{"id":1195,"date":"2023-06-26T13:06:18","date_gmt":"2023-06-26T11:06:18","guid":{"rendered":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/?p=1195"},"modified":"2023-10-12T19:41:38","modified_gmt":"2023-10-12T17:41:38","slug":"eiertanz-antibiotika-huehner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/eiertanz-antibiotika-huehner\/","title":{"rendered":"Eier-Tanz um Antibiotika-H\u00fchner"},"content":{"rendered":"<p>11 kg Gefl\u00fcgelfleisch isst der Bundesb\u00fcrger im Schnitt \u2013 pro Jahr. Schon 2011 erfuhren wir (mal wieder): Stichproben von H\u00e4hnchenfleisch aus deutschen Discountern und Superm\u00e4rkten, wie Edeka, Aldi, Real, Netto oder Lidl, enthalten nicht nur Antibiotika, sondern auch antibiotikaresistente Bakterien obendrauf.<\/p>\n<p>So werden immer wieder Multiresistenten Gramnegativen St\u00e4bchenbakterien (MRGN) und der multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA, auch Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) in H\u00e4hnchenfleisch gefunden. . Laut der US-Journalistin Maryn McKenna versterben in den USA j\u00e4hrlich rund 23 000 Menschen an Infektionen, die aufgrund der Resistenzen erfolglos behandelt wurden. Die dortigen Gesundheitsbeh\u00f6rden sind auch zunehmend besorgt, weil Geschlechtskrankheiten nur noch sehr schwer in den Griff zu bekommen sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Weltweit sollen es pro Jahr etwa 700 000 Menschen sein, bei vielen Infektions-Krankheiten die den widerstandsf\u00e4higen Erregern zum Opfer fallen. Das Problem hat deswegen enorme Ausma\u00dfe angenommen, weil US-Landwirte jedes Jahr rund 250 000 kg Antibiotika verf\u00fctterten. Maryn McKenna rechnet vor, dass dies die vierfache Menge ist, die im humanmedizinischen Bereich eingesetzt wird (Maryn McKenna: Plucked!: The Truth About Chicken, erstmals erschienen 2017).<br \/>\nMultiresistente Keime sind seit 2005 enorm auf dem Vormarsch. Das Problem ist auf vielen Intensiv-Stationen kaum noch l\u00f6sbar. Mediziner sehen angesichts der Entwicklung einen eindeutigen Zusammenhang mit dem Missbrauch der Antibiotika in der Fleisch- und besonders der Gefl\u00fcgel-Produktion.<\/p>\n<p>Laut \u201eSpiegel\u201c und \u201eFrankfurter Rundschau\u201c war 2011 jede zweite Stichprobe mit resistenten Bakterien belastet. Durchgef\u00fchrt wurden diese Erhebungen vom BUND (Bund f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz).<\/p>\n<p>2019 untersuchte Germanwatch 59 Gefl\u00fcgelproben der Billig-Ketten. Dabei wurden in vielen Produkten resistente Keime nachgewiesen, und zwar in 33 % in Lidl- und Real-Packungen, bei Netto in 58 %, bei Aldi in 75 %, und bei Penny sogar in 82 % der Proben. Gleichzeitig konnten die Labore auch das Reserve-Antibiotika Colistin in den Fleischproben nachweisen.<\/p>\n<h2>Die Karriere des Huhns als Fast-Food-Queen<\/h2>\n<p>Die in jedem Garten leicht zu haltenden H\u00fchner waren fr\u00fcher ein Sonntagsmahl. Bevor sie im Kochtopf landeten, legten sie Eier, die ebenfalls zur Selbstversorgung dienten. Die Tiere waren schlank und brauchten viel Bewegung, die sie auch bekamen.<br \/>\nDie Karriere des Huhns auf dem Laufsteg des schnellen Fra\u00dfes begann in den USA. Die Gefl\u00fcgelm\u00e4ster aus dem New Yorker Umland brachten ihre Tiere auf den Wochenmarkt des \u201eBig Apples\u201c, wo man beim Schlachten zuschauen konnte. So konnten sich die K\u00e4ufer vergewissern, dass die Prozedur mit ihren religi\u00f6sen Vorstellungen im Einklang stand. Die Tiere wurden zu einer Art Grundnahrungsmittel f\u00fcr Gro\u00dfst\u00e4dter.