{"id":2094,"date":"2017-11-18T00:45:28","date_gmt":"2017-11-17T22:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=2094"},"modified":"2023-10-10T18:44:06","modified_gmt":"2023-10-10T16:44:06","slug":"unnoetige-operationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/unnoetige-operationen\/","title":{"rendered":"Unn\u00f6tige Operationen? Das schulmedizinische Lottospiel"},"content":{"rendered":"<p>Zweifelte man noch vor 20 Jahren den Sinn einer Operation an, wurde man bestenfalls nur bel\u00e4chelt. Heute werden solche Dinge bereits in Fernsehreportagen und gro\u00dfen Tageszeitungen thematisiert.<\/p>\n<p>Und auch die Patienten werden (endlich!) hellh\u00f6riger und glauben nicht alles, was ihnen empfohlen wird!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor nahezu langer Zeit (2011) ver\u00f6ffentlichte ich\u00a0den Beitrag: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/in-deutschland-wird-zuviel-geroentgt\/\">In Deutschland wird zuviel ger\u00f6ntgt<\/a>. In diesem Beitrag werden die Ursachen f\u00fcr die R\u00f6ntgenflut diskutiert. Dabei fiel auf, dass die Entscheidung f\u00fcrs R\u00f6ntgen sehr h\u00e4ufig nicht auf medizinisch vertretbaren Gr\u00fcnden beruhte, sondern auf \u00f6konomischen Interessen. Nichts Neues also in unserem Medizinbetrieb. Aber es geht noch toller&#8230;<\/p>\n<h2>Noch toller: Die Operationen<\/h2>\n<p>F\u00fcr die Operationen der verschiedensten Art und Indikation gab es ebenfalls Vermutungen, dass hier mehr operiert wird, als medizinisch begr\u00fcndbar ist. Kniegelenkspiegelungen zum Beispiel sind eine Form der Operation, die von der evidenzbasierten Schulmedizin serienm\u00e4\u00dfig durchgezogen wird, f\u00fcr die es aber keine evidenzbasierten Studien f\u00fcr deren Wirksamkeit existieren: <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/kniegelenkspiegelung-unnoetig-operation-2011\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kniegelenkspiegelung \u2013 eine unn\u00f6tige Operation?<\/a><\/p>\n<p>Seit dem Juli\u00a02015 schl\u00e4gt die schulmedizinische \u201eHeilkunst\u201c (=Allopathie)\u00a0eine besonders lustige Form von Kapriolen. Laut Artikel der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c h\u00e4ngt die Gesundheit vom Wohnort ab. Damit ist aber nicht gemeint, dass Menschen in einer mit Smog verseuchten Gro\u00dfstadt unges\u00fcnder leben als andere in frischer Luft hoch oben in den Bergen. Das wohl auch. Nein \u2013 es scheint das Ph\u00e4nomen zu geben, dass in verschiedenen Orten verschieden h\u00e4ufig operiert und nicht nur ger\u00f6ntgt wird&#8230;<\/p>\n<p>Der Artikel weist gleich zu Beginn (wenn auch nicht explizit), darauf hin, dass dieses Ph\u00e4nomen kein typisch deutsches Ph\u00e4nomen ist. Denn der \u201eEntdecker\u201c der ortsspezifischen Operationsh\u00e4ufigkeiten ist ein amerikanische Epidemiologe. Dem war n\u00e4mlich aufgefallen, dass in dem Schulbezirk seiner Tochter nur ein Drittel der Kinder ihre Mandeln \u201eopfern\u201c mussten im Vergleich zum Nachbarbezirk. Aber das war in Amerika und seinerzeit vor 40 Jahren (1973).<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Heute sieht es nicht viel besser aus, in Amerika und in Deutschland. Denn der Artikel wei\u00df zu berichten, dass in Bad Kreuznach 107 von 10.000 Kindern an den Mandeln operiert werden, in Coburg und im Unterallg\u00e4u dagegen nur 15. Ein gewisser Dr. Hasenfu\u00df, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin, macht fehlende Leitlinien f\u00fcr diese seltsamen Unterschiede verantwortlich. Leitlinien? So was hatten wir doch schon mal: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medizinische-leitlinien-2013\/\">Medizinische Leitlinien \u2013 Gef\u00e4hrliche \u201eLeitplanken\u201c im Medizinverkehr<\/a>. Warum brauchen die Chirurgen noch besondere Leitlinien, wo sie doch angeblich eine evidenzbasierte Medizin betreiben? Und was n\u00fctzen Leitlinien, wenn nur 40 Prozent der Adressaten \u00fcberhaupt wissen, dass es sie gibt?