Hypnose: Von außen betrachtet wirkt es unspektakulär. Die Patientin sitzt aufrecht auf einem Sessel, die Augen geschlossen, der Atem ruhig. Der Therapeut spricht in gleichmäßigem Ton. Worte fließen, Bilder entstehen. Was hier geschieht, nennt sich therapeutische Hypnose – und ist alles andere als Hokuspokus. Sie ist ein medizinisch anerkanntes Verfahren, das sich in zahlreichen Bereichen der modernen Therapie bewährt hat: von der Schmerzbehandlung über psychische Störungen bis hin zur Operationsvorbereitung.
Doch noch immer haftet der Hypnose ein Imageproblem an. Zu tief sitzen die Erinnerungen an Fernsehshows, in denen Menschen in Trance plötzlich Gummihühner imitieren. Die Bühne hat mit der therapeutischen Realität jedoch so viel gemein wie ein Astrologe mit einem Astronomen. In diesem Beitrag will ich mit einigen Mythen aufräumen und einen Überblick geben über die Methode, aber auch Therapeuten und Kosten der Behndlung.
Der Zustand dazwischen
Hypnose ist kein Schlaf, kein Kontrollverlust, kein „Ausgeliefertsein“. Im Gegenteil. Sie ist ein Zustand tiefer Konzentration und erhöhter Suggestibilität – das heißt: der Zugang zum eigenen Unterbewusstsein ist geöffnet, die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet. „Man könnte sagen, Hypnose ist der Zustand zwischen Wachheit und Schlaf, in dem der Mensch besonders empfänglich für hilfreiche Impulse ist“, erklärt Dr. Anja Hilgert, Fachärztin für Psychosomatik und ausgebildete Hypnotherapeutin.
Die Technik selbst ist uralt. Schon die Ägypter kannten Trancezustände. In Europa erlangte Hypnose im 18. Jahrhundert durch den Wiener Arzt Franz Anton Mesmer Aufmerksamkeit – allerdings zunächst als spekulatives Phänomen. Erst Sigmund Freud machte Hypnose zu einem Werkzeug in der frühen Psychoanalyse. Heute ist sie längst evidenzbasiert, gut erforscht und integraler Bestandteil verschiedener Therapieformen – darunter die Hypnoanalyse, die Hypnosystemik oder die klinische Hypnose nach Milton Erickson.
Wirkung auf Körper und Psyche
Die medizinische Hypnose wirkt über innere Bilder, Geschichten, symbolhafte Sprache und gezielte Suggestionen. Dabei verändert sich nachweislich die Aktivität bestimmter Hirnregionen. Neurowissenschaftliche Studien mit funktioneller Magnetresonanztomographie zeigen: Unter Hypnose sind das Schmerzempfinden, die Selbstwahrnehmung und sogar das Immunverhalten beeinflussbar.
In der Praxis bedeutet das: Hypnose kann akute wie chronische Schmerzen lindern, Ängste reduzieren, Schlafstörungen verbessern, bei Depressionen stabilisierend wirken und Operationen vorbereiten helfen. Auch zur Raucherentwöhnung und Gewichtsreduktion wird sie erfolgreich eingesetzt. Besonders beachtlich ist ihre Rolle in der Geburtshilfe – sogenannte Hypnobirthing-Techniken ermöglichen eine sanftere, schmerzarme Entbindung und reduzieren nachweislich den Einsatz von Schmerzmitteln.
Die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) wiederum berichtet von signifikanten Erfolgen bei Zahnarztphobien, Würgereiz und der Behandlung von Kindern mit Angststörungen.
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Suggestion ist keine Manipulation
Dass Hypnose funktioniert, ist wissenschaftlich belegt. Doch sie funktioniert nur dann, wenn der Patient mitarbeitet. Eine Trance kann nicht gegen den Willen oder die Überzeugung eines Menschen eingeleitet werden. Der Hypnotisierte bleibt jederzeit ansprechbar, orientiert und bei klarem Verstand. Er folgt lediglich den inneren Bildern, die in ihm erzeugt werden – ähnlich wie beim Tagträumen.