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Menschen billiges Fleisch, weil die wirtschaftliche Situation noch im argen lag. Um noch kosteng\u00fcnstiger zu produzieren, bekamen die Tiere billiges Futter, von dem sie krank wurden. Irgendein Mitarbeiter von Lederle Laboratories f\u00fctterte seine H\u00fchner mit Produktions-Abf\u00e4llen seiner Firma, in denen das eben erfundene Antibiotikum Aureomycin enthalten war. Und siehe da: Die Tiere wuchsen doppelt so schnell heran wie ohne das Medikament.<\/p>\n<p>In den 1950er Jahren wurde das Essen von Gefl\u00fcgelfleisch in den USA auch politisch propagiert. Die B\u00fcrger w\u00e4hlten US-Pr\u00e4sident Herbert Clark Hoover wohl auch dank seiner Parole &#8222;A chicken for every pot&#8220;. In den sp\u00e4ten 1070er Jahren lauteten die offiziellen Ern\u00e4hrungsrichtlinien dann, man solle ges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren im Essen reduzieren. Viele Menschen sahen das als weiteren Grund an, mehr H\u00fchnchenfleisch zu vertilgen. Die gro\u00dfe Nachfrage regte die Lebensmittel-Industrie dazu an, aus dem Fleisch neuartige Produkte herzustellen. Nun wurden aus dem schieren Muskelfleisch frittierte Chicken Nuggets, Hotdogs und H\u00e4hnchen-Bolognese. Mit Eiwei\u00df-Resten zusammenklebte H\u00e4hnchen-Sticks kamen auf den Markt, die als Fast Food noch bequemer und in gr\u00f6\u00dferen Mengen gegessen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles sollte so billig wie m\u00f6glich sein. Die Mastbetriebe gerieten unter Druck und wurden von Konzernen der Lebensmittel-Branche abh\u00e4ngig. Die Vertr\u00e4ge sehen vor, dass die K\u00fcken an die M\u00e4ster geliefert und schlachtreif abgeholt werden. Das bedeutet f\u00fcr die Lebensmittel-Riesen maximalen Gewinn bei minimalem Risiko. Die Landwirte sind praktisch gezwungen, Antibiotika als Wachstums-Booster einzusetzen.<\/p>\n<h2>Reserve-Antibiotika f\u00fcr gesunde Tiere<\/h2>\n<p>Das Problem besteht nicht in erster Linie in den Antibiotika-R\u00fcckst\u00e4nden im Fleisch. Viel schlimmer noch ist die Kontamination mit den resistenten Keimen. Diese St\u00e4mme entstehen in der Darmflora der Tiere und geraten auch in die Umwelt. Bekommt der Darminhalt bei der Schlachtung Kontakt zum Muskelfleisch, ist der Weg zum Konsumenten geebnet. Durchkochen hilft zwar, aber wenn vom Fleisch Bakterien auf K\u00fcchenutensilien geraten und anschlie\u00dfend auf Salat, kommt es zur Infektion des Menschen.<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderung des darmeigenen Mikrobioms ist gewollt, denn daraus resultiert das schnellere Wachstum der V\u00f6gel. Daf\u00fcr nehmen die Produzenten auch in Kauf, dass Reserve-Antibiotika, die einzig dem Menschen vorbehalten sein sollten, verf\u00fcttert werden. Die stille Reserve soll beim Menschen nur dann angewendet werden, wenn kein anderes Mittel mehr hilft. Das muss eine starke Lobby sein, die sich solche wichtigen Medikamente auch f\u00fcr ihre Profit-Interessen missbrauchen darf!<\/p>\n<p>Colistin-resistene Erreger tummelten sich in immerhin 2 von 32 Proben der PHW-Gruppe, in 2 von 12 Produkten von Plukon Deutschland und in einem von 3 Proben der Sprehe-Gruppe. Einzig die Rohtk\u00f6tter-Gruppe gl\u00e4nzte hier mit unbelastetem Gefl\u00fcgelfleisch. MRSA konnten die Germanwatch-Labore bei PHW-Produkten (1 von 32) und bei Rohtk\u00f6tter (2 von 12) nachweisen. MRGN-Belastungen waren in 9 (!) der 12 Plukon-Proben zu finden, daneben in 2 der 32 PHW-Produkte und in einem der 12 Rohtk\u00f6tter-Artikel.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter &#8222;Unabh\u00e4ngig. Nat\u00fcrlich. Klare Kante.