{"id":38,"date":"2024-01-06T07:10:29","date_gmt":"2024-01-06T05:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=38"},"modified":"2026-07-23T08:52:19","modified_gmt":"2026-07-23T06:52:19","slug":"wurde-ihr-arzt-selbst-nehmen-was-er-ihnen-verschreibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wurde-ihr-arzt-selbst-nehmen-was-er-ihnen-verschreibt\/","title":{"rendered":"W\u00fcrde Ihr Arzt selbst nehmen was er Ihnen verschreibt?"},"content":{"rendered":"<p>Als Patient sollten Sie sich immer fragen:<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrde Ihr Arzt selbst ein Medikament nehmen was er Ihnen verschreibt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>W\u00fcrde Ihr Arzt bei sich die Operation durchf\u00fchren lassen, die er selbst seinen Patienten empfiehlt?<\/strong><\/p>\n<p>Nun &#8211; wahrscheinlich k\u00f6nnen Sie sich die Antwort denken, wenn ich das schon frage&#8230;<\/p>\n<p>In einigen F\u00e4llen lautet die Antwort n\u00e4mlich NEIN.<\/p>\n<p>Als Arzt spricht man generell \u00fcber statistische Wahrscheinlichkeiten, Leitlinien und Therapieziele. Als Patient erlebt man M\u00fcdigkeit, \u00dcbelkeit, Muskelschmerzen, sexuelle Funktionsst\u00f6rungen, Benommenheit oder die Angst vor einer Komplikation. Auf dem Papier hei\u00dft das dann meist nur: \u201eNebenwirkungen m\u00f6glich.\u201c Solange der Patient die Tablette schluckt, bleibt die Nebenwirkung eine Zahl, aber sobald ein Arzt selbst betroffen ist, bekommt diese Zahl ein Gesicht&#8230; und dann schaut die Sache schon ganz anders aus.<\/p>\n<h2>\u00c4rzte entscheiden f\u00fcr sich anders als f\u00fcr ihre Patienten<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich beweist eine abweichende pers\u00f6nliche Entscheidung nicht, dass eine Therapie schlecht oder wirkungslos ist. Ein Arzt kann andere Vorerkrankungen, andere Risiken oder andere pers\u00f6nliche Vorstellungen haben als sein Patient.<\/p>\n<p>Es gibt aber inzwischen mehrere Untersuchungen, in denen \u00c4rzte bei <strong>identischen oder zumindest vergleichbaren Ausgangssituationen<\/strong> unterschiedliche Entscheidungen trafen \u2013 je nachdem, ob sie f\u00fcr einen Patienten oder f\u00fcr sich selbst entscheiden sollten.<\/p>\n<p>Und genau da wird es interessant.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<h2>Beispiel Migr\u00e4ne: <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/triptane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Triptane<\/a> f\u00fcr die Patienten &#8211; Zur\u00fcckhaltung bei sich selbst<\/h2>\n<p>Eine deutsche Studie untersuchte Schmerztherapeuten, Neurologen, Kopfschmerzspezialisten und Haus\u00e4rzte. Insgesamt nahmen 1.137 \u00c4rzte teil. Erfragt wurde unter anderem, wie \u00c4rzte ihre eigene Migr\u00e4ne behandelten und welche Therapien sie ihren Patienten empfahlen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war bemerkenswert: Von den Kopfschmerzspezialisten mit eigener Migr\u00e4ne nahmen nur <strong>36,4 Prozent selbst Triptane<\/strong>. Gleichzeitig hatten <strong>94,4 Prozent<\/strong> ihren Patienten Triptane empfohlen.<\/p>\n<p>Bei den Neurologen war der Unterschied noch gr\u00f6\u00dfer: Nur <strong>15,3 Prozent<\/strong> behandelten die eigene Migr\u00e4ne mit Triptanen, w\u00e4hrend <strong>95 Prozent<\/strong> diese Wirkstoffgruppe ihren Patienten empfahlen.<\/p>\n<p>Auch bei der medikament\u00f6sen Vorbeugung zeigte sich eine erhebliche Zur\u00fcckhaltung. Nur 5,9 Prozent der Kopfschmerzspezialisten mit Migr\u00e4ne nahmen selbst ein vorbeugendes Medikament. Praktisch alle hatten eine solche medikament\u00f6se Prophylaxe jedoch schon Patienten empfohlen.