{"id":2035,"date":"2015-04-24T22:06:59","date_gmt":"2015-04-24T20:06:59","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=2035"},"modified":"2023-08-11T09:40:16","modified_gmt":"2023-08-11T07:40:16","slug":"schwankender-blutdruck-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/schwankender-blutdruck-2015\/","title":{"rendered":"Schwankender Blutdruck und seine noch schwankendere evidenzbornierte Behandlung"},"content":{"rendered":"<p>Aus der Schweiz kommt eine fast als unglaublich zu benennende Kunde: <a href=\"http:\/\/www.infosperber.ch\/Artikel\/Gesundheit\/Bluthochdruck-Hypertonie-Diabetes-Grenzwert-gesenkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00c4rzte erh\u00f6hen Schwelle f\u00fcr Blutdruck-Medikamente<\/a>. Vor vier Jahren hatte ich zu diesem Thema einen Beitrag gebracht: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/blutdruck-und-seine-normwerte\/\">Blutdruck und seine Normwerte<\/a>. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Gleichmacher-Regel \u2013 120\/80 mmHg ist der goldene Standard f\u00fcr jedes Alter \u2013 schon unter Beschuss. Aber f\u00fcr die schulmedizinischen Koryph\u00e4en sind solche einfach zu handhabenden Grenzwerte schon evidenzbasierte Wissenschaft, als wenn Wissenschaft so einfach w\u00e4re.<\/p>\n<p><!--more-->Ein Jahr sp\u00e4ter, also 2012, zogen die Wissenschaftler des Cochrane Instituts nach. Was sie herausfanden, war eine empfindliche Ohrfeige f\u00fcr den Anspruch der Evidenzbasiertheit seitens der Schulmedizin im Bezug auf die Behandlung von Bluthochdruck. Denn die ehemals gepriesenen Cochrane Leute behaupteten: <a href=\"http:\/\/www.cochrane.org\/CD006742\/HTN_benefits-of-antihypertensive-drugs-for-mild-hypertension-are-unclear\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benefits of antihypertensive drugs for mild hypertension are unclear<\/a>. Wurde eine Cochrane Arbeit \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.vitalstoffmedizin.com\/Nuetzen-Vitalstoffe.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vitamine<\/a> und deren m\u00f6gliche sch\u00e4dlichen Wirkungen von der Schulmedizin als der Beweis schlechthin angesehen, dass nur rezeptpflichtige Chemie heilen kann und die Natur nur Ungemach f\u00fcr uns alle in petto hat, st\u00fcrzte sich eigenartigerweise niemand von der Schulmedizin auf diese Cochrane Arbeit, die nicht weniger \u201eevidenzbasiert\u201c als die Vitamin-Meta-Analyse ist. Aber was genau sagt diese Meta-Analyse aus, die von der Schulmedizin so schamhaft verschwiegen wird?<\/p>\n<h3>Die Meta-Studie mit dem Mega-GAU-Ergebnis<\/h3>\n<p>Kurz und knapp: Die anti-hypertensive Behandlung von Patienten mit leichter Hypertonie (Stadium 1) zeigt keinen Nutzen. Was hei\u00dft das? Und was hei\u00dft \u201eleichte Hypertonie\u201c? (<a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/krankheiten\/herzkrankheiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr zu Herzkrankheiten finden Sie hier<\/a>)<\/p>\n<p>Insgesamt wurden die Daten von vier randomisierten, doppelblinden, Placebo kontrollierten, klinischen Studien nachanalysiert. Diese vier Studien umfassten 8912 Patienten mit \u201eleichtem\u201c Bluthochdruck. Dies sind Patienten mit einem Blutdruck, der zwischen 140 und 159 mmHg systolisch und 90 und 99 mmHg diastolisch liegt. Man beachte hier, dass man hier bereits weit von der \u201eGold-Regel\u201c von 120\/80 mmHg entfernt ist. Diese Patienten wurden \u00fcber einen Zeitraum von vier bis f\u00fcnf Jahren behandelt. Ergebnis: Keine Reduktion der Mortalit\u00e4t aufgrund der Behandlung, keine Reduktion der koronaren Herzkrankheit und der Schlaganf\u00e4lle. Patienten mit einer zuvor bestehenden kardiovaskul\u00e4ren Erkrankung waren allerdings von der Erhebung ausgeschlossen worden.