Neue Chemotherapie-Mittel: fragwürdig, nutzlos und umstritten

Es ist jetzt bereits einige Jahre her, seit ich über den Sinn und Unsinn von Krebsmitteln geschrieben hatte.

Und um es gleich vorweg zu nehmen: Für die Pharmaindustrie sind Krebserkrankungen eine Goldgrube. Denn die Angst vor dieser Erkrankung fördert die Bereitschaft von Ärzten und Patienten gleichermaßen, alles oder vieles zu akzeptieren, was nach einer Heilsbotschaft aussieht.

Dementsprechend häufig gibt es die berühmten „Durchbrüche“, die beim genauen Hinsehen dann doch eher nach „Einbrüchen“ aussehen, beziehungsweise nur Durchbrüche für die Umsatzzahlen der Industrie sind.

Man kann es kaum glauben, wie wenig Erfolg auf diesem Gebiet in den letzten zig Jahren zu verzeichnen ist!

Und es ist noch unglaublicher, wie wenig Interesse Politik und Industrie an Behandlungserfolgen zu haben scheinen. Hier ein paar „Kostproben“ für meine kühne Behauptungen:

Produktiver aus Pharma-Sicht ist die ideologische Verbreitung von Erfolgsmeldungen für neue Produkte, auch wenn es dafür noch keine praktischen Belege gibt – ausser den „Reagenzglasversuchen“ mit Krebszelllinien…

Aber die Vermarktung läuft wie geschmiert! Das Ganze nennt man dann „Marketing“. Ich nenne es „Verar…“ — äh.. lieber doch nicht, sonst kriege ich wieder Abmahungen der Herrschaften, die sich schon mal nach Fehlern auf meinen Webseiten gemacht haben…

Also verweise ich lieber mal auf meinen soliden Beitrag: Pharmafirmen: Scheininnovationen zur Sicherung der Gewinnmarge?

Vertreter der Schulmedizin, die ihren Auftrag als Arzt im Sinne des hippokratischen Eids ernst nehmen (den ja sowieso keiner mehr leistet), werden von der Politik und zugunsten der Interessen der Industrie kaltgestellt, wie dies mit dem damaligen Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Dr. Peter Sawicki, vorexerziert worden war: Das Gesundheitsministerium: Freund der Pharmaindustrie?

Denn dieser unverbesserliche „Pharma-Querulant“ hatte doch allen Ernstes darauf bestanden, dass Medikamente (auch Krebsmedikamente!), einen evidenzbasierten Nutzen für den Patienten und weniger für den Hersteller haben sollten, was natürlich eine kontraproduktive Einstellung aus Sicht der Pharmaindustrie war. Und sie dürfen mal raten wie lange Dr. Sawicki arbeiten durfte! Und Sie dürfen auch raten, welche Rolle das IQWiG heute spielt… — Genau.

Ich bin nicht alleine

Es ist mir bewusst, dass man mich reflexartig in die Schublade steckt, auf der das Etikett „pharmakritisch“ prangt. Kein Wunder also, wenn meine Beiträge sich nicht den üblichen Lobhudeleien und der permanenten Selbstbeweihräucherung der Schulmedizin anschließen wollen. Aber meine Beiträge und meine Einstellung sind nicht Resultat einer verkaufsorientierten Ideologie. Denn ich mache hier keine Produkte schlecht, damit ich mein eigenes Produkt besser platzieren kann. Dazu müsste ich erst einmal ein eigenes Produkt haben. Na gut – ich habe meine Bücher, aber die sind ja eigentlich nur die logische Konsquenz dieser Artikel hier. Manche Dinge lassen sich eben nicht in einem Beitrag abhandeln.

Aber zurück zu den Chemotherapie-Mitteln:

Da kam Ende November 2017 die Überraschung. Es gab einen Beitrag von Seiten der Schulmedizin (!), der die Aussagen meiner bisherigen Beiträge praktisch vollständig unterstützt. Die Überschrift spricht bereits Bände:

Neue Krebsmedikamente – teuer und oft nutzlos

Das Ganze gab es dann sogar in den Nachrichten zu hören (https://www.tagesschau.de/inland/chemotherapie-monitor-101.html). Es handelt sich hier nicht um eine Stellungnahme von Dr. Sawicki, dem solche „geschäftsschädigenden Unterstellungen“ gut zuzutrauen sind. Vielmehr setzt sich ein Beitrag des WDR mit der Nützlichkeit neuer Krebsmedikamente auseinander (Krebsmedikamente ohne Nutzen: zweifelhafter Profit der Pharmaindustrie | Monitor | Das Erste | WDR).

