Studien legen nahe, dass Morbus Parkinson nicht einfach nur ein schicksalhafter Defekt im Gehirn ist, sondern möglicherweise / wahrscheinlich das Ergebnis von Umweltgiften, gestörter Darmflora und noch ein paar anderen „Kleinigkeiten“.
Es ist eine alarmierende Vorstellung, dass schädliche Substanzen wie Pestizide oder Lösungsmittel das Fundament unserer Gesundheit langsam untergraben könnten. Doch gerade diese stillen Feinde scheinen bei der Entstehung von Parkinson eine entscheidende Rolle zu spielen. Was können wir tun, um diese Mechanismen zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken? Entdecken Sie, wie Naturheilkunde und moderne Forschung bei dieser Herausforderung zusammenspielen.
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welche natürlichen Ansätze bei der Behandlung von Morbus Parkinson in Frage kommen, darunter bewährte Verfahren wie Akupunktur, die Regulierung der Darmflora oder spezifische Nährstoffe wie Coenzym Q10 und Vitamin D. Außerdem erfahren Sie, welche Hausmittel und orthomolekularen Ansätze helfen können, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Bevor ich zu den Therapiemöglichkeiten aus dem Bereich der Naturheilkunde, Alternativmedizin, bzw. den Naturheilmitteln komme, will ich erst einmal einige Dinge ansprechen.
Zuerst einmal kurz zur Sache:
Was ist Parkinson?
Morbus Parkinson (Schüttellähmung) kennzeichnet eine neurologische Erkrankung, die dazu führt, dass der Transmitter (Botenstoff) Dopamin nicht mehr ausreichend gebildet wird. Dopamin ist für den flüssigen Bewegungsablauf des Menschen unabdingbar.
Bei Parkinson-Patienten scheinen mehrere Ursachen zu einem reduzierten Dopamin-Spiegel zu führen. Ein Verlust der Dopamin-produzierenden Zellen kann die Krankheit auslösen oder physiologische Fehlsteuerungen haben die verminderte Dopamin-Bildung zur Folge.
Morbus Parkinson tritt vornehmlich zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf und zählt damit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen des fortgeschrittenen Alters. Ca. ein Prozent der über 60-Jährigen leiden an Parkinson, die Erkrankungsrate steigt mit zunehmendem Alter. Die Inzidenz liegt zwischen 150 und 200 pro 100.000 Einwohner.
Ursachen
Mittlerweile gilt Morbus Parkinson auch in der Schulmedizin als multifaktoriell bedingte neurodegenerative Erkrankung, deren genaue Ursachen aber (immer) nicht vollständig geklärt sind. Genetische Faktoren sollen bei 5–10 % der Fälle eine Rolle spielen, insbesondere bei einem frühen Krankheitsbeginn, mit Mutationen in Genen wie LRRK2 oder SNCA.
Umweltfaktoren wie die Exposition gegenüber Pestiziden, Schwermetallen oder Lösungsmitteln sowie das Leben in landwirtschaftlichen Regionen erhöhen das Risiko. Darauf gehe ich gleich intensiver ein, denn ich halte es für eines der wichtigsten Ursachen.
Was fast immer vergessen wird: Medikamente!
Mehrere Medikamente und Substanzen können Parkinson-ähnliche Symptome hervorrufen oder das Risiko für Parkinson erhöhen. Dazu zählen Neuroleptika (z. B. Haloperidol) und Antiemetika wie Metoclopramid, die durch Blockade von Dopaminrezeptoren wirken. Auch Calciumkanalblocker (z. B. Flunarizin), Lithium und Valproinsäure werden mit solchen Symptomen in Verbindung gebracht. Drogen wie Methamphetamin können dopaminerge Neuronen dauerhaft schädigen. Und dann wäre da noch die Sache mit den langfristigen Folgen von Methylphenidat (z. B. Ritalin bei Kindern / ADHS). Diese Folgen sind unzureichend untersucht, insbesondere hinsichtlich möglicher Schäden am dopaminergen System. Tierversuche zeigen Hinweise auf eine dauerhafte Beeinträchtigung der Hirnentwicklung, was ein erhöhtes Risiko für Parkinson-ähnliche Erkrankungen im Alter bedeuten könnte. Mehr zum Ads / ADHS in meinem Beitrag: Hyperaktivität (ADS/ADHS) bei Kindern: die Therapie-Katastrophe. Die Verordnungszahlen sind dramatisch, vor allem die Zahlen aus den USA: Jedes siebte Kind in den USA nimmt Ritalin gegen ADHS.
