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250.000 Klinikeinweisungen wegen Medikamente-Fehlverschreibungen

Rene Gräber zeigt auf Schlagzeile zu 250.000 Klinikeinweisungen durch Medikamentenfehler vor Hintergrund mit Tabletten und Patientenakte

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Medikamente, Schulmedizin

Wenn ein Nahrungsergänzungsmittel auch nur im Verdacht stünde, jedes Jahr auch nur ein paar Menschen ins Krankenhaus zu bringen, hätten wir Talkshows, Sonderkommissionen und vermutlich auch ziemlich schnell ein Verbot. Bei Medikamenten sieht das aber völlig anders aus. Da heißt es „Arzneimitteltherapiesicherheit“.

Und worum geht es genau?

Das Bundesgesundheitsministerium hatte am 1. April 2026 den neuen Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit 2026 bis 2029 beschlossen. Schon die Überschrift wirkt so, als sei von einem Amtschimmel geboren worden. In diesem Plan / Papier steht eine Zahl, die in jede Nachrichtensendung gehören müsste. Jährlich gibt es in Deutschland schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen aufgrund von Medikationsfehlern. Das BMG schreibt dazu ausdrücklich: Diese seien potenziell vermeidbar.

250.000 – pro Jahr!

Nicht wegen Globuli oder Kurkuma oder Vitaminen, sondern wegen Fehlern im ganz normalen „Medikamentenbetrieb“.

Und das ist noch nicht alles. Im selben Aktionsplan heißt es: Etwa 3 bis 7 Prozent der Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern sind auf Nebenwirkungen von Arzneimitteln zurückzuführen. Die vom BMG geförderte ADRED Studie fand in vier zentralen Notaufnahmen: Bei 6,5 Prozent der untersuchten Patienten standen die Beschwerden im Zusammenhang mit unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Von diesen Patienten wurden 98 Prozent stationär aufgenommen.

Allein vermeidbare, ambulant erworbene unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursachen laut Aktionsplan in deutschen Notaufnahmen konservativ geschätzt jährliche Kosten von 1,3 Milliarden Euro.

So weit hat uns die Tabletten-Fresserei gebracht.

Nicht, dass das nicht alles „eigentlich“ bekannt wäre – es interessiert nur scheinbar keinen. In den letzten 20 Jahren hatte ich unzählige Beiträge veröffentlicht:

Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Wenn ein Naturheilmittel solche Zahlen produzieren würde, wäre der öffentliche Prozess längst eröffnet. Dann würde man nicht von „Einzelfällen“ sprechen. Dann würde man nicht sagen: „Wir müssen die Prozesse verbessern.“ Dann hieße es: Gefahr für die Bevölkerung!

Bei Medikamenten dagegen bekommt das Ganze einen „digitalen Anstrich“:

Elektronische Patientenakte, Elektronisches Rezept, Elektronischer Medikationsplan, Digitale Medikationsprozesse usw. Das BMG nennt genau diese Punkte als zentrale Bausteine des neuen Aktionsplans. Forschung soll gestärkt werden, der elektronische Medikationsplan soll vollständiger, aktueller und verständlicher werden, und Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte sollen enger zusammenarbeiten. Ach was?

Alles sinnvoll. Nur löst die Digitalisierung nicht das Grundproblem. Ein falscher Medikationsplan wird nicht besser, nur weil er jetzt digital falsch ist.

Das eigentliche Problem liegt aber noch viel tiefer. Es liegt in einer Medizin, die sehr gut darin ist, etwas zu verordnen, aber oft erstaunlich schlecht darin, etwas wieder abzusetzen. Besonders bei älteren Menschen entsteht nicht selten eine Medikamentenbiografie, bei der niemand mehr genau weiß, wann, warum und von wem welches Mittel begonnen wurde. Selbst viele Patienten wissen das oftmals nicht oder nicht mehr.