<\/p>\n<p>Und danach kommt der unvermeidliche moralische Quark aus dem M\u00e4rchenwald vom helfenden und sich aufopfernden Arzt, der nur f\u00fcr seine Patienten da ist und vor lauter Sorge alle Untersuchungen und Operationen gleich dreimal beim gleichen Patienten durchf\u00fchrt. Denn doppelt gemoppelt h\u00e4lt viermal so lang.<\/p>\n<h2><em>Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kassieren sie noch heute<\/em><\/h2>\n<p>Nachdem der Leser wei\u00df, dass diese kleinen Fehlerchen nur ein Ergebnis \u00fcberschw\u00e4nglicher Sorge um den Patienten darstellen, kommt ein weniger zauberhafter Indikationskatalog auf den Tisch. Denn der Schreiber des Artikels mutma\u00dft, dass weniger die Sorge um die Patienten zu einer Entscheidung f\u00fcr eine OP f\u00fchrt, sondern \u201efinanzielle Anreize und eingeschliffene chirurgische Rituale\u201c.<\/p>\n<p>Die Sache mit den \u201efinanziellen Reizen\u201c habe ich ja schon immer als einen der realen Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Wirrwarr vermutet. \u201eRituale\u201c in der Chirurgie sind mir neu, was aber nicht hei\u00dfen muss, dass es sie nicht gibt. Ich bin nur \u00fcberrascht, dass Rituale eine Rolle spielen bei einer Entscheidung \u00fcber Gesundheit und Leben und Tod von anderen Menschen.<\/p>\n<p>So etwas kann im Hollywood Spielfilm vorkommen oder im M\u00e4rchenwald, wo der liebe Oberf\u00f6rster den b\u00f6sen Wolf operiert und ihm f\u00fcrsorglich ein paar Wackersteine in den Magen legt. Und weil er so besorgt ist, macht er diese Operation auch gleich dreimal. Aber Rituale in der Medizin sind ein Beleg f\u00fcr die Abwesenheit wissenschaftlicher Grundlagen. <strong>Oder halten Sie Rituale f\u00fcr das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung? Dann w\u00e4re jeder Urwald-Stamm in Afrika nobelpreisverd\u00e4chtig.<\/strong><\/p>\n<p>Der Artikel f\u00e4hrt fort, wie urwaldm\u00e4\u00dfig es in der evidenzbasierten Chirurgie in Deutschland zugeht. Da wird hier bei 50 von 10.000 Frauen die Geb\u00e4rmutter entfernt und andernorts sind es nur 20. Gallenblasen werden hier bei 17 Leuten entfernt, andernorts sind es 34.<\/p>\n<p>Bei den Bypass-OPs sieht es nicht besser aus: Hier 5, woanders 20 Byp\u00e4sse im gleichen Zeitraum bei vergleichbaren Patientenzahlen. Ein Sozialmediziner aus Regensburg nennt als weitere Ursache die \u201eVorlieben der Mediziner\u201c.<\/p>\n<p>Das\u00a0bedeutet aber nichts anderes, als dass zum Beispiel ein Kardiochirurg seine Herz-OP an den Mann bringen will, selbst wenn der Patient nur Schwei\u00dff\u00fc\u00dfe hat (oder abstehende Ohren). Denn jede OP bringt Geld &#8211; womit wir wieder beim \u201efinanziellen Anreiz\u201c w\u00e4ren. Oder operieren die Chirurgen ihre Patienten umsonst aus reiner Sorge um deren Wohlergehen? Und das ganz leitlinienfrei\u2026<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie doch einfach meinen kostenlosen und unverbindlichen Praxis-Newsletter an. Tragen Sie hier unten einfach ihre E-Mail Adresse ein. Sie k\u00f6nnen sich auch jederzeit wieder mit einem einfachen Klick abmelden&#8230;<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<h2><em>Operationen: National \u2013 international \u2013 ph\u00e4nomenal<\/em><\/h2>\n<p>Wenn es innerhalb der deutschen Grenzen einen so bunten Strau\u00df an verschiedenen Zahlen zu den gleichen Indikationen gibt, dann ist ein noch bunterer Strau\u00df auf internationaler Ebene zu erwarten, oder? Ja! Der Artikel bringt es auf den Punkt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<i>Schlie\u00dflich nimmt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Anzahl der Herzkatheter, bei Operationen der Leistenhernie und dem H\u00fcftgelenksersatz weltweit den ersten Platz ein. In den Kategorien Bypass, Knieersatz und Gallenblasen-OP steht Deutschland auf Platz zwei.