Zurück zum Parkinson:
Das Alter soll der bedeutendste Risikofaktor gemäß Schulmedizin sein, da die Anfälligkeit für eine Degeneration dopaminerger Nervenzellen mit den Jahren steigt. Da stelle ich doch sofort die Frage: WARUM steigt diese Anfälligkeit? Doch nicht durch das Alter… Jetzt müssten wir wieder Faktoren des Alterns diskutieren, da würde ich aber auch auf meinen Grundsatzbeitrag verweisen wollen: Anti-Aging: Ewige Jugend und Gesundheit?
Weitere zentrale Mechanismen der Parkinson-Erkrankung umfassen oxidativen Stress, mitochondriale Dysfunktionen und die Ansammlung fehlgefalteter Proteine wie Alpha-Synuklein, die sogenannte Lewy-Körperchen bilden. Siehe dazu auch meine Beitrag: Zellbiologische Entgiftungsstörung bei Parkinson.
Chronische Entzündungen und ein gestörter Eisenstoffwechsel könnten ebenfalls die Schädigung der dopaminproduzierenden Zellen in der Substantia nigra fördern. Wiederholte Kopfverletzungen und niedrige Vitamin-D-Werte werden ebenfalls als potenzielle Einflussfaktoren diskutiert. In der Gesamtheit wird Parkinson als Zusammenspiel genetischer und externer Faktoren verstanden, das zur Zerstörung spezifischer Nervenzellen im Gehirn führt.
Kommen wir zu einzelnen wichtigen Aspekten.
Gifte und Entgiftungsstörung bei Parkinson
Für stichhaltig halte ich Untersuchungen, denen zu Folge es sich in manchen Fällen um eine zellbiologische Entgfitungsstörung handelt. Auch die Hinweise, dass Pestizide das Parkinson-Risiko erhöhen halte ich für überzeugend.
Ein Übersichtsartikel, in dem mehr als 40 Studien ausgewertet wurden, geht davon aus, dass Insektizide und Herbizide das Risiko, an Parkinson zu erkranken, stark erhöhen (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22389202).
Schließlich zeigt sich immer wieder: Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind und mit Pestiziden arbeiten, erkranken deutlich häufiger an der Parkinson-Krankheit als andere. Erstmals konnten Wissenschaftler jetzt in Mäuseversuchen beweisen, wie das Insektizid Rotenon sich auf den Organismus auswirkt: Angeregt durch das Gift schütten die Nervenzellen des Verdauungstraktes das Protein Alpha-Synuclein aus. Dieses wird von den Neuronen des Gehirns aufgenommen, die durch den Giftstoff zerstört werden (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23205266).
Das tückische an vielen dieser Chemikalien ist, dass die Symptome nicht sofort sichtbar werden. Teilweise werden die neuronalen Schäden erst 40 Jahre nach dem Umgang mit den Giften bemerkt.
Das Problem: manche Ärzte wissen das, wissen aber nicht, wie sie Patienten „richtig“ entgiften können.
Erhöhter Alpha-Synuclein-Spiegel
Nach einer anderen Betrachtungsweise kommt es durch den erhöhten Alpha-Synuclein-Spiegel zu einer Unterdrückung der Dopamin-Produktion. Alpha-Synuclein ist ein Protein, das die Synthese des Neurotransmitters reguliert. Mäuse, die durch einen Gen-Defekt zu viel Alpha-Synuclein produzieren, erkranken an Parkinson.
Die Tiere zeigen auch die für Parkinson typischen Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Gehirn. Allerdings ist dies bei den Nagern nur dann der Fall, wenn ihre Darmflora mit Darmbakterien von Parkinson-Patienten geimpft wird. Wachsen die Mäuse in sterilem Milieu auf, ist ihr Alpha-Synuclein-Spiegel normal, es kommt nicht zur Plaque-Bildung und auch nicht zu Parkinson.
Diese Befunde weisen auf die Bedeutung der Darmflora in der Krankheitsentstehung hin. Wahrscheinlich stören die niederen Fettsäuren, die bestimmte Darmbakterien absondern, das gehirneigene Immun-System, das mononukleär-phagozytäre System (MPS).
Die Kommunikation zwischen dem enterischen Nerven-System des Darmes (Bauchhirn) mit dem ZNS sorgt dafür, dass ein Stör-Signal vom Darm in die Mikroglia des Gehirns gesendet wird, wo es letztlich zu einer zu niedrigen Dopamin-Produktion führt (http://www.cell.com/cell/abstract/S0092-8674(16)31590-2?innerTabgraphical_S0092867416315902).
