{"id":1971,"date":"2015-01-30T13:54:13","date_gmt":"2015-01-30T11:54:13","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=1971"},"modified":"2025-10-22T09:46:46","modified_gmt":"2025-10-22T07:46:46","slug":"der-gesunde-orangensaft-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/der-gesunde-orangensaft-2015\/","title":{"rendered":"Der quasi gesunde Orangensaft"},"content":{"rendered":"<p>Vor knapp 3 Jahren hatte ich einen Beitrag zur Gesundheit und G\u00fcte von Orangensaft ver\u00f6ffentlicht: <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/orangensaft-ohne-orange\/\">Einen Orangensaft ohne Orange und ohne Saft, bitte<\/a>. Darin versuchte ich zu er\u00f6rtern, wie gro\u00df die Kluft ist zwischen dem Anspruch der Marketingabteilung der Lebensmittelindustrie, dass Orangensaft gesund sei und der traurigen (&#8222;chemischen Wirklichkeit&#8220;), die in den meisten S\u00e4ften steckt. Heute ereilt mich die Kunde, dass Orangensaft zehnmal ges\u00fcnder als gedacht ist (siehe scinexx.de\/wissen-aktuell-18334-2014-12-08.html).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1976\" src=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/frischer-orangensaft-510px.jpg\" alt=\"frischer-orangensaft-510px\" width=\"510\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/frischer-orangensaft-510px.jpg 510w, https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/frischer-orangensaft-510px-300x202.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/p>\n<p><!--more-->Untermauert wird diese Aussage von einer Studie aus Spanien, deren Ver\u00f6ffentlichung im Elsevier-Verlag erschien (<a href=\"https:\/\/ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/24996350\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nutritional and physicochemical characteristic of commercial Spanish citrus juices.<\/a>). Elsevier? Genau, dieser Verlag war es doch, der die bei ihm ver\u00f6ffentlichte Arbeit von Prof. S\u00e9ralini \u00fcber die sch\u00e4dlichen Effekte von GMOs bei M\u00e4usen ohne n\u00e4here Angabe von Gr\u00fcnden zur\u00fcckgezogen hatte: <a href=\"http:\/\/www.gmwatch.org\/index.php\/news\/archive\/2013\/15184-journal-retraction-of-seralini-study-is-illicit-unscientific-and-unethical\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journal retraction of S\u00e9ralini study is illicit, unscientific, and unethical<\/a> (siehe auch <a href=\"http:\/\/renegraeber.de\/blog\/glyphosat-sicher-unsicher-2014\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Glyphosat \u2013 sicher unsicher?<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Jetzt kann man aber gespannt sein, was Elsevier zum O-Saft zu ver\u00f6ffentlichen hat&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Als Erstes erfahren wir, dass der Orangensaft deshalb zehnmal ges\u00fcnder ist, weil er zehnmal mehr \u201egesunde <a href=\"http:\/\/vitalstoffmedizin.com\/blog\/was-sind-antioxidantien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Antioxidantien<\/a>\u201c liefert als bisher angenommen beziehungsweise gemessen. Wodurch sich \u201egesunde Antioxidantien\u201c von nicht gesunden unterscheiden, erfahren wir leider nicht.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr die zehnfache Menge an Antioxidantien scheint zu sein, dass die <a href=\"http:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/darmerkrankungen\/darmbakterien.