Dank des Internets braucht man heute nicht unbedingt mehr seinen Hausarzt oder einen Kardiologen zu besuchen, um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, ob man ein Risiko für einen möglichen Herzinfarkt hat. Denn dazu gibt es einschlägige Online-Tests, die mit spezifischen Fragen dieses Risiko zu bestimmen versuchen.
Diese Tests sind unterschiedlich gut/schlecht und teilweise auch in ihren Ergebnissen widersprüchlich. Einen einigermaßen passablen Test habe ich bei „Focus“[1] entdeckt (Jahr der Veröffentlichung nicht angegeben). Hier, wie auch bei den anderen Tests auf anderen Webseiten, wird der Leser nach etlichen persönlichen Daten gefragt, wie:
- Alter
- Körpergröße, Körpergewicht (zur Berechnung des BMI)
- Zahl der gerauchten Zigaretten pro Tag
- Körperliche Bewegung
- Blutdruckwerte
- Geschlecht
- Cholesterin – Gesamtcholesterin, LDL und HDL
- CRP-Wert
- Diabetes
- Familiäre Prädisposition für Herzinfarkt etc.
Danach kommt die Auswertung, die sich in der Regel an den Grenzwerten der schulmedizinischen Labordiagnostik orientiert und nicht selten den belehrenden Zeigefinger hochhält, dass man praktisch kurz vor dem Exitus stehe, wenn man nicht sofort den Hausarzt seines Vertrauens aufsucht. Der „Focus“-Test unterscheidet sich hier wohltuend durch eine deutlich differenziertere Interpretation der Ergebnisse.
Aber auch ein noch so guter Online-Test dürfte kein Ersatz für eine zuverlässige Methode sein, dieses Risiko zu bestimmen.
Eine relativ gute Methode, um dieses Risiko einigermaßen zuverlässig einzuordnen, ist eine Ultraschallaufnahme der Halsschlagader. Hier wird die Verengung der Schlagader gemessen. Bei einer Atherosklerose zeigt sich eine mehr oder weniger ausgeprägte Verengung.
Laut Schulmedizin hat eine „asymptomatische Verengung“ ein jährliches Risiko für Schlaganfall von 1 bis 2 %. Bei einer „symptomatischen Verengung“ erhöht sich das Risiko auf 15 %.
Direkte Aussagen für das Risiko für Herzinfarkt scheinen sich allerdings daraus nicht ableiten zu lassen. Das Einzige, was man hier vermuten darf, ist, dass bei einer Verkalkung der Halsschlagader auch die Koronararterien betroffen sein müssen.
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Der Calcium-Score
Eine gar nicht so neue Bestimmung der Risikoabschätzung für kardiovaskuläre Ereignisse ist der Calcium-Score. Das „Ärzteblatt“[2] berichtete darüber bereits im Jahr 2014.
Ermittelt wird dieser Wert durch eine Computertomografie des Herzens. Die Untersuchung dauert ca. 10 Minuten, ist schmerzlos und erfolgt im Liegen. Bei dem Verfahren werden die Koronararterien „fotografiert“ und darüber der Calcium-Score ermittelt. Und so sehen die möglichen Ergebnisse aus:
Score |
Bedeutung |
0 |
Kein Kalzium festgestellt. Das Infarktrisiko ist gering. |
1 bis 99 |
Beginnende Kalziumansammlung. Wenn Sie Raucher oder Typ-2-Diabetiker sind, kann Ihr Arzt Ihnen Maßnahmen zur Risikoreduktion empfehlen, z.B. cholesterinsenkende Medikamente. |
100 bis 300 |
Moderate Ablagerungen und ein erhöhtes Risiko für einen Infarkt oder Schlaganfall in den nächsten 5 bis 10 Jahren. Einnahme eines Cholesterinsenkers ist empfehlenswert. |
über 300 |
Sehr schwere Arteriosklerose, verbunden mit einem hohen Infarktrisiko. |
Bei Werten von 100 und darüber liegt ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfälle vor. Bei Werten über 300 müssen die Gefäßverengungen so ausgeprägt sein, dass jederzeit mit einem Herzinfarkt und/oder Schlaganfall zu rechnen ist.
