{"id":1468,"date":"2013-02-13T10:12:10","date_gmt":"2013-02-13T08:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=1468"},"modified":"2022-07-29T10:55:08","modified_gmt":"2022-07-29T08:55:08","slug":"medikamente-wechselwirkungen-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-wechselwirkungen-2013\/","title":{"rendered":"Medikamente &#038; Wechselwirkungen &#8211; ein Fall f\u00fcr evidenzbasierte Unkenntnis"},"content":{"rendered":"<p>Die &#8222;evidenzbasierten Statistiken&#8220; der medizinischen Wissenschaft beweisen uns immer wieder, dass alte Menschen h\u00e4ufiger und schwerer an Krankheiten leiden als j\u00fcngere Zeitgenossen. Demzufolge erhalten Erstere auch ein erh\u00f6htes Ma\u00df an medizinischer und vor allem medikament\u00f6ser F\u00fcrsorge.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte man sagen: Je kr\u00e4nker ein Mensch ist, desto mehr Medikamente muss (soll) er einnehmen. &#8222;M\u00fcssen&#8220; tut er oder sie das n\u00e4mlich nicht. Aber die allermeisten tun es einfach.<\/p>\n<p>Von daher ist es logisch, dass vor allem \u00e4ltere Menschen zum Fr\u00fchst\u00fcck oft einen bunten Medikamentencocktail zu sich nehmen.<\/p>\n<p>Und da die meisten &#8222;Schul&#8220;-Medikamente \u00fcber einen betr\u00e4chtlichen Zeitraum genommen werden m\u00fcssen (weil sie bestenfalls Symptome ausschalten und nicht die Ursache der Erkrankung beseitigen), liegt die Vermutung nahe, dass diese Medikamente potentiell auch Sch\u00e4den (unerw\u00fcnschte Wirkung = Nebenwirkung) anrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese &#8222;Sch\u00e4den&#8220; beruhen allerdings nicht nur auf der Nebenwirkung eines einzelnen Medikaments, sondern resultieren auch von Wechselwirkungen: diese werden n\u00e4mlich dadurch erzeugt, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig genommen werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Wechselwirkung? Wechselt da die Wirkung oder wie?<\/h2>\n<p>Arzneimittelwechselwirkung, Interaktionen \u2013 dieses pharmakologische Ph\u00e4nomen kann verschiedene Gestalten annehmen. Wenn z.\u00a0B. Medikament A und Medikament B eingenommen werden m\u00fcssen, dann kann A die Wirksamkeit von B verst\u00e4rken, abschw\u00e4chen oder vollkommen lahmlegen.<\/p>\n<p>Aber auch auf der Seite der Nebenwirkungen k\u00f6nnen verst\u00e4rkt Wechselwirkungen eintreten. So wird der Abbau (Metabolisierung) von bestimmten Cholesterinsenkern (Statine) beeintr\u00e4chtigt, wenn gleichzeitig ein bestimmtes Antibiotikum eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt zu hohen Konzentrationen im Blut und den damit verbundenen Nebenwirkungen und sogar zum Tod. Grund f\u00fcr die sich zum Teil potenzierenden Wirkungen bzw. Wirkungslosigkeit liegt in verschiedenen Faktoren:<\/p>\n<ul>\n<li>Alter: Mit zunehmenden Alter kommt es zu Ver\u00e4nderungen in der menschlichen Physiologie. Die <a href=\"http:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/leber\/leberfunktion.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leberfunktion<\/a>, Nierenfunktion, Reizleitungsverm\u00f6gen der Nerven oder das Funktionieren des Knochenmarks z.\u00a0B. nehmen im Alter signifikant ab.