Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Medikamente

Tamiflu ist vielen von Ihnen sicher noch im Zusammenhang mit der Schweinegrippe 2009 bekannt. Und das Mittel erfreut sich immer noch einer gewissen Beliebtheit unter Medizinern.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass der Coronavirus, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe (und überhaupt die Grippe), uns nichts anhaben kann, wenn wir nur an die heilige Mutter Pharma glauben und alles schlucken, was uns von dort aufgetischt wird?

Mit der Schweinegrippe 2009 wurde uns damals auch gleich der Heilsbringer mit serviert: Die Schweinegrippe-Impfung und das Tamiflu. Das Zaubermittel Tamiflu, sollte uns im Fall der Fälle vor dem sicheren Verderben bewahren.

Auch die Namensgebung für das Medikament kommt aus dem Reich der Phantasie: Tami für das englische Verb „to tame“, was „zähmen“ heißt und „flu“ steht für „flunkern“. . . `Tschuldigung. . . für „Grippe“ natürlich. Jedenfalls:  Bereits 2009 schrieb ich in diesem Blog hier: Tamiflu – begehrt, aber wirkungslos.

Die „Fachwelt“: Schulmedizin, Presse, Politiker (selbst die Kanzlerin erwähnte den Markennamen Tamiflu) und der kleine Mann auf der Straße waren sich einig: Die Pharmakologie im Speziellen und die Medizin im Allgemeinen haben wieder einmal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Kritische Stimmen wurden totgeschwiegen oder die Kritiker als nicht ernst zu nehmend bezeichnet.

Die ganze Diskussion um die Vorzüge des „Virustatikums“ (allen voran Tamiflu) wurde angeheizt durch Panikmache und politische Intervention: Die Bundesländer hatten vom Hersteller vorsorglich für etliche Millionen Euro Vorratspackungen eingekauft, um die Bundesbürger vor dem sicheren Ende zu bewahren.

Denn 2006 stellte man sich in den schillernsten Farben vor, dass das damalige Vogelvirus über Nacht zu einem Virus mutieren kann, das auch für den Menschen üble Folgen bereithält. Bayern allein soll dafür um die 22 Millionen Euro ausgegeben haben.

Und das sichere Ende kam dann auch, aber nicht für die Bürger, sondern für das Medikament.

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Wo Wissenschaftler ein neues Medikament „erfinden“ und in Fachzeitschriften „lobpreisen“, waren es ebenfalls Wissenschaftler, die dieses Produkt kritisch unter die Lupe nahmen – zum Glück. Ein internationales Gutachterteam von der Cochrane Collaboration setzte sich mit dem Präparat und seinen Wirkungen bzw. Nebenwirkungen unter anderen Gesichtspunkten auseinander.

Die Cochrane Gruppe besteht aus einer Reihe von Wissenschaftlern, die Studien nachverfolgen bzw. auswerten in Hinsicht auf deren Aussagekraft unter besonderen Gesichtspunkten. Für Tamiflu wurde eigentlich nur eine Analyse der vorhandenen Daten auf die Wirkungs- und Nebenwirkungsrate erhoben.

Das Datenmaterial, was seinerzeit von Roche, dem Hersteller von Tamiflu, veröffentlicht worden ist, zeigte dann auch beeindruckende Ergebnisse: Alles signifikant, wo man auch hinschaut. Besonders überzeugende Ergebnisse konnte ein Virologe aus dem Genfer Universitätsklinikum, Laurent Kaiser, vorweisen.

Er hatte 10 aktuelle Wirksamkeitsstudien untersucht und mehr als eindeutig feststellen können, dass unter einer Tamiflu-Gabe „signifikant“ weniger Patienten an Lungenentzündung erkrankten als ohne bzw. unter Plazebo.

Das Jefferson Team von der Cochrane Collaboration konnte hier feststellen, dass diese Ergebnisse „signifikant“ manipuliert worden waren. Denn alle Studien waren vom Hersteller selbst durchgeführt worden.