Also gilt nach heutiger Erkenntnis eine Unterproduktion des Botenstoffes Alpha-Synuclein als eine der Ursachen für Parkinson. Dies hängt offenbar von ganz unterschiedlichen Faktoren ab, wie etwa einem gestörten Mikrobiom und Umweltgiften.
Und es sind nicht nur die Pestizide, die hier eine Rolle spielen, sondern auch das für die Entfettung von Metallen verwendete Trichlorethylen (TCE) sowie das in der chemischen Reinigung eingesetzte Perchloroethylen (PERC). (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22083847).
Schimmelpilze
Auch Schimmel (zum Beispiel in der Wohnung) ist verdächtig und könnte das Parkinson-Risiko erhöhen, wie ich im Beitrag: Schimmelpilze und das Parkinson-Risiko berichte.
Vitamin D Mangel
Das Ganze wird vermutlich auch noch durch einen Vitamin-D-Mangel zusätzlich begünstigt. Illeana Howard von der Universität Washington fordert regelmäßige Vitamin D Gaben für Parkinson Patienten, denn ein Vitamin D-Mangel (wie er häufig aufgrund von zu wenig Aufenthalten in der Sonne beziehungsweise im Freien auftritt), könnte der Auslöser von verschiedenen neuromuskulären Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose, Myasthenia gravis, Alzheimer oder eben auch Morbus Parkinson sein.
Auch ältere Menschen, bei denen aufgrund körperlicher Schwäche das Risiko eines Sturzes sehr hoch ist, sollten zusätzliche Vitamin D-Gaben erhalten. Ihrer Meinung nach gehen viele neuromuskuläre Erkrankungen und neurologische Störungen mit einem Vitamin D-Mangel einher.
Zwar gestalteten sich die Zusammenhänge sehr komplex, doch legen sie nahe, dass Ärzte bei Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern stärker den Vitamin D-Wert in den Fokus rücken und ihnen gegebenenfalls entsprechende Ergänzungsmittel verordnen sollten (Quelle: Sciencedaily)
Das Ganze zeigt mal wieder: Gerade ältere Patienten und Patienten mit chronischen Erkrankungen sind viel zu selten Draußen! Und auch zu wenig in der Sonne. Das ist natürlich ein Dilemma, auf das ich in meinem kurzen Buch zur Vitamin-D-Therapie ausführlicher eingehe, siehe: Die Vitamin D Therapie – Rene Gräber Bücher
Pathophysiologie
Seit Langem gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Nucleus subthalamicus, eine etwa erbsengroße Struktur im Gehirn, bei den Erkrankten wie ein Störsender wirkt und falsche Signale an die Muskeln weiterleitet. Doch neue Erkenntnisse einer Kölner Forschergruppe zeigen, dass die fehlerhaften Signale bereits von den Muskeln selber ausgehen.
Der Nucleus subthalamicus, der als Steuerstelle der Grobmotorik gilt, fungiert somit lediglich als Umschaltstation, der die fehlerhaften Impulse der Muskeln an das restliche Gehirn weitergibt. Diese defekte Rückkopplungsschleife, die dazu führt, dass ebenfalls falsche Signale an die Muskeln zurückgeleitet werden, lässt sich dann nicht mehr unterbrechen.
Hauptsächlich liegt die idiopathische Form vor, bei der es durch bisher unbekannte Ursachen zu einem langsamen Absterben der speziellen Nervenzellen in der Substantia nigra (schwarze Substanz) kommt. Anders übersetzt: „Idiopathisch“ heißt in der Medizin „ohne ersichtlichen Grund“ – oder anders: „Ich habe keine Ahnung“.
Daneben zeigt sich eine genetisch bedingte Variante (Paralysis agitans), bei der das Erbgut verändert ist und autosomal dominant an die Nachkommen übertragen wird.
Das sekundäre Parkinson-Syndrom (selten) entwickelt sich durch exogene Faktoren wie zum Beispiel Umweltgifte (zum Beispiel Kohlenmonoxid) oder Medikamente (= Parkinsonoid, vor allem nach der Gabe von Neuroleptika). Diese führen, ähnlich der idiopathischen Form, zu einem langsamen Verlust oder einer Unterfunktion der Dopaminproduzenten.
Zu den mit Parkinson-Symptomen einhergehenden Erkrankungen zählen unter anderem Morbus Wilson, Tumore des Gehirns, arteriosklerotische Veränderungen im Gehirn (verminderte Gehirndurchblutung), postenzephalitischer Parkinson (kann während einer Enzephalitis oder erst Jahre danach auftreten) sowie der vor allem bei Boxern, verursacht durch wiederkehrende Schläge und Erschütterungen am Kopf (Commotio oder Contusio cerebri), beobachtbare Boxerparkinson.
