{"id":917,"date":"2011-09-19T10:00:03","date_gmt":"2011-09-19T08:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=917"},"modified":"2025-10-22T09:40:05","modified_gmt":"2025-10-22T07:40:05","slug":"schafmittel-milch-sanatranquiact","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/schafmittel-milch-sanatranquiact\/","title":{"rendered":"Neues Schlafmittel, alter Stoff: Milch"},"content":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich erhalte ich Anfragen von Firmen, die mir Ihre Produkte vorstellen m\u00f6chten, sei es in meiner Praxis oder f\u00fcr das Sportzentrum. Ich sehe mir auch vieles an. Manchmal sind da wirklich \u00fcberzeugende Dinge dabei, manchmal aber auch Produkte die ich selbst sicher nicht nehmen wollen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber\u00a0wie entscheide ich das? Das m\u00f6chte ich Ihnen gern erkl\u00e4ren.\u00a0Aus dieser hohen Anzahl habe ich mal ein Produkt herausgegriffen. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden nenne ich das Produkt nicht mehr, sondern lasse mal Ausz\u00fcge aus meinem urspr\u00fcnglichen Beitrag hier stehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Gehen wir doch einfach mal methodisch vor. Die erste Frage bei so einem Produkt ist f\u00fcr mich immer: Was ist das und was kann es?<\/strong><\/p>\n<p>Milchbestandteile eines Produkts sollen\u00a0beruhigend und angstnehmend\u00a0wirken und den Schlaf zu verbessern. \u00a0Grundlage hierf\u00fcr ist kein Barbiturat oder <a href=\"http:\/\/www.besser-gesund-schlafen.com\/Starke_Schlaftabletten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Benzodiazepin<\/a>, sondern ein Milch-Peptid, das aus der Hydrolyse (Aufspaltung einer chemischen Verbindung durch Anlagerung eines Wassermolek\u00fcls H2O) von Casein gewonnen wird.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich doch gut an. Das Produkt soll sogar einen guten Effekt bei <a href=\"http:\/\/naturheilt.com\/Inhalt\/Pruefung.htm\">Pr\u00fcfungsangst<\/a> zeigen. \u00c4hnlich gute Wirkung wird auch bei Haustieren vermeldet, z.B. wenn Pferde oder Hunde bei Wettbewerben an den Start gehen.<\/p>\n<p>Haben wir jetzt also den genialen Ersatz f\u00fcr die altbekannten chemischen Beruhigungsmittel auf nat\u00fcrlicher Basis? Und gibt es wirklich kein einziges, klitzekleines Nebenwirk\u00fcngchen von diesem Casein-Abk\u00f6mmling? Man darf gespannt sein, denn nun wenden wir uns einmal ab von der Welt des Marketings und seinen oft \u00fcberzogenen Versprechungen, hin zu den Wissenschaften, die dieses Ph\u00e4nomen sicherlich begutachtet haben m\u00fcssen. Schauen wir mal, ob auch die Wissenschaft diese nat\u00fcrliche Form der Anxiolyse (Verringerung von Angst durch Medikamente) und Schlafverbesserung best\u00e4tigen kann\u00a0&#8211; oder auch nicht.<\/p>\n<p><strong>Beruhigung durch Casein, so ein K\u00e4se?<\/strong><\/p>\n<p>Widmen wir uns erst einmal der Frage, ob die Erkenntnis, dass <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Milch.htm\">Milch<\/a> m\u00f6glicherweise Substanzen enth\u00e4lt, die schlaff\u00f6rdernd und stressabbauend sind, jetzt eigentlich so neu ist. Die vorherrschende Meinung ist ja, dass der Vorgang des <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Abstillen.htm\">Stillens<\/a> den S\u00e4ugling m\u00fcde macht und der Hautkontakt ein Gef\u00fchl der Sicherheit f\u00fcr den S\u00e4ugling vermittelt. Das Zusammenwirken dieser Faktoren bewirkt dann den Schlaf des S\u00e4uglings, w\u00e4hrend die Milch lediglich der Nahrung dient. Von daher scheint die Hypothese vom Wirkstoff in der Muttermilch wirklich neu zu sein.