Aber da diese Ergebnisse so überzeugend waren, wurden sie von der gesamten Welt gläubig ins Abendgebet aufgenommen. Sogar die Cochrane Wissenschaftler gingen der Schlamperei zu Beginn auf den Leim. Erst 2009 bekamen sie vom britischen National Institute for Health Research den Auftrag, diesen ganzen Komplex noch einmal wissenschaftlich aufzurollen.

Denn es kam Kunde aus Japan, wo Ärzte, wie Keji Hayashi, die Wissenschaftler darauf aufmerksam machten, dass die veröffentlichten Daten mit der klinische Praxis nicht in Einklang zu bringen seien.

Dazu kommt noch, dass die Autoren der berühmten Tamiflu-Übersichtsstudie Angestellte und bezahlte Berater vom Tamiflu-Hersteller sind. Die 10 Studien, die untersucht worden sind, sind in 8 Fällen überhaupt nicht veröffentlicht worden. Nur 2 wurden als koscher genug befunden, den Weg in eine Veröffentlichung zu gehen. Warum also wird 80 Prozent des Studienmaterials unter den Teppich gekehrt und 20 Prozent stellvertretend für 100 Prozent verkauft?

Um dieser Frage nachzugehen fragte das Jefferson Team Kaiser um die vollständigen Daten. Der aber verwies diese an die Firma Roche, und die wollten eine Verschwiegenheitserklärung, falls man die richtigen Daten aushändigte. Anders ausgedrückt: Die Jefferson Gruppe durfte die Daten ansehen, durfte aber zu niemanden darüber Aussagen machen, geschweige Veröffentlichungen darüber erstellen. Aha? Gibt es hier etwas zu verheimlichen?

Wenn die Datenlage so eindeutig „signifikant“ ist, warum wird dann nicht damit in der wissenschaftlichen Weltgeschichte umhergeschmissen wie in Köln zum Karneval mit Kamellen?

Die Jefferson Gruppe zog aus diesem Verhalten die Konsequenzen und veröffentlichten die Lücken und Ungereimtheiten der Kaiser-Veröffentlichung. Sie erstellten eine neue Bewertung des Präparat auf der Grundlage von Studien, die vollständig veröffentlicht worden waren.

Tamiflu nicht besser als Placebo?

Das Ergebnis war „signifikant“: Tamiflu schneidet nicht besser ab als ein Plazebo – ein Ergebnis, das der Einschätzung der japanischen Wissenschaftler um Keji Hayashi entspricht.

Nachdem das Kind für Roche in Bausch und Bogen in den Brunnen gefallen war, wurde die Firma rege. Sie versprach, die fehlenden Daten nachzureichen, allerdings unter recht komplizierten Bedingungen – passwortgeschützte Webseite, unvollständige Daten wiederum etc. Das zögerliche Herausrücken der Originaldaten muss leider die Frage zulassen: Werden die Daten erst einmal wieder zurechtgeschrieben, um die gewünschten Ergebnisse zu liefern?

Die ersten veröffentlichten Daten wurden von Jefferson und seiner Gruppe als manipuliert erkannt, und „Schwupps“ waren die Daten von mehr als der Hälfte der Studienteilnehmer verschwunden (2691 von 4813). Auch im Reich der Nebenwirkungen konnten die Jefferson Leute eine Reihe von bunten Kühen begegnen.

Die offizielle Darstellung für Tamiflu sieht so aus, dass es keine und wenn, dann unbedeutende Nebenwirkungen gegeben hat. Zurück aus dem Märchenwald zeigten sogar die unvollständigen Daten, dass es 10 schwere Zwischenfälle bei 9 Patienten gegeben hatte.

Auch hier hatten die japanischen Wissenschaftler das gleiche Bild geliefert: Kinder unter Tamiflu zeigten gehäuft psychotische Veränderungen. Naja, und wenn man sich nicht anders zu helfen weiß, setzt man noch einen oben drauf. So behauptet Roche stock und steif der Süddeutschen Zeitung gegenüber, dass es keine Datenlücken gibt. Wörtlich: „Roche glaubt, dass es alle Daten zur Verfügung gestellt hat. . . „

Aber glauben heißt ja nicht wissen. Warum also weiß Roche nicht, ob sie alle Daten abgegeben hat. Da bleibt doch nur die Vermutung: Roche glaubt nicht, Roche weiß, dass sie NICHT alle Daten zur Verfügung gestellt hat – oder?