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Symptome
Die Kardinalssymptome des Morbus Parkinson sind:
- Akinese (hochgradige Bewegungsarmut)
- Rigor (Starrheit, vor allem Muskelstarrheit) und
- Tremor (Zittern)
Diese Symptome entwickeln sich meist erst spät und dann stetig zunehmend.
Zu Beginn leiden Betroffene unter unspezifischen Beschwerden wie z.B. Muskelverspannungen, Müdigkeit, rascher Erschöpfung, innerer Unruhe, Obstipationen(Verstopfungen), depressiven Verstimmungen, plötzlich einsetzende Schweißausbrüche(Hyperhidrosis, vermehrt nachts) sowie leichtem Zittern der Glieder.
Im Verlauf nehmen diese Anzeichen (zuerst meist einseitig) zu, dabei steigert sich das Zittern (Tremor)derart, dass Bewegungen unkontrolliert werden und feinmotorische Abläufe kaum mehr möglich sind. Der Tremor ist auch im Ruhezustand beobachtbar.
Trotz des andauernden Zitterns wirken die Muskeln steif und ungelenk (Rigor). Rigor und Tremor verursachen zum Teil auch vermehrt Schmerzen im Skelett- und Muskelbereich.
Das Gesicht weist eine abnehmende Fähigkeit zur Mimik auf und ist zuletzt wie eingefroren (Maskengesicht).
Insgesamt sind Bewegungen verlangsamt (Hypokinese) und führen zur vollständigen Unfähigkeit bestimmter Bewegungsmuster (Akinese).
Auch seelische Abläufe sind verzögert (Bradyphrenie), der Betroffene wirkt dement oder psychisch verstimmt.
In einigen Fällen können die Kontrolle von Blasen- und Schließmuskelfunktion gestört sein (= Inkontinenz), sowie Potenzstörungen auftreten.
Orthostatische Dysregulationen werden ebenfalls beobachtet, diese können zu unkontrollierten Stürzen durch Bewusstseinsverlust führen.
Im Endstadium ist ein sicherer Gang kaum mehr möglich, die Füße scheinen am Boden zu „kleben“ – das sog. „Freezing-Phänomen“. Dies zeigt sich auch bei Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. Essen, Schreiben, Ankleiden). Es kommt zur Bettlägerigkeit mit vollständiger Hilfsbedürftigkeit.
Ein frühzeitiges Lebensende kommt hier weniger durch die Erkrankung selbst, sondern durch Begleiterkrankungen wie z.B. Lungenentzündung, andere Infektionen oder Schluckstörungen zustande. Ebenso durch die Folge von Stürzen (z.B. Knochenbrüche, vor allem Oberschenkelhalsbruch).
Diagnose
Neben Anamnese, Inspektion, körperlicher Untersuchung und einer Laborauswertung dienen vor allem die sichtbaren Anzeichen der Diagnose.
Bei dem L-Dopa-Test wird Dopamin verabreicht, welches bei vorliegender Parkinson-Erkrankung zu einer Besserung der Symptome führt.
Veränderungen im Gehirn lassen sich teilweise durch CT oder MRT darstellen.
Schulmedizinische Therapie
Die Erkrankung gilt in der Schulmedizin als nicht heilbar, jedoch lassen sich viele Symptome lindern.
Medikamente der Schulmedizin
Die schulmedizinische „Anfangstherapie“ sieht dazu Mittel wie Levodopa (z.B. Madopar), eine Vorstufe („Prodrug“) des Dopamins. Die Medikation macht aber nur Sinn, wenn parallel mit COMT-Hemmern (Entacapon) der Abbau von Dopamin blockiert wird.
Die Gabe von Dopamin-Agonisten ist eine andere Strategie. (Achtung: Agonisten – nicht Antagonisten. Dopamin-Antagonisten hemmen nämlich das Dopamin und werden z.B. gegen Psychosen eingesetzt.) Diese Wirkstoffe binden an den Dopamin-Rezeptoren und haben daher einen ähnlichen Effekt wie ihr biologisches Vorbild.
Durch Levodopa kann der Dopaminverlust zum Teil ausgeglichen werden. Da es zu „Gewöhnungseffekten“ kommt muss die Dosierung immer weiter gesteigert werden, was auch meist mit gesteigerten Nebenwirkungen einher geht.