49% der „neuen“ Chemotherapie-Mittel haben keinerlei Zusatznutzen

Ausgangspunkt ist eine neue Studie aus England, die 48 Medikamente unter die Lupe genommen hat, die zwischen 2009 und 2013 für die Krebsbehandlung zugelassen worden sind. Das Ergebnis zeigte, dass 49 Prozent der neuen Medikamente überhaupt keine Verlängerung der Lebenszeit bewirken und auch keine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringen.

Dies ist umso schockierender, alldieweil alte Krebsmedikamente noch von sich behaupten konnten, das Leben der Patienten wenigstens einige Wochen oder Monate zu verlängern. Übrigens: Sie haben richtig gelesen. Es sind in sehr vielen Fällen nur Monate bis Wochen wo eine Lebensverlängerung bewirkt wird. Das wäre ja noch vertretbar, wenn es um Wochen oder Monate ginge, die man in „guter Lebensqualität“ mit seinen Lieben verbringen könnte…

Es geht gar nicht um Lebensqualität – DIE KASSE muss stimmen!

Aber die Lebensqualität der Patienten spielt bei den Neuentwicklungen offensichtlich keine Rolle mehr. Dafür, dies wird ebenfalls im Beitrag gezeigt, sind Preise und Umsätze für diese Medikamentenkategorie um mehr als 50 Prozent gestiegen. Und damit wären wir wieder bei des Pudels Kern.

Bei 100.000 EUR Behandlungskosten pro Jahr pro Patient auf der einen Seite und fraglicher Wirksamkeit und hohen Nebenwirkungsraten auf der anderen Seite möchte man fast annehmen, dass Preisentwicklung und Nutzlosigkeit/Schädlichkeit in einem direkten umgekehrten Zusammenhang stehen.

Nutzlose Mittel verschwinden nicht, sie BLEIBEN!

Im Beitrag wurde zu bedenken gegeben, dass einmal im Markt etablierte Krebsmedikamente nur selten wieder vom Markt verschwinden, was natürlich für die Industrie ein besonders interessantes Merkmal ist.

Die Angst vor Krebserkrankungen wird auch hier genutzt, alles zuzulassen, was sich als Krebsmedikament ausgibt (natürlich mit Ausnahme von natürlichen Behandlungsmethoden, die in direkter Konkurrenz zum Pharmamarkt stehen!).

Die Angst vor Krebs wird genutzt um neue Medikamente noch schneller zuzulassen…

Die EMA geht sogar soweit, dass sie seit einigen Jahren Krebsmedikamente über eine „beschleunigte Zulassung“ schnell auf den Markt bringt. Für die Pharmaindustrie ist dies ein Eldorado, da Kosten und Zeit für Studien zum Nachweis des Nutzens für die Patienten drastisch gesenkt werden. Und wie es aussieht wird auch der Nutzen für die Patienten drastisch gesenkt.

Laut Professor Ludwig, dem Leiter der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, gibt es keine plausible Begründung für diese neue Praxis seitens der EMA, da es keinen Mangel an alten Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen gibt, die darüber hinaus besser dokumentiert sind und in der Regel besser wirken als die neuen Substanzen.

Die EMA spricht von einem „ungedeckten medizinischen Bedarf“, der eine schnelle Zulassung erforderlich mache. Dies wäre aber ein fast direktes Eingeständnis, dass die alten Medikamente zur Krebsbehandlung nichts taugen, obwohl sie uns seinerzeit als „Durchbrüche“ präsentiert worden waren.

Ich glaube, dass man schon davon ausgehen darf, dass die medikamentöse Behandlung von Krebserkrankungen mit alten und mit neuen Substanzen alles andere als ein erfolgreiches Unterfangen ist, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Für mich riecht die beschleunigte Zulassung nach Lobbyarbeit der Pharmaindustrie, möglichst schnell möglichst viele neue Krebssubstanzen auf den Markt zu werfen, die dann so schnell nicht mehr verschwinden.