Gerade deshalb ist Vertrauen entscheidend. Therapeutische Hypnose erfordert Sensibilität, Erfahrung und eine fundierte Ausbildung. In Deutschland dürfen sie nur approbierte Ärzte, Psychotherapeuten oder Heilpraktiker mit entsprechender Qualifikation anwenden. „Ein seriöser Hypnosetherapeut wird immer ein ausführliches Vorgespräch führen, aufklären und gemeinsam mit dem Patienten Ziele formulieren“, betont Hilgert.
Eine klassische Sitzung dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Nach einer Einleitungsphase folgt die sogenannte Vertiefung der Trance, dann die eigentliche Arbeit mit inneren Bildern, Metaphern oder Erinnerungen – oft werden belastende Erfahrungen neu bewertet oder unbewusste Konflikte gelöst. Den Abschluss bildet die sanfte Rückführung in den Wachzustand.
Keine Allzweckwaffe
Trotz vieler Erfolge ist Hypnose kein Allheilmittel. Bei akuten Psychosen, schweren Persönlichkeitsstörungen oder bestimmten Herzerkrankungen sollte sie nicht eingesetzt werden. Auch bei fehlender Kooperationsbereitschaft oder unrealistischen Erwartungen stößt die Methode an ihre Grenzen.
Die therapeutische Hypnose lebt vom inneren Einverständnis des Patienten. Wer sich ihr öffnet, tut dies nicht passiv – sondern mit dem Wunsch, sich selbst auf einer tieferen Ebene zu begegnen. „Wir hypnotisieren nicht den Patienten, sondern wir helfen ihm, sich selbst in Trance zu versetzen“, heißt es in den Leitlinien der Milton-Erickson-Gesellschaft. Die Autonomie des Einzelnen bleibt stets gewahrt.
Zwischen Selbstheilung und Systemkritik
Bemerkenswert ist: Während sich die Studienlage zur Hypnose stetig verbessert und die Zahl gut ausgebildeter Therapeutinnen und Therapeuten wächst, fristet die Methode in der Regelversorgung noch ein Schattendasein. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in Ausnahmefällen. In der Praxis bedeutet das: Wer eine Hypnosetherapie in Anspruch nehmen möchte, muss sie oft selbst zahlen. Der Preis für eine Sitzung liegt je nach Region und Anbieter zwischen 80 und 150 Euro.
Das wirft Fragen auf – etwa danach, warum ein nachweislich wirksames, risikoarmes Verfahren mit hoher Patientenzufriedenheit nicht längst breiter Eingang in die öffentliche Gesundheitsversorgung gefunden hat. Oder danach, wie viele chronisch Erkrankte noch im klassischen Medizinsystem verharren, weil ihnen diese sanftere Form der Heilung nicht angeboten wird.
Fazit: Am Anfang steht ein Satz
„Schließen Sie die Augen – und stellen Sie sich einen Ort vor, an dem Sie sich vollkommen sicher fühlen.“ So beginnt oft eine Hypnosesitzung. Was folgt, ist kein Wunder, keine Magie, kein Placebo. Es ist vielmehr die Begegnung mit einer Kraft, die im modernen Gesundheitssystem oft übersehen wird: der eigenen Vorstellung. Und der Fähigkeit, das eigene Erleben tiefgreifend zu verändern – wenn der richtige Rahmen geschaffen ist.
In einer Zeit, in der chronische Erkrankungen, psychische Belastungen und diffuse Erschöpfung zunehmen, lohnt es sich, den Blick dorthin zu lenken. Dorthin, wo die Heilung beginnt – nicht im Außen, sondern in der Tiefe.
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Dieser Beitrag wurde am 23.3.2025 vollständig überarbeitet.