<\/p>\n<p>Milch ist nat\u00fcrlich schon vor langer Zeit analysiert worden und die meisten Inhaltsstoffe sind bekannt. Gerade die Muttermilch zeichnet sich durch einen ordentlichen Gehalt an Immunglobulinen (k\u00f6rpereigene Eiwei\u00dfmolek\u00fcle) aus, die dem S\u00e4ugling helfen, in den ersten 6 Monaten seines Lebens gegen <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Infektionen.htm\">Infektionen<\/a> bestehen zu k\u00f6nnen. Aber auch bei der Schlaff\u00f6rderung steht die Milch von Alters her in dem Ruf, dass ein Glas davon vor dem Schlafengehen die Schlafqualit\u00e4t verbessert. Nat\u00fcrlich sind das \u201enur\u201c Volksweisheiten und keine wissenschaftlich belegte Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. \u00dcber diese &#8222;Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten&#8220; berichte ich unter anderem ja auch im Report <a href=\"http:\/\/renegraeber.de\/Schulmedizin-Studien-Report.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schulmedizin &#8211; Einzig wahre Wissenschaft?<\/a><\/p>\n<p>Vor mehr als 60 Jahren gab es schon Arbeiten zu diesem Thema <em>(Laird, D. A. und Drexel, H. (1934) Experimenting with foods and sleep: I. Effects of varying types of foods in offsetting sleep disturbances caused by hunger pangs and gastric distress in children and adults. J. Am. Diet. Assoc. 10, 89\u201394<\/em>): Es wurde in diesem Zusammenhang berichtet, dass Erwachsene eine verbesserte Tendenz f\u00fcr einen ununterbrochenen Schlaf zeigten, nachdem sie Haferflocken in Milch zu sich genommen hatten. Eine andere Forschergruppe, Brezinova und Oswald (<em>Brezinova, V., and Oswald, I. (1972) Sleep after a bedtime beverage. Br. Med. J. 2, 431\u2013433<\/em>) benutzten die Elektroenzephalographie (EEG), mit der sie feststellten, dass der Schlaf \u00e4lterer Leute signifikant l\u00e4nger und weniger oft unterbrochen ist, wenn diese zur Nachtzeit Cerealien mit Milch zu sich genommen haben. Die Milch zeigte bessere Effekte bei einem dauerhaften Gebrauch.<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt, der zur Sprache kam, war die Rolle der Caseine, ein Proteinbestandteil der Milch. Mit etwa 80 Prozent aller in der Milch vorkommenden Proteine bilden die Caseine alphaS1, alphaS2, beta und\u00a0kappa Casein den L\u00f6wenanteil. Sie gelangen nicht in die Molke. Und wie der Name schon vermuten l\u00e4sst, sind die Caseine im K\u00e4se wiederzufinden.<\/p>\n<p>Casein \u00fcbernimmt eine Reihe von wichtigen Aufgaben f\u00fcr den Organismus des S\u00e4uglings: Es ist sein prim\u00e4rer Stickstofflieferant, bindet und transportiert Proteine, <a href=\"http:\/\/www.vitalstoffmedizin.com\/mineralstoffe\/Kalzium.