<\/p>\n<p>Nun muss man fair bleiben: Die \u00c4rzte wurden nicht danach gefragt, ob sie einem Patienten mit exakt derselben Migr\u00e4neh\u00e4ufigkeit, denselben Begleiterkrankungen und denselben bisherigen Behandlungserfahrungen dieselbe Therapie empfehlen w\u00fcrden. Au\u00dferdem bedeutete \u201eempfohlen\u201c, dass sie diese Behandlung \u00fcberhaupt schon einmal empfohlen hatten. Die Studie beweist daher nicht, dass Neurologen ihren Patienten Medikamente verordnen, die sie selbst grunds\u00e4tzlich ablehnen.<\/p>\n<p>Aber selbst die Autoren kamen zu dem vorsichtig formulierten Schluss, dass insbesondere Neurologen und Kopfschmerzspezialisten bei der Behandlung der eigenen Migr\u00e4ne erheblich zur\u00fcckhaltender mit spezifischen Akut- und Vorbeugemedikamenten waren als bei ihren Empfehlungen an Patienten.<\/p>\n<p>Mehr zu den Ursachen und naturheilkundlichen Behandlungsm\u00f6glichkeiten finden Sie in meinem Beitrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/migraene\/\">Migr\u00e4ne &#8211; Naturheilkunde und Naturheilmittel<\/a><\/p>\n<h2>Psychiater: F\u00fcr den Patienten das Medikament &#8211; f\u00fcr sich selbst erst einmal abwarten<\/h2>\n<p>Noch deutlicher wird der Unterschied bei einer randomisierten Untersuchung mit 515 deutschen Psychiatern. Die \u00c4rzte bekamen identische Fallbeschreibungen vorgelegt. Ein Teil sollte eine Therapie f\u00fcr einen Patienten empfehlen. Ein anderer Teil sollte sich vorstellen, selbst erkrankt zu sein.<\/p>\n<p>Im ersten Szenario ging es um depressive Beschwerden. Zur Wahl standen ein <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/antidepressiva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antidepressivum<\/a> oder zun\u00e4chst beobachtendes Abwarten. Im zweiten Szenario ging es um einen R\u00fcckfall bei Schizophrenie. Zur Auswahl standen ein t\u00e4glich einzunehmendes Medikament oder eine l\u00e4nger wirkende Depotinjektion.<\/p>\n<p>Wenn die Psychiater f\u00fcr Patienten entschieden, empfahlen sie \u00fcberwiegend die st\u00e4rker eingreifende und leitlinienn\u00e4here Variante: das Antidepressivum beziehungsweise die Depotinjektion. Wenn sie sich selbst als Patienten vorstellen sollten, entschieden sie sich h\u00e4ufiger f\u00fcr das Abwarten oder f\u00fcr die Tablette statt der Depotinjektion.<\/p>\n<p>Besonders aufschlussreich: Selbst wenn der Patient ausdr\u00fccklich fragte:<\/p>\n<p><strong>\u201eWas w\u00fcrden Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle w\u00e4ren?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>blieben die \u00c4rzte \u00fcberwiegend in ihrer professionellen Rolle und gaben weiterhin die Empfehlung, die sie einem Patienten geben w\u00fcrden und nicht die Behandlung, die sie f\u00fcr sich selbst gew\u00e4hlt hatten. Der Arzt antwortet auf diese Frage offenbar nicht unbedingt als Mensch, der sich in Ihre Lage versetzt. Er antwortet weiterhin als Arzt, der eine fachlich und rechtlich vertretbare Empfehlung abgeben muss.<\/p>\n<p>Das ist ein erheblicher Unterschied.<\/p>\n<h2>Haus\u00e4rzte unterscheiden ebenfalls zwischen sich und ihren Patienten<\/h2>\n<p>Bereits 2005 wurden 286 britische Haus\u00e4rzte gefragt, welche Behandlung sie bei sechs h\u00e4ufigen Beschwerden ihren Patienten empfehlen und welche Ma\u00dfnahmen sie f\u00fcr sich selbst akzeptieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch hier zeigten sich Unterschiede, unter anderem bei <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/hoher-blutdruck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bluthochdruck<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/antidepressiva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Depressionen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/verdauungsstoerungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verdauungsbeschwerden<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/rueckenschmerzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00fcckenschmerzen<\/a> und anhaltender <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/muedigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcdigkeit<\/a>. Die Abweichungen betrafen sowohl verschreibungspflichtige Medikamente als auch \u00dcberweisungen und erg\u00e4nzende Therapieverfahren.<\/p>\n<p>Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass \u00c4rzte bei unkomplizierten Beschwerden eher bereit waren, sich so behandeln zu lassen wie ihre Patienten. Bei Erkrankungen, die eng mit Leitlinien verbunden oder gesellschaftlich belastet waren, zeigte sich dagegen h\u00e4ufiger ein Prinzip nach dem Muster:<\/p>\n<p><strong>\u201eTun Sie, was ich Ihnen rate nicht unbedingt das, was ich selbst tun w\u00fcrde.\u201c<\/strong><\/p>\n<h2>Wenn \u00dcberleben und Lebensqualit\u00e4t gegeneinander stehen<\/h2>\n<p>Eine weitere Untersuchung stellte amerikanischen Haus\u00e4rzten zwei hypothetische Behandlungssituationen vor. Im ersten Szenario ging es um zwei Operationen bei Darmkrebs. Beide f\u00fchrten bei 80 Prozent der Patienten zu einer Heilung ohne Komplikationen. Eine Operation hatte eine niedrigere Sterblichkeit, konnte aber bei einigen Patienten zu einem k\u00fcnstlichen Darmausgang, chronischem <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/durchfall\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Durchfall<\/a>, Darmverschl\u00fcssen oder Wundinfektionen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die andere Operation vermied diese Komplikationen, war aber mit einer h\u00f6heren Sterblichkeit verbunden. Von den \u00c4rzten, die f\u00fcr sich selbst entscheiden sollten, w\u00e4hlten <strong>37,8 Prozent<\/strong> die Operation mit der h\u00f6heren Sterblichkeit, aber weniger m\u00f6glichen Folgeproblemen. Sollten sie einem Patienten eine Behandlung empfehlen, entschieden sich nur <strong>24,5 Prozent<\/strong> f\u00fcr diese Variante.<\/p>\n<p>Im zweiten Szenario ging es um eine experimentelle Behandlung bei einer schweren Virusinfektion. Auch hier entschieden sich \u00c4rzte f\u00fcr sich selbst h\u00e4ufiger gegen die Behandlung, obwohl dadurch ihr Sterberisiko h\u00f6her war. F\u00fcr ihre Patienten empfahlen sie dagegen h\u00e4ufiger die Therapie mit der besseren \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte daraus folgern, die \u00c4rzte behandelten ihre Patienten besonders gewissenhaft, weil sie deren \u00dcberlebenschancen maximieren wollten.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte aber ebenso fragen:<\/p>\n<p><strong>Warum ber\u00fccksichtigen \u00c4rzte bei sich selbst Lebensqualit\u00e4t, m\u00f6gliche Komplikationen und Unsicherheiten st\u00e4rker als bei ihren Patienten?<\/strong><\/p>\n<p>Genau diese Faktoren geh\u00f6ren schlie\u00dflich ebenfalls zu einer medizinischen Entscheidung.<\/p>\n<h2>Am Lebensende wird der Unterschied besonders sichtbar<\/h2>\n<p>Mehr als 4.300 \u00c4rzte wurden gefragt, ob sie sich bei einer unheilbaren Krebserkrankung f\u00fcr eine Hospizversorgung entscheiden w\u00fcrden. 64,5 Prozent stimmten dem entschieden zu, weitere 21,4 Prozent zumindest eher. Insgesamt konnten sich somit fast 86 Prozent der \u00c4rzte eine Hospizversorgung f\u00fcr sich selbst vorstellen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sollten sie angeben, wann sie mit einem Patienten sprechen w\u00fcrden, der nur noch eine gesch\u00e4tzte Lebenserwartung von vier bis sechs Monaten hatte. Nur <strong>26,5 Prozent<\/strong> wollten das Thema Hospiz sofort ansprechen.