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/renegraeber.de\/blog\/die-genetik-und-der-medizinische-fortschritt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genetik<\/a>: Gene steuern die Produktion von den Enzymen bzw. Enzymsystemen, die den Abbau der Medikamente bewerkstelligen. Diese Gene sind jedoch nicht notwendigerweise gleich verteilt. Es gibt spezifische Verteilungsmuster auf der Erde. Das hei\u00dft, dass bestimmte Gene f\u00fcr die entsprechenden <a href=\"http:\/\/www.vitalstoffmedizin.com\/enzyme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Enzyme<\/a> kaum oder gar nicht in bestimmten Rassen vorkommen. Beispiel: Das Enzym, das den Alkohol im Blut abbaut, die Alkoholdehydrogenase, ist in Asien deutlich weniger vorhanden als in Europa. \u00c4hnliche Zusammenh\u00e4nge bestehen auch f\u00fcr Medikamente und deren Enzyme. Der Wissenschaftszweig, der diese Zusammenh\u00e4nge erforscht und beschreibt, nennt sich Pharmakogenetik.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/krankheiten\/lebererkrankungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Leberkrankheiten<\/a> und\/oder <a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Nierensteine.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nierenerkrankungen<\/a>: Die Konzentrationen von Medikamenten im Blut werden sich signifikant erh\u00f6hen, wenn eins der beiden Organe oder gar beide nicht mehr voll funktionsf\u00e4hig sind. Belasten die Medikamente zudem noch Leber oder Niere, dann f\u00fchrt der erweiterte Stress zu einer weiteren Funktionseinschr\u00e4nkung und damit zu noch mehr Nebenwirkungen.<\/li>\n<li>Medikamentenspezifische Faktoren: Wichtig ist hier der therapeutische Bereich einer Substanz. Bei Substanzen mit engem therapeutischen Bereich, wie z.\u00a0B. Theophyllin oder Digitalis, kommt es auf eine exakte Dosierung an, da schwankende Konzentrationen schnell \u00fcber und unter den wirksamen (= therapeutischen) Bereich fallen. Das wiederum h\u00e4tte zur Folge, dass es mehr Nebenwirkungen ohne den therapeutischen Effekt zu verst\u00e4rken bzw. keine Wirksamkeit gibt. Hier ist also der Abstand zwischen effektiver Dosis und toxischer Dosis sehr gering. Aber auch Medikamente mit breitem therapeutischen Bereich k\u00f6nnen problematisch sein. Dies ist der Fall, wenn eine solche Substanz bei nur minimaler Dosiserh\u00f6hung zu unproportional hohen Konzentrationen im Blut f\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Aufz\u00e4hlung von Faktoren ist im Prinzip auch f\u00fcr die Therapie mit nur einem Medikament g\u00fcltig. Sie zeigt, wie umfangreich die Faktoren sind, die den Abbau einer Substanz bestimmen. Daraus l\u00e4sst sich unschwer ableiten, wie kompliziert das Ganze wird, wenn zwei oder noch mehr Substanzen im Spiel sind.<\/p>\n<h2>R\u00fccksturz zur Apotheke<\/h2>\n<p>Wenn wir diese komplizierte Materie mit der Realit\u00e4t vergleichen, dann muss man betroffen feststellen, dass Mehrfachverschreibungen get\u00e4tigt werden als wenn man im Karneval in K\u00f6ln die Kamellen unters Volk wirft.<\/p>\n<p>Zu diesen \u201eKamellen\u201c gibt es inzwischen sogar zwei Studien, die vom \u201eWissenschaftlichen Institut der AOK \u2013 WidO\u201c durchgef\u00fchrt worden sind. Ergebnis der beiden Studien: Circa 25 Prozent der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen nehmen f\u00fcnf(!) und mehr Medikamente t\u00e4glich ein. Eine Reihe von Patienten bekommen einen Medikamentencocktail verschrieben, der mehr schadet als n\u00fctzt und m\u00f6glicherweise sogar mit dem Tod enden kann.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Dazu kommt dann noch, dass rund 20 Prozent der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen das eine oder andere Medikament aus dem Cocktail einnehmen m\u00fcssen, das f\u00fcr ihre Altersgruppe denkbar ungeeignet ist. Kaum einer der Betroffenen wei\u00df um die Tatsache, dass so ein Medikamentencocktail mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Nebenwirkungen f\u00fchrt. Wenn dann noch frei verk\u00e4ufliche Medikamente, wie z.