{"id":2386,"date":"2017-04-12T10:09:54","date_gmt":"2017-04-12T08:09:54","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=2386"},"modified":"2025-10-22T09:48:34","modified_gmt":"2025-10-22T07:48:34","slug":"mehr-antibiotika-fuer-mehr-infektionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/mehr-antibiotika-fuer-mehr-infektionen\/","title":{"rendered":"Ein Teufelskreislauf: Mehr Antibiotika = Mehr Infektionen"},"content":{"rendered":"<p>Mein letzter Beitrag zu den lieben Antibiotika behandelte eine kleine Sensation: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/alte-antibiotika-neu-entdeckt\/\">Alte Antibiotika neu entdeckt<\/a>. Dieser Artikel zeigt, dass es vor rund 1000 Jahren von Menschen geschaffene Antibiotika auf nat\u00fcrlicher Basis gab, die nicht nur anti-mikrobiell wirken, sondern sogar die heute so gef\u00fcrchteten resistenten Keime zuverl\u00e4ssig eliminieren.<\/p>\n<p>Im Artikel hatte ich noch eine Reihe von weiterf\u00fchrenden Links zu diesem Thema angef\u00fchrt, vor allem zum Verschreibungsverhalten heutiger Schulmediziner. Denn die lassen sich (immer noch) nicht daran hindern, auch virale Infekte mit Antibiotika zu behandeln. \u00dcber diesen Irrsinn hatte ich auch bereits in meinem Grundsatzbeitrag zum &#8222;<a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Antibio.htm\">Fluch der Antibiotika<\/a>&#8220; berichtet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Das Argument das dann h\u00e4ufig aufgefahren wird: &#8222;Antibiotika als Prophylaxe&#8220;. Das h\u00f6rt sich auch erst einmal gut an&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>In der Online-Ausgabe des \u201eDeutschlandfunks\u201c gibt es eine Reihe von Beitr\u00e4gen zu diesem Thema, die einem die Haare zu Berge stehen lassen k\u00f6nnen. Unter <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/resistente-bakterien-wenn-antibiotika-wirkungslos-werden.709.de.html?dram:article_id=303569\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn Antibiotika wirkungslos werden<\/a> erfahren wir Folgendes:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Wir haben hier in der Universit\u00e4tsklinik einmal geschaut, wie viele Erreger denn eigentlich von Patienten schon zu uns mit ins Krankenhaus gebracht werden und waren sehr erstaunt, dass wir circa f\u00fcnf Prozent aller Patienten, die wir aufnehmen, schon mit multiresistenten Erregern besiedelt sehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Quellen der Keime sind vielf\u00e4ltig. Antibiotika w\u00fcrden in der Medizin zu h\u00e4ufig und oft an falscher Stelle gegeben, sagt Professor Klaus Pfeffer, Direktor des Instituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universit\u00e4tsklinikum D\u00fcsseldorf. Dadurch z\u00fcchte man regelrecht resistente Bakterien heran. Doch auch die Tierzucht tr\u00e4gt zum Problem bei.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wissen, dass in Deutschland <strong>1.700 Tonnen Antibiotika im Tierbereich<\/strong> eingesetzt werden, w\u00e4hrend etwa 300 Tonnen pro Jahr im medizinischen Bereich verabreicht werden.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Ein weiterer interessanter Beitrag des \u201eDeutschlandfunks\u201c besch\u00e4ftigt sich mit dem immer noch \u00fcblichen Ph\u00e4nomen, dass <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/medizin-aerzte-verordnen-zu-haeufig-antibiotika.697.de.html?dram:article_id=309434\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00c4rzte zu h\u00e4ufig Antibiotika verordnen,<\/a> jenseits aller Evidenzbasiertheit &#8211; eigenartigerweise.<\/p>\n<p><strong>Das alles erscheint v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich.<\/strong><\/p>\n<p>Denn inzwischen haben nicht nur die Naturwissenschaft, sondern auch eine Reihe von Schulmedizinern gelernt, dass ein erh\u00f6hter Einsatz von Antibiotika das Risiko von Resistenzen in fast gleichem Ma\u00dfe erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Nimmt man noch die \u201eleckeren\u201c Nebenwirkungen der Antibiotika der neueren Generation dazu (<a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/fluorchinolone-nebenwirkungen-2013\/\">Fluorchinolone mit Nebenwirkungen \u2013 Ein \u00e4rztliches Rezept f\u00fcr Desaster<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/gewoehnliches-antibiotikum-entpuppt-sich-als-killer-2012\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ein ganz gew\u00f6hnliches Antibiotikum entpuppt sich als \u201eKiller\u201c<\/a>), dann bleibt von einer Antibiotika-Therapie nur noch die Hoffnung \u00fcbrig, dass der Patient die Behandlung \u00fcberleben m\u00f6ge.