<\/p>\n<p>Fast die H\u00e4lfte (<strong>48,7 Prozent!)<\/strong>\u00a0wollte warten, bis keine nichtpalliativen Behandlungen mehr angeboten werden konnten. Andere warteten auf erste Symptome, eine Krankenhauseinweisung oder darauf, dass der Patient beziehungsweise seine Familie das Thema selbst anspricht.<\/p>\n<p>F\u00fcr sich selbst w\u00fcrden die meisten \u00c4rzte also fr\u00fchzeitig eine Versorgung erw\u00e4gen, bei der Lebensqualit\u00e4t und Beschwerdelinderung im Vordergrund stehen. Beim Patienten wird diese M\u00f6glichkeit h\u00e4ufig erst angesprochen, nachdem die gesamte therapeutische Maschinerie weitgehend abgearbeitet ist.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht zwangsl\u00e4ufig, dass \u00c4rzte ihren Patienten bewusst aggressive Behandlungen aufzwingen. Viele f\u00fcrchten vermutlich, dem Kranken Hoffnung zu nehmen. Manche wollen jede noch vorhandene Behandlungsm\u00f6glichkeit aussch\u00f6pfen. Andere warten darauf, dass der Patient den ersten Schritt macht.<\/p>\n<p>Nur: Wie soll der Patient eine M\u00f6glichkeit ansprechen, \u00fcber die ihn niemand aufgekl\u00e4rt hat?<\/p>\n<h2>Sterben \u00c4rzte wirklich anders?<\/h2>\n<p>H\u00e4ufig wird behauptet, \u00c4rzte w\u00fcrden am Lebensende grunds\u00e4tzlich auf Intensivmedizin und aggressive Behandlungen verzichten, weil sie deren Grenzen besser kennen. Die tats\u00e4chlichen Daten sind weniger eindeutig.<\/p>\n<p>Eine amerikanische Untersuchung ergab, dass \u00c4rzte etwas seltener im Krankenhaus starben, operiert oder auf einer Intensivstation behandelt wurden als die Allgemeinbev\u00f6lkerung. Die Unterschiede waren allerdings nicht gewaltig.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe kanadische Untersuchung mit 2.507 verstorbenen \u00c4rzten und 7.513 vergleichbaren Nicht\u00e4rzten zeigte dagegen ein gemischtes Bild. \u00c4rzte erhielten h\u00e4ufiger palliative Leistungen, wurden aber zugleich etwas h\u00e4ufiger auf einer Intensivstation behandelt. Unter den Krebskranken erhielten sie in den letzten sechs Lebensmonaten sogar h\u00e4ufiger eine Chemotherapie.<\/p>\n<p>\u00c4rzte lehnen die sogenannte Hochleistungsmedizin f\u00fcr sich selbst also keineswegs grunds\u00e4tzlich ab. Wahrscheinlich nutzen sie aufgrund ihres Wissens und ihrer Kontakte eher <strong>beide M\u00f6glichkeiten<\/strong>: intensive Behandlung, solange sie sich davon einen sinnvollen Nutzen versprechen \u2013 und palliative Unterst\u00fctzung, sobald Beschwerden und Lebensqualit\u00e4t in den Vordergrund treten.<\/p>\n<p>Genau diese differenzierte Beratung m\u00fcsste auch jedem normalen Patienten zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<h2>Ist das nun \u00e4rztliche Heuchelei?<\/h2>\n<p>Manchmal vielleicht, doch in vielen F\u00e4llen d\u00fcrfte das Problem tiefer liegen. Wenn \u00c4rzte f\u00fcr einen Patienten entscheiden, stehen sie unter einem anderen Druck als bei einer pers\u00f6nlichen Entscheidung. Sie m\u00fcssen Leitlinien beachten, ihre Empfehlung dokumentieren und sich m\u00f6glicherweise sp\u00e4ter daf\u00fcr rechtfertigen.<\/p>\n<p>Unterlassen sie eine Therapie und der Patient erleidet eine Komplikation, kann ihnen vorgeworfen werden, nicht alles medizinisch M\u00f6gliche getan zu haben. Verordnen sie dagegen eine leitliniengerechte Behandlung, sind sie formal meist auf der sicheren Seite \u2013 selbst wenn der individuelle Nutzen \u00fcberschaubar bleibt.