{"id":7054,"date":"2026-05-06T21:04:06","date_gmt":"2026-05-06T19:04:06","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=7054"},"modified":"2026-05-06T21:11:33","modified_gmt":"2026-05-06T19:11:33","slug":"medikationsfehler-klinikeinweisungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikationsfehler-klinikeinweisungen\/","title":{"rendered":"250.000 Klinikeinweisungen wegen Medikamente-Fehlverschreibungen"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein Nahrungserg\u00e4nzungsmittel auch nur im Verdacht st\u00fcnde, jedes Jahr auch nur ein paar Menschen ins Krankenhaus zu bringen, h\u00e4tten wir Talkshows, Sonderkommissionen und vermutlich auch ziemlich schnell ein Verbot. Bei Medikamenten sieht das aber v\u00f6llig anders aus. Da hei\u00dft es &#8222;Arzneimitteltherapiesicherheit&#8220;.<\/p>\n<p>Und worum geht es genau?<\/p>\n<p>Das Bundesgesundheitsministerium hatte am 1. April 2026 den neuen <strong>Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit 2026 bis 2029<\/strong> beschlossen. Schon die \u00dcberschrift wirkt so, als sei von einem Amtschimmel geboren worden. In diesem Plan \/ Papier steht eine Zahl, die in jede Nachrichtensendung geh\u00f6ren m\u00fcsste. J<strong>\u00e4hrlich gibt es in Deutschland sch\u00e4tzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen aufgrund von Medikationsfehlern. Das BMG schreibt dazu ausdr\u00fccklich: Diese seien potenziell vermeidbar.<\/strong><\/p>\n<p>250.000 &#8211; pro Jahr!<\/p>\n<p>Nicht wegen Globuli oder Kurkuma oder Vitaminen, sondern wegen Fehlern im ganz normalen &#8222;Medikamentenbetrieb&#8220;.<\/p>\n<p>Und das ist noch nicht alles. Im selben Aktionsplan hei\u00dft es: <strong>Etwa 3 bis 7 Prozent der Notaufnahmen in deutschen Krankenh\u00e4usern sind auf Nebenwirkungen von Arzneimitteln zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/strong> Die vom BMG gef\u00f6rderte ADRED Studie fand in vier zentralen Notaufnahmen: Bei 6,5 Prozent der untersuchten Patienten standen die Beschwerden im Zusammenhang mit unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkungen. Von diesen Patienten wurden 98 Prozent station\u00e4r aufgenommen.<\/p>\n<p>Allein vermeidbare, ambulant erworbene unerw\u00fcnschte Arzneimittelwirkungen verursachen laut Aktionsplan in deutschen Notaufnahmen konservativ gesch\u00e4tzt <strong>j\u00e4hrliche Kosten von 1,3 Milliarden Euro<\/strong>.<\/p>\n<p>So weit hat uns die Tabletten-Fresserei gebracht.<\/p>\n<p>Nicht, dass das nicht alles &#8222;eigentlich&#8220; bekannt w\u00e4re &#8211; es interessiert nur scheinbar keinen. In den letzten 20 Jahren hatte ich unz\u00e4hlige Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.yamedo.de\/blog\/medikamente-fuer-aeltere-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medikamente f\u00fcr \u00e4ltere Patienten: Mehr Schaden als Nutzen?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/die-guten-boesen-medikamente\/\">Medikamente Nebenwirkungen &#8211; Die Guten, die B\u00f6sen und die T\u00f6dlichen&#8230;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-nebenwirkung-tod\/\">Medikamente &#8211; Nebenwirkung Tod<\/a> (dar\u00fcber wird fast gar nicht mehr gesprochen!=<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/haelfte-der-nebenwirkungen-wird-verschwiegen\/\">Medikamente-Studien: Die H\u00e4lfte der Nebenwirkungen wird verschwiegen!<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-wechselwirkungen-2013\/\">Medikamente &amp; Wechselwirkungen &#8211; ein Fall f\u00fcr evidenzbasierte Unkenntnis<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Und das ist nur eine kleine Auswahl.<\/p>\n<p>Wenn ein Naturheilmittel solche Zahlen produzieren w\u00fcrde, w\u00e4re der \u00f6ffentliche Prozess l\u00e4ngst er\u00f6ffnet. Dann w\u00fcrde man nicht von \u201eEinzelf\u00e4llen\u201c sprechen. Dann w\u00fcrde man nicht sagen: \u201eWir m\u00fcssen die Prozesse verbessern.\u201c Dann hie\u00dfe es: Gefahr f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung!<\/p>\n<p>Bei Medikamenten dagegen bekommt das Ganze einen &#8222;digitalen Anstrich&#8220;:<\/p>\n<p>Elektronische Patientenakte, Elektronisches Rezept, Elektronischer Medikationsplan, Digitale Medikationsprozesse usw. Das BMG nennt genau diese Punkte als zentrale Bausteine des neuen Aktionsplans. Forschung soll gest\u00e4rkt werden, der elektronische Medikationsplan soll vollst\u00e4ndiger, aktueller und verst\u00e4ndlicher werden, und \u00c4rzte, Apotheker und Pflegekr\u00e4fte sollen enger zusammenarbeiten. Ach was?<\/p>\n<p>Alles sinnvoll. Nur l\u00f6st die Digitalisierung nicht das Grundproblem. Ein falscher Medikationsplan wird nicht besser, nur weil er jetzt digital falsch ist.