Danach geht man in die Offensive und teilt den Gutachtern mit, dass die Firma darüber entscheidet mit welchem Material die Gutachter zu arbeiten haben. Der Kommentar von Tom Jefferson: „Eine verkehrte Welt! Seit wann entscheiden die Begutachteten, was der Gutachter sehen darf – und was nicht?“

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Aber es gab ja noch: Relenza!

Aber auch Glaxo hat eine glorreiche Vergangenheit in Sachen Datenmanipulation und – unterdrückung (Avandia unlängst). Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Datenlage für Relenza, das Glaxo Pendant zu Tamiflu, vermutlich auch nicht alles ganz in Ordnung ist.

Tut mir leid, aber der gute Wille ist mir bei solchen Machenschaften abhanden gekommen. Die größte Studie mit Relenza in den USA zeigte im Vergleich zu Plazebo übrigens keinen besseren Effekt. Auch sie verschwand in den Katakomben der medizinischen Geheimwissenschaften und wurde nie veröffentlicht.

Fazit der Jefferson Gruppe: Wo man auch hinschaut, man sieht manipulierte Daten. Medizinisch-wissenschaftliche Studien . . . Hollywood für Weißkittel. Mein Fazit: Nichts Neues für mich. Wenn Sie möchten schauen Sie sich auch mal die Reportage von Frontal21 DAS PHARMAKARTELL an. Spätestens dann dürfte einiges klarer werden…

Tamiflu: Die „wahren“ Wirkungen enthüllt

Die wahren Wirkungen von Tamiflu enthüllten die englischen Forscher Peter Doshi und Carl Heneghan, die immer wieder nachfragten und recherchierten.

In den letzten Jahren wurden sie nicht müde Daten zu sammeln und auf die Herausgabe der Studiendaten zu Tamiflu zu drängen. Und: die Auswertungen belegen das Täuschungsmanöver des Pharmariesen.

Das Cochrane-Netzwerk hat zusammen mit dem British Medical Journal die 550 Seiten umfassende Dokumentation veröffentlich und Regierungen und Verantwortliche der Gesundheitspolitik dazu aufgerufen, die Grippemittel nicht weiter einzusetzen. Die umfangreiche Analyse zeigt, dass die enthaltenen Neuraminidasehemmer bei Grippe praktisch wirkungslos sind. Dies wurde bereits seit 2009 in mehreren Fachpublikationen aufgezeigt.

Nebenwirkungen: von Übelkeit bis Schizophrenie

Keine der propagierten Wirkungen wie Schutz vor Bronchitis, Mittelohrinfektion, Nebenhöhleninfektion oder Lungenentzündungen sind nachweisbar. Unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen waren um fünf Prozent erhöht, ein Prozent der Personen erkrankte gar an Schizophrenie.

Diese Ergebnisse sind wahrhaftig „zum Kotzen“ und erzeugen bei mir größte Übelkeit! Paradox ist zudem, dass durch die Medikamenteneinnahme das Immunsystem geschwächt wird, da die körpereigenen Antikörper reduziert werden.  

Milliardenverluste für viele Staaten

Deutschland hatte bereits im Zuge der Vogelgrippe 2007 mit der Bevorratung der Grippemittel begonnen und gab schätzungsweise 500 Millionen Euro aus, die USA etwa 1,3 Milliarden. Viele andere Staaten bestellten von Roche Tamiflu (Oseltamivir) oder von GlaxoSmithKline Relenza (Zanamivir). Der weltweite Umsatz betrug für die Herstellerfirmen wohl mehr als 10 Milliarden Euro.

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Zweifel an der Wirksamkeit bereits seit 2009!

Völlig unverständlich erscheint die Anschaffung der Grippemittel auch deshalb, weil seit 2009 die Wirksamkeit bereits stark angezweifelt wurde (siehe mein Beitrag oben), denn nur 40 % der Daten waren veröffentlicht, der Großteil wurde von Roche mit fadenscheinigen Ausreden zurückgehalten.

