{"id":778,"date":"2011-03-14T10:12:48","date_gmt":"2011-03-14T08:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=778"},"modified":"2025-10-22T09:40:08","modified_gmt":"2025-10-22T07:40:08","slug":"mittelohrentzuendung-schneller-heilen-antibiotika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/mittelohrentzuendung-schneller-heilen-antibiotika\/","title":{"rendered":"Mit Antibiotika heilt eine Mittelohrentz\u00fcndung schneller?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn eine <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Infektionen.htm\">Infektion<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Entzuendung.allg.htm\">Entz\u00fcndung<\/a> ansteht, dann greifen auch die medizinischen Spezialisten oft und schnell zu den \u201ebew\u00e4hrten\u201c <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Antibio.htm\">Antibiotika<\/a>, selbst wenn sie sonst theoretisierend Resistenzentwicklungen wittern. Bei Kindern sieht die Sache dann noch einmal ganz anders aus, da aus medizinischer Sicht Kinder nicht als kleine Erwachsene angesehen werden k\u00f6nnen. Vieles l\u00e4uft in einem heranwachsenden Organismus anders als in einem ausgereiften.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Mittelohrentz.htm\">Mittelohrentz\u00fcndung<\/a>, einer recht h\u00e4ufigen Erkrankung bei Kindern und Kleinkindern, stellt sich nun die Frage, ob man auf die Selbstheilkr\u00e4fte des jungen Organismus hoffen kann oder ob man nicht doch zu Antibiotika greifen soll.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs gibt dazu alte und neuere Studien, die zeigen konnten, dass eine Antibiotika Gabe die Otitis media in Schwere und Dauer g\u00fcnstig beeinflussen kann. Die (vor)letzte dieser Studien kommt aus der Universit\u00e4t Pittsburgh und erschien im New England Journal of Medicine (<a href=\"http:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa0912254\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zur Studie<\/a>). Eine \u201eofenwarme\u201c Studie aus Finnland, die am gleichen Tag im NEJM erschien, best\u00e4tigte die Ergebnisse aus Pittsburgh (<a href=\"http:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMoa1007174\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zur Studie<\/a>). Beide Studien untersuchten ca. 300 und mehr Kleinkinder im Alter von 6 bis 23 bzw. 35 Monaten.<\/p>\n<p>Das Antibiotikum, das zum Einsatz kam, war eine Kombination aus Amoxicillin und Clavulans\u00e4ure, einem ?-Lactamase Hemmer. Dieser Hemmer soll sicher stellen, dass resistente Bakterien, die in der Lage sind, ?-Lactamase zu produzieren, eliminiert werden. ?-Lactamase ist ein von resistenten Bakterien produziertes <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Enzymtherapie.htm\">Enzym<\/a>, das das Antibiotikum abbauen kann und somit in seiner Wirksamkeit beeintr\u00e4chtigt. Clavulans\u00e4ure wird immer in Verbindung mit Antibiotika gegeben, nie als Monotherapie, da es selbst keine antibiotische Wirkung besitzt.<\/p>\n<p>Sowohl die Pittsburgh- als auch die Finnland-Studie zeigten deutliche therapeutische Vorteile der Amoxicillin- Clavulans\u00e4ure-Kombination gegen\u00fcber Plazebo, so dass man zu dem Schluss kam, dass ein Einsatz bei Otitis media bei Kleinkindern gerechtfertigt zu sein scheint. Beide Studien machten aber auch deutlich, dass das Nebenwirkungsspektrum deutlich h\u00f6her ist unter der Antibiotika-Therapie im Vergleich zu Plazebo.<\/p>\n<p>Die Finnen gingen in dieser Beziehung sogar noch differenzierter vor in der Interpretation ihrer Ergebnisse, da sie die besondere Problematik der Nebenwirkungen bei diesem Patientenklientel ber\u00fccksichtigten. Sie hielten dies bez\u00fcglich als Ergebnis fest:<\/p>\n<p><em>\u201eChildren with acute otitis media benefit from antimicrobial treatment as compared with placebo, although they have more side effects. Future studies should identify patients who may derive the greatest benefit, in order to minimize unnecessary antimicrobial treatment and the development of bacterial resistance.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies ist umso bemerkenswerter, als hier keine pauschalen Empfehlungen f\u00fcr einen \u201efl\u00e4chendeckenden\u201c Einsatz von Antibiotika gegeben werden aufgrund der gefundenen Ergebnisse. Die finnischen Forscher empfehlen stattdessen ein selektives Vorgehen, wobei nur die Kinder das Antibiotikum erhalten sollen, die den gr\u00f6\u00dften Nutzen aus dessen Einsatz haben. Die Notwendigkeit dieser Abw\u00e4gung ist in den sich einstellenden Nebenwirkungen begr\u00fcndet, die in beiden Studien haupts\u00e4chlich in Durchf\u00e4llen bestanden. Jedoch die Diagnose <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Durchfall.htm\">Durchfall<\/a> bei einem Kleinkind ist nicht mit einem Durchfall bei einem Erwachsenen zu vergleichen. Hier sind Folgekomplikationen wahrscheinlicher, besonders in Form von Dehydrierung, was dann zu einem eigenst\u00e4ndigen, neuen Krankheitsbild f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Da Otitis media nach Erk\u00e4ltungskrankheiten die zweith\u00e4ufigste Erkrankung bei Kindern ist, besteht die Bef\u00fcrchtung, dass eine unbehandelte Mittelohrentz\u00fcndung Folgesch\u00e4den hinterlassen kann. Besonders wenn der Krankheitsverlauf an Schwere zunimmt, sind diese Bef\u00fcrchtungen nicht grundlos. Die Entz\u00fcndung kann sich dann auf die Geh\u00f6rkn\u00f6chelchen und das gesamte Innenohr ausbreiten und nachhaltigen Schaden anrichten. Diese Szenarien allerdings sind eher die Ausnahme.<\/p>\n<p>So zeigt die Praxis, dass auch ohne Antibiotika die Schmerzen bei zwei von drei Kindern innerhalb von 24 Stunden abklingen. Britische \u00c4rzte z.B. stellten fest, dass Kinder ohne Antibiotika Gabe einen Tag l\u00e4nger an Schmerzen litten, die sich aber durch die Gabe von Schmerzmitteln effektiv eind\u00e4mmen lie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> Antibiotika sind Mittel der Wahl, wenn, wie die finnische Studie es bef\u00fcrwortet, eine Situation vorliegt, wo ein Einsatz mehr Nutzen bringt als m\u00f6glichen Schaden durch Nebenwirkungen. Eine solche Situation w\u00e4re z.B. ein schwerer Krankheitsverlauf mit gro\u00dfen Schmerzen, die auch mit Schmerzmitteln nicht zu beeinflussen sind. Ansonsten scheint \u201eAbwarten\u201c mit Schmerztherapie die bessere Alternative zu sein, nicht zuletzt weil sonst die Nebenwirkungen der Antibiotika f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung der Erkrankung durch ein neues Krankheitsbild sorgen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie so etwas interessiert, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Newsletter<br \/>\n&#8222;Hoffnung bei Krebs&#8220; dazu an:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1Ki\" data-webform-id=\"pL1Ki\"><\/script><\/p>\n<p>Beitragsbild: pixabay.com &#8211; Matvevna<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine Infektion oder Entz\u00fcndung ansteht, dann greifen auch die medizinischen Spezialisten oft und schnell zu den \u201ebew\u00e4hrten\u201c Antibiotika, selbst wenn sie sonst theoretisierend Resistenzentwicklungen wittern. 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