{"id":2245,"date":"2016-10-06T19:17:53","date_gmt":"2016-10-06T17:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=2245"},"modified":"2023-10-05T19:54:23","modified_gmt":"2023-10-05T17:54:23","slug":"wechselwirkungen-medikamente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wechselwirkungen-medikamente\/","title":{"rendered":"Wechselwirkungen &#8211; Neue Medikationspl\u00e4ne f\u00fcr multiple Medikamentenschlucker"},"content":{"rendered":"<p>Da sage nochmal einer, man k\u00f6nne beim Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen nichts lernen. Da gab es einen hoch interessanten Beitrag bei &#8222;Volle Kanne&#8220; (ZDF), der sich mit Arzneimittelwechselwirkung auseinandersetzte. Grund f\u00fcr den Beitrag war die Absicht der Einf\u00fchrung von Medikationspl\u00e4nen f\u00fcr Patienten, die drei und mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Denn laut pharmakologischem Lehrsatz wirkt viel viel, aber erzeugt auch viel an Nebenwirkungen. Und wenn dann mehrere Arzneimittel gleichzeitig den Weg in den Organismus finden, kann es zu einer breiten Palette an m\u00f6glichen Wechselwirkungen kommen.<\/p>\n<p>Wie so etwas im Detail aussehen kann und welche verheerenden Wirkungen damit erzeugt werden k\u00f6nnen, das hatte ich unter <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-wechselwirkungen-2013\/\">Medikamente &amp; Wechselwirkungen \u2013 ein Fall f\u00fcr evidenzbasierte Unkenntnis<\/a> diskutiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im\u00a0Oktober 2016 sollte es also so weit sein: Patienten mit drei oder mehr Arzneimitteln werden mit einem Medikationsplan versehen (<a href=\"http:\/\/www.aerztezeitung.de\/praxis_wirtschaft\/rezepte\/article\/909677\/ab-oktober-start-herausforderung-medikationsplan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herausforderung Medikationsplan<\/a>). Warum und wozu? Diese Ma\u00dfnahme scheint Sinn zu haben, wenn man sich das Beispiel aus dem ZDF-Beitrag anschaut: Eine noch nicht ganz so alte Patientin hatte zus\u00e4tzlich zu ihrem Medikamenten-Cocktail noch vom Hausarzt ein Antibiotikum verordnet bekommen. Wof\u00fcr beziehungsweise wogegen?<\/p>\n<p>Gegen eine akute <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Bronchitis.htm\">Bronchitis<\/a>. In ihrer Stamm-Apotheke \u201eschl\u00e4gt der Computer zum Gl\u00fcck Alarm\u201c. Denn die Kombination des Antibiotikums mit der Dauermedikation h\u00e4tte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu betr\u00e4chtlichen Nebenwirkungen\/Wechselwirkungen gef\u00fchrt, wie lebensbedrohliche Herzrhythmusst\u00f6rungen. Ein Anruf beim Hausarzt kl\u00e4rte dann die Situation und das Medikament wurde ersetzt.<\/p>\n<p>Die hier geschilderte Situation ist suboptimal. Sie ist optimal insofern, als die Patientin eine Stamm-Apotheke hat, die ihre Patientendaten und Verordnungen in einem Computersystem gespeichert hat. Nur durch diesen Umstand konnte die Frau vor der Einnahme einer unvertr\u00e4glichen Kombination von Medikamenten gesch\u00fctzt werden. Oder mit anderen Worten: H\u00e4tte die Patientin ihr Antibiotikum in einer anderen Apotheke gekauft, w\u00e4re diese Unvertr\u00e4glichkeit beim Medikamenten-Mix erst dann aufgefallen, wenn es zu den Wechselwirkungen gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Hier stellt sich nat\u00fcrlich sofort die Frage, warum die Apotheke solche Stammdaten hat, die auf Wechselwirkungen testen und nicht der Hausarzt? Die Apotheke hat diese M\u00f6glichkeiten, da man als Apotheker die pharmakologische Seite der Behandlung besser kennt als der Arzt, der die Medikamente verordnet. Das liegt nicht zuletzt in der Natur der Ausbildung des Apothekers als Pharmakologe. Aber \u2013 und jetzt kommt die hirnrissige Kehrseite der medizinischen Praxis \u2013 er darf den Patienten kein Medikament verordnen. Das darf nur der Arzt, der sich aber mit den pharmakologischen Eigenschaften der Medikamente, die er verordnet, bei weitem weniger gut auskennt als der Apotheker, der sein Rezept entgegen nimmt.