Dabei sollte allein schon die Verweigerung der Datenherausgabe Anlass zum Misstrauen geben, ohne ausreichend positive Belege viele Millionen zu investieren. Erst 2013 (!) machte Roche unter dem Druck der Forscher um Peter Doshi die Daten zugänglich, die das ganze Ausmaß der Wirkungslosigkeit und Gefährlichkeit offenbarten.

Da weder die WHO, die europäische oder amerikanische Seuchenschutzbehörde noch die europäische Arzneimittelagentur die Datensätze anforderten und die Regierungen sich auf die unfähigen Behörden beriefen, konnte die Geldverschwendung weitergehen. Doshi bezeichnete den Totalausfall politischer und regulatorischer Organe treffend als „Multiorganversagen“. Ich kann mich dieser Beurteilung nur anschließen.

Regierungen ziehen KEINE Konsequenzen

Viele Führungspersonen haben nicht den Mut zu sagen, dass es gegen eine Epidemie kein wirksames Medikament gibt. Einzelne Stimmen fordern jetzt zwar die zukünftige Verpflichtung von Pharmafirmen und Gesundheitsbehörden zur lückenlosen Veröffentlichung aller Daten.

Doch offenbar hat der Skandal trotz seiner enormen finanziellen Verluste noch immer zu keinem Umdenken geführt. Dies legt etwa die Reaktion der bayrischen Gesundheitsbehörden nahe, die sich auch jetzt auf die positive Beurteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) berufen.

Auch die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Kordula Schulz-Asche, Dr. Harald Terpe, Maria Klein-Schmeink, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Drucksache 18/1227), lässt eigentlich keine anderen Schlüsse zu:

Frage: Plant die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Cochrane-Collabortation den vorsorglichen Ankauf und die weitere Bevorratung von Tamiflu und Relenza auf Bundesebene einzustellen und ein entsprechendes Vorgehen mit den Bundesländern abzustimmen?
Antwort: Aufgrund der bestehenden Vorräte an Neuraminidasehemmern bei Bund und Ländern besteht derzeit bundesweit keine Notwendigkeit, über die weitere Bevorratung mit Neuraminidasehemmern zu entscheiden.

Da bleibt nur die Hoffnung, dass verantwortungsbewusste Menschen wie Peter Doshi nicht schweigen, bis sich etwas ändert. Und man darf sich schon mal fragen, WER in diesem Land eigentlich das sagen hat?

FAZIT: Der Fall der Grippemittel Tamiflu und Relenza zeigt klar und deutlich: Die Pharmaindustrie ist anscheinend nur auf maximale Gewinne aus. Doch es ist nicht nur die Nutzlosigkeit der Medikamente und die Millionen die dafür ausgegeben wurden.

Der wirkliche Skandal sind teilweise sehr gefährlichen Nebenwirkungen. Konsequenzen: keine. Die betroffenen Patienten und die Steuerzahler haben halt Pech gehabt. Ich wünschte dieser (wohl teuerste) Medizinskandal wäre ein Einzelfall. Leider gibt es weitere zahlreiche fragwürdige Pharmaprodukte, beispielsweise Impfstoffe mit Quecksilber oder Cholesterinsenker mit Statinen. Wann wird endlich mal „aufgeräumt“?

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Dieser Beitrag wurde von mir erstmalig am 7. Januar 2011 veröffentlicht und letztmalig am 18.3.2015 ausführlich überarbeitet und am 13.1.2026 geringfügig ergänzt.

Weitere Informationen zum Thema:

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Medikamente

Frage aus Österreich: Symbioflor nur auf Rezept – und was ist mit „Dropchen“?

Hallo Herr Gräber!

Ich habe noch eine Frage: Gibt es in Österreich die unterschiedlichen Symbioflor-Tropfen auch?
Die Apotheke konnte mir dazu nichts Näheres sagen. Symbioflor ist bei uns rezeptpflichtig und muss daher vom Arzt verordnet werden. Auf Ihrer Probiotika-Seite habe ich außerdem nichts über „Dropchen“ gefunden – gehören die überhaupt zu den Probiotika?

Dropchen wird ja zum Darmfloraaufbau bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Es enthält Milchsäurebakterien (Lactobacillus reuteri Protectis). Wirken Milchsäurebakterien nur im Darm oder können sie auch das Immunsystem bzw. die Abwehr stärken?