Die Dopaminagonisten sollen die Wirkung des Dopamins fördern und haben eine geringere spätere „motorische Störwirkung“, dafür aber leider eine „neuropsychiatrische“ Störwirkung.
Eine frühzeitige Therapie mit MAO-B-Hemmern wie Rasagilin (z.B. Azilect) wurde eine Zeit propagiert und auch in Ärztezeitungen angepriesen, erscheint aber nach derzeitiger Lage nicht angezeigt. Die FDA (Arzneimittelbehörde der USA) kommt zu dem Schluss, dass es nicht ausreichende Belege für Rasagilin gibt, um ein Fortschreiten der Beschwerden bei Parkinson zu verzögern.
Operation
Bei besonders schwer betroffenen Patienten setzen Mediziner in einer aufwändigen und riskanten Operation Elektroden in den Nucleus subthalamicus, um mit hochfrequenten Impulsen die Nervenzellen zu blockieren. Doch die neuen Erkenntnisse, dass die krankhaften Signale von den Muskelzellen selber ausgehen, lassen die Therapeuten umdenken.
Versuche, bei denen die fehlerhafte Aktivität bereits auf dem Weg von den Muskeln in das Gehirn (etwa im Rückenmark) unterdrückt wird, sind bisher allerdings leider negativ verlaufen. Dennoch erhofft man sich, demnächst Behandlungsverfahren zu entwickeln, bei denen man nicht tief im Gehirn Elektroden einbringen muss. Na, das hoffe ich aber auch…
Und dann sehe ich bei der „klassischen“ Therapie ein zusätzliches Problem:
Parkinson Medikamente verändern die Persönlichkeit
Der Eingriff in das komplexe Gleichgewicht der Neurotransmitter mit den unter anderem oben erwähnten Medikamenten hat auch Nebenwirkungen auf die Psyche. Die Dopamin-Agonisten können bei den Patienten eine Störung der Impulskontrolle auslösen. Das Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass die betroffenen Menschen ihren spontanen Bedürfnissen unkritisch und unreflektiert nachgehen.
Dadurch kann es zu Essstörungen, Sexsucht, Kaufsucht, Spielsucht oder Alkoholismus kommen. Oft führen diese Persönlichkeits-Veränderungen zum sozialen Abstieg, an dessen Anfang der Verlust des Lebenspartners steht oder die Kündigung durch den Arbeitgeber.
Der US-amerikanische Neurologe Dr. Adolfo Ramirez Zamora veröffentlichte im März 2016 eine Studie zu dem Thema im Wissenschafts-Magazin „Taylor & Francis“. Darin stellt der Forscher fest, dass Dopamin-Agonisten bei immerhin 14 % aller Parkinson-Patienten Impulskotroll-Störungen hervorrufen (siehe: tandfonline.com/doi/full/10.1586/14737175.2016.1158103).
Dr. Zamora empfiehlt gegen die Nebenwirkungen eine Reihe von Maßnahmen. Zunächst sollte die Medikation mit Dopamin-Agonisten abgewandelt werden, etwa mit einem Präparate-Wechsel oder einer Dosis-Reduktion. Sogar eine zusätzliche Behandlung mit Antidepressiva oder Tranquilizern (Beruhigungsmittel) sei angezeigt.
Das finde ich TOLL, denn in diesen Präparaten sind oftmals sogenannte Anticholinergika enthalten, die als nette „Nebenwirkung“ eine Demenz haben. Dazu hatte ich bereits hier geschrieben: Anticholinerge Medikamente – Nebenwirkung Hirnschaden
Tja: Die Behandlung von Nebenwirkungen von Medikamenten, mit anderen Medikamenten (die ja auch wieder Nebenwirkungen haben können), ist schon ein sehr sinnvolles Therapiekonzept – oder etwas nicht?
Und was ich von den Antidepressiva halte, habe ich im Beitrag: Antidepressiva – Lebensgefährliche Plazebos?, beschrieben.
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Naturheilkunde, Alternativmedizin & Hausmittel
Im Folgenden finden Sie naturheilkundliche und Alternative Therapieverfahren, die bei der Parkinson Erkrankung in Frage kommen können.
Zugegeben: Die Alternative Therapie von Parkinson-Patienten ist nicht einfach. Ich orientiere mich da an einer Einteilung, die Dr. med. Reckeweg im letzten Jahrhundert eingeführt hat: Die 6 Phasen Tabelle nach Reckeweg.
Bei der Parkinson Erkrankung befinden wir uns bereits in Phase 5. Um hier eine völlige Gesundung des Patienten herbeizuführen, bedarf es eines wesentlich höheren Aufwandes, als einen Patienten aus Phase 3 (z.B. Gicht, Rheuma etc.) heraus zu holen.