&#8220; dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pL1KE\"><\/script><\/p>\n<p>Seltsam ist, wie Carbapenem-resistente Keime ins Gefl\u00fcgelfleisch gelangen k\u00f6nnen. Denn Carbapenem ist in der EU in der Tierzucht komplett untersagt. Die Germanwatch-Untersuchung brachte die Belastung erneut ans Tageslicht. In 32 Proben der PHW-Gruppe waren 10 mit den Carbapenem-resistenten Bakterien verseucht. Auch Konkurrent Plukon Deutschland verkauft die kontaminierten Produkte (4 von 12 Proben belastet), wie auch die Sprehe-Gruppe (1 von 3) und die Rohtk\u00f6tter-Gruppe (3 von 12).<\/p>\n<p>In der Germanwatch-Analyse konnten die Wissenschaftler auch einen Resistenz-Faktor im Gefl\u00fcgelfleisch nachweisen: die Extended-Spectrum Betalaktamase (ESBL). Dieses bakterielle Enzym resistenter Erreger spaltet Betalaktam-haltige Antibiotika. 2 der 12 Gefl\u00fcgel-Proben der Plukon-Gruppe, 2 von 32 PHW-Proben sowie 1 von 3 Sprehe-Proben enthielten das Resistenz-Enzym.<\/p>\n<h2>Fleisch statt Pillen<\/h2>\n<p>Wie es aussieht, ist dies f\u00fcr den zufriedenen Kunden und H\u00e4hnchenesser ein besonderer \u201eGl\u00fccksfall\u201c, bekommt er doch neben seinem H\u00e4hnchen noch eine Portion Antibiotika frei Haus geliefert. Dieser kostenlosen Dreingabe kann er kaum entgehen, weil (laut Untersuchung), 96 Prozent der Tiere mit Chemie gro\u00dfgezogen werden.<\/p>\n<p>Auch ein Ausweichen auf andere Fleischsorten, also Schwein, Rind, Pute statt H\u00e4hnchen, bringt nicht die erhoffte Erleichterung, alldieweil diese Tiere zu 80 bis 100 Prozent mit Antibiotika vollgepumpt werden. F\u00fcr die Pharmaindustrie ist dieser Antibiotikakonsum ein erfreulicher Goldregen.<\/p>\n<p>Denn eine Studie der Bundesministerien f\u00fcr Gesundheit, Landwirtschaft und Forschung vom April 2011 stellte fest, dass mindestens 784 Tonnen Antibiotika pro Jahr an die Tiere verabreicht werden. Und das ist mehr als das Doppelte der Menge, die der deutsche B\u00fcrger als Medikation verschrieben bekommt.<\/p>\n<h2>Die Chemie-Spirale<\/h2>\n<p>Dieser enorme Einsatz an Antibiotika ist begr\u00fcndet in der Art und Weise, wie diese Tiere gehalten werden. Aus rein \u00f6konomischen Gr\u00fcnden werden die H\u00fchner auf engstem Raum zusammengehalten, was den \u00dcbertragungsweg f\u00fcr Keime verk\u00fcrzt und vereinfacht. Und Keime gibt es bei einer solchen Mega-Haltung genug, bedingt schon alleine durch den Unrat, der von zig Tausend Tieren erzeugt wird.<\/p>\n<p>Um hier keine toten H\u00fchner zu produzieren, ist der Halter auf den \u201eprophylaktischen\u201c Einsatz von Antibiotika angewiesen. Denn sonst sind die Chancen gro\u00df, dass ihm ein Gro\u00dfteil der Tiere an Infektionskrankheiten verendet. Dieser kontinuierliche Einsatz von Chemie wiederum erzeugt in den Tieren ein Milieu, das zwar die meisten Keime abt\u00f6ten kann, aber aufgrund seiner Kontinuierlichkeit einigen Keimen die Gelegenheit gibt, durch Mutation und Selektion Abwehrmechanismen gegen die Antibiotika zu entwickeln.<\/p>\n<p>Selbst wenn Milliarden Keime vernichtet werden, reicht eine Mutation bei einem Bakterium aus, um diesen Prozess in Gang zu setzen. Denn dieser mutierte, resistente Keim hat nun ausreichend Gelegenheit, sich in diesem Milieu zu vermehren \u2013 und schon haben wir einen Bakterienstamm, der einer Therapie mit <a href=\"https:\/\/www.naturheilt.com\/Inhalt\/Antibio.htm\">Antibiotika<\/a> widerstehen kann.