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Darmbakterien<\/a> diese Mengen an Antioxidantien aus dem O-Saft erschlie\u00dfen, was verst\u00e4ndlich machen w\u00fcrde, dass ein O-Saft im Glas viel weniger davon anzubieten hat als im Darm. Aber die Autoren der Arbeit weisen darauf hin, dass der Orangensaft hier nur als Beispiel genommen wurde, und dass die Messungen allgemein von Antioxidantien bei Lebensmitteln diesen Fehler aufweisen k\u00f6nnten. Dazu kommt, dass bei den Messungen fast ausschlie\u00dflich die anti-oxidative Aktivit\u00e4t der fl\u00fcssigen Bestandteile gemessen wird, die der festen dagegen so gut wie gar nicht. Diese festen Bestandteile, die im D\u00fcnndarm nicht resorbiert werden k\u00f6nnen, gelangen in der Folge in den Dickdarm, wo Trillionen von Darmbakterien die Verdauung fortsetzen und weitere Wirkstoffe freisetzen, unter anderem auch weitere anti-oxidativ wirksame Substanzen. Dieser Prozess, so die Autoren, geht bei den bis heute g\u00e4ngigen Messmethoden f\u00fcr Antioxidantien vollkommen verloren.<\/p>\n<p>Daher hatten die Autoren eine neue Testmethode entwickelt, die die festen Bestandteile mit ber\u00fccksichtigt \u2013 eine Art Darmattrappe im Labor, die die Verdauung simuliert und bei der man dann alle Bestandteile vor und nach der Verdauung auf Antioxidantien messen und analysieren kann.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2gv\"><\/script><\/p>\n<p>Mit dieser Versuchsanordnung hatten die Autoren dann eine Reihe von \u201ehandels\u00fcblichen\u201c Sorten von verschiedenen S\u00e4ften untersucht, wie zum Beispiel neben dem O-Saft noch Mandarinen-, Zitronen- und Grapefruitsaft. Zum Vergleich kam auch direkt und frisch gepresster Saft aus Fr\u00fcchten in den \u201eSimulator\u201c. Wir erfahren aber hier nicht, ob die frisch gepressten S\u00e4fte besser als die mit Chemie versehenen \u201ehandels\u00fcblichen\u201c S\u00e4fte abschneiden konnten. Wir erfahren nur, dass alles zehnmal besser ist als unter den alten Messverfahren. Aber wir erfahren auch, dass auch \u201eandere Nahrungsmittel\u201c im Durchschnitt zehnmal mehr Antioxidantien enthalten als dies bislang gemessen werden konnte.<\/p>\n<p>Damit wird klar, dass die Botschaft der Autoren lautet, dass die bislang g\u00e4ngigen Messmethoden f\u00fcr Antioxidantien in Frage zu stellen sind. Und damit sind nicht nur die O-S\u00e4fte zehnmal ges\u00fcnder als gedacht, sondern fast alle Lebensmittel \u2013 wenn man die unterstellte Behauptung, zehnmal mehr Antioxidantien = zehnmal ges\u00fcnder, als richtig einordnet.<\/p>\n<h2>Ungesunde Antioxidantien<\/h2>\n<p>Es ist gut zu wissen, dass unsere Lebensmittel zehnmal mehr Antioxidantien beherbergen als bislang angenommen. Daraus aber eine Verzehnfachung der gesundheitlichen Effekte zu schnitzen, ist marketinggerechtes Legoland. Denn Antioxidantien unterscheiden sich in ihrer St\u00e4rke und ihren biochemischen Eigenschaften, so dass eine einfache Mengenbeschreibung noch keine endg\u00fcltige Aussage \u00fcber deren gesundheitliches Potential machen kann. N\u00e4heres dazu hatte ich bereits beschrieben unter <a href=\"http:\/\/vitalstoffmedizin.com\/blog\/krieg-der-antioxidantien-orac-gegen-tosc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krieg der Antioxidantien \u2013 ORAC gegen TOSC<\/a>. Damit kann man festhalten, dass es zwar keine ungesunden Antioxidantien gibt, daf\u00fcr aber ges\u00fcndere und weniger gesunde, je nach St\u00e4rke der anti-oxidativen Wirksamkeit.<\/p>\n<p>Aus der oben vorliegenden Arbeit jedoch geht nicht hervor, ob die neue Messmethode auch in der Lage ist, die Qualit\u00e4t der von ihr gemessenen Antioxidantien zu bestimmen. Ich f\u00fcrchte fast, dass dies nicht der Fall ist. Damit ist f\u00fcr mich der Jubel \u00fcber die zehnfach ges\u00fcndere Wirksamkeit von Orangensaft nicht nur zu fr\u00fch, sondern \u201eschmeckt\u201c nach O-Saft-Werbung f\u00fcr Wissenschaftsgl\u00e4ubige. Denn auch mit einem unterstellten 10-fach-Effekt in Sachen Gesundheit und Antioxidantien wird nichts von der Chemie und den anderen nicht so leckeren Zutaten im \u201ehandels\u00fcblichen\u201c Industrieprodukt weggenommen. Die werbewirksame Aussage \u201ezehnfach\u201c oder \u201ezehnmal\u201c sagt zudem nichts aus \u00fcber die absolute Menge an gesundheitlich vorteilhaften N\u00e4hrstoffen oder Antioxidantien. <strong>Da kann ein O-Saft schon mal fast nichts an guten N\u00e4hrstoffen haben, da der \u00fcberwiegende Inhalt aus Zucker, Aromastoffen, Konservierungsstoffen und anderer Chemie besteht und nur zu wenigen Prozenten aus Fruchtfleisch. Aufgrund der neuen Messmethode wissen wir dann jetzt, dass dieses \u201efast nichts\u201c um das Zehnfache h\u00f6her ausf\u00e4llt. Toll!