Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Allgemein

Ein Kind ist geboren und alle Welt freut sich. Hinter den Kulissen jedoch bedingt die Fürsorge für das Neugeborene weniger erfreuliche Schattenseiten: Eine davon ist, dass ein Baby die Nacht zum Tag werden lassen kann…
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Aus der Naturheilpraxis von René Gräber / Kategorie: Allgemein

Nicht nur das Leben ist eine Kette von Ereignissen, sondern auch Erkrankungen und deren Therapien. Wie so häufig im Leben ist die Abfolge oft sehr schwer voraussagbar. Und das Gleiche gilt auch für medizinische Eingriffe, vor allem, wenn sie von dauerhafter Natur sind. Ein solch dauerhafter Eingriff ist der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks. Für viele Betroffene ist die Operation ein Segen, ermöglicht ihnen doch dieses „neue“ Hüftgelenk wieder mehr Lebensqualität.

Grund für den Einsatz einer „Endoprothese“ sind Erkrankungen des Knochenapparates, wie zum Beispiel die verschiedenen Formen der Arthritis, Arthrose, Unfälle mit dauerhaften Verletzungen und so weiter. Eine Erkrankung des Hüftgelenks ist in der Regel mit großen Schmerzen in der Bewegung und teilweise auch in Ruhe verbunden. Die Beweglichkeit ist oft so stark eingeschränkt, dass der Betroffene auf den Rollstuhl angewiesen ist. Kein Wunder also, wenn die Endoprothese diesem „faulen Zauber“ ein Ende setzen kann, dass die Betroffenen auch vor einer solch großen Operation nicht zurück scheuen und sich bereitwillig „unters Messer legen“ lassen.

Die Endoprothesen bestehen zumeist aus Titanlegierungen, faserverstärkten Kunststoffen, Keramik und anderen Stoffen. Nach einer stationären Behandlung nach der OP von bis zu zehn Tagen können die meisten Patienten entlassen werden und in speziellen Reha-Kliniken ihre Mobilität verbessern. Die meisten (nicht alle) Patienten sind danach schmerzfrei und können sich nahezu so bewegen, als wenn sie tatsächlich ein neues Hüftgelenk besäßen. Soweit die guten Nachrichten.

Die weniger guten Nachrichten beziehen sich erst einmal auf „systemimmanente“ Folgeereignisse, die aus der Operation hervorgehen können. Es kann vorkommen, dass sich (meist erst nach einigen Jahren) die Endoprothese lockert, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt, genauso wie es der Patient vor seiner Operation mit seiner natürlichen Hüfte schon erfahren musste. Es können nach der OP unregelmäßige Verknöcherungen um das ersetzte Hüftgelenk auftreten, die die Beweglichkeit ebenfalls wieder zunichte machen.

Darüber hinaus gibt es noch Folgen, die bislang kaum jemand auf seinem „Radar“ hatte: Prostatakrebs.

In diesem speziellen Fall geht es nicht darum, dass diese Prothesen möglicherweise Prostatakrebs auslösen oder das Risiko dafür erhöhen können. Dafür gibt es keinen Grund zur Vermutung. Sie können jedoch zum Hemmnis bei der Behandlung von Prostatakrebs werden.

Prostatakrebs ist der am häufigsten vorkommende Krebs bei Männern. Die Prostata liegt im unmittelbaren Bereich der Prothese beziehungsweise Prothesen, wenn beide Hüften betroffen sind. In Großbritannien gibt es mittlerweile über 30.000 Männer pro Jahr, die eine oder zwei neue Hüften bekommen. Für Deutschland scheint es keine offizielle Zahlen zu geben, da ein offizielles Endoprothesenregister erst 2011 zur Erprobung eingeführt worden ist. Ein solches Register besteht für Schweden und Finnland schon seit 1979. Norwegen folgte diesem Beispiel im Jahr 1987. Grund für diese Bemühungen waren zuvor ermittelte Probleme mit den Ersatzhüften beziehungsweise deren Qualität.

Ich bin wirklich beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit die deutsche Hochschulmedizin auf dieses Problem reagiert hat: Nur 32 Jahre nach Einführung dieser Register in den skandinavischen Ländern, von denen man hätte was lernen können, macht man hierzulande „probeweise“ das Gleiche. Wie es aussieht, ist Geschwindigkeit eine Form der Hexerei, mit der die Schulmedizin hierzulande nichts zu tun haben will. Aber das nur am Rande…

Die Inzidenzrate für Prostatakrebs liegt in Großbritannien bei 134 von 100.000 Männern. Für Deutschland gibt es eine Statistik, die von 67.600 Neuerkrankungen im Jahr 2013 spricht. Aber das Jahr 2013 ist noch nicht vorbei. Für das Jahr 2004 liegt eine statistische Erhebung vor, die von 112 neuen Prostatakrebsfällen auf 100.000 Männer spricht. Damit scheint die Inzidenzrate für Prostatakrebs in Großbritannien signifikant höher zu liegen – aus welchem Grund auch immer.