<\/p>\n<p><strong>Dieses Szenario mutet makaber und paradox an.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDm2t\"><\/script><\/p>\n<p>Man fragt sich sofort, wenn keine Antibiotika, womit sollte man dann einen Patienten behandeln? Die Antwort ist zwar einfach aber nicht leicht:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine bakterielle Infektion sollte nur mit den Antibiotika behandelt werden, die sich exakt gegen den oder die Erreger richten, die die Infektion verursachen. Dazu sollte eine Antibiogramm erstellt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Meine zus\u00e4tzliche Forderung:<\/p>\n<ul>\n<li>Grunds\u00e4tzlich sollten nur schwere Infektionen mit Antibiotika behandelt und dann grunds\u00e4tzlich per Infusion. Die Behandlung mit Tabletten, Suspensionen, etc. sollte der Ausnahme vorbehalten sein. Dies macht es nat\u00fcrlich erforderlich minder schwere F\u00e4lle mit &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; Antibiotika zu behandeln &#8211; von denen die meisten Mediziner leider nur wenig oder gar nichts wissen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Stattdessen haben wir es fortlaufend mit folgendem Problem zu tun:<\/p>\n<h2>Breitspektrum-Antibiotika: Mit Kanonen auf Spatzen feuern!<\/h2>\n<p>Breitspektrum-Antibiotika sind Kanonen, die auf Spatzen feuern. Viele Infektionen lassen sich auch lokal behandeln. Dazu gibt es nat\u00fcrliche Alternativen, die nicht nur preiswerter, sondern auch vertr\u00e4glicher sind (<a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Natuerliche-pflanzliche-Antibiotika.htm\">Nat\u00fcrliche und pflanzliche Antibiotika: Schutz vor Infektionen und bakteriellen Erkrankungen<\/a>).<\/p>\n<p>Und auch f\u00fcr &#8222;Antibiotika als Prophylaxe&#8220;, gibt es meinen Informationen nach, nicht einen evidenzbasierten Beleg, dass es sich dabei um eine sinnvolle Methode zur Vorsorge gegen Infektionen handelt. Das hei\u00dft nicht, dass es keine solche Prophylaxe g\u00e4be. Die sieht jedoch vollkommen anders aus, als man es in der Schulmedizin handhabt.<\/p>\n<p>Wie soll es sonst gehen? Wenn in besonderen Situationen Feuer mit Feuer bek\u00e4mpft wird, warum sollte es keine Situationen geben, wo man Infektionen mit Bakterien bek\u00e4mpfen kann und ebenso deren multiresistente Vertreter?<\/p>\n<p>So paradox dies klingen mag, aber es gibt einen guten Grund, warum dies die beste und aussichtsreichste Prophylaxe \u00fcberhaupt gegen Infektionen und vor allem Resistenzbildung ist.<\/p>\n<p>Warum? Weil resistente Keime ein besonderes Milieu ben\u00f6tigen, um zu \u00fcberleben. Sie sind nicht unsterblich, sondern nur besonders virulent, wenn die Umgebung, wie in einem Krankenhaus zum Beispiel, zur Vermehrung einl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Und damit w\u00e4ren wir beim n\u00e4chsten Problem:<\/p>\n<h2>Problem: Resistente Krankenhauskeime<\/h2>\n<p>Resistente Krankenhauskeime erkennt man jetzt nicht daran, dass diese auch einen wei\u00dfen Kittel tragen. Vielmehr beg\u00fcnstigt die Medikation, die tagt\u00e4glich in den Patienten eingetrichtert wird, eine Vermehrung der Keime im Organismus, speziell im Gastrointestinaltrakt des Patienten. Und wenn es dann noch morgens und abends Antibiotika gibt, dann ist die Welt der resistenten Keime vollkommen in Ordnung.<\/p>\n<p>Verl\u00e4sst der Patient das Krankenhaus und stoppt seine Antibiotika-Zufuhr, dann beginnen schlechtere Zeiten f\u00fcr die resistenten Keime, falls der Patient nicht inzwischen schon ein manifestes Problem mit diesen Keimen bekommen hat.Der Mechanismus, der hinter diesem Ph\u00e4nomen steht, wurde erst neulich von amerikanischen Wissenschaftlern erkl\u00e4rt: <a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2015\/05\/20\/1500553112.abstract?sid=9421d543-ad73-4b1c-b3b3-ce52bb3395e9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pheromone killing of multidrug-resistant Enterococcus faecalis V583 by native commensal strains<\/a>.<\/p>\n<p>In dieser Arbeit sahen die Autoren zur eigenen \u00dcberraschung, dass ein experimenteller resistenter Bakterienstamm (V583) ohne weitere Zutun von einer vollkommen normalen Darmflora vernichtet wurde. Andere Keime, wie symbiotische Enterokokken, dagegen bl\u00fchten auf. Der Grund f\u00fcr die Vernichtung der resistenten Keime durch k\u00f6rpereigene Darmbakterien lag in einer Art \u201eKommunikationsdefizit\u201c.