{"id":1636,"date":"2018-01-19T15:54:24","date_gmt":"2018-01-19T13:54:24","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=1636"},"modified":"2022-11-09T14:56:38","modified_gmt":"2022-11-09T12:56:38","slug":"der-angelina-jolie-effekt-hollywood-verstaerker-fuer-medizinisches-schauspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/der-angelina-jolie-effekt-hollywood-verstaerker-fuer-medizinisches-schauspiel\/","title":{"rendered":"Angelina Jolie-Effekt \u2013 Brustkrebsgen nicht t\u00f6dlich sagen Forscher"},"content":{"rendered":"<p>Im Juni 2012 ver\u00f6ffentlichte ich ein paar Gedanken \u00fcber die \u201e<a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/brustamputation-angelina-jolie-sinnvoll-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">prophylaktische Brustamputation von Angelina Jolie<\/a>\u201c. Zentrale Idee der prophylaktischen Amputation ist ein angeblich genetisch bedingtes erh\u00f6htes Risiko durch das Brustkrebsgen BRCA1 bzw. BRCA2, an Brustkrebs zu erkranken.<\/p>\n<p>Um der Genetik jetzt ein Schnippchen zu schlagen, operiert man das weg, was &#8222;die Genetik&#8220; befallen will. Ungl\u00fccklicherweise ist das Brustkrebsgen nicht nur ein Brustkrebsgen. Es erh\u00f6ht angeblich auch noch das Risiko f\u00fcr Eierstock- und Dickdarmkrebs.<\/p>\n<p>Meine in dem Artikel etwas ironisch vorgebrachte Aufforderung, sich dann (nur um konsequent zu sein), auch noch die Eierst\u00f6cke und den Dickdarm\u00a0entfernen zu lassen, scheint von der Schauspielerin zumindest teilweise erh\u00f6rt worden zu sein. Aber es geht um mehr, wie wir gleich sehen werden!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In einem Artikel der \u201eDailyMail online\u201c mit der \u00dcberschrift \u201eThe Jolie effect: Number of women asking about mastectomies quadruples since actress revealed she had her breasts removed to reduce cancer risk\u201c kommt die Mitteilung, dass sich \u201e<i>Miss Jolie, die mit Brad Pitt, 49, verheiratet ist, sich einer Totaloperation unterziehen wird, um das Risiko von Eierstockkrebs zu reduzieren.\u201c <\/i>Unter einer Totaloperation versteht man eine operative Entfernung von Eierst\u00f6cken und Geb\u00e4rmutter.<\/p>\n<p>Ja, und was ist dann mit dem Darm und seinem Krebsrisiko? Und was ist, wenn wir ein Gen f\u00fcr ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Hirntumore entdecken? M\u00fcssen wir uns dann das Hirn wegoperieren lassen? Bei dieser Operationswut rund um ein Gen und seinem m\u00f6glichen Risiko liegt die Vermutung nahe, dass ein solches oder \u00e4hnliches Gen schon aktiv geworden sein muss und die Hirne aller Beteiligen f\u00fcr eine OP hat reif werden lassen. Ja, ich wei\u00df, jetzt geht mir der Zynismus-Gaul durch. Aber was sich hier abspielt, ist in Sachen Zynismus schwer\u00a0zu schlagen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Der Artikel jubelt, \u00e4hnlich wie der bereits im\u00a0Juni-Artikel erw\u00e4hnte Spiegelbeitrag, dass das Bewusstsein f\u00fcr diese Problematik Dank der Hollywood-Gr\u00f6\u00dfen erwacht sei. Denn immerhin kommen heute viermal so viele Anfragen bei Cancer Research UK und \u00e4hnlichen Organisationen an als zuvor.<\/p>\n<p>Viermal (400 Prozent!) &#8211;\u00a0das klingt gewaltig. Wenn man den Artikel aber etwas genauer liest, dann st\u00f6\u00dft man etwas weiter unten auf die &#8222;absoluten&#8220; Zahlen. Bei Cancer Research UK riefen im April 13 Leute an. Im Mai waren es 88. Der Unterschied von 75 Leuten bei einer Bev\u00f6lkerung von \u00fcber 60 Millionen Briten \u2013 ist das wirklich &#8222;der Hammer&#8220;?