Montag, 23. Mai 2011 1:17
Es war vor etwa 30 oder 40 Jahren, da wurde eine einfache Formel aufgestellt, die einen “normalen” Blutdruckwert definierte. Sie bezog sich ausschließlich auf den systolischen Wert, denn dem diastolischen Wert wurde seinerzeit nur wenig Bedeutung zugemessen. Und die Formel lautete 100 + Alter. Klingt dynamisch und war es auch – bei der Berechnung.
So durfte ein 20-Jähriger einen Blutdruckwert von 120 mmHg systolisch haben, ein 50-Jähriger konnte sich 150 mmHg erlauben und ein 100-Jähriger demzufolge einen Blutdruck von systolisch 200 mmHg. Alles darüber war Bluthochdruck, alles darunter der niedrige Blutdruck. Im Laufe der 80-er und 90-er Jahre des letzten Jahrtausends wurde diese Berechnungsgrundlage für einen “normalen” Blutdruck abgeschafft, denn die Framingham-Studie, die einige Tausend Probanden seit 1948 beobachtete, zeigte einen Trend von erhöhter Mortalität bei Individuen mit hohen systolischen Werten unabhängig vom Alter.
Also gab man die 100-plus-Alter-Regel auf und einigte sich, dass für alle Altersgruppen die “120/80″ der goldene Standard sind. Der diastolische Wert erfuhr auch eine Aufwertung, denn man wurde sich damals bewusst, dass die Diastole (Füllung des Herzens mit Blut während der Erschlaffungsphase) für die Blutversorgung der Herzkranzgefäße verantwortlich war und somit hohe Werte hier ebenfalls schädlich sein mussten.
Dies war auch der Zeitpunkt, an dem das Geschäft mit dem Hochdruck besonders interessant geworden war, waren doch mit dieser Neudefinition schlagartig alle, die sich mit über 120/80 Sachen durch die Weltgeschichte bewegten, ein Fall für den Arzt. Nicht umsonst ist dies auch die Zeit der großen Entdeckungen von Antihypertensiva wie Betablocker, ACE-Hemmer und peripher wirksamer Calciumantagonisten.
Nachdem bis heute die Wissenschaft nicht eindeutig in der Lage ist, die Mechanismen der Blutdruckregulation zu erklären, ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, wenn man nicht zu wissen scheint, wie ein “normaler” Blutdruckwert denn nun aussieht. Dementsprechend groß sind die Bemühungen für eine Klärung.
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