Der Beitrag vom „Ärzteblatt“ beschreibt dieses Verfahren als teuer, weshalb nur wenige Zentren diesen Test durchführen würden. Aber das war im Jahr 2014.
Aus anderer Quelle habe ich erfahren, dass der Calcium-Score-Test von den privaten Krankenkassen häufig übernommen wird, nicht aber von den gesetzlichen Krankenkassen (wo man wohl an Gesundheit nicht besonders interessiert zu sein scheint). Die Kosten für den Test aus der eigenen Tasche belaufen sich auf rund 150 Euro.
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Test mit Einschränkungen?
Wenn die Schulmedizin Tests herausbringt, an die sich deren Jünger eisern klammern, dann ist oft Verwirrung vorprogrammiert. Denn häufig sind diese Tests nur ein „Signal“ ohne direkte kausale Beziehung, was aber gerne verkannt wird. So auch der Calcium-Score-Test.
Laut besagtem Beitrag des „Ärzteblatts“ haben nämlich 15 % der Patienten mit geringem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einen Score von über 100 und galten damit laut Calcium-Score-Test als „stark gefährdet“.
Andersherum geht es auch: 35 % der Patienten, die keine Verkalkungen aufwiesen und damit einen geringen Score-Wert zeigten, hatten drei oder vier klassische Risikofaktoren.
Da stellt sich jetzt die Frage: Haben Patienten mit mehreren Risikofaktoren, aber einem geringen Calcium-Score jetzt ein hohes oder doch nicht so hohes Herzinfarktrisiko?
Und wie sieht es mit denen aus, die keine Risikofaktoren haben, aber dennoch beim Score zu hoch ausfallen, um als risikoarm zu gelten?
Also auch hier dürften wir wieder einmal einen Test haben, der keine absolut sicheren Angaben zur Fragestellung machen kann, sondern einer von vielen Aspekten sein sollte, um hier eine zuverlässige Diagnose zu erzielen. Das „Ärzteblatt“ sieht hier allerdings einen interessanten direkten Zusatznutzen:
„Nach Ansicht der Forscher könnte die Bestimmung des Kalzium-Scores eine Überbehandlung von Niedrigrisikopatienten vermindern. Besonders Patienten mit vielen Risikofaktoren aber ohne Kalkablagerungen profitieren möglicherweise eher von Lebensstiländerung als von aggressiven medikamentösen Therapien, so die Wissenschaftler.“
Wer sollte einen Calcium-Score-Test machen?
Die Cleveland Klinik[3] bietet ebenfalls diesen Test an und geht vor allem der Frage nach, wer diesen Test in Anspruch nehmen sollte. Denn die schwammigen Aussagen, wie im vorherigen Kapitel diskutiert, sind nicht geeignet, diesen Test für Alt und Jung zu empfehlen.
Und das ist dann der Standpunkt der Cleveland Klinik:
Man betrachtet hier diesen Test als eine Entscheidungshilfe für Behandlungen von Patienten mit grenzwertigem Risiko für eine Herzerkrankung. Dieser Test kann hilfreich sein, wenn die Patienten zwischen 40 und 70 Jahre alt sind, ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und keine Symptome haben. Patienten mit erhöhtem Risiko sind die, die…
… eine Herzerkrankung in der Familie haben
… jetzt oder in der Vergangenheit Tabakprodukte konsumiert haben
… in der Vergangenheit oder aktuell einen hohen Cholesterinspiegel, Diabetes oder Bluthochdruck gehabt haben oder haben
… übergewichtig (BMI über 25) oder fettleibig (BMI über 30) sind
… einen inaktiven Lebensstil haben
… andere, nicht-traditionelle Risikofaktoren haben.