Danke für Ihre Frage – die kommt tatsächlich öfter, gerade aus Österreich.

1) Gibt es Symbioflor in Österreich überhaupt?

Ja – grundsätzlich schon. Aber: In Österreich sind manche Symbioflor-Produkte rezeptpflichtig oder schlicht schwer verfügbar, je nach Präparat und aktueller Listung.

Das ist für viele Patienten frustrierend, weil es nicht um ein „gefährliches Hochrisiko-Medikament“ geht, sondern um Bakterienpräparate, die in Deutschland seit Jahrzehnten eingesetzt werden.

Warum das so geregelt ist? Offiziell wird dann gern mit „Arzneimittelstatus“ und „Sicherheit“ argumentiert. In der Praxis heißt es für Sie: Sie brauchen einen Arzt, der es Ihnen aufschreibt – und eine Apotheke, die es bestellen kann.

Wenn Ihre Apotheke nichts weiß: Das ist leider normal. Probiotika sind in vielen Apotheken ein Randthema – außer es steht „Marketingbudget“ drauf.

2) Und was ist mit „Dropchen“ – ist das ein Probiotikum?

Ja. Dropchen ist ein Probiotikum.

Es enthält Lactobacillus reuteri DSM 17938 (oft als „Protectis“ bezeichnet). Das ist ein gut untersuchter Stamm, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet wird.

Wichtig: Dropchen ist kein „Darmaufbau-Komplettpaket“, sondern ein Ein-Stamm-Probiotikum – das kann sinnvoll sein, wenn man genau diesen Stamm gezielt einsetzen will.

3) Wofür ist Lactobacillus reuteri bei Babys sinnvoll?

In der Praxis wird L. reuteri häufig genutzt bei:

  • Säuglingskoliken (klassischer Einsatzbereich)
  • unruhigem Bauch, viel Luft, Blähungen
  • nach Antibiotika (wenn überhaupt möglich bei so kleinen Kindern)
  • funktionellen Verdauungsproblemen in den ersten Monaten

Ich formuliere es mal so:
Dropchen sind nicht „die Darmsanierung“ – aber sie können ein sehr brauchbarer Einstieg sein.

4) Wirken Milchsäurebakterien nur im Darm – oder auch auf die Abwehr?

Beides.

Der Darm ist nicht nur Verdauung, sondern auch Immuntraining. Ein großer Teil der Immunzellen sitzt im Darmbereich, und das Mikrobiom beeinflusst, wie „nervös“ oder wie „stabil“ das Immunsystem reagiert.

Milchsäurebakterien können deshalb:

  • die Darmbarriere unterstützen
  • Entzündungsreize im Darm senken
  • die Reifung des Immunsystems mitprägen
  • indirekt auch die Infektanfälligkeit beeinflussen

Aber: Das ist kein Schalter „Bakterien rein = Kind wird nie krank“. Es ist eher ein Baustein – oft ein sehr sinnvoller.

5) Was würde ich praktisch empfehlen?

Wenn es um ein Baby geht und Sie etwas Sanftes, Bewährtes suchen, dann sind Dropchen absolut eine Option.

Wenn es aber um einen umfassenderen Darmfloraaufbau geht (z. B. nach Infekten, nach Antibiotika, bei wiederkehrenden Problemen oder bei älteren Kindern), dann sind Mehrstamm-Präparate häufig sinnvoller als „nur ein Stamm“.

In solchen Fällen halte ich Bactoflor für Kinder (oder vergleichbare kindgerechte Mehrstamm-Probiotika) oft für die bessere Lösung – weil das Mikrobiom eben nicht aus einem einzigen Stamm besteht.

6) Kurzer Tipp zur Anwendung

Bei Säuglingen gilt meist: lieber niedrig starten, regelmäßig geben, nicht ständig wechseln.

Und ganz wichtig: Wenn parallel starkes Spucken, Gedeihstörung, Blut im Stuhl oder anhaltendes Schreien über Stunden besteht, dann muss man natürlich auch an andere Ursachen denken – nicht nur an „Darmflora“.