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Da nimmt es kaum Wunder, wenn Apotheker und Arzt unter Umst\u00e4nden nicht den besten Umgangston miteinander finden k\u00f6nnen. Denn aus pharmakologischer Sicht gibt es \u201eimmer mal wieder\u201c Verordnungen, die mit der Indikation des Patienten kaum was zu tun haben. Beispiel: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/noch-mehr-antibiotika-2014\/\">Antibiotika bei Vireninfektionen<\/a>. Oder aber, und das ist noch h\u00e4ufiger und noch un\u00fcbersichtlicher, es werden mehrere Medikamente oder Zusatzmedikamente zu bereits gegebenen Arzneimitteln verschrieben, deren Interaktion so ausgepr\u00e4gt ist, dass sie f\u00fcr den Patienten in einem pharmakologischen Desaster m\u00fcnden. Wenn dann der Apotheker korrigieren muss, dann kann das zu Reibungspunkten mit dem verordneten Arzt f\u00fchren, der sich auf sein alleiniges Recht auf Verschreibung beruft und sich vielleicht in seiner Berufsehre verletzt sieht.<\/p>\n<p>L\u00f6sung: Der Apotheker darf jetzt auch Verschreiben? Wenn dem so w\u00e4re, dann m\u00fcsste der Apotheker lernen, Krankheiten zu diagnostizieren. Aber dann w\u00e4re er kein Apotheker mehr, sondern schon fast ein Arzt. Ein Apotheker kennt sich in dem Moment besonders gut aus, wenn die Diagnose abgeschlossen, die Krankheit identifiziert und eine medikament\u00f6se Behandlung als Therapie gew\u00e4hlt worden ist. Und hier f\u00e4ngt der Arzt an, im Wissensschatten des Apothekers zu stehen, da in der Regel \u2013 und Ausnahmen best\u00e4tigen dieselbe \u2013 \u00c4rzte nur ein vergleichsweise rudiment\u00e4res Pharmakologiestudium absolvieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Daher ist es besser und praktikabler, die Pharmakologiekenntnisse des Arztes zu verbessern? Dazu m\u00fcsste der dann wieder die Schulbank dr\u00fccken, was aber auch keine L\u00f6sung ist. Die praktischste aller L\u00f6sungen ist die EDV mit einzubeziehen. Denn Wechselwirkungen zwischen Medikamenten sind so komplex und weitreichend, dass selbst ein waschechter Pharmakologe nicht in der Lage ist, hier einen kompletten \u00dcberblick zu bewahren. Ein Computer mit einem gut gestrickten Programm dagegen kann das hervorragend.<\/p>\n<p>So kommt im ZDF-Beitrag ein niedergelassener Arzt zu Wort, der die praktische L\u00f6sung f\u00fcr sich selbst schon realisiert hat. Der verordnende Arzt muss einfach in der Lage sein, die Neben- und Wechselwirkungen der von ihm verschriebenen Medikamente zu benennen. Und was da an Wissen fehlt, was aufgrund der Komplexit\u00e4t und Natur von Organismus und Pharmakologie keine Schande ist, kann \u00fcber eine geeignete Software gut kompensiert werden. Dazu muss der Arzt aber das erstellen, was jetzt im Oktober mit dem Wort \u201eMedikationspl\u00e4ne\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n<h2>Vorsicht L\u00fccke<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein elektronischer Medikationsplan und Wechselwirkung-Checker immer nur so gut wie die Software, die daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung steht. Aber auch bei einer guten Software gibt es noch eine Falle. Denn wenn Medikamente, die genommen werden, keinen Eingang in den Plan finden, dann funktioniert der Plan auch nicht. Das Gleiche gilt f\u00fcr die frei verk\u00e4uflichen Medikamente und auch f\u00fcr Naturheilmittel, die zum Teil ebenfalls Interaktionen mit Medikamenten haben k\u00f6nnen. Eine Software muss so programmiert sein, dass auch solche Interaktionen erfasst sind, sonst kann es zu unangenehmen \u00dcberraschungen kommen.