<\/p>\n<p>Kommentar der Autoren: Es ist notwendig, dass es zu einem dramatischen Umdenken bei der Behandlung der leichten Hypertonie seitens der Schulmedizin kommt. Diese Patienten sollten ihre Blutdruckpillen fortwerfen und stattdessen weitaus effektivere Ma\u00dfnahmen zur Blutdruckkontrolle ergreifen. Und das sind laut Meinung der Autoren: K\u00f6rperliche Bewegung, kein Rauchen, ausgewogene und gesunde Ern\u00e4hrung, wie sie zum Beispiel bei der <a href=\"http:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/diaet\/mittelmeerdiaet-kretadiaet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mittelmeer-Di\u00e4t<\/a> gegeben ist (aus British Medical Journal: <a href=\"http:\/\/www.bmj.com\/content\/345\/bmj.e5511\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cochrane review finds no proved benefit in drug treatment for patients with mild hypertension<\/a>).<\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/www.cochrane.org\/CD006742\/HTN_benefits-of-antihypertensive-drugs-for-mild-hypertension-are-unclear\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hauseigene Ver\u00f6ffentlichung<\/a> der Ergebnisse zieht noch einige weitere Gesichtspunkte mit hinzu: Eine Behandlung dieser Patienten hat wichtige Konsequenzen f\u00fcr Patienten und Kassen. Patienten haben sich mit unangenehmen Ereignissen auseinanderzusetzen, wie Nebenwirkungen, eine lebenslange medikament\u00f6se Therapie, deren Kosten und so weiter. Die Kassen bezahlen ganz oder teilweise die Medikamente, die Arztkosten, Labor und so weiter. Und dieser ganze Aufwand f\u00fcr nichts und wieder nichts. Und in Sachen Nebenwirkungen verh\u00e4lt es sich so, dass in den untersuchten Studien rund 9 Prozent der Patienten die Therapie wegen der Nebenwirkungen vorzeitig abbrechen mussten.<\/p>\n<p>Zeitgleich ist eine weitere Meta-Analyse von Cochrane herausgebracht worden, die den Einsatz von Betablockern bei Hypertonie beurteilt (<a href=\"http:\/\/www.cochrane.org\/CD002003\/HTN_beta-blockers-for-hypertension\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beta-blockers for hypertension<\/a>). Vor rund 30 Jahren galten Betablocker noch als Mittel der ersten Wahl bei der Hypertonie. Und Leben sollten sie angeblich gerettet haben, und Herzinfarkte verhindert, so dass man geneigt war, eine Petition aufzusetzen, Betablocker ins Trinkwasser zu geben. Die Cochrane-Autoren jedoch kommen zu einen ganz anderem Ergebnis. Sie sagen, dass Betablocker auf keinen Fall als Mittel der ersten Wahl anzusehen sind.<\/p>\n<p>Warum? Im Vergleich zu Placebo haben sie einen \u00e4hnlich guten beziehungsweise schlechten Einfluss auf Schlaganf\u00e4lle und keinen Effekt auf die Mortalit\u00e4t und koronare Herzkrankheit. Placebo-Effekt gef\u00e4llig? Dann nehmen Sie einen Betablocker. Oder gleich ein hom\u00f6opathisches Pr\u00e4parat? Das hat wenigstens keine so hohen Nebenwirkungen wie die Betablocker. An dieser Stelle verstehe ich noch weniger, warum man bei der Schulmedizin so gegen den Placebo-Effekt der Hom\u00f6opathie argumentiert, wo sie doch selbst Medikamente als Mittel der ersten Wahl einsetzt, die nichts als einen Placebo-Effekt aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Jedoch scheint die Hom\u00f6opathie nur der Leer-Meinung der Schulmedizin nach eine Placebo-Behandlung zu sein. Denn die Studienlage hier spricht immer mehr von einer guten Wirksamkeit, wenn man sie richtig einsetzt: <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/heilverfahren\/homoeopathie\/wirkung.