{"id":1528,"date":"2013-06-10T23:05:48","date_gmt":"2013-06-10T21:05:48","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=1528"},"modified":"2023-10-02T19:50:18","modified_gmt":"2023-10-02T17:50:18","slug":"brustamputation-angelina-jolie-sinnvoll-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/brustamputation-angelina-jolie-sinnvoll-2013\/","title":{"rendered":"Eine prophylaktische Brustamputation (wie Angelina Jolie) &#8211; ist das sinnvoll?"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt hatte vor wenigen Wochen eine neue Sensation, \u00fcber die man seitdem\u00a0lebhaft diskutiert:\u00a0Der Hollywood-Star\u00a0Angelina Jolie hat sich beide Br\u00fcste prophylaktische entfernen lassen (und durch Imitate ersetzen lassen). Der Grund:\u00a0ein mutiertes BRCA1 und BRCA2 Gen, welches sie von ihrer Mutter geerbt hat, die in relativ jungen Jahren selbst an Brustkrebs verstorben war. Mit diesen Mutationen erh\u00f6ht sich das Brustkrebsrisiko um das Doppelte, was nat\u00fcrlich jedem (der 1 und 1 zusammenz\u00e4hlen kann), ungeheuer vorkommen muss.<\/p>\n<p><strong>Die Frage, die ich von einigen Lesern gestellt bekam: Ist ein solch radikaler Schritt wirklich notwendig?<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ist ein Mensch mit BRCA1 und 2 praktisch zum Tode verurteilt, wenn diese Gene nicht so aufgestellt sind, wie sich das geh\u00f6rt? Oder ist alles nicht so schlimm, so dass Frau Jolie sich eventuell nur aus PR-Gr\u00fcnden hat operieren lassen, wie manche behaupten?<\/p>\n<p>BRCA1 und 2 sind sogenannte \u201eBrustkrebsgene\u201c (<b>br<\/b>east <b>ca<\/b>ncer). Diese beiden Gene kodieren zusammen mit einem weiteren Gen (RAD51) Proteine, die miteinander interagieren. Ziel der Interaktionen der Proteine ist, gesch\u00e4digte DNA zu reparieren. Diese Sch\u00e4digungen entstehen zum Beispiel durch <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Freie_Radikale.htm\">freie Radikale<\/a>, ionisierende Strahlungen (die freie Radikale bilden) oder bei Unterbrechungen und St\u00f6rungen bei der Zellteilung. Fehlt eines oder beide Gene, beziehungsweise sind sie in ihrer Funktion aufgrund einer Mutation gest\u00f6rt, dann kommt es auch zu St\u00f6rungen bei der Reparaturarbeit. Die Folge ist, dass Zellen mit einer gesch\u00e4digten DNA entweder untergehen oder aber ein ver\u00e4ndertes Programm fahren, dass in Richtung Krebs l\u00e4uft. Wie wir heute wissen, ist die Sch\u00e4digung der Zell-DNA eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/renegraeber.de\/blog\/krebs-durch-masslosigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entstehung von Krebserkrankungen<\/a>. Aber es gibt nachgeschaltet noch eine Reihe von \u201eInstanzen\u201c im Organismus, Qualit\u00e4tskontrollen f\u00fcr junge Zellen sozusagen, die maligne Vertreter eliminieren. Die Apoptose (nat\u00fcrlicher Zelltod) und das Immunsystem spielen hier eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Aber es ist ja von Vorteil, wenn\u00a0Sch\u00e4digungen\u00a0gar nicht erst auftreten: Denn dann hat in der Folge der Organismus auch weniger mit der Eliminierung von malignen Zellen zu tun. Nach heutigen Stand jedoch kann man gegen eine vererbte Mutation nichts ausrichten. Auf der anderen Seite garantiert die \u201eQualit\u00e4tskontrolle\u201c des Organismus, dass Menschen mit dieser \u201eVeranlagung\u201c nicht schon in j\u00fcngeren Jahren an Brustkrebs erkranken und sterben. Denn die Mutation ist ja vererbt und damit von der Stunde Null an wirksam. Vielleicht sollten solche Menschen diese \u201eQualit\u00e4tskontrollen\u201c st\u00e4rken, damit der Eliminationsprozess von malignen Zellen optimiert und damit das Risiko f\u00fcr eine Krebserkrankung gesenkt w\u00fcrde?<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Dies w\u00e4re f\u00fcr mich die &#8222;bessere&#8220; Alternative &#8211; im Vergleich zu einer radikalen Brustamputation (auf medizinerdeutsch: Mastektomie). Denn eine Mastektomie macht aus meiner Sicht &#8222;relativ&#8220; wenig Sinn auf der Basis der genetischen Befunde, da BRCA1 und teilweise BRCA2 auch mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Eierstockkrebs, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs einhergeht. Das hie\u00dfe jedoch, dass Frau Jolie sich konsequenterweise nicht nur die Br\u00fcste, sondern auch noch die Eierst\u00f6cke und den Dickdarm h\u00e4tte entfernen lassen m\u00fcssen &#8211;\u00a0um noch sicherer zu sein. Und: man wei\u00df (auch) nicht, ob das Fehlen des Brustgewebes\u00a0das Risiko f\u00fcr Eierstockkrebs und Dickdarmkrebs erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Wenn man dann auf die Statistiken schaut, dann sieht die Welt schon gleich wieder etwas sonniger aus. Denn rund 85 Prozent der Frauen mit einem mutierten BRCA Gen, das von den Eltern vererbt worden ist, erkranken nicht an Brustkrebs. Betroffen sind eher die Geschwister der Eltern (und vielleicht deren Enkelkinder). Die Statistiken zeigen uns auch deutlich, dass paradoxerweise circa 85 Prozent der Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, keinen genetischen Defekt aufweisen. Oder mit anderen Worten: Wenn die \u201eDurchschlagskraft\u201c eines mutierten BRCA Gens in der Praxis so stark ist, dann w\u00e4re die Rate der Brustkrebskranken mit mutierten Genen\u00a0deutlich h\u00f6her als die der Erkrankten mit normalem Genmuster.