Danach kommt der alles entscheidende Satz:
„Da dieser Scan bestimmte Formen der Koronarerkrankung (z. B. Atherosklerose mit „weichen Plaques“) nicht erkennen kann, ist dieser Test für die Vorhersage Ihres Risikos für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht absolut. Er ist ein weiteres Instrument, mit dem Ihr Arzt entscheiden kann, ob Sie ein Statin benötigen.“
Noch einmal mit anderen Worten: Der Test kann keine absoluten Angaben zum Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall machen, was auch in den Aussagen des Beitrages vom „Ärzteblatt“ aus dem Jahr 2014 bereits angedeutet wurde.
Die Kliniker von Cleveland sehen diesen Test als ein „weiteres Instrument“, in diesem Fall dafür, ob der Patient ein Statin benötigt, also einen Cholesterinsenker. Ich behaupte dagegen, dass Statine Gefäßschäden und Atherosklerose genauso wenig verhindern, wie dieser Test alleine Herzinfarkte voraussagen kann:
- Cholesterin – Nutzen der Statine wird bezweifelt
- Cholesterinsenker Statine: Antiquierte Heilmethode auf dem Prüfstand
- Cholesterin-Medikamente: Statine verursachen Muskelschmerzen
- Machen Cholesterinsenker doof?
- Gefäßschäden durch Cholesterinsenker?
- Cholesterinsenker – Es wird im TOLLER
- Statine senken Vitamin Q10 Spiegel
- Cholesterinsenker: noch mehr fette Gewinne durch weitere Millionen Patienten über Nacht
In der Tat sieht dieser Test nur nach einem weiteren “Instrument“ aus, der eine Reihe von Tests und die körperliche Untersuchung des Patienten durch den Arzt vervollständigt.
Die besseren Marker fürs Infarktrisiko
Wir wissen alle, dass bestimmte Bluttests auf das Risiko eines Herzinfarktes hinweisen. Ob und inwieweit das wirklich so ist, hat eine US-amerikanischen Langzeitstudie herauszufinden versucht. Die Untersuchung, an der fast 28.000 Frauen teilnahmen, begann 1992. Es ging um drei Biomarker, die die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes und eines Schlaganfalls einschätzen können:
1: Low Density Lipoprotein (LDL): Dieses sogenannte „böse Cholesterin“ wird für die Plaquebildung an den Gefäßwänden verantwortlich gemacht. Das Problem dieses Wertes besteht darin, dass es nicht auf die Gesamtmenge (Gewicht), sondern auf die Zahl der im Blut kreisenden Partikel ankommt. Je höher die Zahl der dann auch kleineren Partikel ist, umso mehr fallen sie der Oxidation anheim. Dieses „oxLDL“ ist ein noch viel stärkerer Faktor im arteriosklerotischen Prozess. Deswegen ist der reine LDL-Wert nur mit Einschränkungen aussagekräftig. Die Werte hs-CRP und Lp-a sind bessere Prädikatoren für Schlaganfall und Herzinfarkt.
2: Hochempfindliches C-reaktives Protein (hs-CRP, CRP-Wert): Dieser Marker zeigt an, in welchem Maße Entzündungsprozesse im Körper ablaufen, die zu zahlreichen chronischen Erkrankungen führen können. Gerade die Gefäßauskleidungen werden durch entzündliche Reaktionen stark angegriffen, die deswegen heute als Hauptursache der Arteriosklerose angesehen werden. Hs-CRP wird in der Leber gebildet und sollte 0,7 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) nicht überschreiten. Optimal ist ein Wert von 0,2 mg/l.
3: Lipoprotein a (Lp-a) gilt als Marker für die Bildung von Plaques sowie Blutgerinnseln. Ein Wert von 30 mg/dl sollte auf keinen Fall überschritten werden.
Die Forscher ermittelten diese Blutwerte am Studienanfang und verfolgten das Schicksal der Teilnehmerinnen. Die Absicht der Wissenschaftler war, eine langfristige Prognose für Frauen zu ermöglichen, wie wahrscheinlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind.
Studienleiter Paul M. Ridker kommt nach seiner 30-jährigen zu einigen Grundaussagen: Die Teilnehmerinnen mit den höchsten LDL-Werten hatten im Vergleich zu den Kolleginnen mit den niedrigsten Werten ein um 36 % erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die höchsten Lp-a-Werte steigerten das Risiko um 33 %. Am problematischsten jedoch sind die hs-CRP-Werte: Frauen, die hier extreme Spitzenwerte aufwiesen, müssen mit einem um 77 % erhöhten Risiko rechnen.