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Zurück zu unserem Ausgangsszenario: ein Mann mit einem künstlichen Hüftgelenk, bei dem „jetzt“ Prostatakrebs diagnostiziert wird.

Hier wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit therapeutische Probleme geben, falls der behandelnde Arzt auf eine Strahlentherapie zurückgreifen muss. Denn das in der Prothese enthaltene Metall oder Keramik sind für die Strahlen undurchlässig und verhindern somit eine ausreichende Behandlung eines Tumors in der Prostata. Verschärfend kommt noch dazu, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit die Strahlung von der Prothese abgelenkt wird und damit vollkommen gesunde Gewebe oder Organe „behandelt“ werden.

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Was ist mit den Alternativen?

Die Alternativen zur Strahlentherapie sind Chemotherapie und/oder eine operative Entfernung des betroffenen Gewebes. Aber eine Operation kommt in einer Reihe von Fällen kaum in Frage. Grund dafür ist, dass die Prostata von einer Kapsel umgeben ist, die aus fibrösem Bindegewebe besteht und viele Tumore bis an die Grenzen dieser Kapsel ausgewachsen sind. Eine Operation wäre somit nicht imstande, alle Krebszellen zu 100 Prozent zu entfernen, was den Therapieerfolg komplett in Frage stellt.

Die Alternative Chemotherapie hat ebenfalls ihre Grenzen. In der Regel versucht der Therapeut eine Chemotherapie zu umgehen, wenn der Tumor durch eine Operation oder eine Strahlentherapie behandelt werden kann. Die Chemotherapie ist also das Mittel der dritten Wahl. Kontraindikationen für eine Chemotherapie sind die Abwägung, dass zu erwartende Nebenwirkungen durch die Behandlung schwerer ausfallen als die Leiden, die durch die Erkrankung hervorgerufen werden. Und dies scheint keine Seltenheit zu sein: Chemotherapie – eine Therapie, die keine ist? und Wenn Krebsmittel Krebs erzeugen. In vielen Fällen erlaubt der Allgemeinzustand des Patienten keine Chemotherapie beziehungsweise ist schon die Funktion wesentlicher Organe so weit eingeschränkt, dass eine Chemotherapie mehr einem russischen Roulette gleichkommt als einer Therapie.

Damit bliebe die Strahlentherapie als lokal begrenzte Therapie als einzige Alternative bei Prostatakrebs.

Zielscheibe Prostata

Dr. Ahmed El-Modir ist ein Onkologe aus dem Queen Elisabeth Hospital in Birmingham. Er erklärt, dass die Herausforderung einer Strahlentherapie bei einem Mann mit einer Hüftprothese darin besteht, dass diese Prothese(n) nur fünf bis zehn Zentimeter vom eigentlichen Zielgebiet entfernt liegen. Aber es ist nicht nur die Nähe zur Prostata, die die Therapie verkompliziert. Vielmehr liegen die Prothesen im „Schusswinkel“ der Strahlenkanone. Denn nicht jeder Tumor wird nur von vorne bestrahlt. Damit würden die seitlich lokalisierten Tumorzellen nicht erreicht werden. Wenn die Strahlung dann noch von den Prothesen abprallt und gesundes Gewebe trifft, dann ist der Schaden höher als der Nutzen dieser Prozedur. In der Regel spielt das Material der Prothesen kaum eine Rolle, da sie oft aus Metall und Keramik als Kombination gefertigt sind.

Bei Frauen, die mit einer solchen Prothese einen Uterus- oder Gebärmutterhalskrebs entwickeln, stehen dann vor ähnlichen Problemen. Und es kommt nicht selten vor, dass die Diagnose für eine Krebserkrankung altersbedingt nahezu zeitgleich mit der Hüft-OP getätigt wird.

Aber das Zauberwort in diesem Szenario lautet „Tomotherapie“. Hierbei handelt es sich um eine Strahlenkanone, die wie ein Computertomograph die Strahlen von allen Seiten auf das zu bestrahlende Areal beim Patienten richten kann. Ein Ring, in dem die Strahlenquelle rotiert, macht dies möglich. Das Ganze wird dann noch präziser, wenn vor der eigentlichen Bestrahlung eine CT-Bilderserie von dem zu behandelnden Areal gefertigt wird. Der Tomotherapiestrahler wird dann mit dem Computertomograf gekoppelt, so dass letzterer den ersteren bei den Bestrahlungen führen und kontrollieren kann (image-guided radiotherapy IGRT).