Folgende Verfahren / Umstellungen könnten in einer Therapiestrategie Platz finden:
Akupunktur
Einen Versuch mit Ohrakupunktur mit Dauernadeln (auch: Implantat Akupunktur) kann ich bei Parkinson nur empfehlen. Ebenfalls sehr gut: Akupunktur nach Boel.
Bewegung / Fitness / Sport
Die Mobilität wird durch Physiotherapie (z.B. Sport, Bewegungsübungen, Medizinische Trainingstherapie) gestärkt. Das Vibrationstraining bringt meiner Erfahrung nach vielen Parkinson-Patienten eine Besserung der Symptome. Als geeignet halte ich vor allem den srt-Zeptor.
Darmsanierung
Die Darmsanierung spielt bei Morbus Parkinson eine zentrale Rolle, da die Darmflora eng mit der Gesundheit des Nervensystems verbunden ist. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass ein Ungleichgewicht der Darmbakterien – bekannt als Dysbiose – Entzündungsprozesse im Körper fördert und die Kommunikation zwischen dem Darmnervensystem (Bauchhirn) und dem zentralen Nervensystem stören kann. Dies kann die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson begünstigen.
Eine gezielte Darmsanierung beginnt mit der Beseitigung von Schadstoffen und unerwünschten Bakterien, etwa durch Colon-Hydro-Therapie oder sanfte Ausleitungsverfahren. Anschließend wird der Darm durch Prä- und Probiotika gezielt unterstützt, um die nützlichen Bakterien wieder anzusiedeln. In Kombination mit einer ballaststoffreichen, entzündungshemmenden Ernährung und der Reduktion von Zucker und raffinierten Kohlenhydraten kann so eine gesunde Darmflora wiederhergestellt und die Lebensqualität deutlich gesteigert werden.
Entgiftung
Das Meiste bezüglich Entgiftung ergibt sich bereits aus dem was ich bisher ausführte. Medikamente müssen geprüft werden, Umweltgifte und Schwermetalle (Zahnsanierung sie weiter unten) reduziert werden. Die Ausleitung von Schwermetallen erfolgt durch Chelattherapien wie DMPS oder EDTA, ergänzt durch natürliche Methoden wie Chlorella. Die Förderung der Leberentgiftung wird durch Substanzen wie Glutathion oder Kräuter wie Mariendistel unterstützt. Auch die Unterstützung der Darmgesundheit spielt eine Rolle, z. B. durch Probiotika und Ballaststoffe, die Giftstoffe binden und die Ausscheidung fördern. Schwitzen über regelmäßige Saunagänge oder Infrarot-Saunen hilft, Toxine über die Haut auszuscheiden.
Ausführlicher zum Thema Entgiftung in meinen Beiträgen: Entgiftung setzt Entgiftungsfähigkeit voraus aber auch vor allem auf meiner Webseite: Entgiftung und Entschlackung. Und vor allem kann ich mein Video (Sprechstunde) zum Thema Entgiftung empfehlen: Video Online Sprechstunde „Die biologische Entgiftungstherapie“ mit René Gräber
Ernährung
Verstopfung, ein häufiges Problem, lässt sich durch eine ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie ausreichender Flüssigkeitszufuhr entgegenwirken. Wichtig ist zudem das Eiweißmanagement, da Levodopa, ein zentrales Medikament, durch Eiweiß in seiner Wirkung beeinträchtigt werden kann. Daher sollten eiweißreiche Lebensmittel vor allem abends verzehrt werden.
Eine entzündungshemmende Ernährung, reich an Gemüse, gesunden Fetten und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, kann die Gesundheit zusätzlich unterstützen. Gleichzeitig hilft der Verzicht auf Toxine wie Alkohol, Nikotin und künstliche Zusatzstoffe, den Körper zu entlasten.
Auf eine ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr geachtet werden (vor allem bei Pflegebedürftigkeit). Interessanterweise scheint ein starker Kaffee nach dem Erwachen (morgens) die Symptome zu reduzieren. In diesem Zusammenhang wäre es auch einen Versuch wert mit Kaffee-Einläufen zu arbeiten: Die wundersame Wirkung des Kaffee-Einlaufs – Rene Gräber Bücher
Homöopathie
Das Problem ist: wenn bestimmte Medikamente genommen werden / wurde ist die Regulationsfähigkeit bezüglich homöopathischer Mittel stark eingeschränkt – sprich: selbst gut gewählte Mittel wirken nicht. Da nach meiner Erfahrung fast alle Parkinson-Patienten mehr oder weniger „vergiftet“ sind (siehe oben im Beitrag), ist dies ein zusätzlicher Hemmschuh für die Wirkung der Homöopathie.