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wirkung der Hom\u00f6opathie<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/heilverfahren\/homoeopathie\/homoeopathie-leipzig-klinische-forschung.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kritik an der Hom\u00f6opathie<\/a>.<\/p>\n<p>Weiter im Text. Die Autoren fragten sich, ob andere Antihypertensiva einen \u00e4hnlich schlechten Effekt bei der Behandlung aufwiesen wie die Betablocker. Ergebnis: Aus 13 Studien lie\u00df sich entnehmen, dass Betablocker als Mittel der ersten Wahl bei Hypertonie einen schlechteren Effekt hatten als andere Antihypertensiva, wie Diuretika, Calcium-Blocker, ACE-Hemmer etc.<\/p>\n<p>Wenn man solche \u201eSchauerm\u00e4rchen\u201c der Schulmedizin liest, dann dr\u00e4ngt sich sofort der Wunsch auf, einmal einen direkten Vergleich von Betablocker und Hom\u00f6opathie in Sachen Hochdruck, koronare Herzkrankheit, Schlaganf\u00e4lle und so weiter durchzuf\u00fchren. Dass dies noch nie geschehen ist, halte ich nicht f\u00fcr einen puren Zufall. Die Damen und Herren von der Schulmedizin wissen, warum: Das geheuchelte Desinteresse daran und die Ausrede von der Evidenzbasiertheit sind nichts anderes als die Angst vor dem Vergleich, der vielleicht (= mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) ins Auge gehen kann.<\/p>\n<p>Denn dieses ewige Hin und Her mit den Leitlinien und Therapieempfehlungen deutet auf alles andere als auf Evidenzbasiertheit hin. Und falls Sie glauben, dass Leitlinien Produkt hochwissenschaftlicher Bem\u00fchungen der Schulmedizin sind, wo es vor Evidenzbasiertheit hinten und vorne nur so kracht, dann erz\u00e4hle ich Ihnen jetzt einmal ein evidenzbasiertes M\u00e4rchen von der Bedeutung solcher Linien: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medizinische-leitlinien-2013\/\">Medizinische Leitlinien \u2013 Gef\u00e4hrliche \u201cLeitplanken\u201d im Medizinverkehr<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/app.getresponse.com\/view_webform_v2.js?u=93&#038;webforms_id=BWWwC\"><\/script><\/p>\n<h3>. . . es war einmal<\/h3>\n<p>F\u00fcr dieses M\u00e4rchen gehen wir nochmal kurz zur\u00fcck zur \u201eHiobsbotschaft\u201c aus der Schweiz. Denn hier erfahren wir nicht nur, dass die alten Grenzen mal wieder verschoben worden sind, was auch h\u00f6chste Zeit wurde. Wir erfahren auch etwas \u00fcber die Geschichte dieser Grenzwerte und wie sie entstanden. Sp\u00e4testens hier sollte allen klar werden, warum diese Grenzwertbestimmung nichts mit Wissenschaft und Evidenzbasiertheit zu tun haben kann.<\/p>\n<p>Denn bei den Schweizern lesen wir, dass die Grenzwerte (zumindest f\u00fcr die Schweiz) von der Schweizerischen Hypertonie-Gesellschaft ermittelt wurden und werden. Deren Sekretariat aber wird von der Firma Roche betrieben, die an einem sch\u00f6n niedrigen Grenzwert interessiert ist, um so m\u00f6glichst viele behandlungsbed\u00fcrftige Kunden zu schaffen. Wir erfahren, dass die Senkung des behandlungsbed\u00fcrftigen Grenzwerts von 140\/100 auf 140\/90 mmHg der Pharmaindustrie und den \u00c4rzten auf einen Schlag die Zahl der Kunden verdoppelte (140\/90 ist nach der deutschen Versorgungsleitlinie