{"id":5029,"date":"2023-01-15T12:09:47","date_gmt":"2023-01-15T10:09:47","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=5029"},"modified":"2023-03-30T00:48:47","modified_gmt":"2023-03-29T22:48:47","slug":"studienergebnisse-richtig-interpretieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/studienergebnisse-richtig-interpretieren\/","title":{"rendered":"Studienergebnisse richtig interpretieren: Nicht alle blutdrucksenkenden Mittel sch\u00fctzen vor Herzinfarkten"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt viele medizinische Parameter, die sich mit relativ geringem Aufwand messen lassen, so etwa der Blutdruck, der Cholesterinspiegel oder die Knochendichte. Anhand der Werte erkennt der Arzt, ob eine Behandlung anschl\u00e4gt, er sieht aber auch, wenn die Zahlen von der Norm abweichen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnen diese Parameter keine Vorhersage dar\u00fcber liefern, ob sie sich \u00fcberhaupt in irgendeiner Art und Weise auf den Patienten auswirken \u2013 also, ob er beispielsweise dadurch einen Herzinfarkt oder einen Knochenbruch erleiden wird. Noch weniger k\u00f6nnen wir anhand der Messwerte ablesen, ob ein Medikament, das den Blutdruck senkt, auch gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen Herzinfarkt verringert.<\/p>\n<p>Viele Laborwerte werden allerdings in der medizinischen Forschung auf genau diese Weise eingesetzt: So erheben viele Forscher ausschlie\u00dflich Statistiken dar\u00fcber, ob eine Behandlung den Blutdruck senkt.<\/p>\n<p>Dabei kontrollieren sie allerdings nicht, ob hierdurch auch das Risiko f\u00fcr einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt\u00a0 verringert wird. Nat\u00fcrlich ist der Aufwand wesentlich geringer, denn die Senkung des Blutdrucks l\u00e4sst sich schon nach einer kurzen Behandlungsdauer erkennen, w\u00e4hrend Herzinfarkte, die noch dazu im Vergleich sehr selten sind, oft erst nach Jahren auftreten.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Es m\u00fcssten also aufwendige Langzeitstudien erstellt werden, bei denen alle behandelten Patienten weiter beobachtet w\u00fcrden. Aufgrund der Seltenheit von Herzinfarkten m\u00fcssten die Kontrollgruppen noch dazu sehr gro\u00df sein, um \u00fcberhaupt signifikante Unterschiede feststellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Immer dann, wenn in Studien Laborwerte als Ersatz dienen, spricht man von Surrogatparametern oder Surrogatendpunkten. F\u00fcr die Patienten sind diese Werte allerdings kaum interessant. Sie m\u00f6chten hingegen Aussagen \u00fcber die Lebensqualit\u00e4t, die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen Herzinfarkt, die Dauer eines Krankenhausaufenthaltes oder die Sterblichkeit wissen.<\/p>\n<p>Bei diesen, f\u00fcr die Patienten interessanten Parametern spricht man von patientenrelevanten Endpunkten. H\u00e4ufig angewendete Surrogatparameter und die entsprechenden patientenrelevanten Endpunkte sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.<\/p>\n<p><strong>Surrogatparameter\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Patientenrelevante Endpunkte<\/strong><\/p>\n<p>Hoher Cholesterinspiegel\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Herzinfarkt<\/p>\n<p>Geringe Knochendichte\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Knochenbruch<\/p>\n<p>Herzrhythmusst\u00f6rungen\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Pl\u00f6tzlicher Herztod<\/p>\n<p>Hoher Blutdruck\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Schlaganfall, Herzinfarkt<\/p>\n<h2>Nicht immer sind Surrogatwerte aussagekr\u00e4ftig<\/h2>\n<p>Zwar treten abweichende Laborwerte oft in Verbindung mit einem bestimmten Krankheitsbild auf, das muss aber nicht unbedingt der Fall sein. Denn selbst bei v\u00f6llig gesunden Menschen entsprechen die Parameter nicht immer der Norm.<\/p>\n<p>Da au\u00dferdem willk\u00fcrlich anhand von Durchschnittszahlen festgelegt wird, in welchem Bereich ein Messwert normalerweise liegen sollte, gibt es oft sogar l\u00e4nderspezifische Abweichungen. Das bedeutet, dass ein Mensch beispielsweise in Deutschland als gesund gelten kann, w\u00e4hrend er in einem anderen Land bereits Medikamente verschrieben bek\u00e4me.<\/p>\n<p>Der Surrogatwert macht keinerlei Aussage dar\u00fcber, ob eine Behandlung f\u00fcr den Patienten wirklich einen Nutzen hat. Studien, die ausschlie\u00dflich auf Surrogatparametern aufbauen, f\u00fchren deshalb sowohl die \u00c4rzte als auch die Patienten oftmals in die Irre. Deshalb sollte das Argument der zu langen Studiendauer auch auf keinen Fall ein Kriterium daf\u00fcr sein, patientenrelevante Parameter durch Surrogatendpunkte zu ersetzen.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es einige Gr\u00fcnde, die es manchmal n\u00f6tig machen, auf die Laborwerte als Ersatz zur\u00fcckzugreifen. Dies war beispielsweise bei den ersten Medikamenten gegen HIV der Fall. Studien hatten gezeigt, dass die Mittel die Zahl der HI-Viren im K\u00f6rper deutlich herabsetzen (Surrogatparameter).