl der untersuchten Männer war allerdings gering, weshalb daraus keine pauschale Empfehlung für besonders fettreiche Kost abgeleitet werden sollte.

Der Körper braucht weder Dauerfastfood noch hormonelle Askese. Er braucht ausreichend Energie, hochwertige Fette, Eiweiß, Mikronährstoffe, Bewegung, Schlaf und eine funktionierende Stoffwechsellage.

Eigentlich keine spektakuläre Erkenntnis. Nur offenbar eine, die in unserer Lebensweise zunehmend unter die Räder kommt.

Was ein niedriger Testosteronspiegel bedeuten kann

Testosteron wird gern auf Libido und Muskelaufbau reduziert. Das greift deutlich zu kurz.

Das Hormon spielt eine Rolle bei:

  • Muskelmasse und Kraft
  • Knochendichte
  • Blutbildung
  • Sexualfunktion und Spermienproduktion
  • Energie und Antrieb
  • Fettverteilung
  • Stoffwechsel
  • Stimmung und Belastbarkeit

Ein einzelner niedriger Laborwert beweist allerdings noch keinen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel. Die Werte schwanken im Tagesverlauf und können durch Schlafmangel, akute Erkrankungen, Kaloriendefizite oder starke Belastungen vorübergehend sinken.

Gemessen werden sollte deshalb morgens, möglichst unter vergleichbaren Bedingungen und bei auffälligem Ergebnis ein zweites Mal. Neben dem Gesamt-Testosteron können je nach Situation auch SHBG, freies oder berechnetes Testosteron, LH, FSH, Prolaktin, Schilddrüsenwerte und Stoffwechselparameter sinnvoll sein.

Testosteron einfach spritzen?

Die naheliegende Antwort der Reparaturmedizin lautet auch hier: Wenn etwas fehlt, führen wir es von außen zu. Das kann bei einem eindeutig diagnostizierten Hypogonadismus medizinisch sinnvoll sein. Es ist aber keine harmlose Lifestyle-Therapie.

Von außen zugeführtes Testosteron kann die körpereigene Hormonachse bremsen. Die Ausschüttung von LH und FSH sinkt, die Hoden produzieren weniger eigenes Testosteron und die Spermienbildung kann deutlich zurückgehen oder zeitweise ganz zum Erliegen kommen.

Gerade Männer mit Kinderwunsch sollten deshalb nicht leichtfertig mit Testosteronpräparaten behandelt werden. Andrologen warnen ausdrücklich davor, die vermeintliche Lösung aus sozialen Medien mit einer echten Therapie zu verwechseln. Der Wert mag auf dem Laborzettel steigen, aber die Fruchtbarkeit kann dabei abstürzen.

Was Männer selbst tun können

Vor einer Hormonersatztherapie sollte nach den Ursachen gesucht werden. Bei Übergewicht kann bereits eine deutliche Gewichtsreduktion den Testosteronspiegel verbessern. Entscheidend ist vor allem der Abbau des viszeralen Bauchfetts. Krafttraining ist besonders wertvoll, weil Muskulatur den Stoffwechsel verbessert und altersbedingtem Muskelverlust entgegenwirkt.

Ebenso wichtig sind guter Schlaf und die Abklärung einer möglichen Schlafapnoe. Wer nachts ständig Atemaussetzer hat, lebt hormonell im Dauerstress.

Hinzu kommen:

  • ausreichend Eiweiß und hochwertige Fette
  • eine gute Versorgung mit Zink, Magnesium und Vitamin D
  • weniger Alkohol
  • Behandlung von Insulinresistenz und Fettleber
  • regelmäßige intensive Bewegung
  • möglichst geringe Belastung durch unnötige hormonaktive Chemikalien (Entgiftung!)

Dabei geht es nicht um die Illusion, man könne sämtliche Umweltstoffe vermeiden. Man kann aber Lebensmittel nicht ständig in Plastik erhitzen, Duftstoffe und Chemikalien wahllos verwenden und anschließend behaupten, Exposition spiele grundsätzlich keine Rolle.