Eine integrierte Berechnung aller 3 Werte ergab, dass die Teilnehmerinnen mit den höchsten Konzentrationen der Marker zu einer anderthalbfach höheren Wahrscheinlichkeit für Schlaganfall führen und das Infarktrisiko verdreifachen.
Die Marker sind nicht die Ursache
Die Störungen im Stoffwechsel, die die Marker anzeigen, sind vielfältig. Sicher spielen manchmal auch die Gene eine Rolle, aber die häufigsten Gründe sind im Lebensstil zu suchen. Tabakkonsum ist sicherlich die schädlichste Angewohnheit, mit der wir unseren Kreislauf belasten. Bewegungsmangel ist neben der Ernährung ein entscheidender Faktor. Es sind nicht nur die Lebensmittel an sich, sondern wie wir sie behandeln.
Industriell verarbeitete Nahrungsmittel sind auch ohne Pestizide und andere Umwelttoxine mit allerhand Hilfsstoffen quasi verunreinigt. Schon diese Gifte heizen im Stoffwechsel Entzündungen an, die Gefäßveränderungen zur Folge haben. Es bilden sich Ablagerungen, die die Gefäße verengen und auch die Blutgerinnung auslösen können, die dann zu lebensgefährlichen Verstopfungen führen.
In den letzten 100 Jahren haben sich unsere Mahlzeiten drastisch verändert. Wir verzehren heute zu viel Samenöle, die zwar mehrfach ungesättigt sind und daher als gesund gelten. Doch diese „PUFAS“ (polyunsaturated fatty acids) oxidieren leicht das ohnehin schon gefährliche LDL, sodass ox-LDL entsteht.
Besonders problematisch ist die Linolsäure (LA), die ein Hauptbestandteil vieler Bratöle ist. Wer sich gesund ernähren möchte, sollte so weit wie möglich auf LA verzichten.
Wir setzten uns auch viel wenig UV-Strahlen aus, weil wir zu Stubenhockern geworden sind. Die Insolation löst in der Haut die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) aus, das als gefäßerweiterndes Gefäß fungiert. Es erhöht auch den Melatoninspiegel in den Mitochondrien, die dann optimaler Energie produzieren können.
Ein weiterer Faktor in der Entstehung von koronaren Krankheiten und Schlaganfällen ist Diabetes. Nicht nur der Kaloriengehalt spielt dabei eine Rolle, sondern auch künstliche Süßstoffe. Überhaupt ist die Darmgesundheit im Blick zu behalten. Die Darmflora sollte ausgewogen sein und optimal mit Oscillibacter besiedelt sein.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Bakterienart mit niedrigen Cholesterinwerten einhergeht. Günstig wirken sich auch sauerstoffintolerante Bakterien wie Akkermansia aus. Es ist von Vorteil, mit einer Darmreinigung und Probiotka den Verdauungstrakt in Ordnung zu bringen. Hilfreich dabei sind fermentierte Lebensmittel wie Joghurt und Sauerkraut.
Wichtig ist auch eine gute Stressbewältigung. Hohe Cortisolspiegel hemmen die Neubildung von Endothelzellen in den Gefäßinnenwänden.
Fazit
Der Calcium-Score-Test scheint nicht die eierlegende Wollmilchsau zu sein, für die man ihn anfänglich hat halten können. Der zuverlässigste Test scheint wohl das oben beschriebene „Trio“ zu sein, das bei keiner Blutkontrolle fehlen sollte.
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Quellen:
- [1] Herzinfarkt-Test: Wie hoch ist Ihr Risiko? – FOCUS online
- [2] Kalzium-Score zur Risikoabschätzung für kardiovaskuläre Ereignisse
- [3] Calcium Score Test
Bildquelle: fotolia.com
Dieser Beitrag wurde am 03.09.2023 erstellt und letztmalig am 01.12.2024 aktualisiert.