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Calcium<\/a> und Phosphat zum Neugeborenen hin etc. So gibt es eine Reihe von Arbeiten der letzten 15 Jahre, die zeigen konnten, dass die enzymatische Hydrolyse der Caseine Peptide produziert, welche die verschiedensten biologischen Aktivit\u00e4ten aus\u00fcben (<em>Meisel, H. (1997) Biochemical properties of regulatory peptides derived from milk proteins. Biopolymers 43, 119\u2013128<\/em>). Die Peptide, die gefunden wurden, hatten opioide und opioid-antagonistische Eigenschaften (opium\u00e4hnliche und opiumblockierende Wirkung). Dann gibt es auch noch Peptide, die wie ein ACE-Hemmer wirken, also blutdrucksenkend, und immunstimulierende Peptide, Platelettaggregationshemmer, antibakteriell wirksame Peptide, Proteaseinhibitorpeptide usw. Allerdings ist die physiologische Effizienz dieser Peptide nur spekulativ, da die meisten Eigenschaften von ihnen bei in vitro Experimenten beobachtet worden sind.<\/p>\n<p>Auf der andere Seite gibt es opioide Peptide, die &#8222;in vivo&#8220; ausfindig gemacht werden konnten. So z.B. geschehen und gesehen im Zw\u00f6lffingerdarm des Meerschweinchens nach Verzehr von Kuhmilch (<em>Meisel, H. (1986) Chemical characterization and opioid activity of an exorphin isolated from in vivo digest of casein. FEBS Lett. 196, 223\u2013227<\/em>), im menschlichen Darm, ebenfalls nach dem Verzehr von Milch (<em>Svedberg, J. et al. (1985) Demonstration of ?-casomorphins immunoreactive materials in in vitro digests of bovine milk and in small intestine contents after bovine milk ingestion in adults humans. Peptides 6, 825\u2013830<\/em>), im Serum von neugeborenen K\u00e4lbern nach der ersten Milchaufnahme (<em>Umbach, M.. et al. (1985) Demonstration of a ?-casomorphin immunoreactive material in the plasma of newborn calves after milk intake. Regul. Pept. 12, 223\u2013230<\/em>) und im Plasma von schwangeren oder stillenden M\u00fcttern (<em>Koch, G. et al. (1988) Human ?-casomorphin-8 immunoreactive materials in the plasma of women during pregnancy and after delivery. Regul. Pept. 20, 107\u2013117<\/em>).<\/p>\n<p>&#8222;In vivo&#8220;-Aktivit\u00e4ten konnten f\u00fcr die ACE-hemmende Wirkung eines Peptids best\u00e4tigt werden, da die orale Aufnahme von fermentierter Milch, die dieses Peptid schon enthielt, eine blutdrucksenkende Wirkung bei Ratten zeigte, die an einem genetisch bedingten <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/krankheiten\/Bluthochdruck.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bluthochdruck <\/a>litten (<em>Yamamoto, N. et al. (1994) Antihypertensive effect of peptides derived from casein by an extracellular proteinase from Lactobacillus helveticus CP790. J. Dairy Sci. 77, 917-922<\/em>).<\/p>\n<p>Bei allem Wissen jedoch bleiben zu viele Fragen zur biologischen und physiologischen Wirksamkeit der vom Casein stammenden Peptide offen (<em>Meisel, H., and Bockelmann, W. (1999) Bioactive peptides encrypted in milk proteins: proteolytic activation and thropho-functional properties. Antonie Van Leeuwenhoek 76, 207\u2013215<\/em>). Dies hei\u00dft in letzter Instanz, dass gerade das Wissen um eine m\u00f6gliche sedierende Wirkung dieser Peptide mehr als sp\u00e4rlich ausf\u00e4llt. Wie bereits oben angedeutet, gibt es Andeutungen in dieser Richtung aus dem Volksmund und der Volksweisheit.