Ein bewährtes Schema, welches aber gute Hilfe bietet ist das Banerji-Protokoll:
1. Schema: Gelsemium C200 zwei mal pro Tag, dazu Rhus. tox. C30 zwei Mal am Tag.
Wenn dieses Schema nach 4 Wochen keine gute Besserung zeigt, dann kommt Schema 2:
2. Schema: Lachesis C200 jeden zweiten Tag zwei Gaben, Kali phosphoricum D6 zwei Mal täglich und Cuprum metallicum C200 zwei Mal täglich.
Wenn dieses Schema nach 4 Wochen keine gute Besserung zeigt, dann kommt Schema 3:
3. Zincum metallicum C200 zwei Gaben täglich und Acidum hydrocyanicum C30 als Tropfen, zwei Mal täglich.
Orthomolekular-Medizin
Aus dem Bereich der Orthomolekularen Medizin (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente usw.) gibt es eine ganze Menge zu tun. Hier nur eine Übersicht welche Mittel infrage kommen:
Coenzym Q10: 1200 – 2400mg täglich. Diese Dosis ist deutlich höher, als das was als Höchstgrenze gilt.
Vitamin E: 400-800 I.E. täglich
Selen: 200-400 µg Sollte mit Vitamin C genommen werden.
Vitamin C: 3-4 g Mildert die Symptome, vor allem, wenn es als Begleitmassnahme zur Behandlung mit L-Dopa genommen wird.
Vitamin B-Komplex sollte mind. 0,4mg Folsäure, 50 mg Niacin und 50mg Vitamin B6 enthalten. Vorsicht: auf keinen Fall mehr als 50mg Vitamin B6 nehmen, wenn Sie L-Dopa nehmen. Siehe dazu auch mein Beitrag: Folsäure u.a. bei Parkinson
Gamma-Linolensäure
GLS 2-4 g Besonders wirksam zur Verminderung des Zitterns.
Glutathione: Auch hier werden überzeugende Ergebnisse berichtet, vor allem wenn Glutathione per Infusion verabreicht wird. Dosis ca. 2500mg. Die Infusion sollte über mehrere Monate fortgeführt werden.
L-Tyrosin: Tyrosin ist ein Eiweißbaustein und in gewisser Weise ein Vorläufer des Dopamins. Eine gute Alternative, wenn L-Dopa unerwünschte Nebenwirkungen zeigt. Tyrosin kann im Gegensatz zu L-Dopa (nach meinem Kenntnisstand) die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden; das N-(alpha-linolenoyl)Tyrosin (Tyrosin an eine Fettsäure gebunden) konnte dies im Tierversuch erreichen.
L-Methionin: 2-3 g Kann die Beweglichkeit, Kraft, Stimmung und Schlaf verbessern. Bleibt wirksam, selbst wenn die Wirkung von L-Dopa nachläßt.
Creatin: Creatin (=Kreatin) wurde an Mäusen mit Parkinson getestet und konnte die Nervenzellen der Tiere vor dem Verfall schützen. Neurologen der Universität München zeigten in einer klinischen Studie mit 60 Parkinson-Patienten, dass Kreatin die Stimmung der Patienten verbessert und die Patienten weniger Medikamente brauchten. Über den Einsatz von Kreatin berichte ich ausführlich in meinem Kreatin-Report.
Glycin: Die Aminosäure Glycin kann eine sehr wichtige Hilfe sein. Was ich oben noch nicht angesprochen hatte: Das Pestizid Glyphosat erleichtert die Aufnahme von Aluminium in das Gehirn. Ob das Aluminium bei Parkinson eine Rolle? Ich vermute es. Dieses Aluminium scheint die Entgiftung des Gehirns durch die Verdrängung des Glycins zu stören. Die tägliche Einnahme von Glycin ist möglicherweise eine gute Möglichkeit.