<\/p>\n<p>Untersuchungen zur sogenannten defensiven Medizin zeigen, dass die Sorge vor Beschwerden, Ermittlungen oder Haftungsanspr\u00fcchen medizinische Entscheidungen tats\u00e4chlich beeinflussen kann. Dazu geh\u00f6ren zus\u00e4tzliche Untersuchungen, \u00dcberweisungen und Behandlungen, die nicht ausschlie\u00dflich aus medizinischer Notwendigkeit erfolgen.<\/p>\n<p>Der Arzt behandelt dann nicht nur den Patienten&#8230; Das &#8222;System&#8220; behandelt gewisserma\u00dfen den Arzt mit. Hinzu kommt ein psychologischer Unterschied: Wer einem anderen Menschen einen Rat gibt, konzentriert sich st\u00e4rker auf das messbare Therapieziel, etwa eine niedrigere R\u00fcckfallquote oder eine bessere \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit.<\/p>\n<p>Wer f\u00fcr sich selbst entscheidet, denkt zus\u00e4tzlich an den Alltag: Kann ich mit den Nebenwirkungen arbeiten? Wie stark beeintr\u00e4chtigt mich die Behandlung? Wie lange muss ich sie durchf\u00fchren? Was geschieht, wenn ich zun\u00e4chst abwarte? Kann ich sp\u00e4ter noch umsteigen?<\/p>\n<p>Auch \u00c4rzte sind vor solchen unterschiedlichen Gewichtungen nicht gesch\u00fctzt. Die Forschung zeigt gerade nicht, dass \u00c4rzte immer rational und Patienten immer emotional entscheiden. Beide Seiten haben Werte, \u00c4ngste und blinde Flecken.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2><strong>Die Frage muss genauer gestellt werden<\/strong><\/h2>\n<p>Die blo\u00dfe Frage \u201eW\u00fcrden Sie das selbst nehmen?\u201c reicht deshalb nicht immer aus.<\/p>\n<p>Ein Arzt kann ehrlich mit \u201eNein\u201c antworten, weil seine pers\u00f6nliche Situation anders ist. Er kann aber auch mit \u201eJa\u201c antworten, obwohl der Nutzen f\u00fcr den konkreten Patienten gering ist.<\/p>\n<p>Besser sind folgende Fragen:<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist mein pers\u00f6nlicher Nutzen?<\/strong><br \/>\nNicht nur relativ, sondern in absoluten Zahlen. Wie viele von 100 vergleichbaren Patienten profitieren tats\u00e4chlich?<\/p>\n<p><strong>Welches konkrete Ziel soll das Medikament erreichen?<\/strong><br \/>\nBeschwerden lindern, einen Laborwert ver\u00e4ndern oder nachweislich schwere Erkrankungen und Todesf\u00e4lle verhindern?<\/p>\n<p><strong>Wie lange muss ich es einnehmen?<\/strong><br \/>\nF\u00fcr einige Tage, mehrere Monate oder m\u00f6glicherweise lebenslang?<\/p>\n<p><strong>Welche h\u00e4ufigen Nebenwirkungen treten im Alltag auf?<\/strong><br \/>\nNicht nur die seltenen Katastrophen aus dem Beipackzettel, sondern M\u00fcdigkeit, Schwindel, Muskelschmerzen, Verdauungsprobleme, Schlafst\u00f6rungen und sexuelle Beschwerden.<\/p>\n<p><strong>Was geschieht, wenn ich zun\u00e4chst abwarte?<\/strong><br \/>\nIst sofortiges Handeln notwendig oder kann man erst Ern\u00e4hrung, Bewegung, Schlaf, Stressregulation oder andere Ursachen angehen?<\/p>\n<p><strong>Welche Alternativen gibt es?<\/strong><br \/>\nDazu geh\u00f6ren andere Medikamente, eine niedrigere Dosierung, nichtmedikament\u00f6se Verfahren und \u2013 sofern vertretbar \u2013 zun\u00e4chst gar keine Behandlung.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht der Ausstieg aus?<\/strong><br \/>\nWann wird \u00fcberpr\u00fcft, ob das Medikament noch n\u00f6tig ist? Kann es problemlos abgesetzt werden oder muss es langsam ausgeschlichen werden?<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich:<\/p>\n<p><strong>\u201eW\u00fcrden Sie sich unter exakt meinen Voraussetzungen genauso behandeln lassen \u2013 und weshalb?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Teil ist entscheidend. Nicht das Ja oder Nein ist besonders aufschlussreich, sondern die Begr\u00fcndung.