<\/p>\n<p>Wenn dieser neue Stamm dann auch noch in der Lage ist, sich beim Verzehr erfolgreich in seinem neuen Wirt, den Menschen, zu platzieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit gro\u00df, dass solche Keime wie der <a href=\"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/ehec-heckmeck\/\">EHEC<\/a> dabei rauskommen.<\/p>\n<p>Das dies noch nicht geschehen ist, liegt nicht am erfolgreichen Einsatz der Antibiotika, sondern daran, dass die \u00dcbertragung der resistenten Keime vom Huhn\/H\u00e4hnchen auf den Menschen noch \u201enicht funktioniert\u201c. Wann dies erfolgen wird, das kann niemand voraussagen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pDDkW\"><\/script><\/p>\n<p>Wenn es aber passiert, dann haben wir wieder ein neues Heck-Meck, bei dem keiner die Verantwortung auf sich nehmen will. Aber vielleicht k\u00f6nnen dann ja H\u00e4hnchen aus Spanien herhalten, die die ultimative Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Resistenzentwicklung auf sich nehmen. F\u00fcr die Zeit \u201edazwischen\u201c reicht es dann ja auch, dass man den antibiotikatr\u00e4chtigen Geschmack dieser Zuchttiere mit reichlich viel Gew\u00fcrz \u00fcbert\u00fcnchen kann.<\/p>\n<p>Wie lecker so ein Huhn schmeckt mit allem drum und dran k\u00f6nnen Sie nachlesen unter: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/huehnerfleisch-ohne-geschmack\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H\u00fchnerfleisch ohne Geschmack<\/a>.<\/p>\n<h2>Der exorbitante Einsatz von Antibiotika in der Tiermast<\/h2>\n<p>\u201eIn neun von zehn Praxen, in denen ein Landwirt den Tierarzt um eine Flasche Penizillin bittet, bekommt ein Tierhalter das Medikament sofort \u2013 auch ohne Untersuchung\u201c, sagte Rupert Ebner, ehemaliger Vizepr\u00e4sident der bayerischen Landestier\u00e4rztekammer, der S\u00fcddeutschen Zeitung. [\u2026]<\/p>\n<p>Finde ein Tierarzt unter 30 000 K\u00fcken ein krankes Tier, reiche das, um alle Tiere vorsorglich mit Antibiotikum zu behandeln. \u201aOft schreibt der Tierarzt sogar bewusst eine falsche Diagnose aufs Papier, um eine legale Anwendung mit dem Antibiotikum vorzut\u00e4uschen.\u2018<\/p>\n<p>Ebner ist praktizierende Tierarzt mit 30 Jahren Berufserfahrung und kennt die Gepflogenheiten seiner Branche. Vor zweieinhalb Jahren warf er seinen Job bei der Landestier\u00e4rztekammer hin, weil er dem nicht mehr zusehen wollte. (sueddeutsche.de\/e5438Q\/192561\/Vollgestopft-mit-Antibiotik.html)<\/p>\n<p>Und besonders gravierend ist es in der Gefl\u00fcgelmast \u2013 und das ist schon seit Jahren bekannt. Was den Einsatz von Arzneimitteln wie beispielsweise Antibiotika in der Gefl\u00fcgelmast angeht, lassen sich jedoch nur vage Vermutungen anstellen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund fordern Politiker eine verbesserte Dokumentation \u00fcber den Einsatz von Arzneimitteln in der Gefl\u00fcgelmast. All das wird schon seit Jahren gefordert. Passiert ist indes wenig bis gar nichts.<\/p>\n<h2>Das Gesetz von 2011 war wirkungslos<\/h2>\n<p>Zwar wird seit dem 1. Januar 2011 auf einen Gesetzesbeschluss hin die Auslieferung von Arzneimitteln dokumentiert jedoch genie\u00dft die Gefl\u00fcgelindustrie einen besonderen Schutz. Begr\u00fcndet mit einem verst\u00e4rkten Datenschutz soll diese Regelung nun jedoch auf Antrag gekippt werden. Experten jedoch vermuten einen starken Einfluss seitens der Gefl\u00fcgellobby, welche verst\u00e4rkt auf den Einsatz von Antibiotika in Mastbetrieben mit mehr als 100.000 Tieren besteht.