Weiter wird bei dieser Bestrahlungsart nicht der gesamte Tumor nach dem Gießkannenprinzip bestrahlt, sondern dieser wird „scheibchenweise“ therapiert. Für jedes dieser „Scheibchen“ – in Wirklichkeit sind es 64 rechteckige Einzelfelder – kann eine individualisierte Strahlendosis vorprogrammiert werden. Damit verspricht sich der Onkologe eine reduzierte Strahlendosis und damit weniger Nebenwirkungen bei gleichbleibendem therapeutischen Erfolg.

Bei den traditionellen Strahlungsgeräten kam die Strahlung nur aus fünf oder sechs Positionen. Bei der Tomotherapie kann aus jedem beliebigen Winkel und damit Position „geschossen“ werden. Dadurch werden nicht nur die Tumore von der Strahlung besser erfasst, sondern der Therapeut kann auch die Hindernisse besser vermeiden.

Nachteile dieser vielversprechenden Methode?

Ein paar Nachteile gibt es schon. Da wäre als erstes der Preis für diese Apparatur zu nennen. Die ist mit knapp 5 Millionen Euro nicht gerade billig zu nennen. Daher sind bislang weltweit auch nur 300 Geräte im Einsatz. In Deutschland sind es meines Wissens immerhin 11 Geräte. Damit steht zu vermuten, dass die Warteliste für Patienten entsprechend lang ist.

Bezüglich der „Hypothese“ von den „gemilderten Nebenwirkungen“ unter einer Tomotherapie, gibt es erste Arbeiten, die diese Hypothese nicht bestätigen können.

Effectiveness and toxicities of intensity-modulated radiotherapy for patients with locally recurrent nasopharyngeal carcinoma ist eine Studie aus China, bei der Patienten mit einer Krebserkrankung des Nasenrachenraums mit dieser Methode behandelt worden waren. Die Autoren klagten über eine hohe Zahl an ernsthaften Spätkomplikationen.

Eine Arbeit aus den USA kommt zu einem fast ähnlichen Schluss. Intensity modulated radiotherapy for stage III non-small cell lung cancer in the United States: Predictors of use and association with toxicities behandelte Patienten mit Lungenkrebs. Zum Vergleich wurden hier Patienten mit der konventionellen Strahlenmethode und mit der Tomotherapie behandelt. Die Autoren drücken leider die Ergebnisse ihrer Beobachtungen sehr schwammig aus, so dass man den Verdacht hegen kann, dass hier keine Bäume ausgerissen worden waren.

Denn die Tumorgröße, das Stadium und die Zahl der Behandlungen waren nicht mit der Anwendung der Tomotherapie assoziiert. Oder mit anderen Worten: Die Ergebnisse von konventioneller Bestrahlung und Tomotherapie waren vergleichbar. Für die Nebenwirkungen zeigt sich das gleiche Bild. Die Nebenwirkungsrate im Bereich des Kehlkopfs und der Lunge waren bei beiden Bestrahlungsmethoden vergleichbar.

Fazit

Wer wirklich „kaputte Hüften“ hat, der kann sich ein gutes Stück Lebensqualität per Operation implantieren lassen. „Kaputt“ ist hier jedoch sehr relativ. Ich sehe täglich Patienten, denen genau dies gesagt wurde. Auf den Röntgenbildern ist dann aber immer noch ein Gelenkspalt zu sehen (Aufnahme im Stehen), was bedeutet, dass eine Arthrose nicht in dem Ausmaß für die Schmerzen verantwortlich sein kann, wie dies oftmals behauptet wird. Mit einer zielgerichteten Therapie, die u.a. die Schmerzpunkte der Gesäßmuskulatur und der Oberschenkelmuskulatur behandelt, werden nach meiner Erfahrung nämlich 80% der Hüftschmerzpatienten („kaputte Hüfte“) wieder schmerzfrei.

Für die restlichen 20% ist ein künstliches Hüftgelenk tatsächlich eine Therapieoption. Wenn dann jedoch Krebserkrankungen im Bereich des Unterbauchs auftreten, dann könnte eine „klassische“ schulmedizinische Therapie schwieriger werden. Und die neuen Hoffnungsträger im Bereich der Strahlentherapie scheinen wieder einmal nicht das halten zu können, was man sich davon versprochen hat.

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Beitragsbild: pixabay.com – Taokinesis