\u201c<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn diese Spitzenpl\u00e4tze dann der Ausdruck der immerw\u00e4hrenden Sorge der Mediziner f\u00fcr uns schwache Patienten ist, dann m\u00fcssten wir froh aufatmen. Denn bei so einer Konstellation m\u00fcssen hier alle gesund sein, oder zumindest die meisten von uns. Aber der Oberf\u00f6rster schie\u00dft zur\u00fcck:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<i>Diese Spitzenpositionen sind kein Ruhmesblatt f\u00fcr das hiesige Medizin-System, denn ges\u00fcnder sind die Germanen deshalb nicht, im Gegenteil. In einschl\u00e4gigen Statistiken zum Wohlbefinden und der Lebenserwartung belegt Deutschland regelm\u00e4\u00dfig R\u00e4nge im hinteren Mittelfeld.\u201c<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>In der Schweiz gibt es das gleiche Ph\u00e4nomen, nur dass hier keine regionalen Unterschiede eine Rolle spielen, sondern soziale. Denn bei Frauen werden zu 16 Prozent Total-OPs durchf\u00fchrt. Bei Frauen mit Universit\u00e4tsabschluss werden im Durchschnitt bei 14 Prozent eine Total-OP durchf\u00fchrt. Bei \u00c4rztinnen zu 10 Prozent und bei Ehefrauen von Rechtsanw\u00e4lten zu nur 8 Prozent.<\/p>\n<h3>25% mehr Operationen in 6 Jahren<\/h3>\n<p>Aber schon 2013 nahm sich der \u201e\u201eSpiegel\u201c dieses Themas an (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/operationen-chirurgen-greifen-so-haeufig-zum-skalpell-wie-noch-nie-a-929718.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Chirurgie: In deutschen Kliniken wird so viel operiert wie noch nie<\/i><\/a>). Hier k\u00f6nnen wir nachlesen, welche seltsamen Bl\u00fcten die Sorge der \u00c4rzte um ihre verehrten Patienten zu treiben in der Lage ist. Vor lauter Sorge wurden dann prim\u00e4r am Darm, der Galle und den H\u00fcftgelenken operiert. Die Zahl der Operationen stieg von 2005 bis 2011 um 25 Prozent.<\/p>\n<h3>Deutschland: fast doppelt so viele k\u00fcnstliche H\u00fcft- und Kniegelenke wie im EU-Vergleich<\/h3>\n<p>Die \u201eZeit\u201c machte im selben Jahr dieselbe Beobachtung: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wissen\/gesundheit\/2013-08\/operationen-deutschland-gesundheitsministerium\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Zahl der Operationen steigt rapide<\/i><\/a>. Auch hier werden die \u201e\u201eSpiegel\u201c-Zahlen genannt, dass von 2005 bis 2011 drei Millionen Operationen = +25 Prozent mehr durchgef\u00fchrt worden sind. Demnach ist Deutschland Europameister bei den H\u00fcft-OPs. Bei Knie-OPs und Kaiserschnittgeburten liegt Deutschland ebenfalls auf einem Medaillenplatz. So erhalten in Deutschland fast doppelt so viele Patienten k\u00fcnstliche H\u00fcft- und Kniegelenke wie im EU-Vergleich.<\/p>\n<p>Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es erhebliche Abweichungen bei durchgef\u00fchrten Operationen und kostspieligen Diagnose-Verfahren. Eine umfassende ARD-Recherche offenbarte geradezu skandal\u00f6se Zahlen. Sp\u00e4testens seit der Ver\u00f6ffentlichung des Beitrages \u201eOperieren und kassieren &#8211; Ein Klinik-Daten-Krimi\u201c vom Juni 2017 ist die unverantwortliche Abzockerei vieler Kliniken und \u00c4rzte ein offenes Geheimnis.