<\/strong><\/p>\n<p>Dass diese Gedanken nicht nur reine Vermutungen sind, sondern schon den Versuch erfahren haben, wissenschaftlich belegt zu werden, zeigt eine Arbeit aus dem Jahr 2003 aus Italien (<a href=\"http:\/\/jn.nutrition.org\/content\/133\/9\/2812.long\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Total Antioxidant Capacity of Plant Foods, Beverages and Oils Consumed in Italy Assessed by Three Different In Vitro Assays<\/a>). Die untersuchten Getr\u00e4nke und Lebensmittel kamen teilweise aus dem Supermarkt, wie zum Beispiel auch der \u201egesunde\u201c Orangensaft. Getestet wurde mit der Hilfe von drei verschiedenen Tests, um der Vielfalt der Antioxidantien gerecht zu werden. Die Ergebnisse waren f\u00fcr den Orangensaft bei allen Tests alles andere als \u201egesund\u201c: <a href=\"http:\/\/jn.nutrition.org\/content\/133\/9\/2812\/T3.expansion.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Testergebnisse f\u00fcr Getr\u00e4nke<\/a>.<\/p>\n<p>Hier schnitt der Orangensaft in allen drei Tests signifikant schlechter ab als zum Beispiel Rotwein, gr\u00fcner Tee und vor allem Kaffee (<a href=\"http:\/\/jn.nutrition.org\/content\/133\/9\/2812\/T4.expansion.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Testergebnisse f\u00fcr alkoholische Getr\u00e4nke, Kaffee und Tees<\/a>). Die anti-oxidative Wirksamkeit von O-Saft ist in etwa vergleichbar mit der von Essig. Die anderen im Supermarkt erh\u00e4ltlichen S\u00e4fte schnitten sogar noch schlechter ab als der Orangensaft.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Ergebnisse w\u00e4re es mehr als empfehlenswert, den allmorgendlichen, ach so gesunden O-Saft durch eine Tasse Espresso zu ersetzen, oder? Denn ein Espresso hat eine je nach Test 12- bis 30-fach h\u00f6here anti-oxidative Kapazit\u00e4t als unser 10-fach testverst\u00e4rkter Orangensaft. Oder wie w\u00e4re es mit einem Glas \u201egesunden\u201c Rotwein zum Fr\u00fchst\u00fcck? Denn der f\u00e4llt immerhin noch 3- bis 7-fach g\u00fcnstiger aus als Orangensaft. Aber wenn Sie mich wirklich fragen wollen: Ich h\u00e4tte gerne Kaffee. Aber gerne rektal. Was ich damit meine (und Warum), beschreibe ich in meinem Buch zum <a href=\"http:\/\/renegraeber.de\/kaffee-einlauf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kaffee-Einlauf<\/a>.<\/p>\n<p>So. Jetzt h\u00e4tte ich die Werbung f\u00fcr mein &#8222;Kaffee-Buch&#8220; auch noch untergebracht \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Jetzt aber zum Fazit.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Wer auf die Trolox-Werte starrt und daraus Gesundheit ableitet, der wird nur noch Espresso und Rotwein zum Fr\u00fchst\u00fcck trinken d\u00fcrfen. Wer Orangensaft bejubelt, weil seine gesundheitsf\u00f6rdernde Statistik jetzt \u00fcber ein neues Messverfahren um das Zehnfache aufgeblasen wird, der sollte so konsequent sein, andere Nahrungsmittel auf noch bessere Werte abzuklappern.<\/p>\n<p>Damit komme ich zu dem Schluss, dass Orangensaft so, wie er uns in den Regalen angeboten wird, meiner Meinung nach nichts mit Gesundheit zu tun hat \u2013 und wenn er noch hundertmal mehr Antioxidantien enthielte.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor knapp 3 Jahren hatte ich einen Beitrag zur Gesundheit und G\u00fcte von Orangensaft ver\u00f6ffentlicht: Einen Orangensaft ohne Orange und ohne Saft, bitte. 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