Zwischen Panik und Gleichgültigkeit liegt noch immer die Vernunft.

Fazit

Die neue Auswertung liefert eine beunruhigende Größenordnung: Der durchschnittliche Testosteronspiegel von Männern könnte zwischen 1972 und 2019 um mehr als die Hälfte gesunken sein. Ich halte das für sehr wahrscheinlich, denn meine Praxiserfahrung bestätigt diese Zahlen.

Die genaue Zahl muss nach Veröffentlichung der vollständigen Arbeit noch kritisch geprüft werden. Die grundsätzliche Entwicklung ist jedoch nicht neu. Studien aus den USA, Finnland, Dänemark und Israel zeigen seit Jahren einen altersunabhängigen Rückgang.

Übergewicht, Diabetes und Stoffwechselstörungen gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten Ursachen. Ob sie alles erklären, ist offen. Endokrine Disruptoren, Umweltbelastungen, schlechter Schlaf, Bewegungsmangel, Medikamente und veränderte Ernährungsweisen gehören ebenfalls auf den Prüfstand.

Die Nachricht lautet: Mit der männlichen Stoffwechsel-, Hormon- und Fortpflanzungsgesundheit stimmt etwas grundsätzlich nicht mehr.

Und wer bei einem Rückgang um mehr als 50 Prozent lediglich mit den Schultern zuckt, hat möglicherweise nicht nur ein Testosteronproblem.

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Milch steht seit Jahrzehnten für Gesundheit – doch die Realität sieht anders aus. Kaum ein Lebensmittel greift so massiv in den menschlichen Hormonhaushalt ein. Hinter der weißen Fassade steckt ein Gemisch aus Milchhormonen, IGF-1 und gentechnisch erzeugten Wachstumshormonen wie rBST, die tief in unseren Stoffwechsel eingreifen. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Milchkonsum, Krebsrisiken, Entzündungen und hormonellen Störungen – Themen, über die die Milchindustrie lieber schweigt.

Ich erinnere mich noch gut an die 1990er-Jahre, als das Hormon rBST von Monsanto eingeführt wurde – mit dem Segen der Behörden. Schon damals war klar: Wer die Milch verändert, verändert den Menschen. In meiner Praxis sehe ich seit über zwanzig Jahren, wie Milch und IGF-1 das Gleichgewicht im Körper verschieben, Akne fördern, Entzündungen anheizen und möglicherweise sogar Krebsprozesse begünstigen.

In diesem Beitrag zeige ich, wie Milchhormone über den mTORC1-Signalweg den Stoffwechsel steuern, welche Rolle IGF-1 und biogene Faktoren spielen – und warum Fasten, pflanzliche Kost und biologische Therapien die wirksamsten Wege sind, den Körper wieder in Balance zu bringen.

Bereits 1994 warnte ein Beitrag im Magazin FOCUS vor möglichen Nebenwirkungen des Rinderwachstumshormons BST. Das gentechnisch produzierte Bovine Somatotropin wurde von den zuständigen Behörden als unbedenklich eingestuft, obwohl es Hinweise gab, dass die erhöhte Aufnahme von Wachstumsfaktoren mit der Milch die menschlichen Darmzellen zu vermehrter Teilung anregt.

„Milchhormone gefährden die Gesundheit“, lautet das Fazit eines Reports von Robert Cohen. Das Forum „milchlos.de“ stellt dessen Buch „Milk – the Deadly Poison“ vor.

Zu Beginn entlarvt Cohen die weitverbreitete Ansicht, dass Milch gesund sei als eine reine Werbebotschaft des Dairy Marketing Board. Dieser Marketingagentur der US-amerikanischen Milchindustrie stehen jährlich zwischen 228 und 364 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Genug, um Prominente vor der Kamera zum Milchgenuss zu bewegen und (so befürchtet Cohen), Gefälligkeitsgutachten angeblicher Gesundheitsexperten zu kaufen.