Der Kardiologe gibt etwas fürs Herz. Der Hausarzt ergänzt etwas für den Blutdruck. Der Orthopäde verordnet Schmerzmittel. Nach dem Klinikaufenthalt bleibt ein Magenschutz übrig. Gegen Schlafstörungen kommt noch etwas dazu. Und irgendwann sitzt ein Mensch mit sechs, acht oder zehn Präparaten am Küchentisch und hofft, dass die Kombination schon irgendwie stimmen wird.

Natürlich sind Medikamente manchmal notwendig. Ein korrekt eingesetztes Arzneimittel kann Leben retten, Schmerzen lindern, Entgleisungen verhindern. Darum geht es mir hier nicht. Es geht um etwas anderes: um die Bequemlichkeit der Dauerverordnung und viel zu wenig Kontrolle. Es geht um Wechselwirkungen und Doppelverordnungen, Dosierungen die für einen 45-jährigen Durchschnittspatienten vielleicht passen, aber nicht mehr für eine 82-jährige Frau mit eingeschränkter Nierenfunktion. Mit genau sowas schlage ich mich in der täglichen Praxis herum…

Die Zahl des BMG zeigt nur das, was ich in der Praxis erlebe: 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr durch Medikationsfehler. Das ist ein Massenphänomen. Und es betrifft vor allem Menschen, die ohnehin verletzlich sind: ältere Patienten, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Menschen mit mehreren Diagnosen und mehreren Ärzten.

Das Deutsche Ärzteblatt fasste den neuen Aktionsplan ebenfalls so zusammen: Dosierungen sollen optimiert und Wechselwirkungen durch ungeeignete Kombinationen verhindert oder schneller erkannt werden. Außerdem soll es um bessere Forschung, elektronische Medikationspläne und Maßnahmen zum sicheren Absetzen von Arzneimitteln gehen.

Das Wort „Absetzen“ ist hier entscheidend. Denn gute Medizin fragt nicht nur: Was können wir noch geben? Gute Medizin fragt auch: Was kann weg?

Diese Frage wird viel zu selten gestellt. Dabei wäre sie oft der Beginn echter Arzneimitteltherapiesicherheit. Nicht als Bürokratiebegriff, sondern ganz praktisch: Braucht dieser Patient dieses Medikament noch? Stimmt die Dosis? Gibt es Wechselwirkungen? Sind Nieren und Leber in der Lage, diese Stoffe sauber zu verarbeiten? Werden Nebenwirkungen vielleicht längst als neue Krankheit fehlgedeutet?

In der Praxis sehe ich das immer wieder: Schwindel, Müdigkeit, Muskelschwäche, Magenprobleme, Verwirrtheit, Stürze, Blutdruckschwankungen. Dann wird nicht selten das nächste Medikament gegen die Nebenwirkung des vorherigen Medikaments verordnet. So entsteht eine pharmakologische Kettenreaktion, bei der am Ende keiner mehr weiß, was Ursache und was Folge ist.

Es ist oftmals zum verzweifeln.

Und jetzt kommt der praktische Teil.

Jeder Mensch, der mehrere Medikamente nimmt, sollte seine Liste regelmäßig prüfen lassen, sondern sehr gründlich. Mit allen Präparaten auf dem Tisch. Auch mit den frei gekauften Mitteln: Schmerzmittel, Schlafmittel, Säureblocker, pflanzliche Präparate, Vitamine, Mineralstoffe. Alles gehört dazu.

Wichtige Fragen wären:

  • Brauche ich dieses Medikament noch?
  • Welche Wechselwirkungen gibt es?
  • Passt die Dosis zu Alter, Gewicht, Nierenwerten und Leberwerten?
  • Gibt es Beschwerden, die Nebenwirkungen sein könnten?
  • Kann etwas reduziert oder ausgeschlichen werden?
  • Und vor allem: Wer behält den Überblick?

Einer der größten Skandale in unserem „Gesundheitswesen“ (was für ein Witz dieser Name!) steht oft im Badezimmerschrank. Zwischen Blutdrucktabletten, Magenschutz, Schmerzmitteln, Schlafmitteln und alten Verordnungen, die nie jemand beendet hat.

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