<\/p>\n<p>Auch die Webseite von Cancer Research UK sprang von 3.659 im Vormonat auf 4.796 am Vortag der Ank\u00fcndigung auf 15.920 Klicks danach. Interessant hier, wie auf den Klick genau die Zeitung die Angaben wiedergibt. Aber 16.000 Klicks oder Besuche auf einer Webseite halte ich nicht f\u00fcr besonders beachtenswert. Andere Webseiten haben mehrere Hunderttausend an einem Tag.<\/p>\n<p>Nachdem der Daily-Artikel aus ein paar Klicks und Anrufen mehr bei einer krebsforschenden Organisation eine beeindruckende Vervierfachung gezaubert hat, geht es nahtlos weiter mit den Ratschl\u00e4gen rund um dieses Thema. Denn es sollen ja nicht nur Schauspieler zu Wort kommen, sondern man will die Gunst der Stunde nutzen, um sich selbst mit auf die Hollywood-B\u00fchne zu hieven.<\/p>\n<p>So kommt eine Dr. Kat Arney von Cancer Research UK zu Wort, die eine Operation voll und ganz bef\u00fcrwortet. Denn immerhin soll die Operation das Risiko in einem signifikanten Ma\u00df reduzieren.<\/p>\n<h2>Brustkrebsgen nicht t\u00f6dlich sagen Forscher<\/h2>\n<p>So ist die Gefahr an Brustkrebs zu erkranken bei den genetischen Varianten um das Vierfache erh\u00f6ht. Das Risiko an den Tumoren zu sterben ist allerdings genauso hoch wie bei Frauen, die die genetische Abweichung nicht in sich tragen. Das ergab eine gro\u00df angelegte Studie der Universit\u00e4t Southampton.<\/p>\n<p>Die Forscher verfolgten 10 Jahre lang das Schicksal Tausender Brustkrebs-Patientinnen. Darunter waren auch Frauen, die von der Genmutation betroffen waren. Auch nach 10 Jahren lag die Wahrscheinlichkeit eines letalen Verlaufes der Krankheit nicht \u00fcber dem Durchschnitt. Sogar die Frauen mit stattgehabter doppelter Mastektomie hatten insgesamt keine h\u00f6here Lebenserwartung. Die Forscher vermuten nun, dass die fehlerhaften Gene BRCA1 und BRCA2 den Verlauf der Krankheit sogar mildern k\u00f6nnen (Quelle: Lancet Oncology, 2018; thelancet.com\/pdfs\/journals\/lanonc\/PIIS1470-2045(17)30891-4.pdf).<\/p>\n<p>Zumindest f\u00fcr die ersten 2 Jahre k\u00f6nnte dies der Fall sein. Die Southamptoner \u00c4rzte geben daher Entwarnung. Nach ihrer Ansicht sollten Frauen die Brustamputationen nicht unbedingt vornehmen lassen. Direkt abraten wollen sie aber auch nicht. Meine Meinung: Die f\u00fcrchten starken Gegenwind aus den eigenen Reihen der \u00c4rzteschaft! Denn wie sagte es der ber\u00fchmte Chirurg Prof. Dr. Julius Hackethal seinerzeit: &#8222;Die Heldenchirurgen warten \u00fcberall!&#8220;.<\/p>\n<p>Von solchen Relativierungen will Kat Arney nichts wissen. Statt dessen hat sie andere Vorschl\u00e4ge f\u00fcr diejenigen Frauen, die sich ihre Br\u00fcste absolut nicht abschneiden lassen wollen. Fast so, als sollten die ungehorsamen eitlen Damen daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen und den \u00c4rzten trotzdem irgendwie Geld in die Kassen sp\u00fclen&#8230;<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<h2>Die Antwort der Schulmediziner: Screening<\/h2>\n<p>Screening w\u00e4re eine gute Alternative, hei\u00dft es. Wie gut diese Alternative wirklich ist, habe ich im Beitrag\u00a0<a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/mammografie-untersuchungen-fragwurdig\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mammografie-Untersuchungen fragw\u00fcrdig<\/a> n\u00e4her untersucht. Und da kann man nur den Kopf sch\u00fctteln, wie die Reihen-Mommografie-Untersuchung in Deutschland weiter propagiert wird! Und warum wohl? Na, da fragen Sie einfach mal, wer der gr\u00f6\u00dfte Hersteller der Ger\u00e4te ist!