In Kapitel 2 und 3 schildert der Autor Geschichte und Wandel der Milch. Gab eine Kuh zur Zeit der Pilgerväter gerade mal einen Liter Milch, so schaffen heutige Hochleistungsrassen durchschnittlich 24 Liter und Spitzenkühe das Doppelte. Das geht nur mit Wachstumshormonen.

Wie sorglos die US-amerikanische Behörde für Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelsicherheit FDA deren Zulassung handhabt, zeigt Cohen am Beispiel des rBST. Im gentechnologischen Herstellungsprozess unterlief dem Konzern Monsanto ein folgenschwerer Fehler.

An Stelle von Lysin entstand eine neuartige Aminosäure und damit ein verändertes Protein, dessen Auswirkungen auf die Gesundheit von Kühen und Milchkonsumenten nicht absehbar sind. Die Industrie wiegelte ab. Modifizierte Proteine würden keinerlei Gefahr darstellen, weil die Magensäure das Milcheiweiß zerstört. Cohen konterte, dass Milchgenuss den sauren pH-Wert von rund 2,0 ins fast neutrale Milieu von 6,0 verschiebt.

Er bekam unerwartete Unterstützung durch Richard Teske von der Food and Drug Administration. Der Leiter des FDA-Zentrums für Veterinärmedizin wies nach, dass die Pepsine im Magen bei pH 6 keine Proteine abbauen können. Rund 80 % der veränderten Eiweißstoffe überleben selbst die Pasteurisierung, bei der Milch für 30 Minuten auf 72 °C erhitzt wird.

Die Gesundheitsrisiken der Milchhormone beschreibt Kapitel 4 am Beispiel von Rattenversuchen durch die FDA. Deren Ergebnisse wurden nur teilweise veröffentlicht, doch die wenigen Fakten waren erschreckend. Knapp 40 % der männlichen Nager hatten nach Injektion des Wachstumshormons rBGH eine vergrößerte Milz. Bei den Weibchen waren es sogar 46 %.

Cohen zog vor Gericht, um Einblick in die gesamte Forschungsreihe zu erhalten. So wurde klar, warum die Experimente nur für 90 Tage dokumentiert wurden, statt über den gesamten Zeitraum von 180 Tagen.

Die Ratten lebten nicht lange genug, da nach 90 Tagen alle Tiere Krebs entwickelten, auch jene, denen man rBGH über die Nahrung verabreichte hatte. Die EU stand der Einführung von rBGH und rBST zwar kritischer gegenüber.

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Doch auch in der Europäischen Union werden Wachstumshormone eingesetzt – mit üblen Folgen für die Kühe. Euterentzündungen und Eierstockzysten nehmen zu, die Fruchtbarkeit nimmt ab.

In Kapitel 5 und 6 belegt Cohen, dass die FDA keineswegs die unabhängige Kontrollinstanz ist, die der Verbraucher erwartet. Er zeigt Verflechtungen zwischen FDA und Monsanto auf und die Einflussnahme des Konzerns auf Abgeordnete im amerikanischen Kongress. Journalisten werden anscheinend entweder vor den Karren gespannt oder mundtot gemacht.

Kapitel 7 schildert Versuche, Veröffentlichungen des kritischen Wissenschaftsautors Jeremy Rifkin zu verhindern. Verschweigen wollte man auch die Studien von Professor Millstone, der an der Universität Sussex die Ursache von Euterentzündungen erforscht.

Kapitel 8 bis 11 befassen sich ausführlich mit den ungesunden Seiten der Milch. Dafür sichtete Cohen über 500 wissenschaftliche Publikationen zu Erkrankungen, die mit erhöhtem Milchkonsum in Verbindung gebracht werden.

Die Palette reicht von Allergien, Asthma, Stirnhöhlenvereiterungen, Darmentzündungen, Diabetes bei Jugendlichen, bis hin zu Leukämie oder Krebs. Einige Mediziner betrachten den plötzlichen Kindstod als hochallergische Reaktion des Säuglings auf Kuhmilch. Deshalb warne die amerikanische Pädiatrische Akademie davor, Kinder unter einem Jahr mit Kuhmilch-Präparaten zu ernähren.

