Medikamentenskandal
Medikamentenskandale und Pharmakartelle: Einzelfälle oder
nur die Spitze des Eisbergs eines Systems aus Machenschaften und Korruption?
Nach Meinung von verschiedenen Gesundheitsexperten können die großen Pharmaunternehmen in der Bundesrepublik
Deutschland nahezu ungehindert ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen, die häufig auf Kosten der Patienten
gehen.
Dabei verschweigt die Pharmaindustrie oftmals Nebenwirkungen von
Medikamenten und übt mit "Gefälligkeiten oder Zuwendungen" Einfluss auf Ärzte und Politker aus
und instrumentalisiert Selbsthilfegruppen für ihre eigenen Zwecke.
Diese Zusammenhänge wurden unter anderem deutlich in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ - Das Pharmakartell im Dezember 2008 aufgezeigt.
Nach Ansicht des Korruptionsexperten der Kriminalpolizei, Uwe Dolata, bedient sich die deutsche Pharmaindustrie
perfider Methoden und verfügt dabei über ein Netzwerk, das sich über ganz Deutschland erstreckt.
Dolata wirft der Industrie vor, direkten- und indirekten Einfluss oder Sponsoring auf Politik, Verwaltung,
Krankenkassen und Ärzte auszuüben.
Zudem werden auch Universitäten und Forschungsberichte im Sinne der Pharmakonzerne beeinflusst.
Dabei ist es das primäre Ziel der Konzerne ihre Präparate so gewinnbringend wie möglich zu verkaufen.
Hierbei nimmt die Industrie auch eine Gefährdung der Patienten billigend in Kauf, indem sie auch fragwürdige
Medikamente auf den Markt bringt.
So warnt der Vorsitzende der Arzneimittelkommission in der deutschen Ärzteschaft, Professor Wolf-Dieter Ludwig
vor dem Irrglauben, dass jedes Medikament, welches in Deutschland zugelassen wird, auch sicher sei.
In der ZDF-Sendung „Frontal 21“ aus dem Dezember 2008 wird dieser Umstand von dem Insider John Virapen,
dem ehemaligen Geschäftsführer des schwedischen Pharmakonzerns Lilly, bestätigt:
"Sie verkaufen Ihnen gefährliche Medikamente um Geld zu machen, nichts anderes. Falls Sie denken, dass die
Pharmaindustrie Medikamente auf den Markt bringt um Ihnen zu helfen... vergessen Sie es." (John
Virapen)
Die Pharmaunternehmen streiten dies jedoch ab und betonen, dass die Sicherheit der Patienten und die Qualität
der Präparate an vorderster Stelle stünden.
Schwere Vorwürfe gegen die Firma Pfizer erhebt Lothar Schröder, dessen Frau Monika Kranz das Antidepressivum
„Zoloft“ einnahm, jedoch so sehr unter den Nebenwirkungen litt, dass sie sich nach zwei Wochen Therapie das Leben
nahm.
Nach Meinung von Lothar Schröder, könnte seine Frau noch leben, wenn Pfizer über die Nebenwirkungen des
Präparats informiert hätte.
So gab es schon seit längerem Warnungen aus den USA, dass Antidepressiva wie „Zoloft“ erhöhte Selbstmordneigung
auslösen können. Anfang 2005 wurde jedoch auf dem Beipackzettel nicht darüber informiert.
Der Pharmakologe Peter Schönhöfer wirft den Pharmaunternehmen vor, mehr Geld ins Marketing als in die Forschung
zu investieren. So gingen 40 Prozent der Einnahmen in die Werbung, aber nur zehn Prozent in die Forschung der
Unternehmen.
Auch zahlreiche Selbsthilfegruppen von Patienten werden von den Konzernen für Produktwerbung genutzt.
Außerdem bedienen sich die Konzerne der Hilfe von Medizinexperten, die für Geld Produkte anpreisen, ohne vor
deren Nebenwirkungen zu warnen.
Nach Meinung von Uwe Dolata muss sich die Pharmaindustrie jedoch nicht vor Strafverfolgung fürchten, da es
bislang noch keine Verurteilung in Deutschland aufgrund von Bestechung oder Korruption durch die Konzerne
gegeben hat, die eine abschreckende Wirkung haben könnte.
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