Professor Glaeske von der Universität Bremen sieht in diesem Zusammenhang, und vor allem aufgrund der „beschleunigten Zulassung“, die Notwendigkeit, eine „späte Nutzenbewertung“ verbindlich vorzuschreiben. Das hieße in der Praxis, dass bereits zugelassene Medikamente unter praxisrelevanten Bedingungen nach beurteilt werden und möglicherweise bei gravierenden Nebenwirkungen und/oder mangelnder Wirkung wieder vom Markt genommen werden müssen.

Die Reaktion der Pharmaindustrie auf solche Ideen kann man sich lebhaft vorstellen, vor allem wenn man an das Beispiel von Dr. Sawicki denkt, der seinerzeit sehr ähnliche Ideen entwickelt hatte.

Patienten-Leben, ist kein Kriterium. . .

. . . so lautet die Überschrift eines Absatzes im WDR-Beitrag. Für die EMA reicht es schon aus, wenn die neue Substanz das Wachstum des Tumors vorübergehend bremst, um sie als zulassungsreif zu erachten (das schaffen übrigens natürliche Substanzen mit anti-kanzerogener Wirkung auch, bei deutlich weniger Nebenwirkungen!). Eine Arzneimittelexpertin von dem eben erwähnten IQWiG widerspricht dieser Ansicht, da ein Wachstumsstopp des Tumors nicht gleichbedeutend ist mit Heilung der Krebserkrankung. Oder anders herum: Was passiert, wenn die Substanz abgesetzt wird? Kommt es dann wohl möglich zu einem erneuten Wachstum des Tumors? Oder wird die Substanz zum lebenslangen Begleiter der Erkrankten, was natürlich ein Traumergebnis für die Hersteller wäre.

Ich denke, hier nähern wir uns der Quintessenz all dieser Bemühungen. Mehr als zuvor und deutlich weniger schamhaft wird die Notlage der Krebskranken dazu genutzt, Kasse zu machen. Für teures Geld werden den Patienten leere Versprechungen auf Heilung gemacht, die noch nicht einmal ansatzweise belegt werden können. Die Versprechungen müssen dann reichen. Während die Politik gefährliche Alternativmediziner und Heilpraktiker abschaffen will, sieht sie in diesem Bereich keinen Handlungsbedarf.

Rund 50 Prozent der neuen Wirksubstanzen ohne Wirkung, dafür 50 Prozent höhere Preise – das ist evidenzbasierte Politik im Sinne der Pharmaindustrie.

DER WITZ: Reaktionen auf die englische Studie

Dieser „terroristische Anschlag“ auf das Selbstverständnis der Schulmedizin beziehungsweise Onkologie sollte eigentlich eine Welle der Empörung ausgelöst haben.

Aber hier herrscht das Schweigen im Walde. Das Bundesgesundheitsministerium lässt sich nicht zu Äußerungen über diese Studie herab. Und die EMA konstatiert, dass die Ergebnisse wohl so in Ordnung gehen.

Ich lach mich schlapp!

Fazit

Offensichtlich kümmert sich von offizieller Seite niemand mehr um solche Ergebnisse und Erkenntnisse. Wenn man weiß, dass man machen kann, was man will, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, dann sind entsprechende Reaktionen nur überflüssig und halten auf.

Man konzentriert sich lieber auf „beschleunigte Zulassungen“, die unter dem scheinheiligen, heuchlerischen Vorwand, besser Krebs behandeln zu können, dann für noch mehr Medikamente mit noch mehr Umsatz sorgen.

Leute, Leute, Leute… Euer „klinischer, evidenzblasierter Medizinbetrieb“ stinkt zum Himmel. Und die selbst die öffentlichen Medien berichten mittlerweile darüber!

Datum: Dienstag, 5. Dezember 2017
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Ein Kommentar

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    Die Menschen sterben nicht an Krebs, sondern an den Folgen der Behandlung.Dieses Siechtum, dieses Elend, habe ich bei meinem Mann miterlebt. Letzten Endes hat ihm irgendein Pilz, soweit ich mich noch erinnere, den Garaus gemacht. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand für mich bereits fest, daß ich solch eine Behandlung ablehnen würde. Wer so mit seinem Körper in den Krieg zieht, kann wohl keine Heilung erwarten. Heute weiß ich natürlich, daß die Pharmaindustrie und Schulmedizin sich um deine Krankheit kümmert. Für die Gesundheit muß man schon selber Verantwortung übernehmen.

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