<\/p>\n<p>Die ARD-Journalisten wandten sich ans Heidelberger Institut f\u00fcr theoretische Studien mit der Bitte, ein Programm zu entwickeln, das solche regionalen Auff\u00e4lligkeiten offenbart. Die IT-Spezialisten hoben daraufhin die Software \u201eOperations-Explorer\u201c aus der Taufe. Damit konnten dann Daten vom statistischen Bundesamt in Sekundenschnelle analysiert werden. Informationen von 130 Millionen Krankenhausbehandlungen aus einem Zeitraum von 7 Jahren k\u00f6nnen ganz einfach auf den Punkt gebracht werden. Der Operations-Explorer kann die H\u00e4ufigkeit von Operationen der jeweiligen Herkunft der Patienten zuordnen.<\/p>\n<h5>So erweisen sich die Bayern als Spitzenreiter bei Knie- und H\u00fcft-Prothesen. Herzschrittmacher werden in dem Bundesland gar doppelt so h\u00e4ufig implantiert wie im Bundesdurchschnitt.<\/h5>\n<p>Solche statistischen Ausrei\u00dfer betreffen immer lukrative Eingriffe wie beispielsweise auch Operationen an der Hand. Seltsamerweise scheinen die Einwohner im Kreis Euskirchen sehr zerbrechliche H\u00e4nde zu haben, die viermal h\u00e4ufiger operiert werden m\u00fcssen als im Bundesvergleich. In einigen Landkreisen Th\u00fcringens m\u00fcssen sich offensichtlich Computer-Tomogrphen ordentlich amortisieren, denn dort werden deutschlandweit die meisten Bauch-CTs durchgef\u00fchrt. Die Kaiserschnitt-Statistik zeigt geradezu noch die alte Teilung Deutschlands an: Die alten Bundesl\u00e4nder liegen hier ganz oben im Ranking. An den westdeutschen Frauen kann es wohl kaum liegen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Nur wenige \u00c4rzte wollten gegen\u00fcber den ARD-Reportern offen \u00fcber die an wirtschaftlichen Aspekten orientierte Krankenhaus-Medizin sprechen. Seine Meinung dazu sagte aber der Chefarzt des Klinikums Fulda, Prof. Dr. Robert Behr. Er ist Zweitgutachter, wenn es um Wirbels\u00e4ulen-Operationen geht und h\u00e4lt viele R\u00fccken-OPs f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Vielfach w\u00e4re eine konservative Behandlung sinnvoller, die aber nicht so hoch verg\u00fctet wird. Zudem hat die Zahl der Neurochirurgen in der Region sehr stark zugenommen und damit stieg dann auch die Zahl der Operationen. Die Patienten werden demnach wider besseres Wissen zur Operation gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<h2>S\u00fcd-Hessen: R\u00fccken Op\u00b4s doppelt so h\u00e4ufig wie im Rest der Republik<\/h2>\n<p>Isabella Erb-Herrmann beklagt ebenfalls, dass in S\u00fcd-Hessen die Wahrscheinlichkeit einer R\u00fccken-Operation doppelt so hoch ist wie bei Patienten anderswo. Die Fachfrau muss es wissen, denn sie ist im Vorstand der AOK Hessen.<\/p>\n<p>Einer der schwerwiegendsten Eingriffe an der Wirbels\u00e4ule ist die Versteifungs-Operation.\u00a0 Dabei werden zwei oder mehrere Wirbel mittels einer Metall-Konstruktionen verblockt. Die Anwendung dieses Verfahrens hat in Bad-Hersfeld von 2009 bis 2017 um 49 % zugenommen, in Fulda sogar um 125 %! F\u00fcr ein Wunder h\u00e4lt Isabella Erb-Herrmann das nicht. Denn die Fall-Pauschale f\u00fcr die Versteifung von 3 Wirbeln betr\u00e4gt\u00a0 7.950,74 \u20ac. 4 bis 6 Wirbel zu verschrauben kostet die Versicherten 14.625,31 \u20ac. Konsiliar-\u00c4rzte, die die Patienten in die Klinik schicken, erhalten davon ein \u201eHonorar\u201c (Provision) von 18 %. Mit einem Trick werden die Kosten noch weiter in die H\u00f6he getrieben: wenn n\u00e4mlich zwei Segmente (z.B. Brust- und Lendenbereich) verblockt werden sollen, so geschieht dies in zwei Schritten. Zwei Operationen sp\u00fclen halt mehr Geld in die Kassen als nur eine.