<\/p>\n<p>Nur so wird nach Meinung der Verantwortlichen die Ausbreitung gef\u00e4hrlicher Seuchen verhindert. Die Krise in der Gefl\u00fcgelmast hat mittlerweile aber auch das Landwirtschaftsministerium erreicht. Sch\u00e4tzungen zur Folge stieg die Zahl der Behandlungen mit Antibiotika wie beispielsweise Penicillin oder Neomycin von durchschnittlich 1,7 Behandlungen pro Mastgang auf 2,3 Behandlungen pro Mastgang.<\/p>\n<p>Aussagen von Amtstier\u00e4rzten nach werden teilweise sogar sechs Behandlungen pro Mastgang verzeichnet. Ein Mastgang umfasst bei H\u00e4hnchen ca. 30 Tage.<\/p>\n<p>Als Ziel der Behandlungen mit Antibiotika setzen sich die Mastbetriebe neben einer Verl\u00e4ngerung der Lebensdauer der Zuchttiere vor allem deren Wachstumsf\u00f6rderung. Und das, obwohl der Einsatz von Medikamenten zur F\u00f6rderung der Mastleistung bereits seit 2006 in der gesamten EU verboten ist. Als Laie sehe sogar ich: Die Gesetze sind anscheinend schon da.<\/p>\n<p>Das scheint vielen Z\u00fcchtern und Landwirten jedoch egal zu sein. Eine Ausbreitung der Keime auf den Menschen und das hieraus resultierende Risiko lebensgef\u00e4hrlich oder sogar t\u00f6dlich zu erkranken wird seitens der Z\u00fcchter hierbei jedoch au\u00dfer Betracht gelassen.<\/p>\n<p>Die besonders gef\u00fcrchteten MRSA Erreger wurden n\u00e4mlich laut einem Bericht des Bundesinstituts f\u00fcr Risikobewertung bereits 2011 in 25 % des verkauften H\u00fchnerfleischs und in 43% des Putenfleischs gefunden. In 52 % aller Schweinest\u00e4lle wurden MRSA Erreger nachgewiesen.<\/p>\n<p>(bfr.bund.de\/cm\/343\/menschen_koennen_sich_ueber_den_kontakt_mit_nutztieren_mit_mrsa_infizieren.pdf) Und das bereits seit JAHREN.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter dazu an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2gv\"><\/script><\/p>\n<h2>Ich bin\u00b4s nicht gewesen!<\/h2>\n<p>Die \u201eneuen\u201c Stichproben werden zur Zeit \u201enur mal wieder\u201c interessant pr\u00e4sentiert. Die theoretischen Grundlagen seitens der Wissenschaft sind indes l\u00e4ngst bekannt.<br \/>\nDas sollte den Produzenten eigentlich Warnung genug sein. Ist es aber nicht. Die Einen h\u00fcllen sich in Schweigen. Und die Anderen?<\/p>\n<p>Betroffene (wie Wiesenhof), beteuern ihre Unschuld schon jetzt \u2013 rein prophylaktisch versteht sich: \u201eEin m\u00f6glicher Missbrauch wird bei Wiesenhof unter anderem durch ein intensives R\u00fcckstandsmonitoring, zum Beispiel durch unangek\u00fcndigte Kontrollen des Futters und des Wassers vor Ort beim Landwirt unterbunden.\u201c<\/p>\n<p>Aber warum sind dann auch bei Proben der Wiesenhof-Produkte Antibiotikar\u00fcckst\u00e4nde und resistente Keime gefunden worden? Das gerade Wiesenhof nicht unbedingt zu den glaubw\u00fcrdigsten Unternehmen geh\u00f6rt, hab ich in einem fr\u00fcheren Artikel belegt, bei dem es u.a. um die Frage der Tierhaltung und Fleischproduktion geht: <a href=\"https:\/\/www.gesund-heilfasten.de\/blog\/billige-nahrungsmittel-teuer-bezahlt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Billige Nahrungsmittel teuer bezahlt<\/a>.<\/p>\n<p>Auch hier widerlegen bewegte und bewegende Bilder die lauteren Anspr\u00fcche auf eine \u201emenschliche\u201c Tierhaltung dieser Firma. Um kein Missverst\u00e4ndnis aufkommen zu lassen: Es geht mir nicht darum, einen \u201eB\u00f6sewicht\u201c ausfindig zu machen und den abzuurteilen. Vielmehr geht es mir darum, zu zeigen, dass die alte M\u00fchle der Profitmaximierung die alte M\u00fchle von Lug und Trug antreibt.<\/p>\n<p>Obwohl das Desaster sich mit Blitz und Donner ank\u00fcndigt, werden diese Zeichen bewusst ignoriert. Entweder man schweigt oder wiegelt ab, in der Hoffnung, dass die unausweichlichen Folgen dann erst eintreten, wenn man damit nichts mehr zu tun hat: Nach mir die Sintflut. Und der Verbraucher wird\u2019s in wenigen Wochen sowieso vergessen haben. Denn dann kommt ja doch wieder das Billig-Turbo-Mastfleisch auf den Teller. Oder?