Erkältung: Macht Kälte wirklich krank? Die Fakten zum Winter
Ohne Mantel raus – und zack, eine Woche später läuft die Nase. Zufall? Oder doch die Strafe für „zu dünn angezogen“?
Seit Generationen hält sich die Vorstellung, dass kalte Luft direkt krank macht. Der Begriff „Erkältung“ scheint das Urteil gleich mitzuliefern. Doch moderne Forschung zeichnet ein anderes Bild: Kälte erzeugt keine Viren. Sie wirkt nicht als Ursache – sondern als Verstärker.
Warum steigen Infektionen trotzdem im Winter weltweit an? Weshalb überleben Influenzaviren in trockener Luft länger? Und was passiert eigentlich in unserer Nasenschleimhaut, wenn wir eiskalte Luft einatmen?
Die Antworten sind biologisch plausibel, epidemiologisch gut dokumentiert – und deutlich komplexer als die einfache Gleichung „Kälte = Krankheit“. Wer verstehen will, warum Winterzeit tatsächlich Erkältungszeit ist, muss genauer hinschauen.
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Kaltes Wetter macht nicht krank – hier die echte Ursache
Moderne Forschungen zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Kälte und Krankheit differenzierter ist als die Vorstellung, dass Kälte direkt Krankheiten verursacht.
Kalte Temperaturen selbst verursachen keine Infektionen. Stattdessen beeinflussen sie eine Kombination aus biologischen, umweltbedingten und sozialen Faktoren, die Menschen insbesondere in den Wintermonaten anfälliger für Atemwegserkrankungen machen. [1]
Erkältungen und Grippe werden durch Viren verursacht, nicht durch kalte Luft. Viren wie Rhinoviren, die Erkältungen verursachen, und Influenzaviren verbreiten sich von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion oder Körperkontakt, unabhängig von der Außentemperatur.
Allerdings steigen die Raten von Atemwegsinfektionen in der kälteren Jahreszeit in vielen Teilen der Welt kontinuierlich an – ein weltweit beobachtetes Muster.
Dieses saisonale Muster ist teilweise auf die Art und Weise zurückzuführen, wie sich kalte Temperaturen und niedrige Luftfeuchtigkeit auf Viren in der Umwelt auswirken. Untersuchungen zeigen, dass viele Atemwegsviren, darunter Influenzaviren und Coronaviren, unter kalten, trockenen Bedingungen länger überleben und über längere Zeiträume infektiös bleiben.
Trockene Luft führt auch dazu, dass winzige Tröpfchen, die beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen freigesetzt werden, schnell verdunsten. Dadurch entstehen kleinere Partikel, die länger in der Luft schweben und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass andere sie einatmen.
Dadurch trägt kalte, trockene Luft dazu bei, dass Viren in der Umwelt verbleiben und ihre Chancen erhöhen, die Atemwege einer anderen Person zu erreichen.
Kalte Luft beeinflusst auch die Art und Weise, wie sich der Körper gegen Infektionen wehrt. [2]
Das Einatmen kalter Luft senkt die Temperatur in der Nase und den Atemwegen, was zu einer Gefäßverengung führen kann. Unter Vasokonstriktion versteht man die Verengung der Blutgefäße, wodurch die Durchblutung des Gewebes verringert wird.
In der Nasen- und Atemwegsschleimhaut kann dieser verminderte Blutfluss die lokalen Immunreaktionen schwächen, die normalerweise dazu beitragen, Viren zu erkennen und zu beseitigen, bevor sie eine Infektion verursachen. Auch Kälteeinwirkung und kältebedingter Stress können die normale Funktion der Atemwege beeinträchtigen, insbesondere bei Menschen mit empfindlichen Atemwegen.
Zusammen können diese Effekte die ersten Verteidigungslinien des Körpers in Nase und Rachen unterdrücken. Kalte Luft erzeugt keine Viren, aber sie kann es Viren erleichtern, Fuß zu fassen, sobald sie exponiert sind.
Auch saisonale Veränderungen im menschlichen Verhalten und im Innenraumklima spielen eine große Rolle. Kaltes Wetter regt die Menschen dazu an, mehr Zeit drinnen zu verbringen, oft in engem Kontakt mit anderen. In überfüllten Räumen mit schlechter Belüftung sammeln sich virenhaltige Tröpfchen in der Luft an, was die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung zwischen Menschen erhöht. [3]
Nebenaspekt: Deshalb waren die Ausgangssperren während des Corona-Lockdowns derartig kontraproduktiv, weil sie die Wahrscheinlichkeit von Übertragung in den Innenräumen signifikant erhöhten.
Im Winter führt eine verminderte Sonneneinstrahlung zu einer geringeren Produktion von Vitamin D in der Haut. Vitamin D ist an der Regulierung der Immunfunktion beteiligt und niedrige Spiegel gehen mit schwächeren Immunreaktionen einher. [4]
Eine Innenheizung ist zwar für den Komfort unerlässlich, trocknet aber die Luft aus. Trockene Luft kann die Nasen- und Rachenschleimhaut austrocknen und so die Wirksamkeit des Schleims verringern. Schleim fängt normalerweise Viren ein und hilft dabei, sie aus den Atemwegen zu entfernen, ein Vorgang, der als mukoziliäre Clearance bezeichnet wird. Wenn dieses System beeinträchtigt ist, können Viren Zellen leichter infizieren. [5]
Kaltes Wetter kann für Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen wie Asthma oder allergischer Rhinitis, die allgemein als Heuschnupfen bezeichnet wird, eine besondere Herausforderung darstellen.
Epidemiologische Studien (Forschung, die Krankheitsmuster in der Bevölkerung untersucht) zeigen, dass Kältebedingungen bei diesen Menschen die Symptome verschlimmern und die Funktionsbeeinträchtigung verstärken können. Dies kann die Auswirkungen von Atemwegsinfektionen verstärken, wenn diese auftreten. [6]
Fazit
Zusammengenommen zeichnen die Hinweise ein klares Bild davon, was kaltes Wetter bewirkt und was nicht. Kalte Temperaturen sind mit einer höheren Rate an Atemwegsinfektionen, einschließlich Influenza und Coronaviren, verbunden, insbesondere in gemäßigten Regionen im Winter. Labor- und Umweltstudien zeigen, dass Viren in kalter, trockener Luft länger überleben und sich leichter verbreiten.
Was die Hinweise nicht stützen, ist die Idee, dass allein eine Erkältung, beispielsweise wenn man ohne Mantel nach draußen geht, direkt eine Erkältung oder Grippe verursacht. Stattdessen wirkt kaltes Wetter als Risikoverstärker. Es schafft Bedingungen, die Viren helfen, zu überleben, sich zu verbreiten und die Abwehrkräfte des Körpers zu überwinden.
Fazit vom Fazit: Kurz gesagt, kaltes Wetter und Krankheit hängen zusammen, aber nicht in der von vielen Menschen angenommenen Weise. Kalte Temperaturen allein verursachen keine Infektionen. Stattdessen prägen sie die biologischen, ökologischen und sozialen Bedingungen, die das Gedeihen von Atemwegsviren ermöglichen.
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