<\/p>\n<p>Osthessen ist auch der Tatort eines schicksalhaften Einzelfalles, von dem die ARD berichtet. Eine Patienten wurde 7 mal an der Wirbels\u00e4ule operiert und war danach zu 60 % schwerbehindert. Uwe Oppel vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ist mit dem Fall befasst. Er konnte in der gesamten Akte keine relevante Indikation f\u00fcr die Operationen erkennen. Noch nicht einmal eine Anamnese wurde erstellt und dokumentiert.<\/p>\n<p>Der \u201eTagesspiegel\u201c brachte 2014 einen Beitrag, der sofort mit einer Erkl\u00e4rung begann. Leider war es nicht die Sorge um die Patienten, die laut \u201eTagesspiegel\u201c die \u00c4rzte zu den Klingen greifen lie\u00df, sondern der Preis der medizinischen Anwendung: <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/studie-zu-unnoetigen-eingriffen-im-krankenhaus-je-hoeher-der-preis-desto-oefter-wird-operiert\/10181820.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>Je h\u00f6her der Preis, desto \u00f6fter wird operiert<\/i><\/a>.<\/p>\n<p>Und so f\u00e4ngt die Kommentierung einer diesbez\u00fcglich durchgef\u00fchrten Studie mit einem Paukenschlag an:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<i>Eine neue Studie erh\u00e4rtet einen lang gehegten Verdacht: <strong>Viele Operationen lohnen sich eher f\u00fcr das Krankenhaus als f\u00fcr den Patienten.<\/strong> Allein zwischen 2007 und 2012 ist die Zahl der station\u00e4ren F\u00e4lle in deutschen Kliniken um 8,4 Prozent gestiegen.\u201c<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Studie wurde vom Hamburger Center for Health Economics und der TU Berlin durchgef\u00fchrt. Und die Ursache f\u00fcr einen so dramatischen, oder sagen wir besser \u201esignifikanten\u201c Anstieg von Behandlungszahlen und teuren Eingriffen war f\u00fcr die Autoren der Studie nicht mit einem Altersanstieg in Deutschland zu erkl\u00e4ren und auch nicht durch \u201eh\u00f6here Krankheitsanf\u00e4lligkeit oder Behandlungsbed\u00fcrftigkeit der B\u00fcrger\u201c.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn es eine solch h\u00f6here Krankheitsanf\u00e4lligkeit und Behandlungsbed\u00fcrftigkeit g\u00e4be, dann bliebe immer noch zu fragen, warum eine so evidenzbasierte und f\u00e4hige Medizin hier keine Abhilfe zu schaffen in der Lage ist? So oder so, warum werden mehr und mehr Menschen behandelt, wenn die Medizin heutzutage von Durchbr\u00fcchen nur so wimmelt? Eine erfolgreiche Medizin w\u00fcrde sich nach meinem Verst\u00e4ndnis dadurch auszeichnen, dass sie signifikant die Zahl der Kranken senkt und nicht erh\u00f6ht.<\/p>\n<h2>Selbst Chef\u00e4rzte klagen \u00fcber sinnlose Operationen<\/h2>\n<p>Im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220121025736\/https:\/\/www.mm.wiwi.uni-due.de\/fileadmin\/fileupload\/BWL-MEDMAN\/Downloads\/Reifferscheid_et_al_2015.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Studie des Instituts f\u00fcr Medizinmanagement der Uinviversit\u00e4t Duisburg-Essen<\/em><\/a> beklagten sogar 39 % der Chef\u00e4rzte, dass in ihren Kliniken v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssige Operationen durchgef\u00fchrt werden. Studien-Leiter Prof. Dr. J\u00fcrgen Wasem sieht den wirtschaftlichen Druck im Gesundheits-System als Haupt-Ursache des Missstandes.<\/p>\n<p>Der Druck der Klinik-Leitungen auf die \u00c4rzte zu immer mehr Operationen ist seit der Einf\u00fchrung des Fall-Pauschalen-Prinzips stetig gewachsen. Ein Bandscheibeneingriff bringt dem Krankenhaus mehrere tausend Euro ein, w\u00e4hrend es bei einer konservativen Behandlung nur ein paar hundert sind. Die Grundversorgung wie die Notfallbehandlung ist ein Verlustgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist ein regelrechter Konkurrenz-Kampf der Kliniken um Patienten entbrannt, denen Operationen aufgedr\u00e4ngt werden k\u00f6nnen. Weniger auf das Wohl der Kranken als auf schwarze Zahlen richtet sich nun der Blick der Kliniken. Politisch war das sogar das Ziel der Gesundheits-Reform.