<\/p>\n<p><strong>Auch der n\u00e4chste Vorschlag rei\u00dft mich\u00a0vom Hocker:<\/strong> Bestimmte Medikamente, prophylaktisch genommen, reduzieren das Risiko.\u00a0Um welche Medikamente\u00a0handelt es sich hier? Um alte Bekannte! Tamoxifen wird hier genannt, ein als &#8222;Wunderdroge&#8220; angepriesenes rezeptpflichtiges Medikament. Es\u00a0soll die \u00d6strogenwirkung hemmen, die f\u00fcr die Tumorbildung und das Tumorwachstum verantwortlich ist. Wie g\u00fcnstig die Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil von dieser Substanz ist, habe ich unter <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/medikamente-zum-krankwerden-2012\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die besten Medikamente zum Krankwerden?<\/a> beschrieben: Auf einen hypothetischen Fall (= 1!) von Brustkrebsverhinderung kommt ein Fall von lebensbedrohlichen Blutgerinnseln, Schlaganf\u00e4llen und Geb\u00e4rmutterkrebs! <strong>Ist das jetzt eine &#8222;Alternative&#8220; oder blanker schulmedizinischer Zynismus? Da definiert die Schulmedizin (=Allopathie) die &#8222;Alternativmedizin&#8220; doch mal auf ihre ganz eigene Art.<\/strong><\/p>\n<p>Und zum Happy-End der schulmedizinischen Krebsrisiko-Diskussion kommt dann wieder die Schauspielerin und Patientin zu Wort. Sie gibt Zeugnis von der heilsamen Macht der erb\u00e4rmlichen&#8230;\u00a0 &#8211; \u00e4h nein, der barmherzigen &#8222;Mutter Schulmedizin&#8220;. Denn die Operation,\u00a0habe sie in ihrer gesundheitlichen Krise n\u00e4her an ihren Mann gebracht. Ich wei\u00df jetzt nicht, wie weit der von ihr weg war. Und ich wei\u00df auch nichts von einer gesundheitlichen Krise, ging es doch ausschlie\u00dflich um eine Risikobewertung f\u00fcr sie. Oder sind Diskussionen \u00fcber ein Krebsrisiko schon mit einer handfesten gesundheitlichen Krise gleichzusetzen?<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie so etwas interessiert, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Newsletter<br \/>\n&#8222;Hoffnung bei Krebs&#8220; dazu an:<\/strong><\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1Ki\" data-webform-id=\"pL1Ki\"><\/script><\/p>\n<p>Wer das noch nicht einmal auseinander halten kann, der kann auch keine qualifizierten Aussagen zu dem viel komplexeren Risikothema machen. Hollywood l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Warum fragen die eigentlich nicht Supermann, der das Gen mit seiner Krypton-Laser-Kanone ganz leicht ausschalten k\u00f6nnte? Das w\u00fcrde Cancer Research UK\u00a0bestimmt in eine Telefonzentrale verwandeln \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Beitragsbild: fotolia &#8211; C. Sven Baehren<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde erstmalig im November 2013 erstellt und letztmalig am 19.1.2018 aktualisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juni 2012 ver\u00f6ffentlichte ich ein paar Gedanken \u00fcber die \u201eprophylaktische Brustamputation von Angelina Jolie\u201c. 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