von 2023 immer noch der Grenzwert). Schmackhaft gemacht werden solche Neubestimmungen mit folgenden Argumenten, die vor \u201eWissenschaftlichkeit\u201c und \u201eEvidenzbasiertheit\u201c nur so strotzen:<\/p>\n<blockquote><p><i>\u201eDie Pharmafirmen h\u00e4tten sich damals keinen besseren Werbespot ertr\u00e4umen k\u00f6nnen als die fette Blick-Schlagzeile: \u00abBluthochdruck: 1 Million Schweizer in Gefahr\u00bb. Die \u00abAhnungslosen\u00bb w\u00fcrden \u00abdringend\u00bb Medikamente brauchen. Denn schon \u00abkleine Abweichungen\u00bb vom idealen Blutdruck seien \u00bbsch\u00e4dlich\u00bb\u201c. <\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit Verlaub, mit Wissenschaft macht man keine Milliardenums\u00e4tze. Mit der Angst der Menschen dagegen sind schon ganz andere Sachen gemacht worden \u2013 unter anderem Milliardenums\u00e4tze.<\/p>\n<p>Und damit man von Seiten der Pharmaindustrie sichergeht, dass alles so l\u00e4uft wie man es sich vorgestellt hat, werden Gelder locker gemacht, die die Weichen (= Richtlinien) in die richtige Richtung stellen. Novartis, Merck und Sankyo bestachen die \u00e4rztliche Fachgesellschaft mit 75.000 Dollar und zahlten nochmals 700.000 oben drauf, um sicherzustellen, dass die neuen Richtlinien auch an den Mann = Arzt gebracht wurden. Von Seiten Novartis jedoch sah man in den Zahlungen keinen \u201eInteressenskonflikt\u201c beziehungsweise \u201eunangebrachten Einfluss\u201c. Wirklich nicht? Warum zahlt man denn f\u00fcr etwas, was ohne Einfluss ist? Jeder Betrieb will seine Investition wieder zur\u00fcckholen, am besten doppelt und dreifach. Die Pharmaindustrie entbl\u00f6det sich auch hier wieder einmal, auf platte und d\u00fcmmliche M\u00e4rchen zur\u00fcckzugreifen und dabei die Intelligenz der Menschen zu beleidigen.<\/p>\n<p>Darum kommt das n\u00e4chste M\u00e4rchen auf dem Fu\u00df, n\u00e4mlich das M\u00e4rchen von der \u201eforschenden Pharmaindustrie\u201c. Es kann ja gut sein, dass sie forscht. Aber wonach? Wie man seine Ums\u00e4tze vermehren kann, ohne entsprechende Gegenleistungen zu bringen? F\u00fcr mich jedenfalls investiert keine Forschungsfirma 30 bis 35 Prozent des Umsatzes ins Marketing und nur 13 Prozent in Forschung und Entwicklung.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Die Schulmedizin wird wieder einmal von ihren eigenen Forderungen auf der Standspur \u00fcberholt. Wenn wir nach einem nicht evidenzbasierten Medizinsystem suchen, dann ist die Schulmedizin im Vergleich zu vielen Disziplinen der Alternativmedizin der einsame Spitzenreiter. Aber wie so vieles im Leben gibt es auch hier Ausnahmen. Die Notfallmedizin zum Beispiel w\u00fcrde ich hier als lobenswerte Ausnahme bezeichnen.<\/p>\n<p>Aber die geben auch keine Richtlinien f\u00fcr die Behandlung eines Blutdruckwerts von 141\/92 heraus. Und Medikamente in der Notfallmedizin sind keine Dauermedikationen &#8211; meistens jedenfalls nicht. Wer sich aber vertrauensvoll auf die Empfehlungen der Schulmedizin in Sachen Krebs-, Diabetes-, Hochdruck- etc. Therapie verl\u00e4sst, der k\u00f6nnte Gefahr laufen, eines Tages ein Fall f\u00fcr genau diese Notfallmedizin zu werden.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Schweiz kommt eine fast als unglaublich zu benennende Kunde: \u00c4rzte erh\u00f6hen Schwelle f\u00fcr Blutdruck-Medikamente. Vor vier Jahren hatte ich zu diesem Thema einen Beitrag gebracht: Blutdruck und seine Normwerte. 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