<\/p>\n<p>Auch Prof. Glaeske von der Universit\u00e4t Bremen betont als erstes die Notwendigkeit, dass Patienten in ihrem Medikationsplan \u201enichts verschweigen\u201c. Und er betont auch den von mir weiter oben diskutierten Zwiespalt zwischen \u00c4rzten und Apothekern, wo eine so gute Kommunikation, wie im Film gezeigt, leider nicht der Normalfall zu sein scheint.<\/p>\n<p>Ab Oktober also wird der Hausarzt f\u00fcr seine Patienten einen Medikationsplan (auf Papier erst einmal) erstellen m\u00fcssen. In zwei Jahren soll dann das ganze System \u00fcber EDV, sprich eGK, laufen. Prof. Glaeske fordert eine Art \u201ekoordinierenden\u201c Arzt, der f\u00fcr die Eintr\u00e4ge beim Patienten zust\u00e4ndig ist. Denn es gibt etliche Patienten, die aufgrund weiterer Beschwerden andere Fach\u00e4rzte besuchen, die nat\u00fcrlich ihr Kontingent an Verschreibungen beisteuern.<\/p>\n<p>Diese Medikationen sollen ebenfalls in den Medikamentenplan eingetragen werden, damit jeder behandelnde Arzt, sei es Hausarzt oder Facharzt, sofort sehen kann, was der Patient an Medikamenten einnehmen muss. Sollte der Arzt dann Bedenken haben in Bezug auf Interaktionen, dann hat er entweder selbst eine Quelle, die ihm Aussagen dazu machen kann (Wechselwirkung-Checker) oder er ruft einen Apotheker (seines Vertrauens) an, der ihm die gew\u00fcnschte Information zukommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>So dringend die Notwendigkeit auf Seiten der Patienten besteht, alle Informationen zu den Medikamenten und Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln in den Plan einzutragen, um ein vollst\u00e4ndiges Bild zu erhalten, es gibt keine rechtliche Handhabe, die Patienten dazu zu zwingen. Wenn der Patient nicht will, dass sein Antidepressivum zum Beispiel im Medikationsplan erscheint, dann hat er das Recht, diese Angabe auszulassen.<\/p>\n<p>Wie die rechtliche Lage aussieht, wenn aufgrund von Auslassungen Interaktionen auftreten, dar\u00fcber kann ich nur spekulieren. Als normal und vielleicht auch naiv denkender Mensch w\u00fcrde ich vermuten wollen, dass es dann in die Verantwortung des Patienten f\u00e4llt, wenn er wissentlich Informationen unterschl\u00e4gt, aus welchem Grund auch immer, und dann nicht erkl\u00e4rbare Nebenwirkungen erh\u00e4lt.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Medikationsplan auf Papier und der Plan per eGK in zwei Jahren bietet die fast traumhaft zu nennende Chance, bei Patienten mit mehreren Medikamenten ein gediegenes Ma\u00df an Nebenwirkungen aufgrund von Wechselwirkungen zwischen den eingenommenen Arzneimitteln zu verhindern. Schwachstelle ist diesmal der Patient, der m\u00f6glicherweise keine vollst\u00e4ndigen Angaben machen kann oder will. Sollte der Arzt nachl\u00e4ssig sein, ergibt sich eine weitere Schwachstelle.<\/p>\n<p>Aber solche vollst\u00e4ndigen Informationen sollten gerade im Interesse des Arztes sein, damit er seine Patienten ohne vermeidbare Nebenwirkungen therapieren kann. F\u00fcr den Arzt ist es dann auch eine \u00dcberlegung wert, sich ein Computerprogramm zu beschaffen, mit dem man solche Wechselwirkungen bestimmen kann. Oder er heiratet eine Apothekerin.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Beitragsbild: pixabay.com &#8211; Matvevna<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sage nochmal einer, man k\u00f6nne beim Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen nichts lernen. Da gab es einen hoch interessanten Beitrag bei &#8222;Volle Kanne&#8220; (ZDF), der sich mit Arzneimittelwechselwirkung auseinandersetzte. Grund f\u00fcr den Beitrag war die Absicht der Einf\u00fchrung von Medikationspl\u00e4nen f\u00fcr Patienten, die drei und mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen m\u00fcssen. 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