<\/p>\n<h2>Ein guter Arzt muss diese Fragen aushalten<\/h2>\n<p>Ein Patient, der nachfragt, ist nicht schwierig. Er nimmt lediglich sein Recht auf eine informierte Entscheidung wahr. Ein guter Arzt wird nicht beleidigt reagieren. Er wird Nutzen und Risiken erkl\u00e4ren, Unsicherheiten benennen und zugeben, wenn es mehrere vern\u00fcnftige M\u00f6glichkeiten gibt. Leider h\u00f6re ich von meinen Patient meist etwas ganz anderes&#8230;<\/p>\n<p>Misstrauisch werde ich auch, wenn eine Therapie als \u201ealternativlos\u201c dargestellt wird, Nebenwirkungen angeblich kaum vorkommen und auf jede kritische Frage nur der Satz folgt: <strong>\u201eDas steht so in der Leitlinie.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Leitlinien k\u00f6nnen hilfreich sein&#8230; aber sie sind aber keine Gebrauchsanweisung f\u00fcr einen beliebigen Durchschnittsmenschen. Der Durchschnittspatient existiert nur in statistischen Berechnungen. Im Behandlungszimmer sitzt immer ein konkreter Mensch mit einer konkreten Vorgeschichte. Mehr zu diesem Problem finden Sie in meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medizinische-leitlinien-2013\/\">Medizinische Leitlinien &#8211; Warum ich mich weigern w\u00fcrde nur nach diesen behandelt zu werden&#8230;<\/a><\/p>\n<h2>Mein Fazit<\/h2>\n<p>Die Frage, ob ein Arzt seine eigene Therapieempfehlung auch selbst befolgen w\u00fcrde, ist keine wissenschaftliche Methode. Sie ersetzt weder eine Diagnose noch eine sorgf\u00e4ltige Nutzen-Risiko-Abw\u00e4gung.\u00a0Denn Studien zeigen deutlich: \u00c4rzte entscheiden f\u00fcr sich selbst tats\u00e4chlich h\u00e4ufig anders als f\u00fcr ihre Patienten. Nicht immer, weil sie es besser wissen. Nicht immer, weil die empfohlene Behandlung schlecht w\u00e4re. Aber oft, weil sie als Betroffene Nebenwirkungen, Lebensqualit\u00e4t, Unsicherheit und pers\u00f6nliche Werte anders gewichten.<\/p>\n<p>Genau diese \u00dcberlegungen stehen auch jedem Patienten zu. Medizin darf nicht darauf hinauslaufen, dass der Arzt verschreibt, der Patient schluckt und beide darauf hoffen, dass schon alles gutgehen wird. Eine Verordnung ist der Beginn einer Entscheidung und nicht deren Ende.<\/p>\n<p>Dennoch: setzen Sie verordnete Medikamente dennoch niemals eigenm\u00e4chtig ab. Gerade Blutdruckmittel, Psychopharmaka, Kortisonpr\u00e4parate, Betablocker, S\u00e4ureblocker und verschiedene Schmerzmittel k\u00f6nnen beim abrupten Absetzen erhebliche Beschwerden oder gef\u00e4hrliche Gegenreaktionen ausl\u00f6sen. Man muss also wissen was man tut&#8230;<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrend empfehle ich meine Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-nebenwirkung-tod\/\">Medikamente &#8211; Nebenwirkung Tod<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/bittere-arzneimittelstudien\/\">Arzneimittelstudien: Noch mehr bittere Pillen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikationsfehler-klinikeinweisungen\/\">250.000 Klinikeinweisungen wegen Medikamente-Fehlverschreibungen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Und machen wir uns nichts vor: \u00c4rzte sind auch nur Menschen. Und so kommt es leider auch zu einer sehr unsch\u00f6nen Statistik: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/aerzte-alkoholiker-medikamentenabhaengig-uebergewichtig\/\">\u00c4rzte \u2013 Alkoholiker, medikamentenabh\u00e4ngig und \u00fcbergewichtig<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde von mir im Jahr 2009 erstmalig ver\u00f6ffentlicht und letztmalig am 22.7.2026 vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Patient sollten Sie sich immer fragen: W\u00fcrde Ihr Arzt selbst ein Medikament nehmen was er Ihnen verschreibt? 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