<\/p>\n<h2>Die Politiker sollen endlich was machen!<\/h2>\n<p>Ja \u2013 die Politik eilt uns umgehend zur Hilfe, mit den ihr eigenen Ma\u00dfnahmen: Gesetzentw\u00fcrfe, die \u201eordnungsgem\u00e4\u00df\u201c so lange dauern, dass die Firmen noch genug Zeit haben, ihr Sch\u00e4fchen (hier: H\u00fchnchen) ins Trockene zu man\u00f6vrieren.<\/p>\n<p>So wollte schon die ehemalige Bundesverbraucherschutzministerin Aigner den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung drastisch reduzieren, n\u00e4mlich nur auf die Behandlung erkrankter Tiere. Das h\u00f6rt sich erst einmal \u00fcberzeugend und logisch an.<\/p>\n<p>Doch die in K\u00e4figen dicht gedr\u00e4ngt lebenden Tieren leiden praktisch immer an irgendwelchen Krankheiten und so k\u00f6nnen Tier\u00e4rzte immer eine passende Diagnose finden, um die Medikation zu rechtfertigen. Ein Total-Verbot von Antibiotika in der Tier-Produktion ist im Reich der Lobbyisten, das sich Politik nennt, wohl nicht denkbar.<\/p>\n<p>Bundeslandwirtschaftsminsterin Julia Kl\u00f6ckner belie\u00df es, wie ihre Vorg\u00e4nger und Vorg\u00e4ngerinnen auch, bei einen Lippenbekenntnissen.<\/p>\n<p>Aber: Ich denke, da kann man gleich einen Gesetzentwurf einbringen, der Krankheiten bei H\u00fchnern verbietet. Denn, wie schon weiter oben erl\u00e4utert, ist die Massentierhaltung verantwortlich f\u00fcr das hohe Erkrankungspotenzial bei den Tieren und nicht der falsche Umgang mit den Antibiotika.<\/p>\n<p>Ein Aussetzen der prophylaktischen Antibiotikagabe w\u00fcrde zu Infektionen f\u00fchren, die sehr wahrscheinlich noch mehr Antibiotika bei den dann erkrankten Tieren erforderlich machen werden.<\/p>\n<p>Die Pharmaindustrie wird sich wohl kaum \u00fcber diese Vorgehensweise beklagen k\u00f6nnen. Zumindest habe ich noch keine Kommentare diesbez\u00fcglich geh\u00f6rt. Und auch der agrarpolitische Sprecher der Gr\u00fcnen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, sah in Frau Aigners Vorschl\u00e4gen nur eine Art \u201eKosmetik\u201c.<\/p>\n<p>Er meint, dass ihr klar sei, dass die industrielle Fleischproduktion ohne Antibiotika nicht funktioniert. Und da hat sie vollkommen recht\u2026<\/p>\n<h2>Der Verbraucher muss sich wehren \u2013 wie in den USA<\/h2>\n<p>In den USA scheint sich die Situation schrittweise zu verbessern. Aber nicht durch vern\u00fcnftige Gesetze, die dem Antibiotika-Missbrauch Einhalt gebieten, sondern durch Konsumenten-Proteste und ver\u00e4nderte Unternehmens-Strategien. 1977 wollte FDA-Kommissar Donald Kennedy die Medikamenten-Verf\u00fctterung unterbinden, scheiterte aber an einer Erpressung durch den Kongressabgeordneten Jamie Whitten. Der einflussreiche Politiker drohte damit, der FDA (Food and Drug Administration) den Geldhahn zuzudrehen. Auch setzte er durch, dass die FDA die Risiken durch Antibiotika in Fleisch nicht mehr erforschen durfte. Die grunds\u00e4tzliche Gefahr war jedoch bereits bekannt, weil andere Institutionen schon darauf hinwiesen wie die National Academy of Sciences und das Institute of Medicine, das vom National Institutes of Health finanziert wird.<\/p>\n<p>Steter Tropfen h\u00f6hlt den Stein. Viele US-Verbraucher wurden seit 2010 nicht m\u00fcde, mit E-Mails und Kommentaren in Sozialen Medien bei Gefl\u00fcgel-Produzenten die Antibiotika-Praxis zu kritisieren und sauberes Fleisch zu verlangen. 