Was Sie in Österreich beim Arzt sagen können (damit Symbioflor verschrieben wird)

„Ich habe wiederkehrende Darmbeschwerden / Blähungen / Reizdarm-Symptome / Infektanfälligkeit und möchte das Darm-Immunsystem gezielt stabilisieren. Symbioflor wäre eine Option. Können wir das als Therapieversuch für 4 bis 8 Wochen machen?“

Wenn der Arzt abwinkt könnten Sie einwenden:

1) „Okay. Welche probiotische Alternative würden Sie dann konkret empfehlen – mit Stammnamen und Dosierung?“
(Die meisten merken dann, dass sie dazu nichts Handfestes haben.)

2) „Mir reicht ein zeitlich begrenzter Therapieversuch. Wenn es nichts bringt, lassen wir es.“
(Sehr schwer, dagegen zu argumentieren.)

3) „Ich möchte es ergänzend probieren, nicht als Ersatz für etwas anderes.“
(Das nimmt Druck aus der Situation.)

Mehr zum Thema finden Sie hier (wenn Sie tiefer einsteigen wollen):

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Beitragsbild: pixabay.com – Alicia_Harper

Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Symptome

Wasser in den Beinen klingt harmlos. Ist es manchmal auch. Aber es ist nie „einfach nur Wasser“. Ödeme sind ein Signal: Der Rückfluss in den Venen stockt, das Lymphsystem kommt nicht hinterher, oder Herz, Niere und Eiweißhaushalt geraten unter Druck.

Und genau deshalb ist die wichtigste Frage nicht: „Wie kriege ich das weg?“
Sondern: „Ist das noch harmlos – oder schon gefährlich?“

In meinem Grundsatzbeitrag gehe ich ausführlich auf Ursachen und naturheilkundliche Maßnahmen ein: Ödeme – Wassereinlagerungen in verschiedenen Körperteilen.

Hier geht es um das, was viele sofort wissen wollen: Wann muss man aufpassen – und was hilft direkt?

Ab wann wird Wasser in den Beinen gefährlich?

1) Plötzliche, starke Schwellung – besonders einseitig

Wenn ein Bein innerhalb weniger Stunden deutlich anschwillt, spannt oder schwer wird, ist das kein „ich war halt viel unterwegs“.
Dann muss man an eine tiefe Venenthrombose denken.

Typische Hinweise:

  • nur ein Bein betroffen
  • Druckschmerz, Ziehen oder Schmerzen in Wade oder Kniekehle
  • das Bein ist wärmer oder gerötet
  • der Umfang ist sichtbar größer

Hier gilt: nicht abwarten. Das gehört zügig abgeklärt.

2) Schwellung plus Atemnot, Brustdruck, Herzrasen

Ödeme und Atemnot zusammen sind eine Kombination, die ich ernst nehme.
Das kann auf Herzschwäche hindeuten. Und wenn eine Thrombose im Raum steht, muss man auch an eine Lungenembolie denken.

Das ist dann kein Thema für „ich probiere mal Tee“.
Da zählt Zeit.

3) Es wird von Tag zu Tag mehr – und geht nicht mehr weg

Wenn die Schwellung über mehrere Tage bleibt, morgens kaum besser ist oder langsam „hochwandert“ (Knöchel ? Unterschenkel ? Knie), steckt oft mehr dahinter als Hitze oder langes Sitzen.

Dann sollte man die Ursachen sauber anschauen:
Venen, Lymphe, Eiweißmangel, Leber, Niere, Herz, Schilddrüse, Medikamente.

Harmlos oder Warnsignal? Ein schneller Selbstcheck

Eher harmlos ist es häufig, wenn:

  • beide Beine betroffen sind
  • es abends schlimmer und morgens besser ist
  • es nach langem Sitzen oder Hitze auftritt
  • es nach Bewegung deutlich zurückgeht

Eher ernst ist es, wenn:

  • es plötzlich auftritt
  • es nur ein Bein betrifft
  • Schmerzen, Atemnot oder Unwohlsein dazukommen
  • es dauerhaft bleibt oder zunimmt

Was Sie sofort tun können

Beine hochlagern – aber richtig

Nicht „ein bisschen auf den Hocker“. Sondern so, dass die Füße über Herzhöhe liegen. 15 Minuten reichen oft, um den Druck rauszunehmen.