<\/p>\n<p>Krankenh\u00e4user sollten nach \u00f6konomischen Grunds\u00e4tzen agieren, was zum Schaden des Patienten geriet, wie sich zunehmend herausstellt. Und die \u00fcberfl\u00fcssigen Kosten sind alles andere als wirtschaftlich. Die Fall-Pauschale ist demnach eine nach allen Kriterien falsche Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<h2>Kliniken sanieren sich mit sinnlosen Operationen<\/h2>\n<p>Nachdem wir wissen, dass die Zunahme an Operationen nicht auf einem Mehr an Kranken beruht und auch die \u00e4rztliche Sorge um die Patienten nur eine bunte Fassade ist, die die von Gier gepr\u00e4gte Einstellung der Schulmedizin verdecken hilft, kommen wir zur Aufl\u00f6sung des R\u00e4tsels mit sieben Siegeln. Dass es finanzielle Erw\u00e4gungen sind, das hatten wir schon angepeilt. Wie die aussehen, das erfahren wir in einem \u201eWelt\u201c-Artikel: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article134934655\/Kliniken-sanieren-sich-mit-sinnlosen-Operationen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kliniken sanieren sich mit sinnlosen Operationen<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h3>Zauberwort: FALLPAUSCHALE<\/h3>\n<p>Und das Zauberwort, das Abrakadabra, das medizinische Bem\u00fchungen zu Gold verwandelt, hei\u00dft \u201eFallpauschale\u201c. Hintergrund der Fallpauschale ist der Gedanke, dass die Krankenkasse f\u00fcr jeden Patienten je nach Krankheit einen bestimmten Fixbetrag an das Krankenhaus bezahlt. Wird die medizinische Behandlung teuer als der Fixbetrag = Fallpauschale, dann arbeitet das Krankenhaus umsonst beziehungsweise macht Verluste. Eine Fallpauschale f\u00fcr ein neues H\u00fcftgelenk betr\u00e4gt stolze 6700 Euro, ein Kaiserschnitt 2400 Euro.<\/p>\n<p>Wird der Patient aber so schnell und rationell behandelt, dass die bei der Behandlung entstehenden Kosten unter den bezahlten 6700 Euro liegen, dann macht das Krankenhaus einen Gewinn. Und Kosten entstehen durch Personal, Verweildauer, Material und so weiter. So kann es dann kommen, dass man nicht so gutes Material f\u00fcr die neue H\u00fcftprothese eingesetzt bekommt, da das Krankenhaus einen guten Preis bei einem Billighersteller bekommen hat. Es ist mehr als auff\u00e4llig, dass die Verweildauer der Patienten im Zeitraum von 1993 bis 2013 um 40 Prozent abgenommen hat: 1993 betrug sie durchschnittlich noch 12,6 Tage \u2013 2013 nur noch 7,5 Tage. <strong>Denn wer seine Kunden schnell rausschmei\u00dft, der schafft Platz f\u00fcr neue zahlende Kunden und der Durchsatz, beziehungsweise Umsatz, geht in die H\u00f6he.<\/strong><\/p>\n<p>Teure Operationen sind dann der n\u00e4chste Schritt, um \u00f6konomisch effektiv zu arbeiten. Aber teure Operationen sind oft Spezialgebiete, die einen Spezialisten erfordern, der wieder ein Spezialistengehalt fordert. Da kann es durchaus auch einmal sein, dass ein weniger qualifizierter Arzt eine teure Operation durchzuf\u00fchren hat, f\u00fcr die er eigentlich keine richtige Ausbildung bekommen hat. Aber das ist nicht so schlimm. <strong>Hauptsache das Krankenhaus macht Gewinn, und das ist ja dann am Ende auch f\u00fcr die Patienten gut, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Und damit ist auch klar, warum man im Zweifel immer eine teure Operation von Seiten des Krankenhauses bevorzugt. Eine einfache L\u00f6sung ist finanziell nicht attraktiv genug f\u00fcr das Krankenhaus. Damit wird das urspr\u00fcnglich anvisierte Sparprogramm im Gesundheitswesen zur gro\u00dfen Geldschleuder.