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem liegt aber noch viel tiefer. Es liegt in einer Medizin, die sehr gut darin ist, etwas zu verordnen, aber oft erstaunlich schlecht darin, etwas wieder abzusetzen. Besonders bei \u00e4lteren Menschen entsteht nicht selten eine <strong>Medikamentenbiografie<\/strong>, bei der niemand mehr genau wei\u00df, wann, warum und von wem welches Mittel begonnen wurde. Selbst viele Patienten wissen das oftmals nicht oder nicht mehr.<\/p>\n<p>Der Kardiologe gibt etwas f\u00fcrs Herz. Der Hausarzt erg\u00e4nzt etwas f\u00fcr den Blutdruck. Der Orthop\u00e4de verordnet Schmerzmittel. Nach dem Klinikaufenthalt bleibt ein Magenschutz \u00fcbrig. Gegen Schlafst\u00f6rungen kommt noch etwas dazu. Und irgendwann sitzt ein Mensch mit sechs, acht oder zehn Pr\u00e4paraten am K\u00fcchentisch und hofft, dass die Kombination schon irgendwie stimmen wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind Medikamente manchmal notwendig. Ein korrekt eingesetztes Arzneimittel kann Leben retten, Schmerzen lindern, Entgleisungen verhindern. Darum geht es mir hier nicht. Es geht um etwas anderes: um die Bequemlichkeit der Dauerverordnung und viel zu wenig Kontrolle. Es geht um Wechselwirkungen und Doppelverordnungen, Dosierungen die f\u00fcr einen 45-j\u00e4hrigen Durchschnittspatienten vielleicht passen, aber nicht mehr f\u00fcr eine 82-j\u00e4hrige Frau mit eingeschr\u00e4nkter Nierenfunktion. Mit genau sowas schlage ich mich in der t\u00e4glichen Praxis herum&#8230;<\/p>\n<p>Die Zahl des BMG zeigt nur das, was ich in der Praxis erlebe: 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr durch Medikationsfehler. Das ist ein Massenph\u00e4nomen. Und es betrifft vor allem Menschen, die ohnehin verletzlich sind: \u00e4ltere Patienten, chronisch Kranke, Pflegebed\u00fcrftige, Menschen mit mehreren Diagnosen und mehreren \u00c4rzten.<\/p>\n<p>Das Deutsche \u00c4rzteblatt fasste den neuen Aktionsplan ebenfalls so zusammen: Dosierungen sollen optimiert und Wechselwirkungen durch ungeeignete Kombinationen verhindert oder schneller erkannt werden. Au\u00dferdem soll es um bessere Forschung, elektronische Medikationspl\u00e4ne und Ma\u00dfnahmen zum sicheren Absetzen von Arzneimitteln gehen.<\/p>\n<p>Das Wort \u201eAbsetzen\u201c ist hier entscheidend. Denn gute Medizin fragt nicht nur: Was k\u00f6nnen wir noch geben? Gute Medizin fragt auch: Was kann weg?<\/p>\n<p>Diese Frage wird viel zu selten gestellt. Dabei w\u00e4re sie oft der Beginn echter Arzneimitteltherapiesicherheit. Nicht als B\u00fcrokratiebegriff, sondern ganz praktisch: Braucht dieser Patient dieses Medikament noch? Stimmt die Dosis? Gibt es Wechselwirkungen? Sind Nieren und Leber in der Lage, diese Stoffe sauber zu verarbeiten? Werden Nebenwirkungen vielleicht l\u00e4ngst als neue Krankheit fehlgedeutet?<\/p>\n<p><strong>In der Praxis sehe ich das immer wieder: Schwindel, M\u00fcdigkeit, Muskelschw\u00e4che, Magenprobleme, Verwirrtheit, St\u00fcrze, Blutdruckschwankungen. Dann wird nicht selten das n\u00e4chste Medikament gegen die Nebenwirkung des vorherigen Medikaments verordnet. So entsteht eine pharmakologische Kettenreaktion, bei der am Ende keiner mehr wei\u00df, was Ursache und was Folge ist.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist oftmals zum verzweifeln.<\/p>\n<p>Und jetzt kommt der praktische Teil.<\/p>\n<p>Jeder Mensch, der mehrere Medikamente nimmt, sollte seine Liste regelm\u00e4\u00dfig pr\u00fcfen lassen, sondern sehr gr\u00fcndlich. Mit allen Pr\u00e4paraten auf dem Tisch. Auch mit den frei gekauften Mitteln: Schmerzmittel, Schlafmittel, S\u00e4ureblocker, pflanzliche Pr\u00e4parate, Vitamine, Mineralstoffe. Alles geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p><strong>Wichtige Fragen w\u00e4ren:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Brauche ich dieses Medikament noch?<\/li>\n<li>Welche Wechselwirkungen gibt es?<\/li>\n<li>Passt die Dosis zu Alter, Gewicht, Nierenwerten und Leberwerten?<\/li>\n<li>Gibt es Beschwerden, die Nebenwirkungen sein k\u00f6nnten?<\/li>\n<li>Kann etwas reduziert oder ausgeschlichen werden?<\/li>\n<li>Und vor allem: Wer beh\u00e4lt den \u00dcberblick?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Skandale in unserem &#8222;Gesundheitswesen&#8220; (was f\u00fcr ein Witz dieser Name!) steht oft im Badezimmerschrank. Zwischen Blutdrucktabletten, Magenschutz, Schmerzmitteln, Schlafmitteln und alten Verordnungen, die nie jemand beendet hat.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Nahrungserg\u00e4nzungsmittel auch nur im Verdacht st\u00fcnde, jedes Jahr auch nur ein paar Menschen ins Krankenhaus zu bringen, h\u00e4tten wir Talkshows, Sonderkommissionen und vermutlich auch ziemlich schnell ein Verbot. Bei Medikamenten sieht das aber v\u00f6llig anders aus. Da hei\u00dft es &#8222;Arzneimitteltherapiesicherheit&#8220;. Und worum geht es genau? Das Bundesgesundheitsministerium hatte am 1. 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