<\/p>\n<p>Zu dem Zeitpunkt konnten die Wissenschaftler allerdings noch keine Aussage dar\u00fcber treffen, ob durch die Mittel auch der Ausbruch von Aids und damit die Sterblichkeit (patientenrelevanter Endpunkt) verlangsamt werden kann.<\/p>\n<p>Da es aber keine alternativen Therapien gab und die Krankheit ohne Behandlung in kurzer Zeit voranschreitet, war ein schnelles Handeln besser als eine vorgeschaltete Langzeitstudie an Freiwilligen. Also lie\u00dfen die Arzneimittelbeh\u00f6rden dieses Medikament zu, zum gro\u00dfen Gl\u00fcck vieler Tausender Menschen, wie sich im Nachhinein herausstellte (Fleming T. R. &amp; DeMets D. L.: Surrogate end points in clinical trials: are we being misled? Ann Intern Med; 1996; 125; S. 605-613).<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Doch es gibt auch andere Beispiele, so etwa bei einer Medikamentengruppe gegen Herzrhythmusst\u00f6rungen (Arrhythmie), die bei Herzinfarktpatienten zum Einsatz kamen. Denn einige Menschen, die einen Herzinfarkt \u00fcberstanden haben, entwickeln in der Folge Arrhythmien, die zum pl\u00f6tzlichen Herztod f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den 1970er Jahren entwickelte Arzneimittel zeigten gute Erfolge \u2013 allerdings nur in Bezug auf die Surrogatparameter. So konnte anhand von Elektrokardiogrammen (EKG) festgestellt werden, wie der Herzrhythmus sich deutlich normalisierte.<\/p>\n<p>Erst Ende der 1980er Jahre f\u00fchrten Wissenschaftler Studien dar\u00fcber durch, ob diese Medikamente auch die Sterblichkeitsrate f\u00fcr den pl\u00f6tzlichen Herztod verringern. Dabei kamen sie zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Patienten, die die Mittel einnahmen, starben \u2013 trotz einer deutlichen Verbesserung der Herzrhythmusst\u00f6rungen \u2013 doppelt so h\u00e4ufig am pl\u00f6tzlichen Herztod wie die Kontrollgruppe, die ausschlie\u00dflich ein Placebo einnahm (Epstein A. E. et al.: Mortality following ventricular arrhythmia suppression by encainide, flecainide, and moricizine after myocardial infarction. The original design concept of the Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST); JAMA; 1993; 270; S. 2451-2455).<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Beispiel zeigt eine Studie zu Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren. Die Knochendichte (Surrogatparameter) der untersuchten Frauen nahm zu, wenn diese zus\u00e4tzlich zu Kalzium auch Natriumfluorid einnahmen. Hieraus schlussfolgern die meisten Menschen im ersten Moment, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Knochenbr\u00fcche (patientenorientierter Endpunkt) ebenfalls abnehmen sollte.<\/p>\n<p>Doch das Gegenteil ist der Fall: Bei den mit Natriumfluorid behandelten Frauen nahm die Zahl der Knochenbr\u00fcche stattdessen sogar zu. Dies liegt daran, dass das Natriumfluorid zwar die Dichte erh\u00f6ht, gleichzeitig aber die Zusammensetzung ver\u00e4ndert und die Knochen spr\u00f6de und br\u00fcchig macht (Riggs B. L. et al.: Effect of fluoride treatment on the fracture rate in postmenopausal women with osteoporosis; N Engl J Med; 1990; 322; S. 802-809).<\/p>\n<h2>Medizinische Laborwerte sind dennoch wichtig<\/h2>\n<p>Trotzdem sind Laborwerte ganz und gar nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Sie geben den \u00c4rzten Informationen \u00fcber den Erfolg einer Behandlung und dar\u00fcber, ob die Medikamenten-Dosis korrekt gew\u00e4hlt wurde. Sie werden ben\u00f6tigt, um Diagnosen \u00fcberhaupt stellen zu k\u00f6nnen, aber auch, um den Krankheitsverlauf zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Ein EKG ist wichtig, um einen Herzinfarkt zu diagnostizieren. Ebenso m\u00fcssen Diabetes-Patienten ihren Blutzuckerspiegel regelm\u00e4\u00dfig kontrollieren, damit sie ihre Insulindosis genau anpassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Probleme bereiten die Surrogatparameter, wie beschrieben, nur dann, wenn sie in Studien eingesetzt werden, um den Nutzen f\u00fcr die Patienten zu dokumentieren. Dies kommt sowohl in der Schul- als auch in der Alternativmedizin vor.<\/p>\n<p>Ob es um Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, chirurgische Eingriffe oder psychologische Therapien geht \u2013 immer dann, wenn nicht auch ein patientenrelevanter Endpunkt kontrolliert wird, sollten \u00c4rzte und Patienten die Studien kritisch betrachten!<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde am 15.01.2023 erstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viele medizinische Parameter, die sich mit relativ geringem Aufwand messen lassen, so etwa der Blutdruck, der Cholesterinspiegel oder die Knochendichte. Anhand der Werte erkennt der Arzt, ob eine Behandlung anschl\u00e4gt, er sieht aber auch, wenn die Zahlen von der Norm abweichen.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":5030,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5029","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"modified_by":"Ren\u00e9 Gr\u00e4ber","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5029\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}