2014 verlautbarte Perdue Farms, antibiotika-frei werden zu wollen. McDonald&#8217;s, Taco Bell, Subway, Cargill und Tyson zogen nach.<\/p>\n<p>Nur Sanderson Farms str\u00e4ubte sich mit dem Argument, Antibiotika seien im Gefl\u00fcgelfleisch kaum nachweisbar. V\u00f6llig verkannt hatte man dort, dass es um die resistenten Keime ging, die sich auf dem Fleisch tummeln. Perdue Farms hingegen geht mittlerweile so weit, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Als Alternative zu Antibiotika haben die Entwickler des Konzerns inzwischen Heilkr\u00e4uter und Probiotika entdeckt.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte alles schneller gehen k\u00f6nnen. Die britische Regierung hat jedwede Wachstums-Booster in der Tiermast schon 1971 verboten.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Verbraucher wird auch weiterhin durch sein Mittagessen mit Antibiotika versorgt, die ihm im Laufe der Jahre gesundheitliche Probleme bereiten werden. Au\u00dferdem wird man viel h\u00e4ufiger Tiere auf den Teller bekommen, die zuvor an einer Infektion erkrankt waren und durchtherapiert worden sind. Das Potenzial f\u00fcr die Entwicklung von resistenten Keimen interessiert niemanden von Industrie und Politik.<\/p>\n<p>Na dann: Guten Appetit.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist die L\u00f6sung einfach: Aufh\u00f6ren dieses \u201eBillig-Fleisch\u201c und diese \u201eBillig-Wurst\u201c zu konsumieren (und keine Meeresfr\u00fcchte aus Mastbetrieben). Denn erst, wenn diese Industrieprodukte vom Verbraucher massenhaft vermieden werden und der Rubel aufh\u00f6rt zu rollen, werden die Verantwortlichen hellwach und nach geeigneten Alternativen suchen. Vielleicht ist das die Stunde der wirklich echten Bio-Bauern?<\/p>\n<p>Germanwatch fand in 11 Gefl\u00fcgel-Proben aus Bio-H\u00f6fen nur in einer einzigen resistente Keime. Und echtes Bio-Fleisch schmeckt sowieso besser.<\/p>\n<p>Wenn das Antibiotika-Problem in der EU gel\u00f6st ist, k\u00f6nnen wir nur hoffen, dass auch kein Glyphosat und kein Gen-Food mehr an Masttiere verf\u00fcttert wird.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen Praxis-Newsletter mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; an:<\/strong><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/rene-graeber.de\/view_webform_v2.js?u=v9&#038;webforms_id=pD2TS\"><\/script><\/p>\n<p>Kleine Anmerkung: Die Sache mit den &#8222;5 Wundermitteln&#8220; ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen&#8230;<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde am 12.1.2012 erstellt und letztmalig am 26.06.2023 aktualisiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11 kg Gefl\u00fcgelfleisch isst der Bundesb\u00fcrger im Schnitt \u2013 pro Jahr. Schon 2011 erfuhren wir (mal wieder): Stichproben von H\u00e4hnchenfleisch aus deutschen Discountern und Superm\u00e4rkten, wie Edeka, Aldi, Real, Netto oder Lidl, enthalten nicht nur Antibiotika, sondern auch antibiotikaresistente Bakterien obendrauf. So werden immer wieder Multiresistenten Gramnegativen St\u00e4bchenbakterien (MRGN) und der multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":3483,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[44,64,6,275],"class_list":["post-1195","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-antibiotika","tag-antibiotikaresistenz","tag-ernahrung","tag-fleisch"],"modified_by":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1195"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1195\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/naturheilt.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}