Säure-Basen-Haushalt
Über den Säure-Basen-Haushalt kommt man nicht viel weiter bei Parkinson-Patienten, ohne dass gewisse „Regulationsstarren“ (Entgiftung!) überwunden werden. Ganz allgemein: kohlenhydrat- und säurearme Ernährung. Besorgen Sie sich so genannte PH-Indikator-Streifen. Wenn Ihr Morgenurin unter 7,0 liegt, ist Ihr Organismus übersäuert. Bei einer Regulationsstarre lassen sich die Werte so nicht wirklich interpretieren. Sie brauchen dazu einen Therapeuten, der sich auskennt. In meinem Buch schreibe ich ausführlicher dazu: Die biologische Entsäuerungstherapie – Rene Gräber Bücher
Schüssler Salze
Schüssler Salze sind nach meiner Erfahrung allenfalls unterstützend wirksam, können bei Parkinson aber gut begleitend eingesetzt werden, um den Körper zu unterstützen, insbesondere bei der Nerven- und Muskelregeneration. Calcium phosphoricum (Nr. 2) und Kalium phosphoricum (Nr. 5) stärken das Nervensystem und fördern die Vitalität, während Magnesium phosphoricum (Nr. 7) bei Muskelverkrampfungen entlastend wirken kann. Natrium chloratum (Nr. 8) hilft bei der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts, und Silicea (Nr. 11) unterstützt die Zellregeneration. Ergänzend können Zincum chloratum (Nr. 21) und Selenium (Nr. 26) antioxidativ wirken und den Zellschutz fördern. Die Salze werden üblicherweise dreimal täglich in Tablettenform eingenommen oder in Wasser aufgelöst.
Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)
Die Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) und ihre Weiterentwicklung, die High-Definition tDCS (HD-tDCS), sind nicht-invasive Methoden zur Behandlung von Parkinson, die ohne chirurgischen Eingriff auskommen. Dabei werden schwache elektrische Ströme über Elektroden auf der Kopfhaut ins Gehirn geleitet, um die Aktivität in bestimmten Regionen zu modulieren. Besonders der motorische Kortex und präfrontale Kortex stehen im Fokus, da sie sowohl für Bewegungssteuerung als auch für kognitive Funktionen wichtig sind.
Erste Studien zeigen, dass tDCS motorische Symptome wie Tremor oder Bewegungsstarre deutlich lindern und auch nicht-motorische Beschwerden wie Fatigue oder Depression positiv beeinflussen kann. HD-tDCS bietet durch präzisere Stimulation eine gezieltere Wirkung, was die Effizienz steigern und Nebenwirkungen minimieren könnte.
Die Behandlung erfolgt typischerweise in mehreren Sitzungen, die jeweils 20 bis 30 Minuten dauern, oft kombiniert mit Physio- oder Ergotherapie. Während tDCS im Allgemeinen gut verträglich ist, können leichte Hautreizungen oder ein Kribbeln auftreten. Langfristig könnten regelmäßige Anwendungen neuroplastische Effekte fördern und so die Lebensqualität von Parkinson-Patienten verbessern. Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch eine individuelle Anpassung der Therapie, die idealerweise unter fachärztlicher Aufsicht erfolgt. Leider gibt es nicht viele Ärzte im deutschsprachigen Raum die sich damit auskennen. Auch ich lerne noch in diesem Bereich (Stand 2025).
Zahnstörfeld
Zahnstörfelder und tote Zähne spielen eine oft unterschätzte Rolle bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Wurzelbehandelte Zähne oder Amalgamfüllungen können den Organismus langfristig belasten und die körpereigene Entgiftung beeinträchtigen. Insbesondere bei Parkinson kann diese chronische Belastung Entzündungsprozesse und neurologische Fehlsteuerungen begünstigen.
Ein Zahnstörfeld, das durch entzündete Zahnwurzeln oder Schwermetallbelastungen entsteht, kann den Heilungsprozess erschweren. Gerade bei Parkinson, sowie generell bei chronischen neurologischen Erkrankungen würde ich wurzelbehandelte Zähne und Amalgam entfernen lassen. Die Erkrankung wird alleine deswegen (wahrscheinlich) nicht verschwinden, aber eventuell gestoppt.
Fazit
Je früher Parkinson erkannt wird desto besser. Dann können einfache Mittel wie einfache „Entgiftungsmaßnahmen“, Heilpflanzen und homöopathische Mittel gut helfen. Eine Zahnsanierung und Darmsanierung muss geprüft werden! In schweren fortgeschrittenen Fällen wird es schwieriger. Hier hilft wahrscheinlich die transkranielle Gleichstromstimulation vermutlich am schnellsten um wieder Lebensqualität zurückzugewinnen. Und: eine gute wirkungsvolle Akupunktur mit den von mir genannten Methoden würde ich auf jeden Fall anraten. Zur Entgiftung und wie man dabei vorgehen kann habe ich ausführlich in folgender Videosprechstunde gesprochen: Video Online Sprechstunde „Die biologische Entgiftungstherapie“ mit René Gräber
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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 20.1.2025 aktualisiert.