Gehen statt sitzen – die Waden sind Ihre zweite Pumpe

Die meisten unterschätzen das: Die Wadenmuskulatur ist eine Art „Hilfspumpe“ für den venösen Rückfluss. Ohne Bewegung versackt Flüssigkeit.

Mein Tipp: Mehrmals täglich 10 Minuten zügig gehen. Drei mal pro Tag wäre super. Aber konsequent muss es sein!

Wadenpumpe im Alltag (für Schreibtisch, Auto, Sofa)

1 bis 2 Minuten pro Stunde:

  • Fersen hoch, Zehen hoch
  • Fußkreisen
  • kurz aufstehen und ein paar Schritte gehen

Banal? Ja.
Wirksam? Oft erstaunlich.

Stützstrümpfe: sinnvoll – aber nicht als Dauer-Ausrede

Kompressionsstrümpfe können sehr gut helfen, wenn es vor allem ein venöses Problem ist.
Aber sie ersetzen keine Ursachenklärung, wenn die Schwellung zunimmt oder Warnzeichen dazukommen.

Naturheilkunde: Was in der Praxis oft wirklich hilft

Heilpflanzen: entwässern, ohne den Körper auszurauben

Brennnessel: als Tee 2 bis 3 Tassen täglich für 7 bis 10 Tage
Löwenzahn: als Tee oder Tinktur, oft verträglicher und „griffiger“ in der Wirkung
Birkenblätter: bewährt bei „schweren Beinen“ und Neigung zu Wassereinlagerung

Ich setze in der Praxis bei vielen eher auf Tinkturen, weil Tees bei ausgeprägten Ödemen oft zu schwach sind.

Kneipp-Anwendungen

Wenn die Beine abends dick sind und schwer werden, helfen oft:

  • kalte Wadengüsse am Morgen
  • Wechselgüsse (warm kalt) bei venöser Schwäche
  • danach Bewegung, nicht wieder sitzen!

Lymphe aktivieren (wenn es eher teigig ist)

Wenn die Beine nicht nur „voll“ wirken, sondern eher weich, teigig, schwer sind:

  • Trockenbürsten Richtung Herz
  • sanftes Trampolin (2 bis 5 Minuten)
  • manuelle Lymphdrainage, wenn passend

Homöopathie

Beste Mittel sind u.a. Lymphdiaral, Lymphomyosot, Regenaplex Nummer 6. Alle Mittel gibt´s in der Apotheke. Lassen Sie sich beraten; ein Mittel wählen, innerhalb von 5 Tagen muss eine gute Wirkung zu sehen / merken sein.

Wasser trinken – ja, aber bitte mit Verstand

Der Satz „mehr trinken spült aus“ stimmt nicht immer. Bei vielen Menschen hilft ausreichendes Trinken tatsächlich. Aber bei Herz- oder Nierenproblemen kann „viel trinken“ auch nach hinten losgehen.

Besser so: Trinken Sie ausreichend – aber nicht blind literweise, wenn Atemnot oder Herzthemen im Spiel sind.

Ernährung

„Basisch essen“ kann entlasten und ist immer eine gute Idee.

Was bei Ödemen fast immer Sinn ergibt:

  • weniger Fertigprodukte (verstecktes Salz)
  • weniger Zucker (Entzündungsförderung)
  • mehr Gemüse und kaliumreiche Lebensmittel
  • ausreichend Eiweiß, damit Flüssigkeit im Blut „gebunden“ bleibt

Ausführlicher zum Säure Basen Haushalt in meinem Beitrag: Der Säure-Basen-Haushalt: Grundlage der Gesundheit

Fazit

Wasser in den Beinen ist oft harmlos – bis es das nicht mehr ist. Entscheidend sind nicht nur „dicke Knöchel“, sondern: Tempo, Einseitigkeit und Begleitsymptome.

Und wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Körper meldet sich gerade nicht „leise“, sondern deutlich: Dann hören Sie hin.

? Mehr Ursachen und naturheilkundliche Maßnahmen finden Sie hier: Ödeme – Wassereinlagerungen in verschiedenen Körperteilen

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