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/app.getresponse.com\/view_webform_v2.js?u=93&#038;webforms_id=BWRfm\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Woher kommen Unruhe, Nervosit\u00e4t und Co. denn eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Aus wissenschaftlicher Sicht spielt die \u00dcberlegung eine Rolle, dass Angst, Unruhe, Krampfanf\u00e4lle etc. zum gr\u00f6\u00dften Teil, wenn nicht sogar vollst\u00e4ndig, \u00fcber eine Beeinflussung von GABA-Rezeptoren der Nervenzellen erfolgen muss. Denn wenn die GABA-Rezeptoren in ihrer Aktivit\u00e4t beeintr\u00e4chtigt werden, f\u00fchrt dies zu Unruhezust\u00e4nden, Kr\u00e4mpfen, <a href=\"http:\/\/naturheilt.com\/Inhalt\/Angst.htm\">Angst<\/a> usw. (<em>File, S. E. et al. (1982) The anxiogenic action of benzodiazepine antagonists. Neuropharmacology 21, 1033\u20131037<\/em>\u00a0 und <em>Dorow, R. et al. (1983) Severe anxiety induced by FG 7142, a beta-carboline ligand for benzodiazepine receptors. Lancet 2, 98\u201399<\/em>).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite verst\u00e4rken Benzodiazepine und Barbiturate die Aktivit\u00e4ten der GABA-Rezeptoren und l\u00f6sen somit eine anxiolytische und krampfl\u00f6sende Wirkung aus. Kurz: Der GABA-Rezeptorenkomplex spielt eine wichtige Rolle in der Pharmakologie, Neurochemie und Physiopathologie von Stress und Unruhe (<em>Biggio, G. et al. (1990) GABAergic and dopaminergic transmission in the rat cerebral cortex: effect of stress, anxiolytic and anxiogenic drugs. Pharmacol. Ther. 48, 121\u2013142<\/em>). Dar\u00fcber hinaus gibt es noch eine weitere Benzodiazepin-Bindungsstelle, die im mitochondrialen Bereich angesiedelt ist. Diese Stelle wird die \u201eperiphere Benzodiazepin-Bindungsstelle\u201c genannt, obwohl sie in allen Geweben pr\u00e4sent ist, einschlie\u00dflich des zentralen Nervensystems.<\/p>\n<p><strong>Das neue Zauberwort: Casozepin<\/strong><\/p>\n<p>2001 ver\u00f6ffentlichte eine franz\u00f6sische Forschergruppe aus der Universit\u00e4t Nancy eine Arbeit, die ein tryptisches Hydrolysat (Spaltung von Casein-Eiwei\u00dfen mit Hilfe von Trypsin) des alphaS1-Caseins untersuchte (<em>Miclo L. et al.: Characterization of alpha-casozepine, a tryptic peptide from bovine alpha(s1)-casein with benzodiazepine-like activity; Laboratoire des Biosciences de l&#8217;Aliment UA 885 INRA, Facult\u00e9 des Sciences, Universit\u00e9 Henri Poincar\u00e9-Nancy, Vandoeuvre-l\u00e8s-Nancy, France;FASEB J. 2001 Aug;15(10):1780-2<\/em>. <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/11481228\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/11481228<\/a>).<\/p>\n<p>Dieses Peptid hat im Organismus eine benzodiazepin\u00e4hnliche Wirksamkeit. Dies konnte gezeigt werden, indem man epileptischen Ratten 3 Milligramm pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht der fraglichen Peptide injizierte. Die Folge der Injektion war eine Reduzierung der epileptischen Anf\u00e4lle. Die Intensit\u00e4t der Angst- und Unruhezust\u00e4nde der Tiere wurde ebenfalls deutlich geringer.