\u00a0B. gegen Husten, Fieber, Schnupfen etc., dazukommen, dann kann selbst die beste Leber leicht die \u00dcbersicht verlieren. Dass dies keine Ausnahme ist, belegen die beiden bereits erw\u00e4hnten Studien der AOK, die feststellten, dass ein Drittel der Patienten mit Mehrfachverschreibungen zus\u00e4tzlich noch auf rezeptfreie Medikamente zur\u00fcckgreift.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/Chemie.pz\/forschen\/ag\/hempel\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prof. Georg Hempel von der Universit\u00e4t M\u00fcnster<\/a> hat bei seinen Nachforschungen feststellen m\u00fcssen, dass in Pflege- und Altenheimen \u00fcber die H\u00e4lfte der Bewohner gesundheitliche Probleme aufweisen, deren Ursache in den eingenommenen verschreibungspflichtigen Medikamenten liegt.<\/p>\n<p>Weiter stellte er fest, dass bei 10 Prozent der Betroffenen die gesundheitlichen Probleme so ausgepr\u00e4gt waren, dass \u201eein Handlungsbedarf bestand\u201c.<\/p>\n<h2>Menschen werden krank therapiert<\/h2>\n<p>Oder mit anderen, b\u00f6sen Worten: <strong>Hier werden Menschen krank therapiert. Und anschlie\u00dfend wird mit den gleichen Mitteln versucht, die Kranken wieder gesund zu bekommen.<\/strong><\/p>\n<p>Das erinnert mich an den tollen Rennfahrer, den man auf eine scharfe Kurve aufmerksam macht. Dessen lapidare Antwort ist: \u201eMacht nix. Wenn ich die Erste nicht schaffe, dann nehme ich halt die N\u00e4chste\u201c. Wenn ich also mit f\u00fcnf und mehr Medikamenten meinen Patienten nicht gesund bekomme, dann gebe ich noch ein paar Medikamente mehr. Als wenn die Gesundheit der Menschen von der Menge der eingenommenen Tabletten abh\u00e4ngig w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aber weder Patienten, noch eine gro\u00dfe Anzahl von \u00c4rzten sind sich anscheinend bewusst, dass solche Mehrfachverschreibungen ein Spiel mit dem Feuer ist. Es herrscht auch immer noch die irrige Ansicht, dass Viel viel hilft.<\/p>\n<p>Je kr\u00e4nker der Patient ist, desto mehr Medikamente hat er einzunehmen, und umgekehrt. Dass dabei vor allem \u00e4ltere Menschen, aufgrund der nachlassenden F\u00e4higkeit des Organismus, Substanzen abzubauen, keine Dosierungen von jungen Erwachsenen erhalten sollten, ist den meisten \u00c4rzten nicht bekannt oder nicht bewusst.<\/p>\n<p>Ein solches Wissen ist aber unabdingbar, wenn man in Sachen Arzneimittelsicherheit einen Schritt weiter kommen m\u00f6chte.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Wenn Sie noch nicht erkrankt sind, dann k\u00f6nnen Sie das schnell \u00e4ndern: Gehen Sie zum Arzt und lassen sich ordentlich viele Medikamente verschreiben. Und treten Nebenwirkungen auf, daf\u00fcr gibt es ja auch wieder einige Medikamente, die auch Nebenwirkungen erzeugen, f\u00fcr die es dann wieder andere Medikamente gibt usw. Und die \u201eWissenschaft\u201c, die immer wieder wie der Rennfahrer aus der Kurve fliegt, nennt sich \u201eevidenzbasierte Medizin\u201c.<\/p>\n<h4>Meine Empfehlung<\/h4>\n<p>Wenn Sie einmal checken wollen, ob Ihre Medikamente m\u00f6glicherweise Interaktionen hervorrufen k\u00f6nnen, dann gibt es zwei Wege.