<\/p>\n<p>Die Leidtragenden sind die Patienten, die entweder \u00fcbertherapiert (Gehirntransplantation um Fu\u00dfschwei\u00df zu kurieren) und dann zu fr\u00fch nach Hause geschickt werden oder so gut wie gar nicht therapiert, weil die Fallpauschale so wenig abwirft. Ich will aber nicht das Krankenhauspersonal vergessen, das aufgrund der Personaleinsparung unter enormen Zeitdruck steht, \u00c4rzte mit inbegriffen. Hier kann selbst der beste Arzt mit den lautersten Absichten keinen Fu\u00df auf den Boden bekommen, da er und das Pflegepersonal zu Flie\u00dfbandarbeitern im wei\u00dfen Kittel degradiert worden sind.<\/p>\n<h2>Die L\u00f6sung des Problems?<\/h2>\n<p>Da man von Seiten der Bundesregierung und dem Bundesgesundheitsamt alles in Ordnung findet, k\u00f6nnte man sich eine kleine Korrektur vorstellen, damit auch nur die Operationen durchgef\u00fchrt werden, die wirklich notwendig sind.<\/p>\n<p>Wie? Indem man das Recht des Patienten st\u00e4rkt, eine Zweitmeinung einzuholen. Das Ganze nennt sich dann \u201eVersorgungsst\u00e4rkungsgesetz\u201c &#8211; ein f\u00fcrwahr tolles Wortgebilde. Seit dem Inkrafttreten im Juli 2015\u00a0darf ein externer Mediziner die Diagnose und Therapie seines Kollegen im Krankenhaus anzweifeln und dem Krankenhaus einen Strich durch die Rechnung machen.<\/p>\n<p>Im Gegenzug wird das Krankenhaus aus lauter Dankbarkeit fortan keine Patienten mehr an diesen Kollegen \u00fcberweisen. Somit ist allen gedient, indem man sich gegenseitig in die Pfanne haut.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Teure Operationen sind das Resultat wirtschaftlicher Bem\u00fchungen, die Behandlungskosten zu senken. Die Realit\u00e4t schl\u00e4gt erbarmungslos zu, nachdem man das M\u00e4rchenbuch zugeklappt hat.<\/p>\n<p>Und statt die Fallpauschale als Drehpunkt f\u00fcr diese unheilvolle Entwicklung fallen zu lassen, werden noch mehr Klippen und Untiefen geschaffen, die f\u00fcr noch mehr Turbulenzen im Gesundheitswesen sorgen werden. Es lebe das evidenzbasierte Chaos und das Versorgungsst\u00e4rkungsgesetz.<\/p>\n<p>Vertreter der Krankenkassen und verantwortungsbewusste \u00c4rzte sehen derzeit keine M\u00f6glichkeit, dem unheilvollen Treiben ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p><strong>Wann greift die Politik ein?<\/strong> Beispielsweise dadurch, das die Verg\u00fctung verschiedener Therapie-M\u00f6glichkeiten angeglichen werden. Auf diese Weise entfiele der Druck auf Kliniken und \u00c4rzte, zuerst zu operieren, statt es erst mit konservativen Heilverfahren zu versuchen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde erstmalig im August 2015 erstellt und letztmalig am 11.8.2019 aktualisiert. Beitragsbild: fotolia.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweifelte man noch vor 20 Jahren den Sinn einer Operation an, wurde man bestenfalls nur bel\u00e4chelt. Heute werden solche Dinge bereits in Fernsehreportagen und gro\u00dfen Tageszeitungen thematisiert. Und auch die Patienten werden (endlich!) hellh\u00f6riger und glauben nicht alles, was ihnen empfohlen wird!<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":3123,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[161,160,313,158],"class_list":["post-2094","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-heilverfahren","tag-huftschmerzen","tag-knieschmerzen","tag-operationen","tag-ruckenschmerzen"],"modified_by":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2094"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2094\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}