Kapitel 13 zeigt Zusammenhänge auf zwischen BSE, Prionen, Wachstumshormonen und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Doch nicht nur Milchhormone werden kritisch bewertet. Auch Cholesterin, Kasein und Milchzucker sind keineswegs gesundheitsfördernd.

Fazit von Kapitel 12: Milch ist nicht für den menschlichen Verzehr gedacht. Das beweist schon die Tatsache, dass 3/4 der Weltbevölkerung keinen Milchzucker vertragen. Diese Laktose-Intoleranz ist laut Cohen die normale Abwehrreaktion des menschlichen Organismus. Milch könne auch keine Osteoporose verhindern.

Sie enthält zu viel Eiweiß und zu wenig Magnesium, um das reichlich vorhandene Kalzium zu verwerten. Cohen plädiert für grünes Gemüse als besseren Kalziumlieferanten, rät zu völligem Verzicht auf Milchprodukte und listet in Kapitel 14 Alternativen zur Milch auf.

Diese Tatsachen mögen alle beruhigen, die auf unverseuchte Biomilch schwören. Doch sind in Milch auch biogene Hormone enthalten, die auch hineingehören. Und zwar steuern die Botenstoffe einzelne Entwicklungsschritte der ersten Lebensphase. Für Erwachsene hingegen sind diese Hormone keinesfalls zuträglich. Eher schon können sie krank machen.
So ist inzwischen bekannt, dass das Molkeprotein das mTORC1-System hochsteuert (Mechanistic Target of Rapamycin).

Kern des Protein-Komplexes ist eine Serin/Threonin-Kninase, die im Metabolismus der verzeigtkettigen Aminosäuren eingebunden ist. mTORC1 steigert auch die Sezernierung von Insulin und regt die Bildung des Insulin-Like-Growth-Factors 1 (IGF-1) an. IGF-1 wiederum steigert die Produktion von Androgenen und kurbelt die Synthese des Enzyms 5?-Reduktase an.

Dieses Protein überführt Testosteron in das viel effektivere Dihydrotestosteron.
Doch das Milchtrinken greift nicht nur in die Balance der Sexualhormone ein. Auch metabolische Prozesse heizt das vermeintlich gesunde Nahrungsmittel an.

Denn IGF-1 löst auch eine Genbremse, indem es den Faktor FoxO1 aus dem Zellkern heraus transportiert und in eine ineffektive Form umwandelt. Die durch FoxO1 blockierten Gene werden dann abgelesen, wodurch die Stoffwechselrate steigt. Wissenschaftler vermuten, dass hier eine der Ursachen für Akne zu suchen ist. Teenager mit dem Hautproblem sollten daher das Trinken von Milch einschränken.

Doch ist die Ankurbelung des mTORC1-Komplexes wahrscheinlich noch für viel schlimmere Krankheiten verantwortlich. So vermuten Ärzte mittlerweile, dass viele Beschwerden, die unsere Zivilisation mit sich bringt, auf den hohen Milch-Konsum zurückgeführt werden können. Dies sind das metabolische Syndrom mit Adipositas und Diabetes, Krebs und Demenz sowie Morbus Alzheimer.

Bislang nicht genau zu beschreiben ist die Wirkung der Exosomen, die in der Milch vorkommen. Diese Membran-umhüllten Partikel, die nicht größer als Viren sind, transportieren microRNA in ihrem Inneren. Diese genetischen Effektoren können Gene deaktivieren und demnach einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel haben.

Die microRNA155 fördert die Ausbildung des Immunsystems, was sich bei Kindern allerdings positiv auswirkt. Aber bei Erwachsenen hören die Vorteile der Milch damit auch schon auf. Bei ihnen wirkt microRNA155 krebserregend. Dasselbe wurde bereits für die microRNA21 festgestellt.

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Dieser Beitrag wurde im Juli 2010 erstellt und letztmalig am 22.10.202522 aktualisiert.