<\/p>\n<p>Die aus dem Hydrolysat isolierten Peptide wurden zus\u00e4tzlich auf ihre Affinit\u00e4t zu den GABA-Rezeptoren gepr\u00fcft. Nur eines der Peptide zeigte eine signifikante Affinit\u00e4t zu diesem Rezeptor. Es handelt sich dabei um ein Fragment des alphaS1-Caseins und hei\u00dft alpha-Casozepin. Interessanterweise hatte dieses Peptid &#8222;in vitro&#8220; eine 10.000-fach geringere Affinit\u00e4t zum GABA-Rezeptor als Diazepam. Bei den Verhaltensversuchen mit den Tieren zur Beurteilung der anxiolytischen Wirkung des Peptids jedoch zeigte dieses Peptid eine 10-fach h\u00f6here Wirksamkeit als Diazepam. Man vermutete nun, dass der Unterschied in der Wirksamkeit zwischen \u201ein vitro\u201c- und \u201ein vivo\u201c-Bedingungen m\u00f6glicherweise auf einem Effekt im peripheren Benzodiazepin-Rezeptor beruht. Dies konnte aber nicht best\u00e4tigt werden, da Casozepin keine Affinit\u00e4t zu diesem Rezeptor zeigen konnte.<\/p>\n<p>Diese Beobachtungen sind auch aus einem anderen Blickwinkel interessant. Die Kluft zwischen Laborergebnissen (&#8222;in vitro&#8220;) und Wirkungen im lebenden System (&#8222;in vivo&#8220;) kann man bei dieser Arbeit besonders gut demonstrieren. In diesem Fall w\u00e4re die 10.000-fach h\u00f6here Affinit\u00e4t von Diazepam zum Zielrezeptor m\u00f6glicherweise ein vorzeitiges \u201eTodesurteil\u201c f\u00fcr das Casozepin gewesen. Denn nach einer so \u00fcberm\u00e4chtigen Signifikanz des Diazepams im Vergleich zum Casozepin kann nur ein hoffnungsloser Optimist an eine gleichwertige oder sogar noch bessere biologische Wirksamkeit glauben. Gl\u00fccklicherweise hatten die Wissenschaftler die Verhaltensversuche vor der biochemischen Analyse vorgenommen. Eine umgekehrte Vorgehensweise h\u00e4tte vielleicht den vorzeitigen Abbruch der Arbeit verursacht &#8211; vielleicht&#8230;<\/p>\n<p><strong>Mehr Casozepin<\/strong><\/p>\n<p>Genau 10 Jahre nach dieser Arbeit ver\u00f6ffentlicht fast die gleiche Forschergruppe von der Universit\u00e4t Nancy einen weiteren Artikel zu diesem Thema (<em>Cakir-Kiefer C.: In vitro digestibility of ?-casozepine, a benzodiazepine-like peptide from bovine casein, and biological activity of its main proteolytic fragment; Unite de Recherche Animal &amp; Fonctionnalit\u00e9s des Produits Animaux (UR AFPA), \u00c9quipe Prot\u00e9olyse &amp; Biofonctionnalit\u00e9s des Prot\u00e9ines et des Peptides (PB2P), Nancy-Universit\u00e9, Vandoeuvre-les-Nancy, France. J Agric Food Chem. 2011 May 11;59(9):4464-72.<\/em> <a href=\"http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/21417274\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/21417274<\/a> ).<\/p>\n<p>Leider ergeben sich hier keine neuen Perspektiven oder Erkenntnisse, da diese Arbeit sich damit begn\u00fcgt, im Wesentlichen die Ergebnisse der Arbeit von vor 10 Jahren zu referieren, erweitert um die banale Aussage, dass die bei Ratten gesehenen Effekte wohl auch auf den Menschen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Es erhebt sich da nat\u00fcrlich die Frage, warum die Forscher, nach den recht ansehnlichen Ergebnissen der 2001-Studie, nicht an diesem Thema weitergearbeitet hatten.<\/p>\n<p>Es erhebt sich auch die Frage, warum in diesem sehr interessanten Bereich nicht mehr Arbeiten an menschlichen Probanden durchgef\u00fchrt worden sind. Denn mit un\u00fcberschaubaren Nebenwirkungen, die f\u00fcr neue Substanzen der Chemie gang und g\u00e4be sind, ist bei Milch nun wohl kaum zu rechnen.