<\/p>\n<p>Sie besorgen sich die \u201eRote Liste\u201c oder schauen sich folgenden Link an: <a href=\"http:\/\/reference.medscape.com\/drug-interactionchecker\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/reference.medscape.com\/drug-interactionchecker<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.drugs.com\/drug_interactions.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.drugs.com\/drug_interactions.html<\/a>.<\/p>\n<p>Diese Wechselwirkungschecker sind auf Englisch.\u00a0Ein deutsche Pendant dazu w\u00e4re<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.versandapo.de\/wechselwirkungen_pruefung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.versandapo.de\/wechselwirkungen_pruefung<\/a>.<\/p>\n<h4><strong>Was tun bei Patienten, die bereits eine Vielzahl von Medikamenten erhalten?<\/strong><\/h4>\n<p>Nun, guter Rat ist\u00a0teuer.<\/p>\n<p>Erstens: Man wird kaum einen Arzt finden der ein einmal verordnetes Medikament eines Kollegen wieder streicht. Der Kollege m\u00f6chte sich n\u00e4mlich nicht verantworten, wenn (als Folge) etwas &#8222;passieren&#8220; sollte.<\/p>\n<p>Zweitens: Das Absetzen von Medikamenten kann zu Problemen f\u00fchren und die sind ambulant (wenn der Patient dann alleine zu Hause ist) nicht zu kontrollieren &#8211; bei sehr betagten Patienten schon gleich gar nicht. Deswegen lautet der Rat ja auch immer: &#8222;Setzen Sie keine Medikamente selbst ab, sondern nur in Absprache mit Ihrem Verordner.&#8220;<\/p>\n<p>Ich empfehle bei &#8222;verworrenen F\u00e4llen&#8220; (in denen bereits zahlreiche Medikamente im Spiel sind) nach einer Klinik\u00a0zu suchen, sich dort station\u00e4r aufnehmen zu lassen und dann dort kontrolliert die Medikamente abzusetzen.<\/p>\n<p>Dazu braucht man Profis, die sich damit auskennen. Ich habe es bereits erlebt, dass vermeintlich &#8222;demente und verworrene&#8220; Patienten danach wieder &#8222;wie immer&#8220; waren. Um es aber erst gar nicht so weit kommen zu lassen, halte ich es f\u00fcr notwendig genau zu pr\u00fcfen, welche Medikamente man nehmen m\u00f6chte \/ kann und welche Alternativen es gibt. Und das ist auch genau ein Grund daf\u00fcr, warum ich auch hier im Internet schreibe und schreibe&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Mehr dazu in meinen Beitr\u00e4gen:<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/medikamente-nebenwirkung-tod\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medikamente &#8211; Nebenwirkung TOD<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.naturheilt.com\/medikamentenskandal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Medikamentenskandale<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/boese-buben-pharmaindustrie-beim-schummeln-erwischt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die \u201cb\u00f6sen Buben\u201d der Pharmaindustrie beim Schummeln erwischt<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Beitr\u00e4ge finden Sie in diesem Blog in der <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/category\/medikamente\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kategorie Medikamente<\/a>\u00a0und in meinem <a href=\"http:\/\/www.yamedo.de\/blog\/category\/medikamente\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Yamedo Blog in der Kategorie Medikamente<\/a>.<\/p>\n<p>Beitragsbild: 123rf.com &#8211; Andrea Obzerova<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8222;evidenzbasierten Statistiken&#8220; der medizinischen Wissenschaft beweisen uns immer wieder, dass alte Menschen h\u00e4ufiger und schwerer an Krankheiten leiden als j\u00fcngere Zeitgenossen. 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