<\/p>\n<p>Bakterien sind in der Lage <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pheromon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pheromone<\/a> zu produzieren, die eine Art \u201eSprache\u201c der Bakterien untereinander ist. Diese Pheromone aktivieren genetische Informationen auf den Plasmiden anderer Bakterien. W\u00e4hrend Anordnung und Bestand dieser genetischen Informationen bei allen Darmbakterien praktisch identisch ist, sieht es bei den resistenten Keimen vollkommen anders aus.<\/p>\n<p>Die Autoren der Arbeit vermuten, dass die Pheromone hier Genabschnitte aktivieren, die im resistenten Keim unphysiologische Abl\u00e4ufe initiieren und so die Zellen in den Untergang treiben.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<h2>Antibiotika und die Darmflora<\/h2>\n<p>\u00dcber diesen Mechanismus halten sich die Darmbakterien unerw\u00fcnschte Konkurrenz vom Leibe. <strong>Kippt man jedoch unentwegt Antibiotika auf eine gesunde Darmflora, dann sinkt in erster Linie die Zahl der gesunden Bakterien<\/strong>, w\u00e4hrend die der resistenten Bakterien unber\u00fchrt bleibt \u2013 weil sie eine andere Art und Anordnung von Erbinformationen aufweisen, die f\u00fcr die Resistenz verantwortlich ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nun unter der Antibiotika-Therapie auch mehr Raum entsteht f\u00fcr unvorteilhafte Keime (ein Teil der Gesunden sind bereits vernichtet), entsteht somit ein Milieu, das enorme Vorteile f\u00fcr die resistenten Keime bietet: Mehr Lebensraum und immer weniger die Lebensfunktion st\u00f6renden Pheromone von der nat\u00fcrlichen Konkurrenz.<\/p>\n<p>Fazit vom Leiter der Autorengruppe: <strong>\u201e<em>Deshalb ist es genau der falsche Weg, Patienten vor Krankenhauskeimen sch\u00fctzen zu wollen, indem man ihnen prophylaktisch Antibiotika verabreicht\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ihn und seine Kollegen besteht eine erfolgversprechende Prophylaxe in der Erhaltung und Unterst\u00fctzung der nat\u00fcrlichen Darmflora. Auch sie wollen Infektionen nur mit den Medikamenten behandelt sehen, die gezielt gegen die Ursachen, sprich Krankheitserreger vorgehen. Dazu ist leider etwas mehr Arbeit seitens der behandelnden \u00c4rzte erforderlich, die vor der Gabe der Antibiotika erst einmal den Erreger isolieren und bestimmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Breitspektrum-Antibiotika sind hier die Alternative f\u00fcr bequem durchzuf\u00fchrende Gie\u00dfkannentherapien, mit der Hoffnung, einen der Erreger auch ohne eingehende Diagnose zu erwischen. Hier werden aber auf jeden Fall die Bakterien erwischt, die eigentlich die besten Freunde von Patient und Arzt sind \u2013 die <a href=\"http:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/darmerkrankungen\/darmbakterien.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Darmbakterien<\/a>.<\/p>\n<p>Und so verlassen wir jetzt den intensiv gr\u00fcbelnden Mediziner, der seine Patienten mehr als ausreichend mit Antibiotika versorgt hat \u2013 vollkommen konform mit den medizinischen Lehrb\u00fcchern &#8211; und die dennoch diese vermaledeite Infektion nicht loswerden. Dieses Szenario erinnert mich etwas an die intensiv gr\u00fcbelnde Hausfrau, die nicht verstehen kann, warum die Eier, die sie jetzt schon seit 2 Stunden kocht, immer noch nicht weich sind.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Wenn die Pflege der eigenen Darmflora die beste Prophylaxe gegen Infektionen und Resistenzbildung ist, dann sollte der Arzt Pro- und keine Anti-Biotika verschreiben.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Artikel zum weiterlesen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/nahrungsergaenzung\/probiotika.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Was sind Probiotika und Probiotische Arzneimittel?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/probiotika-reparieren-antibiotikabedingte-schaeden-2012\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Probiotika \u201creparieren\u201d antibiotikabedingte Sch\u00e4den <\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/probiotika-gehirnstoerungen-2015\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helfen Probiotika gegen Gehirnst\u00f6rungen?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Beitragsbild: 123rf.com &#8211; Natallia Yatskova<br \/>\nDer Beitrag wurde von mir im April 2017 erstellt und letztmalig am 11.4.2020 leicht \u00fcberarbeitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein letzter Beitrag zu den lieben Antibiotika behandelte eine kleine Sensation: Alte Antibiotika neu entdeckt. 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