<\/p>\n<p><strong>Allein auf weiter Flur<\/strong><\/p>\n<p>Auf meiner Suche nach mehr Arbeiten \u00fcber Casozepin bin ich auf eine einsame Studie gesto\u00dfen, die im Jahr 2009 ver\u00f6ffentlicht wurde (<em>Zara de Saint-Hilaire et. al.: Effects of a Bovine Alpha S1-Casein Tryptic Hydrolysate (CTH) on Sleep Disorder in Japanese General Population; The Open Sleep Journal, 2009, 2, 26-32;<\/em> http:\/\/www.lactiumusa.com\/pdf\/restudy\/effects-of-bovine-alpha.pdf).<\/p>\n<p>In dieser Studie wird der Effekt eines Hydrolysats von Alpha-S1-Casein aus Kuhmilch untersucht. Ziel der Untersuchung war, den Einfluss des Peptids auf japanische Arbeiter mit Schlafst\u00f6rungen zu bewerten. Dazu wurden 32 Probanden in einem Alter von 25 bis 40 Jahren in die Studie aufgenommen. Die Probanden wurden per standardisiertem Fragebogen zur subjektiven Beurteilung ihrer Schlafqualit\u00e4t befragt. Das Peptid verbesserte, laut Autoren, die subjektive Schlafqualit\u00e4t der Probanden signifikant. Der Effekt war bereits nach zwei Behandlungswochen besonders deutlich ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Es zeigte sich au\u00dferdem eine Verk\u00fcrzung der Einschlafzeit und Verbesserung der mentalen Funktionen am Tage nach vier Wochen Behandlung. Die Verbesserung der Schlafqualit\u00e4t wurde von den Autoren mit einer Stressreduktion durch das Peptid in Zusammenhang gebracht, die besonders bei einer Dauereinnahme des Peptids ersichtlich wird.<\/p>\n<p>Als Schlussfolgerung bemerken die Autoren, dass das Peptid eine Reihe von n\u00fctzlichen Effekten zeigte und dabei vollkommen nebenwirkungsfrei war. Von daher kann man davon ausgehen, dass das Peptid in der Lage ist, chronische Schlafst\u00f6rungen von Japanern g\u00fcnstig zu beeinflussen. Die Autoren w\u00fcnschen sich aber noch weitere Arbeiten zu diesem Thema. Die biochemischen Eigenschaften der aktiven Substanz bleiben auch offen. Man wei\u00df also nicht, ob die Effekte dieser Arbeit auf einer Wirkung des Casozepins beruhen.<\/p>\n<p><strong>Wenig Wissenschaft, viel Marketing<\/strong><\/p>\n<p>Bei dieser mangelnden F\u00fclle an wissenschaftlichem Bewertungsmaterial w\u00fcrde ich mir auch eine Menge mehr Arbeiten zu diesem Thema w\u00fcnschen. Man stelle sich nur vor, dass man Angstzust\u00e4nde, <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Epilepsie.htm\">Epilepsien<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Nervositaet.htm\">Nervosit\u00e4t<\/a>, Neigungen zu Krampfanf\u00e4llen usw. nicht mit einem abh\u00e4ngig machenden, von Wirkungsverlust gezeichneten, potentiell bei \u00dcberdosierung t\u00f6dlichen Benzodiazepin oder anderen Substanzklassen zu behandeln br\u00e4uchte. Statt dessen w\u00fcrde dieser \u201eTrick\u201c gleich gut &#8211; aber deutlich nebenwirkungs\u00e4rmer &#8211; von einem \u201eMilchderivat\u201c erreicht. Dies w\u00e4re nat\u00fcrlich wieder einmal ein Tritt in die Kniekehlen der Pharmaindustrie, die an so was nun wirklich kein Interesse hat.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Beitragsbild: pixabay.com &#8211; Couleur<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich erhalte ich Anfragen von Firmen, die mir Ihre Produkte vorstellen m\u00f6chten, sei es in meiner Praxis oder f\u00fcr das Sportzentrum. Ich sehe mir auch vieles an. 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