<\/p>\n<p><strong>Dazu kommen dann noch eine Reihe von Studien, die gezeigt haben, dass die Gene nur eine zweitrangige Rolle\u00a0bei der Frage spielen, ob jemand Krebs bekommt oder nicht.<\/strong> Einen Grund habe ich bereits angesprochen: Wenn die \u201eQualit\u00e4tskontrolle\u201c schlecht arbeitet und der Betroffene hat eine Gen-Mutation, dann stehen die Chancen \u201egut\u201c f\u00fcr die Entwicklung einer Krebserkrankung. Aber nicht nur f\u00fcr den Brustkrebs, sondern auch f\u00fcr andere Formen. Da hilft\u00a0auch keine operative Entfernung der Br\u00fcste.<\/p>\n<p>Die Women\u00b4s Health Initiative (WIH) Studie hat zeigen k\u00f6nnen, dass nur Frauen, die eine HET (Hormon-Ersatz-Therapie) erhielten, unabh\u00e4ngig von ihrer genetischen Grundkonstellation ein statistisch signifikant erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr die Entwicklung von Brustkrebs hatten [<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pubmed\/19451819\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hormone replacement therapy, family history, and breast cancer risk among postmenopausal women<\/a>].<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Deutschland und der Rest der Welt sich anschickt, nicht nur seine Ideen in Sachen Mode, Trend und Style von den Hollywood-Gr\u00f6\u00dfen zu \u00fcbernehmen, kommt jetzt noch die Kategorie \u201eMedizin\u201c dazu. Denn wenn die Hollywood-Stars H\u00fcte mit Propeller tragen, dann tragen wir morgen auch alle H\u00fcte mit Propeller. Kein Wunder also, wenn die Kliniken und Universit\u00e4tsinstitute sich vor Anfragen zu diesem Thema kaum noch retten k\u00f6nnen. <strong>Denn wenn ein Hollywood-Star einen solchen Schritt unternimmt, dann muss doch was dran sein\u00a0(wie bei den H\u00fcten), oder etwa nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde meine Entscheidung in Sachen Medizin, Genetik und Naturwissenschaft nicht unbedingt von der Entscheidung einer Schauspielerin abh\u00e4ngig machen.\u00a0Die Br\u00fcste zu entfernen, nur weil jemand aus Hollywood\u00a0sich dazu entschieden\u00a0hat, kann mit einem Schuss ins eigene Knie enden.<\/p>\n<p>Und: Auch Brust-Implantate sind in Verbindung gebracht worden mit einer eher seltenen Form von Krebs, dem anaplastisch-gro\u00dfzelligen Lymphom. Diese Krebsform tritt bei Frauen mit Implantaten 18 Mal h\u00e4ufiger auf als bei Frauen ohne Implantat (siehe: <a href=\"http:\/\/www.fda.gov\/MedicalDevices\/ProductsandMedicalProcedures\/ImplantsandProsthetics\/BreastImplants\/ucm239996.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anaplastic Large Cell Lymphoma (ALCL) In Women with Breast Implants<\/a>).<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Schulmedizin und Hollywood reichen sich die Hand und machen werbewirksam auf sich und den Partner aufmerksam.\u00a0Das\u00a0Thema bietet\u00a0Anlass f\u00fcr &#8222;Showtime&#8220;\u00a0und\u00a0wenig Gegenstand f\u00fcr eine ernsthafte Auseinandersetzung. Die Diskussion wird jetzt im Wesentlichen auf die Genetik reduziert, was\u00a0 man unter anderem auch an den abgelieferten Ratschl\u00e4gen zur Operation erkennt. Der \u201eSpiegel\u201c brachte dazu\u00a0einen Artikel, der sanft in die gleiche Kerbe schlug: \u201e<i>Dieses Gen erh\u00f6ht das Krebsrisiko erheblich<\/i>\u201c (spiegel.de\/gesundheit\/diagnose\/brust-op-bei-angelina-jolie-viele-frauen-sind-besorgt-a-904556.html). Und\u00a0der Spiegel\u00a0lobt Frau Jolie daf\u00fcr, dass ihre sinnlose aber medienwirksame Selbstverst\u00fcmmelung hier in Deutschland endlich ein Bewusstsein f\u00fcr so ein gef\u00e4hrliches Brust-Gen herbeigef\u00fchrt hat. Wenn Brad Pitt sich dann noch die Prostata&#8230;\u00a0aber nein&#8230;,\u00a0 das\u00a0geht jetzt doch entschieden zu weit&#8230;<\/p>\n<p>Zum weiterlesen: Zum Thema Brustkrebs habe ich diesen umfassenden Beitrag verfasst: <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/krankheiten\/krebs\/brustkrebs.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.yamedo.de\/krankheiten\/krebs\/brustkrebs.html<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Beitragsbild: pixabay.com &#8211; marijana1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt hatte vor wenigen Wochen eine neue Sensation, \u00fcber die man seitdem\u00a0lebhaft diskutiert:\u00a0Der Hollywood-Star\u00a0Angelina Jolie hat sich beide Br\u00fcste prophylaktische entfernen lassen (und durch Imitate ersetzen lassen). 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